Ismaning ist eine Gemeinde im Norden des Landkreises München im Regierungsbezirk Oberbayern.
Der Ort liegt etwa sieben Kilometer nordöstlich von München auf dem rechten Hochufer der Isar. Die ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Gemeinde ist seit Mitte der 1990er Jahre als bedeutender Medienstandort bekannt. Nordöstlich des Ortes befindet sich seit 1932 der Sender Ismaning des Bayerischen Rundfunks. Im Süden befindet sich der Medienpark mit der Sport1 Medien AG (Sport1), dem Gong-Verlag, der Mainstream Media AG (Heimatkanal) und dem privaten Radiosender Antenne Bayern.
Geographie Gemeindegliederung Die Siedlungsfläche konzentriert sich weitgehend auf den Hauptort Ismaning, der selbst nicht weiter untergliedert ist. Einziger weiterer Wohnplatz der Gemeinde ist die Siedlung Fischerhäuser, die rund fünf Kilometer nördlich des Hauptorts liegt.
Nachbargemeinden Das Gemeindegebiet grenzt im Norden an die Gemeinden Eching, Hallbergmoos und an den Hallbergmooser Gemeindeteil Erching (alle drei Landkreis Freising), im Osten an die Gemeinden Moosinning und Finsing (beide Landkreis Erding), im Süden an die Gemeinden Aschheim und Unterföhring (beide Landkreis München) und im Westen an die Stadt Garching bei München (ebenfalls Landkreis München) sowie an die Stadt München.
Ismaning ist Mitglied der „Nordallianz“, eines informellen Zusammenschlusses von acht Kommunen im Norden Münchens.
Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Gemeindegebiet: Landschaftsschutzgebiet Verordnung des Bezirks Oberbayern über den Schutz von Landschaftsteilen entlang der Isar in den Landkreisen Bad-Tölz-Wolfratshausen, München, Freising und Erding als LSG (LSG-00384.01) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Gräben und Niedermoorreste im Erdinger Moos (7736-371) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Isarauen von Unterföhring bis Landshut (7537-301) Vogelschutzgebiet (Vogelschutzrichtlinie der EU) Ismaninger Speichersee und Fischteiche (7736-471) Darüber hinaus befinden sich auch Teile des Naturwaldes Auwälder an der mittleren Isar innerhalb oder in der Nähe der Stadt.
Geschichte mini|hochkant=2|Ismaning 1699 auf einem Gemälde im Fürstengang Freising Chronik 6./7. Jahrhundert: erste bajuwarische Besiedelung 809: erste urkundliche Erwähnung bezüglich einer Rechtsstreitschlichtung durch Bischof Atto 1319: Verkauf der Ortschaften Ismaning, Unterföhring, Oberföhring, Englschalking und Daglfing an das Hochstift Freising durch den Herzog von Bayern und späteren deutschen Kaiser Ludwig dem Bayern gegen „hundert March lotrings silber“. Damit entstand die Grafschaft auf dem Yserrain als geschlossenes Herrschaftsgebiet der Freisinger Bischöfe. 1530 übernahm Bischof Philipp von Freising von den Haushaimern, einem Freisinger Domherrengeschlecht, deren Ismaninger Landsitz und erbaute ein Renaissanceschloss mit vier Türmen. Aus der Grafschaft Yserrain wurde die Reichsgrafschaft Ismaning. 1632 fielen im Dreißigjährigen Krieg schwedische Truppen plündernd und brandschatzend in Ismaning ein. Mehr als die Hälfte der Bewohner starb in der darauffolgenden Zeit an der Pest. 1678–1685: Bau der barocken Johanniskirche 1716–1724: Barocke Umgestaltung des Ismaninger Schlosses unter Fürstbischof Johann Franz Eckher mit entscheidender Mitwirkung von Johann Baptist Zimmermann mini|Kupferstich von Michael Wening in Topographia Bavariae um 1700 1802–1803 beendete die Säkularisation die fast 500-jährige Ära der Freisinger Fürstbischöfe; das Hochstift Freising wurde aufgelöst, Ismaning kam zum Kurfürstentum Bayern. Das Schloss und seine Einrichtung wurden teilweise zerstört. 1816 übernahmen der Stiefsohn Napoleons, Eugène de Beauharnais, und seine Gattin Auguste Amalie, Tochter des bayerischen Königs Maximilian I., das Ismaninger Schloss und ließen es durch Leo von Klenze klassizistisch umgestalten. 1851 starb Auguste Amalie. Das Schloss wechselte mehrmals die Besitzer. Johann Michael III. Ritter und Edler von Poschinger schenkte das Schloss sowie die Güter Zengermoos und Karlshof 1899 der Stadt München als Wohlfahrtsstiftung.Stadtarchiv München, Bestand Land- und Forstwirtschaftsamt, Signatur DE-1992-LFA-139: Bewirtschaftung der städtischen Güter Ismaning, Zengermoos und Karlshof, 1900–1949; enthält die Stiftungsurkunde von Michael und Heriberta Poschinger. 1899–1919 war das Ismaninger Schloss Eigentum der Stadt München. 1932: Inbetriebnahme des Senders Ismaning (Bayerischer Rundfunk). 26.–28. April 1945: Aufstand der Freiheitsaktion Bayern (FAB) 1983 wurde der schon längst außer Betrieb befindliche hölzerne Sendeturm in Ismaning, der letzte seiner Art in Deutschland, wegen Baufälligkeit abgerissen.
Einwohnerstatistik mini|Bevölkerungswachstum der Gemeinde Ismaning war bis in die 1970er Jahre die einwohnerstärkste Gemeinde im nördlichen Landkreis München, wurde dann aber wegen selbst gesetzter Wachstumszurückhaltung durch Unterschleißheim und Garching übertroffen. Dennoch steigt die Einwohnerzahl stetig.
Jahr Einwohner 2016 16.770 2017 ca. 17.200 2018 17.480 2019 17.591 2020 17.841 2021 17.947 2022 19.201 2023 18.518 Jahr Einwohner 2015 16.372 2014 16.068 2013 16.084 2012 15.771 2011 15.675 2010 15.389 2009 15.221 2008 15.181 2007 14.939 2006 14.858 2005 14.677 2004 14.887 2003 14.638 2002 14.533 2001 14.399 Jahr Einwohner 2000 14.270 1995 13.500 1990 13.527 1987 12.464 1980 12.511 1970 7.992 1961 5.960 1960 5.860 1950 4.795 1946 4.460 1939 3.419 1925 2.645 1919 2.402 1910 2.359 1900 1.951 Quelle: Statistik kommunal 2018 (PDF; 1,3 MB)Statistik kommunal 2018 & Gemeinde Ismaning
Die Siedlungsschwerpunkte lagen ab den 1930er Jahren westlich, ab den 1950er Jahren nördlich des Kerndorfs. Weil hier Siedlungsgrenzen erreicht wurden – im Westen durch das Landschaftsschutzgebiet Isarauen –, verlagerte sich die Ausweisung neuer Wohnflächen in jüngerer Zeit in das östliche Ortsgebiet zwischen Bahnlinie und der Bundesstraße 471.
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 49,6 % der Einwohner römisch-katholisch, 13,6 % evangelisch und 36,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Ismaning Religion, Zensus 2011 Zum 31. Dezember 2024 lebten in Ismaning 18.513 Menschen von denen 35,5 % (6.568) katholisch, 10,7 % (1.981) evangelisch und 53,8 % konfessionslos waren oder einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörten.Stadt Ismaning Bürgerversammlung 2025, abgerufen am 14. September 2025Stadt Ismaning Bürgerversammlung 2023, abgerufen am 2. Juli 2023
Politik mini|Schloss Ismaning, heute Rathaus Gemeinderat Der Gemeinderat umfasst 24 Mitglieder: Wahl SPDFreie WählerCSU Grüne FDP8. März 2026 6 Sitze 4 Sitze 8 Sitze 5 Sitze 1 Sitz15. März 2020 7 Sitze 6 Sitze 6 Sitze 4 Sitze 1 Sitz16. März 2014 8 Sitze 7 Sitze 7 Sitze 2 Sitze –2. März 2008 6 Sitze 11 Sitze 5 Sitze 2 Sitze –3. März 2002 6 Sitze 10 Sitze 7 Sitze 1 Sitz –
Bürgermeister In der Kommunalpolitik war Ismaning langjährig durch Bürgermeister Erich Zeitler (SPD) geprägt, der erstmals 1952 in das Amt gewählt wurde und 1990 als dienstältester Bürgermeister Bayerns nach 38 Dienstjahren in den Ruhestand trat. Nachfolger war Michael Sedlmair (Freie Wähler), der bei der Kommunalwahl 2014 nach vier Wahlperioden nicht erneut antrat. 2014 wurde Alexander Greulich (SPD) zum Ersten Bürgermeister von Ismaning gewählt, der sich in einer Stichwahl gegen Josef Zettl (CSU) durchsetzen konnte. Greulich wurde 2020 im 1. und 2026 im 2. Wahlgang im Amt bestätigt.
Für frühere Bürgermeister oder Gemeindevorsteher von Ismaning → Liste der Bürgermeister von Ismaning
Landtagswahlen Ismaning ist bei Landtagswahlen dem Stimmkreis München-Land-Nord (122) zugeordnet. Bei den Landtagswahlen in den Jahren 2003, 2008 und 2014 erhielt die CSU die meisten Gesamtstimmen in Ismaning, blieb aber im Stimmanteil deutlich hinter dem Durchschnitt im Stimmkreis München-Land Nord und dem Landesdurchschnitt zurück. Überdurchschnittlich schnitten die Freien Wähler ab, die von 1990 bis 2014 den Bürgermeister in Ismaning stellten.
Landtagswahl21. September 2003 Ismaning ggü.Stimmkreis ggü.BayernWahlbeteiligung 63,4 % +2,0 %P +6,3 %PCSU 48,7 % −6,2 %P −12,0 %PSPD 22,6 % −1,6 %P +3,0 %PFW 14,3 % +10,4 %P +10,3 %PGrüne 9,1 % −0,8 %P +1,4 %PFDP 2,5 % −1,2 %P −0,1 %P Landtagswahl28. September 2008 Ismaning ggü.Stimmkreis ggü.BayernWahlbeteiligung 63,6 % +1,2 %P +5,7 %PCSU 32,0 % −4,5 %P −11,4 %PSPD 19,0 % −4,6 %P +0,4 %PFW 23,5 % +14,7 %P +13,3 %PGrüne 10,6 % −0,4 %P +1,2 %PFDP 8,3 % −4,1 %P +0,3 %P Landtagswahl15. September 2013 Ismaning ggü.Stimmkreis ggü.BayernWahlbeteiligung 72,9 % +2,9 %P +9,6 %PCSU 38,3 % −6,2 %P −9,4 %PSPD 21,5 % −4,2 %P +0,9 %PFW 21,5 % +13,6 %P +12,5 %PGrüne 8,6 % −0,7 %P +0,0 %PFDP 3,4 % −0,9 %P +0,1 %P
Bundestagswahlen Ismaning ist bei Bundestagswahlen dem Wahlkreis München-Land zugeordnet (im Jahr 2005 Wahlkreisnummer 223, im Jahr 2009 gebietsidentisch Wahlkreisnummer 222). Bei den Bundestagswahlen 2005 und 2009 lag beim Anteil der Zweitstimmen in Ismaning die CSU leicht unter dem Landesdurchschnitt in Bayern, bei der Wahl 2013 auch die SPD. FDP und Grüne lagen bei allen Wahlen über diesem. Die Wahlbeteiligung liegt in Ismaning regelmäßig deutlich über dem Landesdurchschnitt. Bundestagswahl18. September 2005 Ismaning ggü.Wahlkreis ggü.BayernWahlbeteiligung 83,1 % −0,4 %P +5,2 %PCSU 45,6 % +0,2 %P −3,6 %PSPD 26,3 % +2,3 %P +0,8 %PFDP 11,9 % −2,7 %P +2,4 %PGrüne 10,2 % −0,5 %P +2,3 %PLinke 2,8 % +0,2 %P −0,6 %P Bundestagswahl27. September 2009 Ismaning ggü.Wahlkreis ggü.BayernWahlbeteiligung 79,7 % +0,6 %P +8,1 %PCSU 40,8 % +1,0 %P −1,7 %PSPD 16,9 % +0,2 %P +0,1 %PFDP 16,8 % −2,9 %P +2,1 %PGrüne 13,2 % +0,5 %P +2,4 %PLinke 4,8 % +0,3 %P −1,7 %P Bundestagswahl22. September 2013 Ismaning ggü.Wahlkreis ggü.BayernWahlbeteiligung 77,7 % +0,2 %P +7,7 %PCSU 46,9 % +0,0 %P −2,4 %PSPD 20,9 % +0,4 %P +0,0 %PFDP 6,5 % −2,0 %P +1,4 %PGrüne 9,9 % +0,0 %P +1,5 %PLinke 3,0 % +0,2 %P −0,8 %P Bundestagswahl24. September 2017 Ismaning ggü.Wahlkreis ggü.BayernWahlbeteiligung 84,6 % +0,2 %P +6,4 %PCSU 37,9 % +0,6 %P −0,9 %PSPD 14,4 % +0,4 %P −0,9 %PFDP 12,8 % −2,5 %P +2,6 %PGrüne 11,9 % −0,7 %P +2,1 %PLinke 5,1 % 0,0 %P −1,0 %PAfD 9,1 % −0,3 %P −3,3 %P
Bundestagswahl26. September 2021 Ismaning ggü.Wahlkreis ggü.BayernWahlbeteiligung 85,5 % +0,9 %P +5,7 %PCSU 32,6 % -5,3 %P +0,9 %PSPD 18,3 % +3,9 %P +0,3 %PFDP 12,6 % −0,2 %P +2,1 %PGrüne 17,1 % +5,2 %P +3,0 %PLinke 2,7 % -2,4 %P −0,1 %PAfD 5,3 % −3,8 %P −3,7 %P
Wappen
Wirtschaft mini|Ein Hotel am Seebach in der historischen Ortsmitte von Ismaning Die Gemeinde war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts von Landwirtschaft und Kleingewerbe geprägt, einzige industrieähnliche Arbeitgeber waren um 1900 eine Papierfabrik am Seebach sowie zwei Ziegeleien und zwei Krautfabriken. Um 1960 war der keramische Produktionsbetrieb Agrob das größte Unternehmen am Ort. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung war ab den 1980er Jahren durch die Nähe zur Großstadt München und damit durch die Ansiedlung von Unternehmen aus dem Dienstleistungssegment bestimmt: Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ging zwischen 1979 und 2007 von 115 auf 82 zurück, die heute rund 12.500 Arbeitsplätze im Gemeindegebiet sind zu mehr als zwei Dritteln dem Dienstleistungssektor zuzurechnen. Das ehemalige Agrob-Gelände wurde nach der Produktionseinstellung im Jahr 1990 zu einem Medienzentrum mit Home Shopping Europe, Antenne Bayern, Sport 1, Gong Verlag, Hueber Verlag (zieht wieder nach München)Hueber Verlag zieht von Ismaning nach München-Moosach. Zeitweilig war Ismaning auch Sitz der Kirchmedia, der deutschen Apple-Niederlassung und der Fernmeldeschule München.