mini|Kasel mit Weinberg Kaseler Nies’chen mini|Blick von Kasel nach Waldrach
Kasel (moselfränkisch: Kosel), zumindest bahnamtlich bis November 1935 Casel geschrieben, ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Ruwer an, die ihren Verwaltungssitz in Waldrach hat.
Geographie Kasel liegt zwischen Mertesdorf und Waldrach im Ruwertal, umgeben von steil ansteigenden Weinbergen. Zum Ort gehört der Wohnplatz Haus Timpert. Der Bereich um die heutige Bahnhofstraße gehörte bis 1929 zur Gemarkung Waldrach.
Die Orte Oberbenningen und Niederbenningen befanden sich am Benninger Bach. Oberbenningen bestand bis zum Dreißigjährigen Krieg, Niederbenningen gehört heute zu Kasel.Das Erzbistum Trier. Von Franz-Josef Heyen, Ferdinand Pauly, Max-Planck-Institut für Geschichte, Wolf-Heino Struck. Veröffentlicht von Walter de Gruyter, 1972. ISBN 3110022737 (Digitalisat)
Zum Ort gehört der Wohnplatz und die Straßenbezeichnung Benninger Hof, auf der Höhe zwischen Kasel und Trier-Tarforst gelegen.
Über die Landesstraße 149 (ehemalige Bundesstraße 52) hat die Gemeinde Anschluss ans überregionale Straßennetz. Über die Kreisstraßen 140 und 77 besteht ein Anschluss zur Landesstraße 151.
Kasel ist ein bekannter Weinort und zählt zum moselfränkischen Sprachraum.
Durch Kasel fließt die Ruwer mit den Nebenbächen Benninger Bach und Kundelbach. Seit 1985 befindet sich ein Pegel an der Ruwer.Pegel Kasel 3 / Ruwer - Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz
Geschichte Siedlungsreste und ein Gräberfeld aus der Römerzeit belegen eine zumindest dünne Besiedlung in dieser Periode. Der Ort Kasel wird erstmals in einer Bestätigungsurkunde des Kaisers Otto II. von 973, ausgestellt an das Kloster Oeren in Trier, als Casella (latein. „casale“ = Gehöft) erwähnt.
Bevölkerung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Kasel, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: 1815 – 255 1835 – 409 1871 – 520 1905 – 712 1939 – 958 1950 – 1.029 1961 – 1.033 1965 – 1.023 1970 – 993 1975 – 1.132 1980 – 1.194 1985 – 1.232 1987 – 1.220 1990 – 1.219 1995 – 1.257 2000 – 1.272 2010 – 1.247 2024 – 1.293 Datenquelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz
Politik Gemeinderat Der Ortsgemeinderat in Kasel besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzender.
Die Sitzverteilung im Ortsgemeinderat: Wahl SPD CDU FWG WGR Gesamt 2024 7 – 2 7 16 Sitze 2019 8 – 3 5 16 SitzeLandeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahlen 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2014 8 – 3 5 16 Sitze 2009 8 – 3 5 16 Sitze 2004 8 5 3 – 16 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Kasel e. V. WGR = bis 2024: Wählergruppe Paul Neumann (WPN), ab 2024 Wählergruppe Esther Jansen (WEJ)
Ortsbürgermeister Esther Jansen (WG Jansen) wurde am 8. Juli 2024 Ortsbürgermeisterin von Kasel. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte sie sich mit 55,6 % der Stimmen gegen einen Mitbewerber durchgesetzt.
Jansens Vorgänger Karl-Heinrich Ewald (SPD) hatte das Amt seit dem Jahr 2000 inne und kandidierte bei der Wahl 2024 nicht erneut als Ortsbürgermeister.
Wappen
Wirtschaft und Tourismus Haupteinnahmequellen des Ortes sind der Weinbau und der Tourismus.
Kasel gilt als der bekannteste Weinort im Ruwertal, das zum Weinanbaugebiet „Mosel“ (früher: „Mosel-Saar-Ruwer“) gehört. Es wird – wie für die Ruwer typisch – hauptsächlich Riesling angebaut.
Die Weinlagen des Ortes sind: Kaseler Kehrnagel Kaseler Herrenberg Kaseler Dominikanerberg Kaseler Timpert Kaseler Nies’chen, die bekannteste Weinlage des Ruwertals Kaseler Hitzlay, die steilste Weinlage des Ruwertals
Der Ort liegt am Saar-Hunsrück-Steig und am Ruwer-Hochwald-Radweg. Dieser entstand auf der ehemaligen Bahntrasse der Ruwertalbahn/Hochwaldbahn, die von 1889 bis 1998 betrieben wurde. Das Stationsgebäude des Haltepunktes Kasel stammt aus dem Jahre 1905.Haltepunkt Kasel auf hochwaldbahn.infoAls die Bahnhofstraße noch den Waldrachern gehörte, Trierischer Volksfreund, 12. April 2006
Kasel ist Sitz der zentralen Touristinformation der Verbandsgemeinde Ruwer. Im Ort befinden sich mehrere Hotel- und Gaststättenbetriebe sowie Vinotheken.
Ansässige Unternehmen: Dominikaner-Weingut C. von Nell-Breuning Weinmanufaktur Kasel eG, eine der kleinsten Winzergenossenschaften Deutschlands
Sehenswürdigkeiten Pfarrkirche St. Nikolaus „Doppelkirche“, entstanden aus der Erweiterung der alten Kapelle von 1781 zur dreischiffigen Basilika in den Jahren 1926/27 Barocker Tabernakelaltar aus dem 18. Jahrhundert Älteste Weihnachtskrippe im unteren Ruwertal Holzgeschnitzte, lebensgroße Christkindfigur nach bayrischem Brauch – Abschiedsgeschenk von Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg, an seine Heimatpfarrei
Lourdeskapelle und Wegekreuz „Auf Hex“, sog. „Hexenkreuz“ Pauliner Hof St. Irminenhof Sauerbrunnen Sauborn, Quelle und Kulturgut
Fotos
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Kasel
Persönlichkeiten Peter Sartorius (* um 1760),Ortsfamilienbuch Waldrach St. Laurentius 1681–1899 genannt Caseler Pitt, Revierjäger des Stifts St. Paulin zu Trier, kämpfte 1792 gegen französische RevolutionstruppenTrierische Chronik NF XIII, 1916/17 Kentenich, Gottfried: Der Caseler Pitt.Hermann Jakobs: Die Geschichte vom Caseler Pitt. Jahrbuch Kreis Trier-Saarburg, 1993, S. 50–57. Maria Peters (1892–1973), Heimatdichterin aus Kasel Heinz Winden (* 1942), ehem. Vizepräsident Recht Deutscher Handballbund Lisa und Paul Neumann erhielten 2016 für ihre Verdienste um die Jugendarbeit (Jugendring Kasel 1974 e. V.) die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz Thomas Happe (* 1958), ehem. dt. Handballspieler und olympischer Silbermedaillengewinner, lebte während seines Engagements als Trainer der DJK/MJC Trier (1. Handball-Bundesliga Damen) in Kasel. Rudolf Voderholzer (* 1959), Bischof von Regensburg, lebte von 2005 bis zum Jahresanfang 2013 in Kasel. In dieser Zeit arbeitete der als Vertrauter von Papst Benedikt XVI. geltende Voderholzer als Dogmatikprofessor an der Theologischen Fakultät Trier und als Direktor des Instituts Papst Benedikt XVI. in Regensburg. Zeitgleich war er als Seelsorger der Pfarrei St. Nikolaus Kasel engagiert, wo er im Juni 2012 auch sein silbernes Priesterjubiläum feierte. Am 6. Dezember 2012 wurde er durch Papst Benedikt XVI. zum 78. Bischof von Regensburg ernannt, seine Bischofsweihe im Regensburger Dom fand am 26. Januar 2013 statt. Helmut Dieser (* 1962), Bischof von Aachen, lebte von 1998 bis 2004 in Kasel. Zu dieser Zeit war er Kooperator mit dem Titel Pfarrer in Kasel, Waldrach und Morscheid. Arno Michels (* 1967), Fußballtrainer, Co-Trainer von FC Bayern München, ehem. Co-Trainer des französischen Erstligisten Paris Saint-Germain, später Co-Trainer des engl. FC Chelsea (Gewinner der UEFA Champions League 2020/21) Georg Breitner (* 1968), Landeskonservator und Landesarchäologe des Saarlandes Sascha Becker (* 1975), deutscher Fernsehmoderator und -journalist (SWR)
Sport Örtlicher Sportverein ist die SG Ruwertal 1925 e. V., die aus den ehemaligen Sportvereinen SV Waldrach und Spvgg. Kasel hervorgegangen ist.
Sportlicher Höhepunkt auf der Rasensportanlage in Kasel war am 10. November 2011 ein Testspiel des damaligen Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern gegen die Luxemburgische Fußballnationalmannschaft vor 1.400 Zuschauern, das der damalige Erstligist mit 2:0 für sich entscheiden konnte.
Straßennamen weltweit Der Weinort Kasel ist Namensgeber folgender Straßen: Kaseler Weg in 54318 Mertesdorf Kaseler Weg in 54296 Trier-Filsch Kaseler Weg in 66113 Saarbrücken Caseler Straße in 13088 Berlin-Weißensee Rua Kasel in 60813-815 Fortaleza CE (Brasilien)
Literatur Ernst Wackenroder: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band 15, Abt. 2. L. Schwann, Düsseldorf 1936 (Die Kunstdenkmäler des Landkreises Trier), Nachdruck vom Verlag der Akademischen Buchhandlung Interbook, Trier 1981, S. 57–59.
Weblinks
Website der Ortsgemeinde Kasel
Einzelnachweise
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