mini|Regenbogenfamilie Regenbogenfamilien werden Familien genannt, in denen mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bisexuell, transgeschlechtlich beziehungsweise intergeschlechtlich und/oder nichtbinär ist.Stichwort Regenbogenfamilien auf familienportal.de Die beiden Elternteile können – sofern dies gesetzlich zulässig ist – miteinander verheiratet sein; alternative Formen der elterlichen Verbindung sind eingetragene Partnerschaften und formlose Verbindungen von Lebensgefährten. Seit Juli 2011 wurde auf dem ersten internationalen Symposium von LGBT-Familien-Organisationen aus Europa, den USA und Kanada der „International Family Equality Day“International Family Equality Day ausgerufen – ein internationaler Tag der Regenbogenfamilien. Als Zeichen der Solidarität und zur Gleichstellung von Regenbogenfamilien soll dieser Tag alljährlich am ersten Sonntag im Mai weltweit gefeiert werden. Der Name leitet sich von der Regenbogenflagge, einem weltweiten Symbol für Schwule und Lesben, ab.
Wortherkunft Der Name leitet sich in diesem Fall von der Regenbogenflagge ab, inzwischen ein weltweites Symbol von selbstbewusst lebenden Lesben, Schwulen und Bisexuellen. Im übertragenen Sinn kann es auch die Community aller LGBTs bezeichnen. Im Jahre 2009 wurde das Wort in die 25. Auflage des Dudens aufgenommen.
Während der 1960er Jahre, in der gegenkulturellen Hippiebewegung betrachtete man alle symbolisch als Brüder und Schwestern. Durch diese „Massenadoptionen“ entstanden „Stämme“ oder Rainbow-„Families“.Origins of „Rainbow Family“ and related terminology, Version: 9. Juni 2008. Eine festgehaltene frühe Verwendung des Begriffs „rainbow family“ geht auf Josephine Baker zurück, welche sich in den 1950er Jahren in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung engagierte und später zwölf Waisenkinder unterschiedlicher Hautfarben und Nationen adoptierte.Langston Hughes, Milton Meltzer: Black Magic: A Pictorial History of the Negro in American Entertainment. Prentice-Hall, 1967, S. 342.Walter Terry: The Compton Yearbook. F. E. Compton Co, 1968.Robert McHenry: Famous American Women. Courier Dover Publications, 1983, ISBN 0-486-24523-3, S. 17. In diesem Sinne wird es auch heute auf Deutsch in Übersetzungen verwendet.Adoptionen – Madonna will Regenbogen-Familie, focus.de, 2. November 2006. In den USA wurde 1972 The Rainbow Family of Living Light gegründet, eine unhierarchische Gruppe, welche für den Weltfrieden betet und sich für die Utopie einer kooperativen Gemeinschaft starkmacht, die in Harmonie mit der Erde lebt. Sie hat inzwischen weltweit Verbündete.Michael I. Niman: People of the Rainbow; A Nomadic Utopia. University of Tennessee Press, 1997, 1999, 2003, ISBN 0-87049-989-0; Abstract mediastudy.com
Herkunft der Kinder in Regenbogenfamilien mini|Regenbogenfamilie Den Angaben des Mikrozensus und den wenigen bisher vorliegenden Studien ist zu entnehmen, dass die meisten Kinder aus früheren heterosexuellen Ehen und Partnerschaften eines Elternteils stammen, eine bisher unbekannte, aber vermutlich zunehmende Zahl jüngerer Lesben und Schwuler sich ein Leben mit Kindern wünscht und eine Familiengründung durch künstliche Befruchtung, Bechermethode oder Adoption als Einzelperson realisiert, im Rahmen der Hilfen zur Erziehung – Vollzeitpflege – Kinder in Pflegestellen bei Lesben und Schwulen betreut werden und hier ein ausbaufähiges Potential qualifizierter Erziehungspersonen zu finden ist, mehr Kinder bei ihren homosexuellen Müttern aufwachsen als bei ihren homosexuellen Vätern, gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Kindern sowohl in Groß- und Kleinstädten als auch in ländlichen Regionen leben.
Nach Auskunft des Jugendamts in Frankfurt am Main haben dort bereits eine Anzahl lesbischer und schwuler Paare Pflegekinder aufgenommen. Auch Einzeladoptionen sind bekannt. Die Bewertung des Jugendamtes ist positiv; die Erfahrungen unterscheiden sich im Durchschnitt nicht von den mit heterosexuellen Paaren gemachten. Weitere ähnliche Erfahrungen sind aus Berlin und Bayern bekannt.
Forschungen über die Lebenssituation Die American Psychological Association unterstützt die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare in ihrem politischen Statement vom 28. und 30. Juli 2004.Haltung der American Psychological Association Ebenso wird die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare von folgenden Organisationen in den Vereinigten Staaten unterstützt: Child Welfare League of America, American Bar Association, American Psychiatric Association, National Association of Social Workers, North American Council on Adoptable Children, American Academy of Pediatrics, American Psychoanalytic AssociationQueer:US-Psychoanalytiker für Ehe-Öffnung und American Academy of Family Physicians.
Die Familienforschung in Deutschland hat sich in den 1990er Jahren verstärkt den Kindern mit gleichgeschlechtlich-liebendem Elternteil zugewandt. Die deutschen Familien- und Sozialforscher Fthenakis (2000), Berger, Reisbeck & Schwer (2000) und Eggen kommen – ebenso wie die amerikanische Zusammenfassung von 21 internationalen Studien durch Stacey und Biblarz über Auswirkungen homosexueller Lebensweisen der Eltern auf Kinder – im Wesentlichen zu folgenden Ergebnissen:
Kinder und Jugendliche homosexueller Eltern sind genauso oft heterosexuell orientiert wie Kinder heterosexueller Eltern. Hinsichtlich möglicher Verhaltens- und Entwicklungsstörungen aufgrund der sexuellen Orientierung der Eltern gibt es keine Unterschiede zwischen Kindern in gleichgeschlechtlichen und verschiedengeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Kinder homosexueller Eltern zeigen in keiner Weise häufiger Verhaltensstörungen als Kinder heterosexueller Eltern. Nicht die sexuelle Orientierung, sondern das Geschlecht der (homosexuellen) Eltern scheint auf Einstellungen und Verhalten von Kindern zu wirken. So weisen wohl vor allem Kinder, die in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften von zwei Frauen heranwachsen, seltener ein geschlechtstypisches Rollenverhalten auf als Kinder heterosexueller Eltern. Eine Mehrheit der Kinder erleben keine Diskriminierungen aufgrund ihrer Familienerfahrungen. Jene Kinder, die Stigmatisierungen erleben, können konstruktiv damit umgehen und werden von ihren Eltern gut aufgefangen.lsvd.de (PDF; 205 kB) Grundsätzlich scheinen Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufwachsen, ihre sexuelle Orientierung reflektierter zu erleben. Gleichwohl schränken die Studien aus den USA diese These insofern ein, als sich in dieser Einstellung zum Teil auch durch die Umgebung prägen könnte: Homosexuelle Eltern in den USA leben überdurchschnittlich oft in Großstädten oder Universitätsstädten, ihre Kinder wachsen in einem vergleichsweise toleranten Milieu auf, welches seltener homophobe Einstellungen hegt. Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften unterliegen keinem höheren Risiko, Opfer sexuellen Missbrauchs zu werden. Täter in sog. Kindesmissbrauchsdelikten sind ganz überwiegend (zirka 95 % nach Erkenntnissen des Sicherheitsberichts der Bundesregierung) Männer aus dem heterosexuellen nahen Lebensumfeld der Kinder. Das Missbrauchsrisiko für Mädchen ist dreimal höher als für Jungen. Damit liegt das Missbrauchsrisiko für Kinder, die bei einem lesbischen Paar aufwachsen, und für Mädchen, die bei einem schwulen Elternpaar aufwachsen, schon statistisch sehr viel niedriger als bei Kindern in heterosexuellen Partnerschaften. Statistische Zahlen zu diesem Punkt gibt es allerdings nicht – es wird argumentiert, dass das Risiko auf Grund hoher sozialer Kontrolle auch hier deutlich niedriger liege als bei heterosexuellen Paaren. Somit findet ein weit verbreitetes Vorurteil keinerlei Bestätigung in der Forschung.Thomas Hertling: Homosexuelle Männlichkeit zwischen Diskriminierung und Emanzipation, LIT Verlag 2006, ISBN 978-3-643-11355-9, S. 327
Eine vom deutschen Bundesministerium der Justiz 2006 in Auftrag gegebene Studie zur „Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften“ kommt zu dem Schluss, dass bei Kindern, die in lesbischen oder schwulen Partnerschaften aufwachsen, keinerlei Nachteile für die Entwicklung festzustellen seien. An der Studie war das Münchner Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) beteiligt. Bundesministerium der Justiz, bmj.bund.de, 23. Juli 2009.
(PDF) – Ausführliche Zusammenfassung Marina Rupp (Hrsg.): Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Bundesanzeiger Verlag, 2009, ISBN 978-3-89817-807-5. Im Juli 2014 wurde eine weitere Studie zum Thema Regenbogenfamilien veröffentlicht, die aus Australien von der University of Melbourne stammt. In der Studie wurden 500 Kinder von 315 ausschließlich gleichgeschlechtlichen, überwiegend lesbischen Eltern in Hinblick auf körperliches, geistiges und soziales Wohlergehen und die soziales Stigmatisierung als Lebensgemeinschaft von Außenstehenden untersucht. Verglichen wurden die Ergebnisse dieser Studie mit Werten aus einer repräsentativen Studie mit Kindern aus traditionellen Familien. Die Studie hat unter anderem ergeben, dass die „allgemeine Gesundheit“ (general health) der untersuchten Kinder in Regenbogenfamilien um 6 Prozent besser war als in den traditionellen Familien und der Familienzusammenhalt (family cohesion) um 6 Prozent höher. In allen anderen Bereichen gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden untersuchten Gruppen.Children in same-sex parent families had higher scores on measures of general behavior, general health and family cohesion compared to population normative data. There were no significant differences between the two groups for all other scale scores. Simon R Crouch et al. (2014): Parent-reported measures of child health and wellbeing in same-sex parent families: a cross-sectional survey. In: BMC Public Health 14; 635; doi:10.1186/1471-2458-14-635Kinder in Regenbogenfamilien gesünder und glücklicher. Queer.de
Rechtliche Lage der Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare mini|Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare in Europa
Europa Die rechtliche Lage von Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare ist in Europa unterschiedlich.
Gemeinschaftliche Adoptionen sind rechtlich erlaubt in Andorra, Belgien, Dänemark,Ehe in Dänemark für Schwule und Lesben geöffnet. queer.de Deutschland,Ehe für alle – Das ändert sich für homosexuelle Paare. Sueddeutsche.de Estland, Finnland, Frankreich,Frankreichs Nationalversammlung stimmt für Homo-Ehe. Zeit Online, Februar 2013. Griechenland, IrlandIreland Approves Adoptions by Same-Sex Couples Ahead of Marriage Vote. Advocate. Island,Samtokin78Liechtenstein, Luxemburg,Nur vier Gegenstimmen, Luxemburg ermöglicht Eheöffnung. Queer.de Malta,Malta führt Eingetragene Partnerschaften ein. Queer.de den Niederlanden, Norwegen,Pinknews:Norway’s gay marriage law also grants new parental rights Pinknews Österreich,Österreich hebt Adoptionsverbot auf. Queer.de Schweden, Schweiz, SlowenienTotal-Slovenia-News: Slovenia legalises same-sex marriage and adoptions, Spanien, PortugalNach Machtwechsel, Portugal: Adoptionsrecht für Homo-Paare beschlossen. Queer.de und dem Vereinigten Königreich.
Lediglich die Stiefkindadoption leiblicher Kinder des gleichgeschlechtlichen Partners erlauben San MarinoSan Marino: Parlament beschließt Lebenspartnerschaften. Queer.de und Tschechien (seit 2024)Radio Prag: Partnerschaft für alle ist unterschriftsreif, April 2024
Im Februar 2006 entschied das höchste französische Gericht (Cour de Cassation), dass beide Partner in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft das Elternrecht über die leiblichen Kinder des anderen Partners ausüben dürfen.