mini|Helena zwischen Menelaos und Aphrodite, Detail einer attischen rotfigurigen Vase, ca. 450–440 v. Chr.

Helena, latinisiert aus altgriechisch ,Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. München/Wien 1965. ist eine Figur der griechischen Mythologie. Ihre Entführung durch den trojanischen Prinzen Paris löste den Trojanischen Krieg aus.

Abstammung mini|links|hochkant|Apulisch-rotfigurige Pelike mit der Geburt der Helena aus einem Ei. Links Helenas Mutter Leda, rechts ein Hirte mit einem Stab, oben Eros mit einem Kranz; dem Maler von Athen 1680 zugeschrieben, Antikensammlung Kiel. Helena galt in der griechischen Mythologie als die aus einem Ei geborene Tochter des Zeus und der Leda. Leda wurde von Zeus in Gestalt eines Schwanes verführt,Euripides, Helena 18–19; Hyginus, Fabulae 77. wodurch sie die Mutter der Helena und der Dioskuren Kastor und Polydeukes (römisch: Pollux) wurde. Klytaimnestra galt als die Tochter der Leda und des Tyndareos; sie war eine Halbschwester der Helena.

Anderen antiken Quellen zufolge wurden Helena und die Dioskuren aus einem oder zwei Eiern geboren oder Leda pflegte das Ei der NemesisPausanias 1,33,7; Bibliotheke des Apollodor 3,10,7. und des Zeus, aus dem Helena entstand, die Leda wie ihr eigenes Kind aufzog. Pausanias berichtet von der Geburt der Dioskuren auf der Insel Pephnos (westliche Mani). Auch soll (laut Pausanias) der spartanische Dichter Alkman darüber geschrieben haben.Pausanias, Beschreibung Griechenlands 3,26,2 (englische Übersetzung). Der Dichter Lykophron verwendet in Bezug auf Helena das Adjektiv „“, also „die auf Pephnos Geborene“.Lykophron, Alexandra 87. Siehe die Erläuterungen bei Simon Hornblower: Lykophron, Alexandra. Greek Text, Translation, Commentary, and Introduction. Oxford University Press, Oxford 2015, S. 142 (Digitalisat).

Mythos mini|Fresko aus dem Haus des Menander in Pompeji mit einer Darstellung aus dem Trojanischen Krieg: Bei der Einnahme Trojas durch die Griechen erobert Menelaos seine Frau Helena zurück (Szene links), während die trojanische Königstochter Kassandra bei einer Athena-Statue, dem Palladion, Zuflucht vor den Nachstellungen Aias’ des Lokrers sucht (Szene rechts) Helena galt als die schönste Frau ihrer Zeit, weshalb viele Männer versuchten, sie unter ihren Besitz zu bringen. Sie wurde als Jugendliche von Theseus und Peirithoos nach Aphidnai in Attika entführtHyginus, Fabulae 79; Plutarch, Theseus 31. und von den Dioskuren, ihren Brüdern, befreit.

Als sie verheiratet werden sollte, warben viele Griechenfürsten um sie.Hyginus, Fabulae 81. Ihr irdischer Vater Tyndareos befürchtete bei Bevorzugung eines Freiers die Feindschaft aller Abgewiesenen und ließ daher, einem Rat des Odysseus folgend, alle Bewerber um Helena schwören, dass sie die Wahl anerkennen und gegen jedermann verteidigen würdenHyginus, Fabulae 77; Bibliotheke des Apollodor 3,10,9. – eine typische Rechtfertigungssage für das Bündnis fast aller Griechenkönige gegen Troja. Tyndareos wählte Menelaos für seine Tochter, den Prinzen von Mykene und damit späteren König von Sparta, dem sie ihre Tochter Hermione gebar.

Im Streit der drei Göttinnen Hera, Aphrodite und Athene um den Apfel der Eris (siehe Urteil des Paris) versprach Aphrodite dem Schiedsrichter, dem trojanischen Prinzen Paris, Helena, wodurch Aphrodite den Streit gewann. Als Paris viele Jahre später nach Sparta segelte, entführte er Helena, die unter Einfluss eines Liebeszaubers von Aphrodite stand.

Nach einer Version der Sage kam Helena nie in Troja an, sondern wurde nach Ägypten verschlagen – in Troja sei nach dem Willen der Götter nur ein Helena gleichendes Phantom angekommen. So etwa beschreibt es der Dichter Stesichoros. Laut HerodotHerodot, Historien 2,112–120. landete Paris mit Helena in Ägypten, wo Helena von König Proteus zurückgehalten wurde.

Der sogenannte Raub der Helena löste den Trojanischen Krieg der Griechen gegen Troja aus, als sich der in seiner Ehre getroffene Menelaos an alle abgewiesenen Freier um Hilfe wandte. Nun kam der Schwur, den die Bewerber geleistet hatten, zur Anwendung und die Griechen zogen vereint gegen Troja. Heerführer war Helenas Schwager Agamemnon. Hera und Athene, die beim Urteil des Paris leer ausgegangen waren, kämpften an der Seite der Griechen, Aphrodite unterstützte Troja.

Helena ist bei Homer als unglückliche Figur gezeichnet, die in Troja als Gefangene gehalten wird. Der Liebeszauber, mit dem Aphrodite sie belegt hatte, ist verflogen. Helena wird von Heimweh und schlechtem Gewissen geplagt. Ein Verhältnis der Zuneigung pflegt sie mit König Priamos, der die Gefangene respektvoll behandelt.

Im zehnten Kriegsjahr kommt es zu einem Zweikampf zwischen Paris und Menelaos, aus welchem der unterlegene Paris von Aphrodite gerettet wird. Als Aphrodite Helena daraufhin auffordert, das Bett mit Paris zu teilen, verweigert Helena dies und lehnt sich gegen die Göttin auf:

Grausame, warum strebst du, mich nochmals schlau zu verleiten

(...)

Setze zu jenem dich hin und verlaß der Unsterblichen Wandel,

Und nie kehre dein Fuß zu den seligen Höhn des Olympos:

Sondern teile des Sterblichen Weh und pfleg ihn mit Sorgfalt,

Bis er vielleicht zum Weibe dich aufnimmt oder zur Sklavin!

Dorthin geh ich dir nimmer, denn unanständig ja wär es,

Ihm sein Bett zu schmücken hinfort. Des würden mich alle

Troerinnen verschmähn; und Gram schon lastet das Herz mir!

Erst nach einer Drohung von Aphrodite geht Helena zu Paris, den sie mit den Worten schmäht, es wäre besser gewesen, Paris wäre von Menelaos getötet worden.

Nach dem Tod des Paris ehelichte sie noch dessen Bruder Deiphobos. Nach der Niederlage Trojas kam es zur Wiedervereinigung Menelaos’ und Helenas. Beide kehrten heil nach Sparta zurück, lebten und herrschten noch lange dort – anders als die meisten anderen Griechenfürsten, die fast alle nach dem Fall Trojas umkamen. In der Version, in der Helena nicht in Troja ankam, wurde sie nach dem Trojanischen Krieg von Menelaos in Ägypten gefunden und nach Sparta zurückgebracht. Diese Version der Sage wurde von Euripides in der Tragödie Helena dramatisch bearbeitet.

Kult mini|Helena und die Dioskuren, römisches Weihrelief, 30 × 27 cm Herodot beschreibt Helena als Schutzpatronin von Mädchen und Frauen.Anna R. Stelow: Menelaus in the Archaic Period. Oxford University Press, Oxford 2020, ISBN 978-0-19-968592-9, S. 261, DOI:10.1093/oso/9780199685929.003.0005. Isokrates dagegen schildert sie als unsterblich und mit Kräften wie für Götter üblich, nennt sie aber nicht explizit eine Göttin. Zudem könne sie anderen Göttlichkeit verleihen.

Zentrum der kultischen Verehrung Helenas war Sparta und seine Umgebung, insbesondere Therapne mit seinem Heiligtum des Menelaos. Daneben ist ihr Kult auf Rhodos, in Kenchreai und auf Chios bezeugt. Teilweise wird in den antiken Quellen eine Verbindung zu den Dioskuren und deren Rolle als Beschützer der Seefahrt erwähnt.

Rezeption mini|hochkant|Evelyn De Morgan: Helena von Troja (1898). Der Spiegel, die schnäbelnden Tauben und die Feste Troja kennzeichnen sie im Stil der Präraffaeliten als Femme fatale. Die Helenagestalt erscheint bereits im ältesten abendländischen (griechischen) Epos des Homer, der Ilias, später in den Heroides OvidsOvid, Heroides 16 und 17. und erfuhr ein langes literarisches Nachleben (zum Beispiel in Johann Wolfgang von Goethes Faust II, ebenso wie in der Historia von Johann Fausten und Jacques Offenbachs Operette Die schöne Helena und viele andere mehr).

Der Mount Helen in der Antarktis und die Pflanzen-Gattung Helenium sind nach ihr benannt.

Helena wurde in Filmen unter anderem von den folgenden Schauspielerinnen verkörpert: Edy Darclea in Helena. Stummfilm, Deutschland 1924, 219 Min., Regie: Manfred Noa Rossana Podestà in Die schöne Helena. Spielfilm, USA/Italien 1956, 116 Min., Regie: Robert Wise Irene Papas in Die Troerinnen. Spielfilm, Großbritannien/USA/Griechenland 1971, 105 Min., Regie: Michael Cacoyannis Diane Kruger in Troja. Spielfilm, USA/Malta/Großbritannien 2004, 156 Min., Regie: Wolfgang Petersen Bella Dayne in Troja – Untergang einer Stadt. Serie, Großbritannien/USA, 2018 Lupita Nyong’o in Die Odyssee. Spielfilm, USA 2026, 172 Min., Regie: Christopher Nolan

Literatur

Lowell Edmunds: Stealing Helen: The Myth of the Abducted Wife in Comparative Perspective. Princeton University Press, Princeton 2015, ISBN 978-0-691-16512-7. Helene Homeyer: Die spartanische Helena und der Trojanische Krieg. Wandlungen und Wanderungen eines Sagenkreises vom Altertum bis zur Gegenwart (= Palingenesia. Band 12). Franz Steiner, Wiesbaden 1977, ISBN 3-515-02534-0.

Ludger Scherer, Burkhard Scherer: Mythos Helena. Texte von Homer bis Luciano de Crescenzo. Reclam, Ditzingen 2008, ISBN 978-3-15-020163-3.

Anne R. Stelow: Menelaus in the Archaic Period. Not Quite the Best of the Achaeans. Oxford University Press, Oxford 2020, ISBN 978-0-19-968592-9.

Weblinks

Anmerkungen

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