mini|David Hume (1766)Porträt von Allan Ramsay David Hume [] (* Schottland stellte 1752 den Kalender um. in Edinburgh; † 25. August 1776 ebenda) war ein schottischer Philosoph, Ökonom und Historiker. Er war einer der bedeutendsten Vertreter der schottischen Aufklärung und wird der philosophischen Strömung des Empirismus beziehungsweise Sensualismus zugerechnet.Friedrich Kirchner, Carl Michaëlis: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig, 5. Auflage, 1907, S. 173–175. zeno.org; Bertrand Russell vertrat die Auffassung, dass Hume die Grundlagen des Empirismus zerstört habe. Vgl. Bertrand Russell: A History of Western Philosophy. New York 1945 (Buch IV, Teil I, Kap. 17). Sein skeptisches und metaphysikfreies Philosophieren regte Immanuel Kant zu dessen Kritik der reinen Vernunft an. Mittelbar wirkte er als Vordenker der Aufklärung auf die modernen Richtungen des Positivismus und der analytischen Philosophie ein. In Bezug auf seine wirtschaftswissenschaftliche Bedeutung kann er zur vorklassischen Ökonomie gezählt werden. Hume war ein enger Freund von Adam Smith und stand mit ihm in regem intellektuellem Austausch.
Leben David Hume verfasste wenige Monate vor seinem Tod (datiert auf den 18. April 1776) seine Vita in Form einer autobiographischen Skizze.Vollständig übersetzt abgedruckt als David Hume: Mein Leben. In: David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. Hrsg. von Jens Kulenkampff. 12. Aufl., Meiner, Hamburg 1993, S. LI–LXI. Er wurde 1711 in Edinburgh nach einem Bruder John (* 1709) und einer Schwester Catharine (* 1710) als zweiter Sohn eines als Anwalt tätigen verarmten Adeligen, Joseph Home of Ninewells in Chirnside Berwickshire, geboren und auf den Namen David Home getauft.Gerhard Streminger: David Hume. Der Philosoph und sein Zeitalter. Ein Biographie. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61402-6, S. 54 Seine Mutter war Catharine Falconer, eine Tochter von Sir David Falconer (1640–1685), dem Lord President of the College of Justice.Biographische Daten zu den Eltern Bei seinem Tod 1713 hinterließ der Vater die Ländereien der Familie, das Gut Ninewells, auf dem die Geschwister aufwuchsen, und den Titel eines Lord Halkerton dem älteren Bruder, während Hume als jüngerem Sohn nur ein kleines Erbteil zustand, so dass er über wenig Geld verfügte.
Als Zwölfjähriger schrieb er sich 1723 an der Universität Edinburgh ein. Er lernte dort Latein, Griechisch, Logik und Metaphysik. Auf Druck der Mutter und seines Onkels George begann er 1726 in Edinburgh das Studium der Rechtswissenschaft. Im Jahre 1729 brach er das Studium ab, da er „eine unüberwindliche Abneigung gegen alles außer gegen Philosophie und allgemeine Gelehrsamkeit“ verspürte.Vgl. David Hume: Mein Leben. S. LI f. Er erwarb sich allerdings in dieser Zeit so viele juristische Kenntnisse, dass er später Freunden Rechtsbeistand leisten konnte. Er kehrte zu seiner Mutter und seinen Geschwistern nach Ninewells nahe der englischen Grenze zurück, wo er sich zu philosophischen Studien zurückzog. Diese bestanden in Lesen sowie in Beobachtungen menschlichen Denkens und Handelns, sein eigenes mit eingeschlossen.
Dabei traten „neben einem Zustand der inneren Unzufriedenheit […] körperliche Beschwerden auf, erst Skorbut, dann Speichelfluss. Er musste medizinisch versorgt werden und seine Lebensweise ändern. Er gab die ausschließliche Einsamkeit seiner Studierstube auf, verbrachte mehr Zeit mit seiner Familie und Freunden, ritt täglich aus und setzte sich selber nicht mehr unter Druck, um möglichst rasche Fortschritte in seinen philosophischen Forschungen zu machen. Nach und nach kehrte seine Arbeitslust zurück und seine körperlichen Gebrechen besserten sich. Aus dieser Zeit blieb ein lebenslang starkes Übergewicht zurück.“Vgl. Gerhard Streminger: Hume mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek/Hamburg 1986, S. 17–24.
Humes Versuch, seine der Wissenschaft gewidmete Lebensweise durch eine kaufmännische Tätigkeit zu ergänzen, schlug fehl. Er arbeitete ab 1734 ca. ein halbes Jahr als Schreibgehilfe für einen Kaufmann in Bristol. Während dieser Tätigkeit änderte er die Schreibweise seines Nachnamens von ‚Home‘ nach Hume, um sie der englischen Aussprache anzupassen. Der Kaufmann und dessen Freunde verspotteten Hume wegen seiner schottischen Nationalität, seiner Aussprache und seiner Kenntnisse. Auch dies trug dazu bei, dass er die Tätigkeit im Kontor bald aufgab.
Von 1734 an hielt Hume sich in Paris und in Reims auf. Der französische Lebensstil gefiel ihm. Im Sommer 1735 übersiedelte er nach La Flèche (bei Le Mans) am Loir. Im Jesuitenkloster des Dorfes war René Descartes zur Schule gegangen. Hume arbeitete in einer privaten Wohnung in La Flèche zwei Jahre lang an der Fertigstellung seines A Treatise of Human Nature (Ein Traktat über die menschliche Natur).Vgl. Heiner F. Klemme: David Hume zur Einführung. S. 11–15.
In London bereitete er ab 1737 dieses 1739/40 erschienene Werk zum Druck vor, dem allerdings keine große Resonanz beschieden war. Anonym veröffentlichte Hume selbst eine Rezension der Schrift, was dem Treatise allerdings auch nur wenig neue Aufmerksamkeit bescherte, so dass Hume später urteilte: „Als Totgeburt fiel er aus der Presse und fand nicht einmal soviel Beachtung, um wenigstens unter den Eiferern ein leises Murren zu erregen.“David Hume: Mein Leben. S. LIII.
Das Murren der Eiferer drückte sich immerhin in einem anonymen Pamphlet aus, das Humes Ruf als „Atheist“, „Materialist“ und „Amoralist“ begründete und aufgrund dessen seine Bewerbung auf den Lehrstuhl für „Ethik und Pneumatische Philosophie“ in Edinburgh 1745 wenig Chancen hatte und 1746 endgültig scheiterte. Nach dem Tod der Mutter musste er das Leben eines Privatgelehrten aufgeben, arbeitete stattdessen 1745 als Tutor des 3. Marquess of Annandale (1720–1792) in England und ab 1746 für zwei Jahre als Sekretär für General St. Clair, den er zunächst auf eine militärische Expedition an die französische Küste begleitete, dann als Adjutant auf eine militärisch-diplomatische Mission nach Wien und Turin. Diese Jahre der Unterbrechung seiner philosophischen Studien verschafften ihm ein Vermögen, das seine finanzielle Unabhängigkeit für die folgenden Jahre sicherte; nach eigenen Angaben rund 1.000 Pfund Sterling.Vgl. Heiner F. Klemme: David Hume zur Einführung. S. 16f. Jens Kulenkampff: David Hume. 2. Aufl., Beck, München 1989, S. 18.
Bereits 1741 und 1742 waren Humes Essays Moral and Political veröffentlicht worden:Enthalten in David Hume: Essays Moral, Political, and Literary. Hrsg. von Eugene F. Miller, 2. Aufl., Indianapolis 1987. Hume überarbeitete seinen Treatise, um ihn in Teilen neu zu veröffentlichen, da er überzeugt war, dass „der Mißerfolg […] mehr von seiner Form als seinem Inhalt herrührte“. Der erste Teil erschien 1748 unter dem Titel Philosophical Essays Concerning Human Understanding; später als An Enquiry Concerning Human Understanding (Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand). Auf dem Landsitz seines Bruders arbeitete Hume ab 1749 an einem weiteren neuformulierten Teil des Treatise, An Enquiry Concerning the Principles of Morals (Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral), erschienen 1751, und an seinen Political discourses, die er 1752 in Edinburgh, seinem neuen Wohnsitz nach der Heirat seines Bruders, veröffentlichte.
mini|David Hume 1754 Noch einmal bewarb sich Hume 1751 auf eine Professur, nämlich auf den Lehrstuhl für Logik in Glasgow, womit er jedoch 1752 wiederum scheiterte, so dass er „der einzige bedeutende schottische Philosoph im Zeitalter der Aufklärung [blieb], dem eine Universitätskarriere verwehrt“ wurde. Im selben Jahr, in dem sich auch Humes wachsender Erfolg in der Notwendigkeit von Neuauflagen seiner Werke (abgesehen vom Treatise) zeigte, wurde er Bibliothekar des Juristenkollegiums (Anwaltskammer) in Edinburgh und begann die Arbeit an seiner seit 1745 geplanten unparteiischen Geschichte Englands. Durch die Bibliothek von 30.000 Bänden, die ihm zur Verfügung stand, konnte er den ersten Band 1754 unter dem Titel History of Great Britain veröffentlichen, der mit dem Aufstieg des Hauses Stuart zum Königtum von England, Schottland und Irland 1603 einsetzt:
Doch nach anfänglichem Widerstand von verschiedenen Parteien wurde Humes Geschichte von Großbritannien sein größter Publikumserfolg, frühzeitig in mehrere Sprachen übersetzt, und machte ihn zu einem reichen Mann. Er wurde bis weit ins 19. Jahrhundert als der Historiker der englischen Geschichte gefeiert. Ebenso wie die sechs Geschichts-Bände, die bis 1761 erschienen, stieß zunächst auch sein Werk The Natural History of Religion (Die Naturgeschichte der Religion), das 1757 zusammen mit drei weiteren AbhandlungenOf the Passions, Of Tragedy, Of the Standard of Taste. Auf die ursprünglich für denselben Band geplante Veröffentlichung der Schriften Of Suicide und Of the Immortality of the Soul musste auf Druck von William Warburton, 1759–1779 Bischof von Gloucester, verzichtet werden. Beide Arbeiten erschienen 1777 postum als Two Essays in London. Vgl. Heiner F. Klemme: David Hume zur Einführung. Junius, Hamburg 2007, S. 189 f. erschien, in akademischen Kreisen auf breite Ablehnung. 1761 wurden alle Schriften Humes vom Vatikan auf den Index Librorum Prohibitorum gesetzt (bis 1872). Zu diesem Zeitpunkt war der Absatz von Humes Schriften jedoch bereits so groß, dass er gut davon leben konnte:
Bis 1769 stiegen Humes jährliche Einkünfte auf rund 1.000 Pfund Sterling. Neben seinen Tantiemen trug zu seinem Wohlstand auch die Bekanntschaft mit Francis Seymour-Conway, Marquess of Hertford bei, der 1763 zum britischen Botschafter in Paris ernannt wurde und Hume zu seinem Privatsekretär machte. Hume wurde 1765 zum Botschaftssekretär ernannt und war ab Sommer des Jahres für vier Monate alleiniger Geschäftsträger der Pariser Botschaft, nachdem Seymour-Conway zum Vizekönig von Irland ernannt wurde und bis der Nachfolger Charles Lennox, Duke of Richmond eintraf.Vgl. Jens Kulenkampff. David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. 12. Aufl., Meiner, Hamburg 1993, S. LVIII f. Während seines Aufenthaltes in Paris war er auch häufig zu Gast bei Paul Henri Thiry d’Holbach und dessen salonartigen, regelmäßigen Treffen der sogenannten Coterie holbachique in der Rue Royale Saint-Roch.
Hume kehrte 1766 nach London zurück, wohin er den mit Haftbefehl gesuchten Jean-Jacques Rousseau eingeladen hatte, um ihm dort Asyl zu verschaffen. Rousseau floh nach wenigen Monaten aber aus Misstrauen gegenüber Hume, trug seinen Streit mit diesem publizistisch aus und kehrte etwas später nach Frankreich zurück.Heiner F. Klemme: David Hume zur Einführung. Junius, Hamburg 2007, S. 16 f.; Vgl. David Edmonds & John Eidinow: Rousseaus Hund. Zwei Philosophen, ein Streit und das Ende aller Vernunft. DVA, München 2008, ISBN 978-3-421-04251-4. 1767 wurde Hume vom Bruder des Grafen Hertford aufgefordert, Unterstaatssekretär im Northern Department des britischen Außenministeriums zu werden, eine Aufgabe, der er bis ins folgende Jahr nachging. Nach Edinburgh kehrte er 1769 zurück, um seinen Lebensabend im heimatlichen Schottland zu verbringen. Seine ebenfalls unverheiratet gebliebene Schwester führte ihm den Haushalt. Über seine letzten Jahre schrieb Humes Freund, der Nationalökonom Adam Smith: mini|David Humes Grab auf dem Old Calton Cemetery in Edinburgh
Am 25. August 1776 starb David Hume in seinem Haus in der St. David’s Street in Edinburgh, nachdem er durch eine „chronische Diarrhöe von mehr als einem Jahr Dauer“ zunehmend schwächer geworden war. Begraben wurde er bald darauf auf dem Old Calton Cemetery (auch genannt Old Calton Burial Ground – nahe dem Calton Hill; erreichbar vom Waterloo Place aus) in Edinburgh.