mini|Gustav Klimt,Foto: Anton Josef Trčka, 1914 mini|Gustav Klimt im blauen Malerkittel von Egon Schiele, 1913 Gustav Klimt (* 14. Juli 1862 in Baumgarten, heute Wien, 14. Bezirk; † 6. Februar 1918 in Wien, 9. Bezirk) war ein bedeutender österreichischer Maler, bekanntester Vertreter des Wiener Jugendstils und Gründungspräsident der Wiener Secession.
Leben mini|hochkant|Das Theater von Taormina (Deckenbild im Wiener Burgtheater, 1886–1888) mini|hochkant|Fischblut (1898)
Gustav Klimt war Sohn des aus Böhmen stammenden Goldgraveurs Ernst Klimt d. Ä. (* 9. Februar 1834 in Prag;Trauungsbuch Wien-14., Baumgarten, tom. II, fol. 25 (Faksimile), abgerufen am 1. Jänner 2025 † 13. Juli 1892 in Wien) und dessen Ehefrau Anna Rosalia (geborene Finster; * 27. Jänner 1836 in Margareten; † 6. Februar 1915).Taufbuch Wien-14., Baumgarten, tom. III, fol. 113 (Faksimile), abgerufen am 1. Jänner 2025 Die Eltern hatten am 17. Juli 1860 in Baumgarten geheiratet. Sie hatten sieben Kinder: Klara (1860–1937), Gustav (1862–1918), Ernst (1864–1892), Hermine (1865–1938), Georg (1867–1931), Anna (1869–1874) und Johanna (1873–1950). Ernst Klimt d. J. und Georg Klimt wurden ebenfalls Künstler.
Geboren wurde Gustav Klimt als ältester Sohn im damaligen Wiener Vorort Baumgarten Nr. 4 (heute 14. Bezirk, Linzer Straße 247; das Geburtshaus wurde 1966 abgerissen). Zunächst sollte Klimt den Beruf des Vaters erlernen. Er erhielt jedoch ein Stipendium, sodass er 1876–1883 an der Wiener Kunstgewerbeschule des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie bei Ferdinand Laufberger, Victor Berger, Ludwig Minnigerode, Karl Hrachowina und Michael Rieser ein Studium aufnehmen konnte. Dabei wohnte er (mit Unterbrechungen) bei seinen Eltern, 7., Burggasse 47, und war im Adressbuch von Lehmann noch 1894 dort eingetragen.
In den 1880er Jahren bildete er zusammen mit seinem Bruder Ernst (Eintragung bei Lehmann: Gebrüder Klimt) und Franz Matsch eine als Künstler-Compagnie geführte Ateliergemeinschaft. Sie scheint bei Lehmann (s. o.) erstmals 1888 an der Adresse 6., Sandwirtgasse 8, auf und wird dort bis 1890 genannt; 1888 war der jüngste der drei, Georg, volljährig geworden. 1888/1889 unternahm Klimt Reisen nach Krakau, Triest, Venedig und München. Von 1891 an scheint als Atelieradresse der Compagnie 8., Josefstädter Straße 21, auf. Man arbeitete im Gartenpavillon des Hauses gegenüber dem Theater in der Josefstadt.
Die Compagnie gestaltete unter anderem Vorhang- und Deckengemälde für die Theater in Reichenberg, Karlsbad und 1885 in Fiume. 1885 schuf sie die Deckengemälde in der Wiener Hermesvilla, in der Zeit von 1886 bis 1888 die Deckenfresken in den beiden Stiegenhäusern des Neubaus des Burgtheaters und 1891/1892 die Zwickel- und Interkolumnienbilder im Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums Wien sowie die Wandgemälde des Schlosses Peleș in Rumänien. Während Matsch nach seiner Eheschließung 1895 in Döbling, dem 19. Bezirk, wohnte und arbeitete, war Klimt nach Lehmann noch 1910 an der Josefstädter Straße tätig.
Gustav Klimt wurde 1891 Mitglied der Genossenschaft bildender Künstler Wiens (Künstlerhaus). 1892 starb im Juli sein Vater, im Dezember sein jüngerer Bruder Ernst. Am 24. Mai 1897 trat er aus dem Künstlerhaus aus und gehörte zu den Gründern der Wiener Secession, deren erster Präsident er von 1897 bis 1899 war. Für das von Josef Olbrich 1897/1898 errichtete Secessionsgebäude entwarf er die Metalltüren. 1898 veranstaltete die Secession ihre erste Ausstellung. Für die Secessions-Zeitschrift Ver Sacrum („Der heilige Frühling“) lieferte Klimt während der Jahre 1898 bis 1903 zahlreiche Bildvorlagen und Illustrationen.
Gustav Klimt erhielt 1894 vom k.k. Unterrichtsministerium den Auftrag, gemeinsam mit Franz Matsch die Decke im Gebäude der neu errichteten Universität mit Gemälden auszugestalten. Vorgesehen war das Thema Der Sieg des Lichtes über die Finsternis. In den ihnen aufgetragenen Bildern sollten die einzelnen Fakultäten präsentiert werden. Die sogenannten Fakultätsbilder bezogen sich auf die Disziplinen der Medizin, Philosophie, Theologie und der Jurisprudenz. Da Klimt aber mit seinen Entwürfen die rationalen Wissenschaften und ihr nützliches Wirken nicht so darstellte, wie es den konservativen Erwartungen entsprach, lehnten 87 Fakultätsmitglieder seine Vorschläge ab. Auch die staatstreue Presse übte heftige Kritik. Da er aber auch, trotz Überarbeitungen, nicht bereit war, die optimistische Rolle der Wissenschaften zu feiern, kam es zum Bruch zwischen den beiden Künstlern.Gottfried Fliedl: Gustav Klimt 1862–1918. Benedikt Taschen Verlag, Köln 1994, S. 77 ff. Nach dem Wiener Skandal um das erste Bild, Philosophie, das bei der Pariser Weltausstellung mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde, war Klimt bei Medizin (1901) und Jurisprudenz malerisch noch weniger kompromissbereit als zuvor. Matschs Gemälde Theologie wurde hingegen akzeptiert und befindet sich bis heute in der Universität Wien. Karl Kraus, der Klimts Stil offenbar nicht schätzte, verteidigte in seiner Zeitschrift Die FackelNr. 41, Mitte Mai 1900, S. 18 f. die Ablehnung des Philosophie-Gemäldes durch die Professoren und kolportierte die abschätzige Bemerkung, „dass die Pariser der importierten Kunst den Spottnamen goût juif (dt. ‚jüdischer Geschmack‘) verliehen“ hätten. Klimt trat vom Auftrag des Ministeriums 1905 zurück und retournierte mit Hilfe privater Gönner das erhaltene Honorar. Koloman Moser und die Familie Lederer kauften die Entwürfe zurück. Alle drei Bilder wurden im Zweiten Weltkrieg ausgelagert. Sie verbrannten 1945 im Schloss Immendorf in Niederösterreich. 2021 wurden diese Bilder mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in einem Projekt anhand der vorhandenen Schwarz-Weiß-Bilder in Farbe rekonstruiert.
mini|hochkant|Beethovenfries: Die feindlichen Gewalten (1902) 1902 schuf Klimt aus Anlass der 14. Secessions-Ausstellung für den linken Seitensaal des Wiener Secessionsgebäudes (mit der Beethovenstatue Klingers) den Beethovenfries. Die Auseinandersetzungen, die darüber in der Presse geführt wurden, dokumentierte Hermann Bahr, Freund und Verfechter Klimts, im Buch Gegen Klimt. Es erschien Ende 1902 und gab Zeitungsausschnitte zu Klimts Werk wieder. 1903 zeigte die Secession 80 Werke Klimts. 1905 trat Klimt mit einer Gruppe von Künstlern, unter anderen Carl Moll, aus der Secession aus, weil ihm einige Malerkollegen einen zu „naturalistischen“ Stil verfolgten, unter anderem Josef Engelhart. Klimts Bilder wurden aus dem Secessionsgebäude entfernt. Noch im selben Jahr wurde Klimt Mitglied im Deutschen Künstlerbund.
Mit Josef Hoffmann und Koloman Moser, den Gründern der Wiener Werkstätte, verband Klimt eine enge Freundschaft. 1904 wurde Hoffmann mit dem Entwurf eines Stadtpalais für den belgischen Großindustriellen Adolphe Stoclet in Brüssel betraut; das Gebäude ist als Palais Stoclet in die Kunstgeschichte eingegangen. Gustav Klimt wurde von Fritz Wärndorfer, Wiener Werkstätte, mit dem Entwurf für den Fries (sog. Stoclet-Fries) für den Speisesaal des Palais beauftragt. Diese Arbeit begann er 1905 mit der Anfertigung von Werkzeichnungen (heutiger Aufbewahrungsort: Museum für angewandte Kunst, Wien), änderte aber die Entwürfe 1908 wieder. Die Montage der von der Mosaikwerkstatt Leopold Forstner ausgeführten Einlegearbeit fand 1911 in Anwesenheit Klimts in Brüssel statt. In Wien hatte Klimt die öffentliche Präsentation verboten, das Werk seiner Freundin Berta Zuckerkandl aber gezeigt.Tobias G. Natter: Biografie. In: Tobias G. Natter, Gerbert Frodl (Hrsg.): Klimt und die Frauen. DuMont, Köln 2000, ISBN 3-7701-5370-7, S. 253.
1905 stellte Klimt in der 2. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes im neueröffneten Ausstellungshaus der Berliner Secession am Kurfürstendamm fünfzehn Werke aus und erhielt den Villa-Romana-Preis. 1906 reiste er nach Belgien und England und wurde zum Ehrenmitglied der Königlich-Bayerischen Akademie der Bildenden Künste in München ernannt. 1908 reiste er nach Florenz.
mini|hochkant|Danaë (1907–1908) 1907–1908 entstand Klimts berühmtestes Gemälde, Der Kuss. Das Bild wurde in der Kunstschau Wien 1908 gezeigt und vom k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht sofort angekauft. Die Kunstschau wurde von der aus der Secession ausgetretenen Künstlergruppe um Klimt und von Josef Hoffmann in einem temporären Ausstellungsgebäude veranstaltet, das Hoffmann auf dem Grundstück des später gebauten Wiener Konzerthauses errichtete.
1909 reiste Klimt nach Paris, Madrid und Toledo, 1914 erneut nach Brüssel. 1912 wurde er Präsident des Bundes Österreichischer Künstler.
Ausstellungen im Ausland zeugen von Klimts Bedeutung im damaligen Kunstbetrieb. Er stellte 1908 in Prag und Dresden aus, 1909 in München, 1910 an der IX. Biennale in Venedig, wo seine Werke begeistert aufgenommen wurden. 1911 stellte Klimt in Rom aus, wobei er aus diesem Anlass sowohl nach Rom als auch nach Florenz reiste, 1912 wieder in Dresden, 1913 in Budapest, München und Mannheim. 1914 reiste er mit dem „Bund Österreichischer Künstler“ erneut nach Rom und war 1916 mit Egon Schiele und Oskar Kokoschka in der Ausstellung des Bundes in Berlin zu sehen.
mini|hochkant|Schloss Kammer am Attersee (1908–1909) mini|Friederike Maria Beer-Monti und Gustav Klimt im Sommer 1916 in Weißenbach am Attersee Von 1900 bis 1916 war Gustav Klimt vorwiegend am Attersee in Oberösterreich auf Sommerfrische, vor allem zu Besuch in der Villa des Hoftischlermeisters Friedrich Paulick. Dort entstand der größte Teil seiner Landschaftsgemälde. In Unterach am Attersee erinnert daran ein Klimt-Denkmal am Seeufer. Nach dem Atelier in der Josefstädter Straße nützte er ab 1911/1912 ein damals ebenerdiges Gebäude (Wien 13., Feldmühlgasse 11; bei Lehmann mit Hausnummer 9 verzeichnet) im Wiener Vorort Unter-St.-Veit, das heute als Klimt-Villa bezeichnet wird, als Arbeitsort. Als sein Wohnsitz wurde, nachdem er im Verzeichnis Lehmanns 1911 überhaupt nicht aufgeschienen war, für die Ausgaben 1912 bis 1915 die neue Atelieradresse erfasst, von der Ausgabe 1916 an Wien 7., Westbahnstraße 36, die Wohnung, aus der seine Mutter Anna, Graveur-Witwe, Anfang 1915 „herausgestorben“ war.
Der Künstler pflegte enge Beziehungen zu einigen seiner Auftraggeber. Diese stammten vornehmlich aus dem assimilierten jüdischen Wiener Großbürgertum. Intime Beziehungen pflegte er insbesondere zu seinen Modellen aus großbürgerlichen Kreisen. Er galt als für seine Zeit progressiv, weil er in der Sexualität den Frauen eine aktive Rolle zugestand.Tim Ackermann: Schönheit und Abgrund. In: Weltkunst. Sonderveröffentlichung des ZEIT Weltkunst Verlags, Herbst 2017, S. 6.
Klimt war nie verheiratet, hatte aber zu mehreren Frauen intime Beziehungen und zeugte sieben Kinder (siehe Abschnitt Klimts Nachkommen). Wie weit die Beziehungen mit den von ihm porträtierten Frauen seiner Auftraggeber gingen, etwa mit Serena Lederer, der Gattin August Lederers, oder mit Adele Bloch-Bauer, der Gattin des Zuckerindustriellen Ferdinand Bloch-Bauer, liegt im Dunkeln. Enge, aber nicht notwendigerweise sexuelle Beziehungen bestanden auch zu Alma Mahler-Werfel. Emilie Flöge, für deren Modesalon Klimt Entwürfe zu Reformkleidern anfertigte, wird als seine Lebensgefährtin bezeichnet.
mini|hochkant|Dame mit Fächer (1917/18) 1917 lehnte das k.k. Unterrichtsministerium es zum vierten Mal ab, Klimt zum Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien zu ernennen (der erste Vorschlag dazu wurde 1891 gemacht). Darauf ernannte ihn die Akademie am 26. Oktober 1917 zu ihrem Ehrenmitglied.
Tod mini|Klimts Grab auf dem Friedhof Hietzing ()