mini|rechts Karl Friedrich Eduard Lucas (* 19. Juli 1816 in Erfurt; † 24. Juli 1882 in Reutlingen) war ein deutscher Pomologe des 19. Jahrhunderts.
Leben und Familie mini|Eduard Lucas – Ausschnitt aus dem Darwin-Album von 1877 – Blatt 5 (Jena) Lucas wurde am 19. Juli 1816 als Sohn des Erfurter Arztes Carl Friedrich Lucas und dessen Frau Charlotte Maximiliane Josepha Borberrg geboren. Beide Eltern verstarben im Jahr 1826, wodurch Lucas schon im Alter von 10 Jahren Vollwaise wurde.Carl Leisewitz: Lucas, Eduard. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 19, Duncker & Humblot, Leipzig 1884, S. 342–344. Nach dem Tod der Eltern lebte Lucas im Haushalt seines Onkels, des Apothekers Christian Lucas, der Inhaber der Erfurter Mohrenapotheke war. Er interessierte sich bereits als Jugendlicher für Gärtnerei und Botanik und besuchte regelmäßig die Erfurter Gärtnerei von Friedrich Adolph Haage jun. Bereits mit 15 Jahren brach er den Besuch des Gymnasiums in Erfurt ab und wandte sich seinem Lebensinteresse, der Gärtnerei, zu.
Am 9. November 1841 heiratete Eduard Lucas in Regensburg Walburga Rueff (1821–1903), die älteste Tochter von Joseph Rueff (1791–1840), einem Münchner Hauptmann und Oberfeuerwerksmeister, die er während seiner Tätigkeit am Botanischen Garten in München kennengelernt hatte.Claus Priesner: Lucas, Eduard. In: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 271 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117259802.html; aufgerufen am 14. Dezember 2013. Am 30. Oktober 1842 wurde das erste Kind, der Sohn Friedrich geboren, der später die vom Vater gegründete Lehranstalt für Gartenbau, Obstkultur und Pomologie in Reutlingen weiterführte. Das Paar bekam noch drei weitere Kinder, die Töchter Luise, Julie und Agnes.
Im Frühjahr 1882 des Jahres erkrankte Eduard Lucas an Peliosis rheumatica und reiste im Juni zu einer Kur im Kurhotel Kainzenbad bei Partenkirchen, die er aber nach fünf Wochen wegen der weiteren Verschlechterung seines Gesundheitszustandes abbrechen musste.Wilhelm Seelig: Eduard Lucas. In: Pomologische Monatshefte, 1882, Heft 9, S. 264f Er starb am 24. Juli 1882 im Alter von 66 Jahren in Reutlingen.Anzeige zum Tod von Eduard Lucas. In: Pomologischen Monatshefte, Heft 8, 1882, S. 224 Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof „Unter den Linden“ in Reutlingen.Knerger: Das Grab von Eduard LucasFriedhof unter den Linden auf der Homepage der Stadt Reutlingen, aufgerufen am 13. November 2021. mini|Grabmal der Familie Lucas auf dem Friedhof "Unter den Linden"
Gärtnerischer Werdegang mini|Hauptgebäude des Pomologischen Instituts und Wohnhaus der Familie Lucas mini|Pomologisches Institut mit Baumschule, Obstmustergarten, Arboretum und Beerenobstgarten mini|Apfelsorten nach dem pomologischen System Diel-Lucas mini|Birnensorten nach dem pomologischen System von Eduard Lucas Auf Vermittlung von Friedrich Haage trat er im April 1831 eine dreijährige Lehrzeit bei dem Hofgärtner Eduard Richter im Luisium in Dessau an. Er befasste sich hier vor allem mit der Kultur von Blumen und Gemüseanbau und betreute auch ein Gewächshaus mit exotischen Pflanzen sowie ein Weintreibhaus, lernte in der Ausbildung aber sonst wenig über Obstbau.Eduard Lucas: Aus meinem Leben. Eine Autobiographie. Metzger, Ravensburg 1882, S. 7. Nach der Ausbildung nahm er zunächst eine Stelle als Gärtnergehilfe bei der Handelsgärtnerei A. Bergemann in Frankfurt (Oder) an, wechselte aber nach nur drei Monaten an den Botanischen Garten der Universität Greifswald.Hermann Jäger: Dr. Eduard Lucas – fünfzig Jahre eines Gärtnerlebens. In: Deutsche Gärtnerzeitung. 1881, Band 5, S. 113–116 u. 128–130. Hier arbeitete er bis September 1835 unter dem Gärtner Johann Gottfried Langguth und dem Direktor Professor Dr. Christian Friedrich Hornschuch, der ein Freund seines Onkels war. Er nahm an botanischen Vorlesungen und Exkursionen teil.
Im September 1835 kehrte er in seine Heimatstadt Erfurt zurück und arbeitete als Gärtnereigehilfe in der Handelsgärtnerei Friedrich Adolph Haage jun., die damals eine der bedeutendsten deutschen Gärtnereien war.Franz Friedrich Just: Eduard Lucas und das Pomologische Institut in Reutlingen; Sonderdruck aus den Reutlinger Geschichtsblättern 2003; Reutlingen 2007, S. 12. Die Gärtnerei war besonders auf Zierpflanzen spezialisiert und unterhielt eine umfangreiche KakteensammlungSteffen Raßloff: Würzig oder stachlig. Das Gartenbauunternehmen Haage. Beitrag der Serie Mythos Blumenstadt. In: Thüringer Allgemeine. 21. April 2007 (online, abgerufen am 12. Dezember 2013)., so dass Lucas hier Erfahrungen mit deren Kultur sammeln konnte. Im Herbst 1836 schickte Haage ihn in die Salzburger Alpen, um dort Pflanzen und Samen für einen in der Gärtnerei angelegten Felsengarten zu sammeln.Eduard Lucas: Mittheilungen über eine Reise nach den Salzburger Alpen. In: Berliner Allgemeine Gartenzeitung, 1837, S. 27ff. Auf der siebenwöchigen Reise besuchte er verschiedene Gärtnereien, Gartenanlagen sowie die Botanischen Gärten in Erlangen, Regensburg und München. In München lernte er den Vorstand des Botanischen Gartens von Martius kennen. Der Bericht über die Reise mit einer Beschreibung der besichtigten Gärten in der Berliner Allgemeinen Gartenzeitung im Jahr 1837 ist Lucas erste Veröffentlichung.
Der leitende Gärtner des Botanischen Gartens München, Seitz vermittelte Lucas eine Gehilfenstelle, die er am 1. April 1838 antrat. Er betreute den Kleinen Garten, der einige Glashäuser, ein Kakteenhaus und eine Anlage für Gemüsebau umfasste.Franz Friedrich Just: Eduard Lucas und das Pomologische Institut in Reutlingen. Sonderdruck aus den Reutlinger Geschichtsblättern 2003; Reutlingen 2007, S. 15 Durch seine umsichtigen Kulturmethoden gelang es Lucas, die ihm anvertrauten kümmernden Kakteen- und Palmenkulturen wieder in einen guten Zustand zu versetzen, wodurch die Professoren für Botanik von Martius und Zuccarini auf ihn aufmerksam wurden. Diese ermöglichten ihm aufgrund des gewonnenen Vertrauens die Teilnahme an botanischen Vorlesungen und Exkursionen an der Universität München. Lucas unternahm gärtnerische Kulturversuche, bei denen er der Pflanzerde Kohlenstaub zusetzte. Dabei beobachtete er, dass die so kultivierten Pflanzen sich durch besondere Wüchsigkeit auszeichneten. Die Ergebnisse konnte er auf Vermittlung des Chemikers A. Buchner in einer pharmazeutischen Zeitschrift veröffentlichen.Eduard Lucas: Versuche und Beobachtungen über die Wirkung der vegetabilischen Kohle auf die Vegetation. In: Repertorium für die Pharmacie, Band 69, Nürnberg 1840, S. 38ff Auf diese Publikation wurde Justus von Liebig aufmerksam, der den Text daraufhin in sein bekanntes Werk Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie aufnahm.Eduard Lucas: Versuche und Beobachtungen über die Wirkung der vegetabilischen Kohle auf die Vegetation. In: Justus von Liebig: Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie. Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig 1840, S. 184ff
1841 vermittelte ihm von Martius eine Anstellung als Leiter des botanischen Gartens in Regensburg. Neben dem Botanischen Garten befand sich das Regensburger Waisenhaus, dessen Vorstand Wendelin Geiger, ein katholischer Geistlicher, Lucas erste Kenntnisse über Obstbau und Pomologie vermittelte.Eduard Lucas: Aus meinem Leben. Eine Autobiographie, Ravensburg 1882, S. 35 Im Jahr 1843 wurde er als Institutsgärtner an die neu gegründete Gartenbauschule der Landwirtschaftliche Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt Hohenheim berufen. Neben der Pflege der Obstbaumschule und der Obstkulturen des botanisch-ökonomischen Gartens und des Samenmagazins, gehörte auch der Unterricht in Obstbaumzucht, Gemüsebau, Zierpflanzenbau und Botanik zu seinen Aufgaben. Während er durch seine Ausbildung und bisherige Berufserfahrung mit den Themen Zierpflanzenbau und Botanik vertraut war, musste er sich zur Vorbereitung auf die Vorlesungen und Demonstrationen im Fachgebiet Obstbau intensiv in dieses Thema einarbeiten.
1859/60 gründete er in Reutlingen eine private Lehranstalt für Gartenbau, Obstkultur und Pomologie. Lucas war Geschäftsführer des von ihm gegründeten Deutschen Pomologen-Vereins und mit Oberdieck Herausgeber der Pomologischen Monatshefte. Er entfaltete auf dem Gebiet des Obstbaus eine reichhaltige schriftstellerische Tätigkeit.
Er verbesserte und erweiterte das von Adrian Diel entwickelte Dielsche-System zur Kategorisierung und Bestimmung von Apfelsorten, das daher auch als System Diel-Lucas bezeichnet wird.Apfelbaum. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 1. Leipzig 1905, S. 612–614. (online) Außerdem entwickelte er ein pomologisches System für Birnen und Pflaumen.
Eduard Lucas bekannte sich offen zum Darwinismus und beteiligte sich am Ehrengeschenk der deutschen Anhänger zu Darwins 69. Geburtstag, einem vom Rechnungsrat und Naturforscher Emil Rade (1832–1931) initiierten, von Ernst Haeckel geförderten und im Wesentlichen von Arthur Fitger mit insgesamt 21 Blättern gestalteten mit Silber-(und Gold-)beschlägen reich verzierten 50 cm hohen und 43 cm breiten Album (Darwin-Album von 1877),Das Album enthält insgesamt 165 Porträts und befindet sich heute noch in der Darwin Collection im Down House, London, Luxted Road, Downe, Orpington, BR6 7JT in dem ab Blatt 3 zahlreiche Fotografien seiner Anhänger in je ein bis zehn passepartoutartig geschnittenen Feldern eingefügt sind. Mit der Widmung als warmer Verehrer der Darwin’schen Lehre wurde Dr. Ed. Lucas in Reutlingen auf Blatt 5 (Jena) in diesem Album, das Darwin im Februar 1877 überreicht wurde, aufgenommen.Brunhild Gries: Emil Rade (1832–1931), sein Anteil an der naturkundlichen Erforschung Westfalens und das Darwin-Album von 1877. Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde, 68, 2, Münster 2006 (PDF)
Ehrungen und Nachwirken Ehrungen zu Lebzeiten Im Jahr 1853 wurde Lucas durch König Wilhelm von Württemberg der Titel Königlicher Garteninspektor und 1858 die Goldene Civilverdienstmedaille des Königreichs Württemberg verliehen.Hermann Jäger: Dr. Eduard Lucas – fünfzig Jahre eines Gärtnerlebens. In: Deutsche Gärtnerzeitung. 1881, Band 5, S. 113–116 u. 128–130. Für seine Verdienste zu den Themen Obstbau und Pomologie wurde er im Jahr 1866 von der K.K. Landwirthschaftsgesellschaft in Wien mit der Grossen silbernen Gesellschaftsmedaille ausgezeichnet.Eduard Lucas: Personalnachrichten. In: Eduard Lucas und Johann G. C. Oberdieck: Illustrirte Monatshefte für Obst- und Weinbau, Verlag der Dorn’schen Buchhandlung, Ravensburg 1866, S. 128.
Am 15. Juli 1866 verlieh ihm die Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Tübingen für seine Verdienste bei seiner Lehrtätigkeit über Pflanzenzucht sowie die Förderung der Obstkultur anlässlich seines 50. Geburtstages die Ehrendoktorwürde.Eduard Lucas: Personalnachrichten. In: Eduard Lucas und Johann G. C. Oberdieck: Illustrirte Monatshefte für Obst- und Weinbau. Verlag der Dorn’schen Buchhandlung, Ravensburg 1866, S. 256. Er war damit der erste Gärtner, dem eine Ehrendoktorwürde zuteilwurde.
Außerdem wurde Lucas die Meisterurkunde des Frankfurter Hochstifts für Wissenschaft und allgemeine Kunst im Goethe Haus verliehen.Franz Friedrich Just: Eduard Lucas und das Pomologische Institut in Reutlingen; Sonderdruck aus den Reutlinger Geschichtsblättern 2003; Reutlingen 2007, S. 82.
Posthume Ehrungen