Die Deutsche Soziale Union (Kurzbezeichnung: DSU) ist eine rechtskonservative Kleinpartei in Deutschland. In der Wendezeit 1989/1990 war sie als Teil des Wahlbündnisses Allianz für Deutschland an der letzten DDR-Regierung beteiligt. Nach 1990 erzielte die Partei bei überregionalen Wahlen nur noch Ergebnisse unter 1 %. Gegenwärtig ist sie nur noch kommunalpolitisch aktiv, vor allem im sächsischen Vogtlandkreis. Der langjährige Bundesvorsitzende Roberto Rink trat dort 2022 mit Unterstützung der AfD als Landratskandidat an und erhielt im zweiten Wahlgang 26 % der Stimmen.
Inhaltliches Profil In ihrem 2006 beschlossenen aktuellen Programm bezeichnet sich die Partei als „nationale, konservative und soziale Kraft“ (PDF; 49 kB). und ihre Grundprinzipien als „bürgernah, wertkonservativ, christlich-abendländisch, freiheitlich, wertorientiert und patriotisch“.
Darin bekennt sich die DSU nach eigenen Angaben zur Achtung und dem Schutz der Würde eines jeden Menschen, der Gleichberechtigung von Mann und Frau und fordert ein grundsätzliches Verbot des Schwangerschaftsabbruchs.
Die Partei strebt ein weitgehendes Maß an individueller Freiheit an, fordert deshalb Entbürokratisierung und generell „weniger Staat, mehr Freiheit“. Zugleich beklagt sie einen vermeintlichen Kriminalitätsanstieg insbesondere durch „ausländische Banden“ und fordert härtere Strafen für Drogendelikte, auch für Suchtkranke: „Die Rauschgiftsüchtigen sind aber nicht nur deren Opfer, sondern zum Teil auch durch eigene Schuld in Abhängigkeit geraten. Wegen der Beschaffungskriminalität sind sie eine Gefahr für die Bevölkerung“. Das Selbstverantwortungs- und Subsidiaritätsprinzip in der Gesellschaft soll gestärkt, „Leistungswillen und Initiative“ anerkannt und gefördert werden. Nach Überzeugung der DSU sichert das Eigentum „den Freiheitsraum des einzelnen für eine individuelle und eigenverantwortliche Lebensgestaltung.“ Die DSU plädiert für ein weitreichendes Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit. Der Datenschutz müsse jedoch zurückstehen, wenn es der Aufklärung oder auch „vorbeugenden Bekämpfung“ von Straftaten diene.
Die Partei fordert eine Wiedergutmachung des in der DDR begangenen Unrechts und wendet sich gegen mangelnde „antikommunistische Standfestigkeit“, dabei befürwortet sie nach eigenen Angaben das Prinzip der wehrhaften Demokratie.
Die Partei spricht sich in ihrem Parteiprogramm gegen eine „ungeregelte Zuwanderung“ nach Deutschland aus und lehnt ein allgemeines Wahlrecht für Ausländer ab, das ihrer Meinung nach nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei.
Außenpolitisch bekennt sich die DSU zur transatlantischen Partnerschaft Deutschlands und der Mitgliedschaft des Landes in der NATO. Sie spricht sich für eine weltweite atomare Abrüstung und die ausschließliche Verwendung der Bundeswehr für die Verteidigung aus. Sie tritt für die Wehrpflicht ein, betont aber auch die Achtung der Verweigerung derselben, wofür ein Ersatzdienst zu leisten sein soll. Pressemitteilung des Bundesvorstandes der Deutschen Sozialen Union auf dsu-deutschland.de. Die Partei bekennt sich gemäß ihrer Grundsätze zum „Aufbau eines friedlichen, wirtschaftlich starken und stabilen Europa“, steht jedoch dem aktuellen Zustand der Europäischen Union, die sie als ‚sogenannte „EU“‘ bezeichnet, skeptisch gegenüber. Sie strebt ein „Europa der Vaterländer“ als Bündnis souveräner Nationalstaaten an, des Weiteren wird aber eine weitere Verlagerung von Kompetenzen an supranationale Institutionen abgelehnt und die Rückkehr zu nationalen Währungen statt des Euro gefordert.
Struktur Bundesvorsitzende Seit ihrer Gründung standen der Bundespartei insgesamt fünf Parteichefs vor. Allerdings sind alle ehemaligen Vorsitzenden nach ihrer Amtszeit aus der Partei ausgetreten. Ebeling, Nowack und Walther wechselten zur CDU, während Keller heute parteilos ist.
NameBeginn der AmtszeitEnde der Amtszeit rand|100px|Hans-Wilhelm EbelingHans-Wilhelm Ebeling20. JanuarPeter Förster, Günter Roski: DDR zwischen Wende und Wahl. 1. Auflage. LinksDruck Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-86153-011-2, S. 191, Online = /18. Februar 1990Michael Richter: Die friedliche Revolution: Aufbruch zur Demokratie in Sachsen 1989–1990, Band 2. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, 2010, ISBN 978-3-525-36914-2, S. 1235, Online = Mai 1990Joachim Hubertus Nowack (geschäftsführender Vorsitzender)Mai 199030. Juni 1990Diestel – nicht mehr DSU, aber bald CDU? In: Neue Zeit, 2. Juli 1990, S. 2.rand|100px|Hansjoachim WaltherHansjoachim Walther30. Juni 1990Juni 1991Reinhard KellerJuni 1991April 1993Roberto Rink1993amtierend
Bundesvorstand Vorsitzender Roberto Rink Stellvertretende Vorsitzende Gert Zetzsche (1. Stellvertreter), Joachim Fischer (2. Stellvertreter) Schatzmeister Ursula Eisert Stellvertretender Schatzmeister Claudia Roßmann-Kansorra Bundesschriftführer Joachim Nothdurft Stellvertretender Bundesschriftführer Claudia Hennebach Beisitzer Peter Berauer, Matthias Brecht, Roland Diesener, Ulrich Gruschwitz, Karl-Heinz Gundlach, Holger Schuhmann
Landesverbände Landesverbände der DSU bestanden 2011 in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Baden-Württemberg,dsu-deutschland.de: sowie ehemals in Mecklenburg-Vorpommern, in West-Berlin und Ost-Berlin, deren erste Vorsitzende 1990 Wolrad Rothlender, Karl-Heinz Drogula bzw. Stefan Sabottka waren.https://taz.de/Die-rechten-Fransen-auskaemmen/!1754151/.https://www.ddr89.de/dsu/DSU5.html. 1993 kamen die kurzlebigen Landesverbände für Bayern und Niedersachsen hinzu, deren Vorsitzende Peter Recknagel bzw. der Bundeswehr-General Reinhard Uhle-Wettler waren.https://www.apabiz.de/archiv/material/Profile/DSU-2.htm. Für das Jahr 2018 weist der Rechenschaftsbericht der Partei neben dem Bundesvorstand einen Landesvorstand lediglich für das Bundesland Sachsen aus.https://www.bundeswahlleiterin.de/dam/jcr/0a903290-d6f9-427a-87a9-c0d201b68823/dsu.pdf. Vorsitzender 2010 in Baden-Württemberg etablierten Landesverbandes war der zeitweilige stellvertretende Bundesvorsitzende Alexander Schonath. Der sächsische Landesverband ist mit aktuell noch etwa 60 Mitgliedern der mitgliederstärkste. Landesvorsitzender in Sachsen ist Joachim Fischer.
Mitgliederentwicklung Zur Mitgliederzahl ist festzustellen, dass die Partei bereits kurz nach ihrer Gründungsphase unter anhaltendem Mitgliederschwund zu leiden hatte. Zu Beginn des Jahres 1990 werden nach einem rasanten Mitgliederwachstum etwas mehr als 50.000 Mitglieder gezählt,https://taz.de/Die-DSU-hat-den-Anschluss-schon-vollzogen/!1779514/.https://www.spiegel.de/politik/prima-gespann-a-dbe45ad1-0002-0001-0000-000013507493. jedoch wurden schon im Dezember desselben Jahres nur noch knapp 10.000 Mitglieder genannt,https://ddr89.de/chronik/1290/131290.html. für das Jahr 1991 8000https://taz.de/Die-DSU-hat-ihr-Kapital-verspielt/!1729556/. und für das Jahr 1997 noch 6000 Mitglieder.https://www.spiegel.de/politik/gewisse-empfaenglichkeit-a-b65ae3d5-0002-0001-0000-000007809893. Die für 2007 belegte Mitgliederzahl lag bei etwa 1000.https://taz.de/Sammelbecken-fuer-heimatlose-Konservative/!322752/. Der sächsische Landesverband war 2014 mit rund 100 Mitgliedern der stärkste von damals noch vier existierenden Landesverbänden der DSU.bpb.de.
Landesverband Vorsitzender Gründungsdatum Mitgliederzahl Ergebnis der letzten Wahl des LandesparlamentsWahlergebnisse bei www.wahlrecht.de.ÜBERSICHT DER WAHLEN SEIT 1946 auf wahl.tagesschau.de. (Alte Versionen: ). Ergebnis der Bundestagswahl 2017 Ergebnis der Europawahl 201425px|Baden-Württemberg Baden-Württemberg Alexander Schonath 2010 keine Angabe(Stand: 2014) n. a. n. a. n. a.25px|Sachsen Sachsen Joachim Fischer 1990 110 (Stand 2014) n. D. (2019) n. E. (Rink)Bundestagswahlergebnisse 2017, Vogtlandkreis. n. a.25px|Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt N. N. 1990 keine Angabe n. a. (2016) n. a. n. a.25px|Thüringen Thüringen Karl-Heinz Gundlach 1990 keine Angabe n. a. (2014) n. a. n. a. Legende n. a. – nicht angetreten n. D. – nur mit Direktkandidaten angetreten n. E. – nur mit Einzelbewerbern angetreten
Der Jugendverband der DSU war in den 1990er Jahren die Junge Soziale Union, deren organisatorischen Schwerpunkt der Freistaat Sachsen bildete.
Geschichte Wahlergebnisse der DSU Wahl % Volkskammerwahl 1990 6,3 %Amtliches Endergebnis der Wahlen zur 10. Volkskammer am 18. März 1990. Bundestagswahl 1990 0,2 % Sachsen 1990 3,6 %Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen. Sachsen-Anhalt 1990 1,7 %Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Thüringen 1990 3,3 %Ergebnisse der Landtagswahlen in Thüringen. Mecklenburg-Vorpommern 1990 0,8 %Ergebnisse der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 1990. Brandenburg 1990 1,0 %Ergebnisse der Landtagswahl in Brandenburg 1990 (PDF; 14 kB). Berlin 1990 0,2 % Sachsen 1994 0,6 % Sachsen-Anhalt 1994 0,2 % Thüringen 1994 0,2 % Brandenburg 1994 0,2 % Europawahl 1994 0,2 % Sachsen 1999 0,4 % Thüringen 1999 0,2 %Thüringer Landesamt für Statistik: Landtagswahl 1999 in Thüringen – endgültiges Ergebnis Sachsen 2004 0,5 % Sachsen-Anhalt 2006 0,3 % Ergebnis des Bündnisses der DSU mit Offensive D Sachsen 2009 0,2 % (PDF; 37 kB) Sachsen 2014 0,2 %
Gründung und Wendezeit in der DDR Die Partei wurde in der DDR am 20. Januar 1990 in Leipzig im Gasthaus Goldene Krone gegründet. Zu den Gründungsgruppierungen zählten zwölf christliche, liberale und bürgerlich-konservative Oppositionsgruppen.Volkmar Weiss: Die Rolle der Deutschen Sozialen Union (DSU) Bei der Einigung Deutschlands. Diese waren die CSPD (Christlich-soziale Partei Deutschlands), der der erste DSU-Vorsitzende Hans-Wilhelm Ebeling angehörte, die Forumpartei, die Fortschrittliche Volkspartei, Teile der Verbände der sächsisch/thüringischen CSU/DSU, die Freie Demokratische Union (FDU) aus den nördlichen Bezirken, die Sozialbürgerliche Union, die Deutsche Freiheitsunion, die Vereinigte Union Sachsen, die CDSU, die Deutsche Friedensunion, die Thüringische Friedensunion und die Thüringische Forumspartei. Mit der Namenswahl DSU zeigte man bereits die gewünschte politische Nähe zur bayerischen CSU an, wurde dadurch aber auch auf diskrete Distanz zu dieser gehalten.Michael Richter: Die friedliche Revolution – Aufbruch zur Demokratie in Sachsen 1989/90. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010, S. 1235 (eingeschränkte Vorschau)
Als 1989/90 die Vereinigung beider deutscher Staaten in absehbare Nähe rückte, sah sich die CSU durch die Vergrößerung des Wahlgebiets mit einem drohenden Bedeutungsverlust auf Bundesebene konfrontiert. Um diesem entgegenzuwirken, sah man sich in der CSU vor die Wahl gestellt: Einerseits die Möglichkeit einer Ausdehnung der CSU selbst auf die DDR, andererseits die Schaffung einer konservativen Schwesterpartei, rechts von der weiter links stehenden OST-CDU. Die erstere von beiden war eine Idee, die bereits Franz Josef Strauß für die alte Bundesrepublik unter dem Schlagwort der vierten Partei außerhalb Bayerns propagierte. Für die Erweiterung der CSU auf das Gebiet der DDR sprachen sich unter anderem die CSU-Politiker Peter Gauweiler und Edmund Stoiber aus, während sich Theo Waigel hingegen für eine neu zu schaffende Schwesterpartei einsetzte. Sein Hauptargument war der drohende Verlust des Markenkerns der CSU, der Identifizierung der Partei mit dem Freistaat Bayern („Bayern ist CSU und CSU ist Bayern“).https://www.csu-geschichte.de/themen/detail/das-experiment-dsu
Ein prominenter Berater der DSU war der ZDF-Fernsehmoderator und Journalist Gerhard Löwenthal. Dieser verfasste große Teile der Programmatik für den anstehenden Wahlkampf zum ersten gesamtdeutschen Bundestag. Darüber hinaus beriet er den DSU-Vorstand bei den Vertragsverhandlungen mit der CDU im Vorfeld der Begründung der später siegreichen Allianz für Deutschland. Auch er wollte eine konservative Regionalpartei nach dem Bilde der CSU aufbauen.
mini|Kundgebung der Allianz für Deutschland