Der Flughafen Berlin-Schönefeld (), Name vom 31. Oktober 2020 bis zur Außerbetriebnahme am 18. November 2022 Flughafen BER Terminal 5, war neben den Flughäfen Tegel und Tempelhof einer der drei internationalen Verkehrsflughäfen im Großraum Berlin. Er war als eigenständiger Flughafen bis Ende Oktober 2020 in Betrieb. Das Abfertigungsgebäude des Flughafens wurde als Terminal 5 in den neueröffneten Flughafen Berlin Brandenburg (BER) integriert, als solches aber infolge der COVID-19-Pandemie seit Februar 2021 nicht mehr genutzt und mit Beschluss vom November 2022 endgültig geschlossen. Betreiber des Flughafens war die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB; bis Ende 2011: Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH) mit den Gesellschaftern Land Berlin, Land Brandenburg und Bundesrepublik Deutschland. Im Jahr 2019 wurden auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld 11.417.435 Passagiere abgefertigt.

Geschichte

Henschel Flugzeug-Werke

Am 15. Oktober 1934 begann der Bau der Henschel Flugzeug-Werke (HFW) in Schönefeld, die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs über 14.000 Flugzeuge bauten. Hierfür wurden drei je 800 m lange Start- und Landebahnen aus Beton errichtet. Während der Schlacht um Berlin wurden die HFW am 22. April 1945 von sowjetischen Truppen besetzt. Nachdem die sowjetische Besatzungsmacht die Betriebsanlagen für den Flugzeugbau entweder demontiert und abtransportiert oder gesprengt hatte, wurden auf dem Gelände bis 1947 Eisenbahnfahrzeuge repariert sowie Landmaschinen gebaut und instand gesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Flughafenbau, 1961

Im Jahr 1946 zogen die sowjetischen Luftstreitkräfte von Johannisthal nach Schönefeld um. Aeroflot nahm im selben Jahr den Flugbetrieb auf. Am 17. Juli 1947 ordnete die Sowjetische Militäradministration in Deutschland im SMAD-Befehl Nummer 93 den Aufbau eines zivilen Flughafens in Schönefeld an.Berlin-Kalender 1997 (17. Juli) Luisenstädtischer Bildungsverein, 1997, ISBN 3-89542-089-1. S. 137. Nach der Beendigung des ursprünglichen Baus 1959 wurde der Flughafen bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 mehrmals ausgebaut. Dadurch wurde er zum Zentralflughafen der DDR; eingeplant war eine Kapazität von langfristig 18 Millionen Passagieren pro Jahr. Er wurde zu einem Jugendobjekt erklärt, was die Bedeutung für die DDR unterstrich und beinhaltete, dass hier überwiegend junge Menschen Arbeit fanden.

Die Lage außerhalb der Stadtgrenzen Berlins führte dazu, dass in Schönefeld (anders als in Tegel und Tempelhof) trotz der besonderen Stellung im Zusammenhang mit dem Viermächte-Status Berlins nicht nur alliierte Fluggesellschaften, sondern auch solche aus sämtlichen Staaten der Welt uneingeschränkt starten und landen durften. „Sämtliche Staaten“ umfasste auch die Fluggesellschaften der DDR, also die Deutsche Lufthansa (der DDR) und ab 1958 deren Nachfolgerin Interflug. Rein rechtlich hätten auch westdeutsche Fluggesellschaften wie die Lufthansa Schönefeld anfliegen können, was aber angesichts des Kalten Krieges aus ideologischen Gründen nicht geschah. Lediglich das östliche Ende der (wegen des Baus der Autobahn A 113 heute nicht mehr existierenden) Startbahn Nord ragte ein Stück nach Berlin-Bohnsdorf hinein, sodass auf dieser Startbahn startende und ankommende Flugzeuge in bzw. aus Richtung Osten Ost-Berliner Stadtgebiet berührten, was nicht-alliierten Fluggesellschaften zwar verboten war, jedoch von den Besatzungsmächten geduldet wurde.

Am 3. Oktober 1959 landete in Berlin-Schönefeld erstmals ein Düsenpassagierflugzeug, eine Caravelle der SAS. Der Flughafen wurde 1961 als Gruppe 1 der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (englisch International Civil Aviation Organization, ICAO) eingestuft.

Im Jahr 1960 beschloss die DDR-Führung einen Generalplan zur Erweiterung zum Zentralflughafen Berlin-Schönefeld. Grundlage der Planung waren die erwarteten Passagierzahlen für die kommenden Jahrzehnte (3,5 Millionen für Schönefeld und rund 14 Millionen für ganz Berlin bis zum Jahr 1980) sowie die Notwendigkeit eines Flughafens, der die Erfordernisse modernen Strahlverkehrs und effizienter Passagierabfertigung erfüllt. Die Planungen sahen die Trennung des Kurz- und Langstreckenverkehrs vor. Nördlich des Bahnhofs sollte ein Abfertigungsgebäude mit zwei Pieren sowie zwei kurzen Pisten entstehen; südlich ein Abfertigungsgebäude mit ebenfalls zwei Pieren und einer oder zwei zusätzlichen Start- und Landebahnen. Die bestehende Bahn sollte auf über vier Kilometer verlängert werden. Darüber hinaus war eine großzügige Anbindung mit S-Bahn-, U-Bahn- und Fernbahnverkehr geplant.

mini|Tu-144 Anfang der 1970er Jahre beim Start in Schönefeld

Von den 1960er Jahren bis zur politischen Wende in der DDR war der Zentralflughafen Berlin-Schönefeld auch für die Bevölkerung aus West-Berlin sehr interessant, weil sich von hier aus viele Ziele in Osteuropa, wie beispielsweise Budapest oder Prag, sowie später immer mehr Ziele in Westeuropa (außer in der Bundesrepublik) erreichen ließen, die von den Flughäfen Tempelhof bzw. Tegel aus entweder nicht bedient oder erheblich teurer angeflogen wurden. Da im Flugverkehr des Ostblocks die Abgeltung von Kerosin oft im Rahmen besonderer Handelsbedingungen innerhalb der Staaten untereinander erfolgte, spielten die Betriebskosten für die Interflug nur eine untergeordnete Rolle, sodass sie es sich leisten konnte, die Flugpreise teilweise bis zu 70 Prozent unter das Niveau streckengleicher Flüge von Tegel oder Tempelhof aus zu senken. Als Zubringer für West-Berliner Passagiere existierte ab 1963 auf Initiative des West-Berliner Ostblockreisen-Anbieters Otto Haffner eine Busverbindung der Ost-Berliner Verkehrsbetriebe, für die die DDR eigens den Grenzübergang Waltersdorfer Chaussee angelegt hatte.Ärger mit Jimmy. In: Der Spiegel, 26. Juni 1963, PDF. Die 1990 eingestellte Buslinie führte vom Flughafen zum Hotel Arosa in Charlottenburg (Kurfürstendamm Ecke Adenauerplatz), hielt am Messegelände am dortigen Zentralen Omnibusbahnhof sowie in Wilmersdorf an der Güntzel-/Ecke Uhlandstraße vor Haffners Reisebüro Helios.Westberlin – Flughafen Berlin-Schönefeld

Die Grenze von einer Million Passagiere wurde 1969 überschritten, was bis auf drei Millionen 1990 gesteigert werden konnte.Gründung der Deutschen Lufthansa und späteren Interflug GmbH (Die ersten Jahre). Bei: interflieger.de, abgerufen im Juni 2008. Im Oktober 1987 wurden durch die Interflug von Schönefeld aus 55 Ziele auf vier Kontinenten bedient.Bordjournal; Berlin-Schönefeld: Interflug, Betrieb Verkehrsflug, Abteilung Werbung, 1987; S. 3.

zentriert|mini|hochkant=3|Neues Abfertigungsgebäude des Flughafens Berlin-Schönefeld im Mai 1980 mini|hochkant|Auszüge aus Berichten des MfS über den Bauingenieur Horst Paul Günter Matzko zum Einsatz am Bauvorhaben Grenzübergangsstelle Flughafen Berlin-Schönefeld, 1980–1983

Im Jahr 1976 wurde das heutige im Norden des Flughafens befindliche Terminal L unter dem Namen NPA (Neue Passagier-Abfertigung) in Betrieb genommen. 1980 fand eine durch die Staatssicherheit umfassende Überprüfung der Ingenieure statt, die für den Einsatz am Erweiterungsbau des Flughafens Schönefeld vorgesehen waren. Der Flughafen Schönefeld war gleichzeitig Grenzübergangsstelle zum nichtsozialistischen Ausland. Es wurde bis 1985 um die heutigen Terminals K und Q erweitert, die sich jeweils links bzw. rechts an das Terminal L angliedern. Dabei war das Terminal K (heute: Terminal der easyJet) seinerzeit „eigens für Transit-Passagiere von und nach West-Berlin“ vorbehalten, weshalb es innerhalb des Flughafengebäudes von den anderen Terminals wie auch draußen vom Rest des großen Vorplatzes abgeriegelt war und nur durch einen mit Schranke versehenen Kontrollposten angefahren werden konnte. Die entsprechenden Zubringer-Busse (s. o.) aus West-Berlin wurden danach am unweit gelegenen Grenzübergang Waltersdorfer Chaussee nicht mehr kontrolliert, stattdessen stieg dort bei der Anfahrt ein Angehöriger der Passkontrolleinheiten der DDR-Grenztruppen zu und fuhr die kurze Strecke zum Terminal K mit (damit kein DDR-Bürger während dieser Anfahrt in den Transitbus einsteigen und somit unbemerkt in den „West-Bereich“ des Flughafens gelangen konnte). Dort erfolgten die Abfertigung, Gepäckabgabe sowie die Ausweis- und Personenkontrolle von West-Berliner Passagieren ebenfalls noch gesondert, erst in der großen Wartehalle zu den Gates wurden sie mit den allgemeinen (Ost-)Flugreisenden zusammengeführt. Bei Ankunft verlief dieselbe Prozedur umgekehrt ab: Passagiere nach West-Berlin hatten sich ab 1985 nicht mehr in die allgemeine ‚Einreisehalle‘ (wie dort die Ankunftshalle genannt wurde) zu begeben, sondern wurden in den Ankunftsbereich des Terminal K dirigiert – nicht ohne zuvor durch Ausweiskontrollen strengstens überprüft zu werden. Dort bestiegen sie dann den Transitbus, in dem wieder ein Angehöriger der Passkontrolleinheiten (aus besagten Gründen) bis zum Grenzübergang mitfuhr, dort einfach ausstieg und den Bus ohne weitere Kontrollen nach West-Berlin „entließ“. Durch diese neue Handhabung (Wegfall der zusätzlichen Kontrollen am Grenzübergang) wurde der West-Berliner Zubringerverkehr nach Schönefeld ab 1985 erheblich einfacher und zeitsparender.

mini|Ausbauplanungen des Flughafens Schönefeld im Vergleich

Terminal Q war bereits Anfang 1984 in Betrieb und als eine von der Staatssicherheit besonders gesicherte, externe V.I.P.-Lounge mit zwei Salons, für V.I.P.s erster und zweiter Klasse, konzipiert. Die damals übliche Bezeichnung war Sonderraum. Zugang hatten nur ausländische Gäste der Regierung der DDR in Begleitung ihrer Gastgeber bzw. ihr unterstellter staatlicher Organisationen, die üblicherweise mit Dienst- oder Diplomatenpass, allerdings mit regulären Linienmaschinen reisten. Check-in und alle geforderten Kontrollen wurden entweder ganz erlassen oder diskret durchgeführt, während die Reisenden bei Imbiss und Getränken entweder auf ihren Abflug, oder auf ihr Gepäck warteten. Nicht selten leistete ihnen der damalige Stellvertretende Verkehrsminister und Generaldirektor der Interflug, Generalleutnant Klaus Henkes, dabei Gesellschaft. Auch das Boarding erfolgte getrennt, meistens nach allen sonstigen Passagieren. Nach 1990 wurde der Sonderraum in ein kleines Terminal Q für besonders sicherheitsempfindliche Flüge, beispielsweise nach Israel oder auch Charterflüge nach Nordamerika, umgebaut. Seit 2015 befanden sich im Terminal Q zusätzliche Sicherheits-Kontrollspuren mit automatisierter Bordkartenkontrolle für Fluggäste die nur mit Handgepäck reisen und bereits eingecheckt hatten.

zentriert|mini|hochkant=3|Besucherterrasse des Flughafens Berlin-Schönefeld im Mai 1980

Im zweiten Obergeschoss des Terminal L befand sich die Besucherterrasse mit Restaurant. Ursprünglich dehnte sich die Terrasse auf der gesamten Breite des Gebäudes aus. Ab den 1990er Jahren war nur noch ein schmaler Bereich über dem Terminal L zugänglich.

Im Südteil des Flughafens befanden sich die Werft- und Wartungsanlagen der Interflug. Sie wurden seit den 1990er Jahren in modernisiertem Zustand von der Lufthansa genutzt. Teilweise diente der südliche Bereich auch militärischen Zwecken. Das Transportfliegergeschwader 44 (TG-44) der NVA verlegte den Einsatz der Regierungsflugzeuge Tu-134 zu Beginn der 1980er Jahre von Marxwalde (dem heutigen Neuhardenberg) nach Schönefeld, da viele Flugeinsätze mit Regierungsmitgliedern ab Berlin begannen. Drei Maschinen des Typs Il-62 wurden vom TG-44 zusätzlich in Schönefeld neu stationiert.

Nach der Wiedervereinigung mini|Innenansicht von Terminal L mini|Außenansicht von Terminal M (früher: D) mini|Eine Concorde am 20. März 1999 in Schönefeld mini|Flughafen Schönefeld mit Planungsstand zum Baubeginn