mini|Weil der Stadt, Ansicht des Stadtkerns vom Mittelberg

Weil der Stadt [] ist eine Stadt mit Einwohnern () im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart und trägt seit dem 1. Januar 2022 die amtliche Zusatzbezeichnung Keplerstadt,Schreiben des Innenministeriums Baden-Württemberg an den Bürgermeister von Weil der Stadt: Innenminister Thomas Strobl hat der Stadt Weil der Stadt am 25.11.2021 die Genehmigung der Zusatzbezeichnung „Keplerstadt“ erteilt. Diese Bezeichnung kann ab dem 1. Januar 2022 geführt und auch auf den Ortstafeln an den Ortseingängen angebracht werden. Die virtuelle Übergabe der Urkunde erfolgt am 9. Dezember 2021. benannt nach dem hier geborenen Astronomen und Naturphilosophen Johannes Kepler.

Die nach ihrer Bevölkerungszahl fünftgrößte Stadt des Landkreises ist zudem bekannt als Geburtsort des Reformators von Württemberg Johannes Brenz. Das Stadtbild der ehemaligen Reichsstadt wird dominiert von der Kirche St. Peter und Paul.

Geographie mini|Luftbild der Stadt (1918) mini|Luftbild von Südwesten (1983) Lage Weil der Stadt liegt 23 km westlich von Stuttgart, 20 km südöstlich von Pforzheim und 30 km nordwestlich von Tübingen im Heckengäu, einer Übergangslandschaft zwischen Neckarraum und Nordschwarzwald. Die Stadtgemarkung wird von Südosten nach Nordwesten von der Würm durchflossen, an deren Ufern vier der fünf Stadtteile der Stadt (alle bis auf Münklingen) liegen. Der höchste Punkt befindet sich im Nordwesten bei etwa (nordwestlich des „Möttlinger“ Köpfle), der tiefste im Norden bei etwa (Frohnmühle).

Geologie und Flora Die Flurböden bestehen aus Muschelkalk und Lehm und sind zumeist steinig. Charakteristisch ist der Bewuchs der hügeligen Landschaft mit Schlehenhecken, ansonsten herrschen Kiefern- und Fichtengehölze sowie Felder vor, vereinzelt gibt es Streuobstwiesen. Im Würmtal finden sich naturgeschützte Sumpfauen. Am Westrand der Gemarkung beginnt bereits der für den Schwarzwald typische Tannen- und Fichtenbestand.

Schutzgebiete

In Weil der Stadt gibt es fünf Naturschutzgebiete: Die Würmaue am Heuberg, das Merklinger Ried, den Mittelberg und die Naturschutzgebiete Kappelwiesen-Beim Roten Brunnen-Salzwiesen und Hacksberg und Steckental. Diese sind eingebettet in das Landschaftsschutzgebiet Heckengäu-Weil der Stadt. Zudem hat die Stadt Anteil an den beiden FFH-Gebieten Gäulandschaft an der Würm und Calwer Heckengäu.Daten- und Kartendienst der LUBW

Stadtgliederung Weil der Stadt besteht aus den fünf Stadtteilen Weil der Stadt, Hausen an der Würm, Merklingen, Münklingen und Schafhausen. Die Stadtteile waren bis in die 1970er Jahre eigenständige Gemeinden. Die offizielle Benennung der eingemeindeten Stadtteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Stadt und durch Bindestrich verbunden nachgestellt der Name des Stadtteils. Sie bilden zudem Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung.Hauptsatzung der Stadt Weil der Stadt vom 27. Mai 2008 (PDF-Datei; 34 kB)

Zum Stadtteil Hausen an der Würm gehören das Dorf Hausen und die Häuser Frohnmühle und Obere Sägmühle sowie eine abgegangene Burg und die abgegangenen Ortschaften Oberhausen und Seltenbach. Zum Stadtteil Merklingen gehören das Dorf Merklingen, die Höfe Grenzhof und Heidehöfe und das Haus Riemenmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Berghof und Burg Kröwelsau. Zum Stadtteil Münklingen gehört nur das Dorf Münklingen. Zum Stadtteil Schafhausen gehören das Dorf Schafhausen, die Höfe Fuhrmannshöfe, Seitenhöfe und Stubenberghöfe und das Haus Ölmühle. Zum Stadtteil Weil der Stadt gehören die Stadt Weil der Stadt, das Gehöft Güthlerhof und das Haus Planmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Blanda, Greckenbach und Talacker.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 129–134

Nachbargemeinden Im Landkreis Calw (südwestlich und westlich): Ostelsheim, Simmozheim, Bad Liebenzell. Im Enzkreis (nordwestlich und nördlich): Neuhausen, Tiefenbronn, Heimsheim. Im Landkreis Böblingen (nordöstlich, östlich und südlich): Renningen, Magstadt, Grafenau.

Geschichte Ortsname Der Ortsname (, neuhochdeutsch Weil) wurde zur Unterscheidung von anderen Orten der Umgebung namens Weil wie Weilimdorf oder Weil im Schönbuch um den Zusatz „die Stadt“ erweitert. Da Ortsnamen viel häufiger im Dativ als im Nominativ gebraucht werden, etwa „in Weil, der Stadt“, setzte sich die Dativform durch, zunächst in der an die Mundart (ze Wil ’er Statt) angelehnten Form Weilerstatt, zuletzt wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts Weil der Stadt als Stadtname festgeschrieben. Als vom Stadtnamen abgeleitetes Adjektiv wird meist Weil der Städter gebraucht; in den benachbarten Orten gibt es sowohl „Weil der Städter“ als auch „Weilderstädter“ Straßen.

Mittelalter Die spätere Stadt Weil der Stadt entstand als dörfliche Siedlung wahrscheinlich im 6. Jahrhundert – vermutlich auf dem Gelände eines römischen Landsitzes (villa rustica) – und erhielt den Namen Wila (Wile), der dann später zu Weil wurde. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahre 1075 in einer Urkunde König Heinrichs IV.

Zwischen 1223 und 1242 wurden dem Dorf Weil, das sich bis dahin im Besitz der Grafen von Calw und des Klosters Hirsau befunden hatte, die Stadtrechte durch Kaiser Friedrich II. verliehen. Bereits um 1275 wurde Weil eine Reichsstadt, das genaue Jahr ist unbekannt. mini|Weil der Stadt 1682, Forstlagerbuch von Andreas Kieser mini|Ansicht von Weil der Stadt. Kolorierter Stich, Augsburg um 1740. 1373 erhielt Weil der Stadt von Kaiser Karl IV. die Gerichtsbarkeit und das Zollrecht verliehen, 1489 erlangte die Stadt einen ständigen Sitz im Reichstag, der Vertretung der Reichsstände. Während der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts befand sie sich unter badischem Einfluss.

Frühe Neuzeit bis zur Mediatisierung der Reichsstadt Die Reformation fand schon seit 1522 Anhänger in Weil der Stadt. Das Augustinerkloster starb deshalb fast völlig aus; das Kloster der Franziskanerinnen ging ein. Bis 1552 war knapp die Hälfte der Bürger evangelisch geworden, so auch die Familie des in Weil der Stadt geborenen Astronomen Johannes Kepler. Die 1590 einsetzende vom Kaiser und den Bischöfen von Speyer betriebene Gegenreformation führte nach jahrzehntelangen Streitigkeiten im Jahr 1628 zum Sieg der katholischen Partei, so dass Weil der Stadt zu einer katholischen Enklave im Umland des lutherischen Herzogtums Württemberg wurde. In der Zeit der Hexenverfolgungen zwischen 1615 und 1629 wurden bei einer damaligen Einwohnerzahl von 200 Familien 38 Menschen in Hexenprozessen angeklagt, gefoltert und verbrannt.Kurt Baschwitz: Hexen und Hexenprozesse. Bertelsmann Verlag, München, 1990, S. 252

Kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 wurde Weil der Stadt durch französische Truppen geplündert und in Brand gesetzt, wodurch große Teile der Altstadt zerstört wurden. Der Stadtbrand von 1648 gilt neben der Schlacht bei Döffingen 1388 als unheilvollstes Ereignis der Stadtgeschichte.

Württembergische Zeit Im Jahre 1803 verlor Weil der Stadt im Rahmen der Mediatisierung seine Reichsfreiheit und fiel an das Kurfürstentum Württemberg. Zunächst war die Stadt Sitz eines eigenen württembergischen Stabsamts. Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg wurde Weil der Stadt 1808 dem Oberamt Leonberg zugeordnet. 1869 erhielt die Stadt durch die Schwarzwaldbahn von Zuffenhausen nach Calw Anschluss an das Streckennetz der Königlich Württembergische Staats-Eisenbahnen. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Weil der Stadt 1938 zum Landkreis Leonberg.

Nachkriegszeit Im Jahre 1945 fiel die Stadt in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte dann zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. 1973 erfolgte die Kreisreform in Baden-Württemberg, bei der Weil der Stadt zum Landkreis Böblingen kam.

Im Jahre 1996 fanden in Weil der Stadt die Heimattage Baden-Württemberg statt.

Eingemeindungen 1. Dezember 1971: Eingemeindung von Hausen an der Würm nach Merklingen 1. Juli 1972: Vereinigung von Weil der Stadt mit Merklingen zur neuen Stadt Weil der Stadt 1. August 1973: Eingemeindung von Schafhausen 1. Januar 1975: Eingemeindung von Münklingen

Stadtteile Merklingen links|60px

Merklingen wurde erstmals 1075 als „Marchilingen“ in einer Besitzurkunde des Klosters Hirsau erwähnt. Der wechselte mehrmals den Besitzer. Nach den Grafen von Calw ging Merklingen um 1260 an die Grafen von Eberstein und Zweibrücken, 1276 gelangte es als Lehen an den rheinischen Pfalzgrafen Ludwig. 1296 erwarb das Kloster Herrenalb Hof, Vogtrecht und Niedergerichtsbarkeit und 1469 war es schließlich im Besitz des ganzen Ortes. 1496 zwang Herzog Eberhard von Württemberg die Klosteruntertanen, darunter auch das Oberamt Merklingen, den württembergischen Landesherrn anzuerkennen.

Hausen mini|Würmbrücke in Hausen 2012 links|60px

Wahrscheinlich war die Gegend um Hausen an der Würm schon um 600 bis 700 n. Chr. besiedelt. Die älteste Erwähnung von Hausen erfolgte jedoch erst 1327 in einer Urkunde des Klosters Herrenalb. Im Jahr 1420 verzichteten zwei Neffen des 1405 verstorbenen letzten Herren von Hausen auf ihre Rechte im Dorf, das 1432 an Hans von Steinegg und 1439/40 an das Kloster Herrenalb ging. Nachdem im Dreißigjährigen Krieg die Herrschaft des Klosters zusammengebrochen war, fiel Hausen an den Herzog von Württemberg.

Münklingen links|60px Als „Munchelingen“ wird der Ort im Jahr 1075 erstmals urkundlich erwähnt. Bereits im 9. Jahrhundert hatte das Kloster Hirsau hier Güter erworben. Der Ortsadel, die Herren von Malmsheim, mussten ihren Besitz deshalb mit dem Kloster Hirsau und später auch mit dem Kloster Herrenalb teilen. Als die Herren von Weil 1385 Teile erbten, stand Württemberg bereits der Anteil des Klosters Herrenalb zu, 1424–1448 erwarb es auch deren Lehensrecht. Im Jahr 1500 wurde Münklingen endgültig württembergisch.

Schafhausen mini|Schafhausen, 1973 eingemeindet links|60px

Schafhausen wurde um das Jahr 700 gegründet, urkundlich als „Scafhusen“ allerdings erst 1272 erwähnt. Die ersten adeligen Herren waren die Grafen von Calw neben den Herren von Beutelspach. Conrad von Beutelspach verschenkte um das Jahr 1110 einige seiner Güter an das Kloster Hirsau, das seinen Besitz in den folgenden Jahrhunderten ausbaute. 1468 gehörte schließlich der ganze Ort dem Kloster. Da die Grafen von Württemberg die Vogteirechte über das Kloster Hirsau hatten, war der Vogt von Böblingen zugleich Schirmvogt des Klosterfleckens Schafhausen.

Einwohnerentwicklung mini|Einwohnerentwicklung von Weil von 1871 bis 2017 mit Einwohnerzahlen nach heutigem Gebietsstand Die Zahlen der ersten Tabelle entsprechen der tatsächlichen Einwohnerzahl von Weil der Stadt nach dem alten Gebietsstand ohne die Eingemeindungen der 1970er Jahre:Einwohner von Weil der Stadt nach altem Gebietsstand bei Leo BW, abgerufen am 11. April 2021.

Jahr Einwohner 1852 1734 1871 1824 1880 1776 1890 1737 1900 1798 1910 1859 Jahr Einwohner 1925 1926 1933 2031 1939 2257 1950 3487 1956 4133 1961 4597 1970 5687

Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Nachfolgend handelt es sich um Einwohnerzahlen nach dem heutigen Gebietsstand. Die Zahlen vor 1970 sind somit rückgerechnet höher als sie es nach dem damaligen Gebietsstand von Weil der Stadt tatsächlich waren: