mini|Kopf eines Weißkopfseeadlers mini|Weißkopfseeadler, Porträt mini|240px|links|Verbreitung des Weißkopfseeadlers

mini|Auf einem Walkadaver fressender Weißkopfseeadler mini|Sich paarende Weißkopfseeadler mini|Weißkopfseeadler im Flug mini|Nest mini|Ei, Coll. Museum Wiesbaden mini|Wenige Tage alte Nestlinge des Weißkopfseeadlers mini|Fast flügge Jungvögel mini|Immaturer Weißkopfseeadler im Flug mini|Ausgewachsener Weißkopfseeadler mini|Ansammlung von Weißkopfseeadlern in Homer, Alaska mini|Auffliegender Weißkopfseeadler

Der Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus, aus griechisch ἁλι- hali- „meerwasser-“, αἰετός aietos „Adler“, λευκός leukos „weiß“, κεφαλή kephale „Kopf“) ist ein großer Greifvogel aus der Familie der Accipitridae. In Aussehen und Lebensweise ähnelt die Art sehr dem eurasischen Seeadler, die beiden Arten werden daher von manchen Autoren zu einer Superspezies vereinigt. Der Weißkopfseeadler ist der Wappenvogel der USA und daher auf deren Siegel zu sehen. Im Dezember 2024 wurde er dort offiziell zum Nationalvogel erhoben.

Die Bestände des Weißkopfseeadlers, der ursprünglich in großen Teilen Nordamerikas vorkam, waren seit dem 19. Jahrhundert rückläufig, die niedrigste Zahl an Brutpaaren wurde in den 1960er-Jahren gezählt. Ursache dafür waren Abschüsse, die Folgen des Einsatzes des Insektizids DDT und Lebensraumveränderungen. Erste gesetzliche Erlasse zum Schutz des Weißkopfseeadlers gab es bereits im frühen 20. Jahrhundert, die in den Folgejahren immer weiter verschärft wurden. Nach dem Verbot von DDT, das sich durch Biomagnifikation stark auf die Fähigkeit von Weißkopfseeadlern ausgewirkt hatte, Nachwuchs großzuziehen, erholten sich die Bestände wieder. Mittlerweile sind Weißkopfseeadler wieder in ihrem gesamten ursprünglichen Verbreitungsgebiet anzutreffen, und die Bestände haben sich so weit erholt, dass die Art nicht mehr als gefährdet gilt.

Beschreibung Weißkopfseeadler sind nach dem Kalifornienkondor die größten Greifvögel Nordamerikas. Ihre Körperlänge beträgt 70–90 cm, die Flügelspannweite 1,80–2,50 m und das Gewicht 2,5–6,3 kg. Proportionen und Gefiederfärbung ähneln sehr dem eurasischen Seeadler, die Färbung des Weißkopfseeadlers ist jedoch deutlich kontrastreicher. Der Kopf und der Hals, der Schwanz und die Unter- und Oberschwanzdecken sind weiß, Körper und Flügel sind dunkelbraun. Füße, Schnabel, Wachshaut und die Iris der Augen sind hellgelb.

Die flüggen Jungvögel ähneln zunächst sehr den Jungvögeln des Seeadlers, sie sind braun mit dunkelgrauem Schnabel und brauner Iris. Beste Unterscheidungsmerkmale zum jungen Seeadler sind die weißen Achselfedern und der weitgehend ungefleckte Bauch. Sie erreichen ihre sexuelle Reife erst in einem Alter von fünf, gelegentlich auch erst mit sechs Jahren. Sehr selten kommt es vor, dass sie bereits mit vier Jahren ausgewachsen sind und in besonderen Ausnahmefällen erreichen sie ihre Geschlechtsreife bereits mit drei Jahren. Sie entwickeln das Gefieder, das dem adulter Vögel entspricht, entsprechend über mehrere Jahre: Bei zweijährigen Weißkopfseeadlern sind die Augen graubraun oder weißlich. Der Bauch und der Rücken wirken weiß gefleckt. Bei dreijährigen Weißkopfseeadlern weisen die Wangen und der Kopf bereits einen größeren Weißanteil auf, der Schnabel ist gelb. Die Iris ist jetzt hellgelb. Weißkopfseeadler im vierten Lebensjahr weisen bereits überwiegend einen dunkelbraunen Körper und dunkelbraune Flügel auf, jedoch finden sich noch einzelne weiße Flecken. Schwanz sowie Unter- und Oberschwanzdecken sind bereits bei den meisten Individuen weiß. Der Kopf ist weiß, weist aber noch einen dunklen Augenstreif auf.Jonathan Alderfer (Hrsg.): Complete Birds of North America. S. 132–133.

Verbreitung Ursprünglich war der Weißkopfseeadler über das ganze Festland Nordamerikas verbreitet. Durch menschliche Verfolgung ist die Verbreitung in den USA heute im Wesentlichen auf die Ost- und die Westküste sowie auf Alaska reduziert, außerdem besiedelt die Art weite Teile Kanadas. Der Weißkopfseeadler lebt meistens an Flüssen, Seen oder an der Küste. Die größte Population gibt es in Alaska, die zweitgrößte in Florida, wobei in Florida 70 % am St. Johns River leben. Man trifft ihn manchmal in Zentral-Arizona und im Golf von Mexiko an. Während des Winterhalbjahrs versammeln sich insbesondere die im nördlichen Verbreitungsgebiet vorkommenden Weißkopfseeadler in bestimmten Regionen. Von November bis Februar treffen zwischen ein- und zweitausend Weißkopfseeadler in der Nähe der am nördlichen Ende des Howe Sound gelegenen Stadt Squamish der kanadischen Provinz British-Columbia ein. Sie halten sich auf Grund der zu ihren Laichgründen zurückkehrenden Lachse entlang der Ufer der Flüsse Squamish und Cheakamus auf., aufgerufen am 10. Mai 2015 Als Irrgast wurde der Weißkopfseeadler bislang zwei Mal in Europa beobachtet. Ein Jungvogel wurde im Januar 1973 im irischen County Fermanagh illegal abgeschossen und im November 1987 wurde im irischen County Kerry ein erschöpfter Jungvogel aufgefunden.AP-Meldung von 1987

Ernährung Der Weißkopfseeadler ernährt sich, ähnlich wie der Seeadler, überwiegend von Fischen und Wasservögeln. Säugetiere nutzt er seltener als Beute.. Aufgerufen am 10. Mai 2015. In 20 Studien zu den Ernährungsgewohnheiten des Weißkopfseeadlers machte Fisch insgesamt 56 % der Nahrung nistender Vögel aus. Vögel stellten 28 % und Säugetiere 14 % der Nahrung; auf andere Beutetiere entfielen 2 %.M. V. Stalmaster; The Bald Eagle. Universe Books, New York 1987. Im Südosten von Alaska besteht die Nahrung des Weißkopfseeadlers zu 66 % aus Fisch, während der Nistperiode entfallen sogar 78 % der Beute, die sie zum Nest bringen, auf Fisch.

Aas frisst er insbesondere im Winter häufig. Wie der Seeadler parasitiert auch der Weißkopfseeadler häufig bei anderen Arten. Die Jagdmethoden entsprechen weitgehend denen der Seeadler.

Fortpflanzung Die Nester (Horste) baut er wie der Seeadler auf alten Bäumen oder in Felswänden aus dicken Ästen, die Mulde wird mit Moos und Gras ausgepolstert. Alte Horste können bis zu 450 kg schwer sein. Das Gelege umfasst ein bis drei Eier. Die Brutzeit liegt in der Regel zwischen März und Juni und dauert 33–36 Tage. Während dieser Zeit kümmern sich beide Eltern um das Gelege und die spätere Aufzucht. Die Jungadler sind nach zehn bis elf Wochen flügge.

Lebensdauer und Mortalitätsursachen In freier Wildbahn liegt die mittlere Lebensdauer von Weißkopfseeadlern bei etwa 20 Jahren.Cornell-Lab of Ornithology, aufgerufen am 10. Mai 2015 In Gefangenschaft erreichen sie regelmäßig ein höheres Lebensalter. Ein in New York gehaltenes Individuum erreichte ein Lebensalter von fast 50 Jahren.

Die durchschnittliche Lebensdauer, die in einer Population von Weißkopfseeadlern erreicht wird, ist maßgeblich von der Verfügbarkeit von Nahrung und damit von ihrer jeweiligen Lebensregion beeinflusst. Da sie nicht länger verfolgt werden, ist die Sterblichkeitsrate ausgewachsener Weißkopfseeadler niedrig. Im Prince William Sound in Alaska hatten sie eine jährliche Überlebenswahrscheinlichkeit von 88 %, selbst nachdem das Schiffsunglück der Exxon Valdez dort zu schwerwiegenden Verschmutzungen durch Öl geführt hatte.T. D. Bowman; P, F. Schempf; J. A. Bernatowicz (1995): Bald Eagle survival and populations dynamics in Alaska after the Exxon Valdez oil spill. Journal of Wildlife Management 59 (2): 317–324., 1995. doi:10.2307/3808945. Von 1428 Individuen, deren Todesursache vom National Wildlife Health Center zwischen 1963 und 1984 untersucht wurden, starben 68 % direkt oder indirekt durch menschlichen Einfluss. 23 % der Todesursachen waren auf Zusammenstöße mit Autos oder Drähten zurückzuführen, 22 % starben durch Abschuss, 11 % durch Vergiftung, 9 % durch Stromschlag und 5 % in Fallen.P. B. Wood, D. A. Buehler, and M. A. Byrd: Raptor status report-Bald Eagle. Seiten 13 bis 21 in Proceedings of the southeast raptor management symposium and workshop. 1990, National Wildlife Federation Washington, D.C. Allerdings geht man davon aus, dass die Zahl der illegalen Abschüsse aufgrund der Strafandrohungen mittlerweile rückläufig ist.J. D. Fraser: The impact of human activities on Bald Eagle populations-a review. Seiten 68 bis 84 in The Bald Eagle in Canada. White Horse Plains Publishers Headingley, Manitoba 1985

Eine im Südosten der USA auftretende Todesursache ist bedingt durch die Anreicherung eines natürlichen Nervengifts in der Nahrungskette. Cyanobakterien der Art Aetokthonos hydrillicola besiedeln Blätter der in Nordamerika invasiv wachsenden Süßwasserpflanze Hydrilla verticillata – und bilden das Indolalkaloid Aetokthonotoxin (AETX). Das Gift durchläuft die Nahrungskette über Pflanzenfresser wie Schnecken und Wasservögel bis hin zu Raubvögeln. Beim Weißkopfseeadler zerstört AETX isolierende Myelin-Schichten um die Nervenfasern von Gehirn und Rückenmark. Dies führt zum Tod durch Vakuoläre Myelopathie.

Von den Nestlingen überleben in der Regel weniger als 50 % ihr erstes Lebensjahr., aufgerufen am 10. Mai 2015. Zu der für Vogelarten nicht untypischen hohen Sterblichkeit tragen der Zusammenbruch des Nests, Verhungern, Aggressivität sowie ungünstige Wetterbedingungen bei. Ein anderer wesentlicher Grund für den Verlust von Eiern und den Tod von Nestlingen sind Fressfeinde. Dazu zählen große Arten von Möwen, Raben, Krähen und Elstern, Vielfraße, Eulen, andere Greifvögel wie Habichte und Adler, Luchse, Braunbären und Waschbären.R. J. Hensel und W. A. Troyer:"Nesting studies of the Bald Eagle in Alaska". Condor 66 (4), 1964: S. 282–286. doi:10.2307/1365287.A. Sprunt; F. J. Ligas; Excerpts from convention addresses on the 1963 Bald Eagle report. Audubon 66, 1964: S. 45–47.R. W. Mckelvey; D. W. Smith: A black bear in a Bald Eagle nest. Murrelet 60, 1979: A. 106.C. Nash; M. Pruett-Jones; G. T. Allen: The San Juan Islands Bald Eagle nesting survey. In R. L. Knight.; G. T. Allen; M. V. Stalmaster; C. W. Servheen: Proceedings of Washington Bald Eagle symposium. Seattle, WA, 1980: The Nature Conservancy. S. 105–115.J. M. Gerrard und G. R. Bortolotti: The Bald Eagle: haunts and habits of a wilderness monarch. Smithsonian Institution Press, Washington, D.C., 1988. Elternvögel verteidigen ihr Nest energisch gegen Fressfeinde und haben selbst den Versuch eines Schwarzbären erfolgreich abgewehrt, einen Baum zu besteigen, auf dem sich Nestlinge befanden.

Gefährdung und Schutz Bestandsrückgang bis zu den 1960er-Jahren Ursprünglich ein vergleichsweise häufiger nordamerikanischer Greifvogel wurde die Art bis 1950 in weiten Teilen Nordamerikas ausgerottet. In den 1950er- und 1960er-Jahren kam es zu einem weiteren Bestandsrückgang, der vor allem auf den Einsatz des Insektizids DDT zurückgeführt wurde.J. Bull, J. Farrand: Audubon Society Field Guide to North American Birds: Eastern Region. Alfred A. Knopf. New York, 1987, ISBN 0-394-41405-5, S. 468–9. Weißkopfseeadler sind wie viele Greifvögel besonders anfällig dafür, dass sich Schadstoffe über die Nahrung in ihrem Körper ansammeln. Diese sogenannte Biomagnifikation mit DDT war für den ausgewachsenen Vogel nicht tödlich, beeinflusste jedoch seinen Kalzium-Stoffwechsel und führte letztlich dazu, dass der Vogel entweder unfruchtbar oder nicht in der Lage war, gesunde Eier zu legen. Weibchen legten Eier, die zu dünnschalig waren, um das Gewicht eines brütenden ausgewachsenen Vogels zu tragen. In Folge davon schlüpften kaum noch Nestlinge aus Eiern.