mini|alternativtext=Christoph Ransmayr, 2024|Christoph Ransmayr, 2024 Christoph Ransmayr (* 20. März 1954 in Wels, Oberösterreich) ist ein österreichischer Schriftsteller.

Leben mini|Ransmayr bei einer Lesung aus Atlas eines ängstlichen Mannes, 2013 Ransmayr wuchs in Roitham am Traunfall, Oberösterreich, als Sohn des Volksschullehrers Karl Richard Ransmayr und der Säuglingsschwester Martha Ransmayr, geborene Dopf, auf. Er besuchte das Stiftsgymnasium der Benediktiner in Lambach und studierte von 1972 bis 1978 Philosophie und Ethnologie in Wien. Danach arbeitete er als Kulturredakteur und Autor für verschiedene Zeitschriften wie Extrablatt, Geo, Merian und die von Hans Magnus Enzensberger und Gaston Salvatore herausgegebene Zeitschrift Transatlantik. Seit 1982 ist er freier Schriftsteller. Nach langen Jahren in West Cork im Südwesten Irlands lebt er seit 2006 wieder in Wien.

Er ist seit 2006 mit der Psychoanalytikerin Judith Ransmayr verheiratet.

Reisen Nach den ersten Erfolgen unternahm Ransmayr ausgedehnte Reisen nach Asien sowie Nord- und Südamerika. Bevorzugte Reiseziele Ransmayrs sind entlegene Gegenden, Wüsten, arktische Landschaften, „Urlandschaften“, Hochgebirgswelten – mit Reinhold Messner bereist er u. a. Tibet, Nepal, Nordindien, Indochina und den Jemen.Günter Kaindlstorfer, Falter, 27.09.2006 Das Reisen und die damit verbundenen Erfahrungen sollten auch sein Schreiben prägen, das so gewonnene Material hat er immer wieder in seinen Werken verarbeitet.

Seine Faszination für abgelegene Gegenden beschreibt Ransmayr folgendermaßen:

Stil Christoph Ransmayr beschäftigt sich mit Themen wie: Liebe, Tod, Zeit und Vergänglichkeit, grenzüberschreitende Erfahrungen, der Mensch im Kontakt mit einer überwältigenden Natur. Christophs Ransmayrs Werk, das in über dreißig Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet wurde, besticht durch „größtmögliche Prägnanz“, einem „makellosen Stilgefühl und jener thematischen Schärfe“, die nur diesem Autor zu eigen sei, so Andreas Platthaus.Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2024

John E. Woods, sein amerikanischer Übersetzer, vergleicht Christoph Ransmayrs Sprache mit der von Thomas Mann, „beide sind Meister der deutschen Grammatik. Sie können diese immensen Sätze bauen, die alle Raffinessen der Grammatik ausschöpfen.“Insa Wilke (Hg.) (2014), Bericht am Feuer. Gespräche, E-Mails und Telefonate zum Werk von Christoph Ransmayr. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M, S. 107

Ransmayr verbindet in seiner Prosa häufig historische Ereignisse oder real existierende Persönlichkeiten mit fiktiven Handlungen.

Er beschreibt seine Erzählkunst wie folgt:

Bernhard Fetz bemerkt dazu:

Werk Christoph Ransmayrs literarisches Schaffen umfasst Romane und Erzählungen, Gedichte sowie Theaterstücke. Unter seinen Bühnenwerken sind:

„Die Unsichtbare. Tirade an drei Stränden.“ (2001). Das Stück wurde bei den Salzburger Festspielen 2001 unter der Regie von Claus Peymann uraufgeführt.

„Odysseus, Verbrecher. Schauspiel einer Heimkehr“. Dieses Bühnenwerk gelangte bei der RUHR.2010 mit Michael Gruner als Regisseur zur Aufführung Odysseus, Verbrecher.

Einem größeren Publikum bekannt ist Christoph Ransmayr vor allem durch seine Romane. Bereits das frühe Werk „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ (1984) erregte Aufmerksamkeit. Klaus Modick schreibt in einer Rezension im Spiegel dazu: „Wie es Ransmayr gelingt, sein dokumentarisches Material mit den romanhaften Ausschmückungen und seine Reflexionen über die Absurdität des Geschehens zu verschmelzen – dies ist eine Kunst, die wahrlich er-lesen werden will.“Klaus Modick, Cap Tirol in der Arktis. Der Spiegel, Nr. 6/1985.

Mit dem Buch „Die letzte Welt“ (1988), das in über 30 Sprachen übersetzt wird, gelingt Christoph Ransmayr der internationale Durchbruch.APA, Salzburger Nachrichten, 20.03.2024

Der Altphilologe Gerhard Fink deutet den Kunstgriff Ransmayrs, darin Figuren aus Ovids Hauptwerk mit Figuren seines Romans zu verbinden, so: „es bedeutet (…), dass Ransmayrs Roman nichts weniger ist als eine Fortsetzung der Metamorphosen.“Gerhard Fink, Einführung. Die letzte Welt. Ovid im Roman. In: Publius Ovidius Naso, Metamorphosen. Herausgegeben und übersetzt von Gerhard Fink. Artemis & Winkler Verlag, Düsseldorf/Zürich 2004, S. 803 Und Fink schreibt weiter: „… der ‚postmoderne‘ Romancier hat den römischen Dichter in gewissem Sinne neu entdeckt: ja noch mehr: Er hat ihn für viele (…) neu erschaffen.“Gerhard Fink, Einführung. Die letzte Welt. Ovid im Roman. In: Publius Ovidius Naso, Metamorphosen. Herausgegeben und übersetzt von Gerhard Fink. Artemis & Winkler Verlag, Düsseldorf/Zürich 2004, S. 803

Der darauffolgende dystopische Roman „Morbus Kitahara“ (1995) spielt in einer postapokalyptischen Welt. Christoph Ransmayrs gewaltiger Roman über die Zeit nach dem großen Krieg ist u. a. eine „Erzählung über die körperlichen und psychischen Deformationen, die die Ausübung und das Erleiden von Gewalt bei Tätern und Opfern anrichtet.“https://www.stifterhaus.at/stichwoerter/christoph-ransmayr, Berhard Fetz, Zugriff: 25.2.2025

„Der fliegende Berg“ (2006) ist ein in gebundener Rede, als Versepos verfasster Text. Er beschreibt die Geschichte zweier Brüder, die von der Südwestküste Irlands nach Osttibet aufbrechen, um einen noch unbestiegenen namenlosen Berg zu suchen und in seiner Bezwingung „einer Erlösung teilhaftig“ zu werden. Auf ihrer Reise begegnen sie einer von chinesischen Besatzern bedrohten archaischen Welt der Nomaden, erleben eine unerbittliche Natur wie auch die Konfrontation mit dem Tod. Denn nur einer der beiden wird in dieser Geschichte, die auch die Geschichte einer Bruderliebe ist, aus den Bergen zurückkehren.

Von der Kritik wurde dieser ob seiner „stupenden Sprachgewalt“Tilman Spreckelsen, FAZ, 4.10.2006 ganz besondere Text hoch gelobt, die „unzeitgemäße Form“ des Versepos wird als stimmig verstanden. So meint z. B. auch Ludger LütkehausLudger Lütkehaus, Die Zeit, 07.09.2006, Ransmayrs Formexperiment „ohne Spannungsabstriche“ gelesen und selten die „tödliche Schönheit des schwarzen Himmel“ und der Berge so suggestiv wie im Flattersatz dieses Romans erblickt zu haben.

Der „Atlas eines ängstlichen Mannes“ (2012) ist ebenso kein Roman im eigentlichen Sinn, der Text erzählt in 70 Episoden von „‘merkwürdigen und komischen, manchmal beglückenden, oft erschreckenden und bestürzenden, stets aber auch vom Wundersamen durchdrungenen Begegnungen‘ mit Menschen, Tieren und Landschaften.“Grimm-Preis-Jury, zit. n. APA, Salzburger Nachrichten, 20.03.2024

Von der Presse wurde der „Atlas“ euphorisch aufgenommen. „Ein Lebensbuch“, sei das, so stellt Karl-Markus GaußKarl-Markus Gauß, Süddeutsche Zeitung, 04.12.2012 fest, Ransmayr habe 40 Jahre Reiseerfahrung hier verdichtet. Andreas BreitensteinAndreas Breitenstein Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung, 30.10.2012 attestiert dem Autor ein „Gespür sowohl für das Utopische wie für das Prekäre unserer Existenz“.

Der Roman „Cox oder Der Lauf der Zeit“ (2016) spielt im 18. Jahrhundert am Hof des despotischen chinesischen Kaisers Quianlong. Der berühmteste Automaten- und Uhrenbauer seiner Zeit, der Londoner Uhrmacher Alastair Cox, wird in die Verbotene Stadt eingeladen, um für den Kaiser ausgefallene, fantastische Uhren zu bauen. Diese sollen nicht nur die Zeit messen, sondern auch das Zeitempfinden der Menschen, z. B. eines Kindes oder eines Sterbenden, wiedergeben.

„Ein beeindruckendes Märchen über Schönheit und Vergänglichkeit“, heißt es in einer KritikThomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung, 29.10.2016, auch von einem „Meisterwerk“Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau, 03.12.2006 ist an anderer Stelle die Rede, gerade auch im Hinblick auf das Thema der Relativität der Zeit.

„Der Fallmeister. Eine kurze Geschichte vom Töten“ (2021) ist ein in der Zukunft angesiedelter, dystopischer Roman. Der Protagonist, ein Hydrotechniker, ist Sohn des „Fallmeisters“, eines weithin geachteten Schleusenwärters. Nachdem fünf Menschen in den Kaskaden des Wasserfalls umkommen, verschwindet der Schleusenwärter auf mysteriöse Weise. Unfall oder gar Mord – die Suche nach der Wahrheit führt den Sohn weit zurück in die eigene Vergangenheit, und so wird der Roman zu einer Geschichte von Schuld und Vergebung. Der Autor zeichnet ein verstörendes Bild einer düsteren, vom Klimawandel zerstörten, in Kleinstaaten zerfallenden zukünftigen Welt, die vom Krieg um die Ressource Wasser geprägt ist.

Von der Kritik wurde dieses Werk eher verhalten aufgenommen, so heißt es u. a. „…das finster gestaltete ‚Weltgemälde‘ bleibt irgendwie farblos“.David Hugendick, Die Zeit, 18.03.2021

„Unter einem Zuckerhimmel. Balladen und Gedichte. Illustriert von Anselm Kiefer“ (2022), erscheint als zwölfter Band der Reihe „Spielformen des Erzählens“. Christoph Ransmayr erzählt in Balladen und Gedichten von den Ursprüngen seiner dichterischen Arbeit, von abenteuerlichen Reisen, von der Erkundung der Welt und anderen bekannten Motiven. Anselm Kiefer hat diese Verse mit Serien von Aquarellen illustriert, die er ausschließlich für diesen Band geschaffen hat. „Hier treffen zwei aufeinander, deren Talente sich perfekt ergänzen,“ so Tilman Spreckelsen.Tilman Spreckelsen, FAZ, 29.12.2022 Als „ein Gesamtkunstwerk“ bezeichnet die Neue Zürcher ZeitungRoman Buchel, Neue Zürcher Zeitung, 22.12.2022 diesen besonderen Band.

In „Egal wohin, Baby“ (2024) erzählt Christoph Ransmayr in Form von „Mikroromanen“ siebzig kurze Geschichten. Den Texten vorangestellt sind jeweils Schwarz-Weiß-Fotos, „optische Notizen“, die vom Autor selbst erstellt wurden und oft in der Zufälligkeit des Augenblicks entstanden sind. Häufig sind es Schnappschüsse, Alltagsbeobachtungen, auf die die Texte direkt Bezug nehmen. Es ist „eine besondere Form des Zusammenspiels von sprachlicher Erzählung und optischer Erzählung.“Christoph Ransmayr in Druckfrisch, 15.12.24, ARD, Christoph Ransmayr im Gespräch mit Denis Scheck. https://www.ardmediathek.de/video/druckfrisch/christoph-ransmayr-egal-wohin-baby-mikroromane/das- , Zugriff: 25.2.2025

Unter „Mikroromanen“ versteht hierbei Ransmayr: „Das sind die Kerne von größeren oder eben kleineren bis sehr kleinen Erzählungen, um die herum sich notfalls in konzentrischen Kreisen auch große Erzählmuster bilden können.“Christoph Ransmayr in Druckfrisch, 15.12.24, ARD, Christoph Ransmayr im Gespräch mit Denis Scheck. https://www.ardmediathek.de/video/druckfrisch/christoph-ransmayr-egal-wohin-baby-mikroromane/das- , Zugriff: 25.2.2025

Anliegen des Autors sei es, die „Poesie des Alltags zu finden und freizulegen“, so der Literaturkritiker Denis Scheck. Ransmayrs Mikroromane erinnerten ihn in ihrer Wortgewalt und Eindringlichkeit an die großen Prosastücke von Heinrich von Kleist.Christoph Ransmayr in Druckfrisch, 15.12.24, ARD, Christoph Ransmayr im Gespräch mit Denis Scheck. https://www.ardmediathek.de/video/druckfrisch/christoph-ransmayr-egal-wohin-baby-mikroromane/das- , Zugriff: 25.2.2025

Auszeichnungen 1986: Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 1986–1988: Elias-Canetti-Stipendium 1988: Anton-Wildgans-Preis 1992: Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 1995: Franz-Kafka-Preis 1995: Franz-Nabl-Preis 1996: Prix Aristeion (Gemeinsam mit Salman Rushdie) 1997: Solothurner Literaturpreis 1997: Premio Letterario Internazionale Mondello 1997: Kulturpreis des Landes Oberösterreich 1998: Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg vor der Höhe 2001: Nestroy-Theaterpreis 2004: Bertolt-Brecht-Literaturpreis der Stadt Augsburg 2004: Österreichischer Würdigungspreis für Literatur 2007: Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln 2009: Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien 2009: Premio ITAS del Libro di Montagna für Der fliegende Berg 2010: Premio Gambrinus „Giuseppe Mazzotti“ 2013: Donauland Sachbuchpreis 2013: Ernst-Toller-Preis 2013: Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau für Atlas eines ängstlichen Mannes