Sachsen-Meiningen war ein ernestinisches Herzogtum im heutigen Thüringen, das 1680 durch Teilung des Herzogtums Sachsen-Gotha unter den Söhnen Herzog Ernsts I. von Sachsen-Gotha (1601–1675) entstand. Das vom gleichnamigen Fürstenhaus, einer Linie der Ernestiner, regierte Sachsen-Meiningen wurde 1867 Bundesstaat im Norddeutschen Bund und 1871 im Deutschen Kaiserreich. 1918 wurde aus dem Herzogtum der Freistaat Sachsen-Meiningen, der 1920 im Land Thüringen aufging.
Geschichte 1680 bis 1826 mini|links|Schloss Elisabethenburg in Meiningen, 1682–1918 Residenz der Herzöge von Sachsen-Meiningen mini|Sachsen-Meiningen (um 1680) Der drittälteste Sohn Bernhard I. bekam bei der Teilung des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg im Jahr 1680 die ehemals hennebergischen Ämter Meiningen, Maßfeld, Wasungen, Sand und Frauenbreitungen sowie die sächsisch-wettinischen Ämter Salzungen und Altenstein mit dem Gericht Liebenstein zugesprochen. Er bildete daraus das neue Fürstentum Sachsen-Meiningen und war Gründer des Hauses Sachsen-Meiningen. Wie bei den älteren Brüdern, Herzog Friedrich von Sachsen-Gotha und Herzog Albrecht von Sachsen-Coburg, erhielt Sachsen-Meiningen volle Landeshoheit im Reichsverband.
Durch das Aussterben der Linien Sachsen-Coburg 1699 und Sachsen-Römhild 1710 wurde das Territorium des Fürstentums nach jeweils langen und zum Teil kriegerischen Erbauseinandersetzungen (Themarer Krieg) deutlich vergrößert. 1735 wurden das Amt Neuhaus und das Gericht Sonneberg von Sachsen-Coburg und 1753 zwei Drittel der Herrschaft Römhild Sachsen-Meiningen zugesprochen. Das Land nannte sich nun in der Zeit von 1735 bis 1826 Sachsen-Meiningen-Coburg. Sachsen-Meiningen hatte bereits 1723 die Hälfte von Sachsen-Hildburghausen und 1729 auch die schaumbergische Hälfte des Amtes Schalkau sowie 1732 den schaumbergischen Gerichtsbezirk Rauenstein erworben. 1742 entstand bis 1826 aus dem Gericht Sonneberg ein Amt Sonneberg, das zusammen mit den Ämtern Schalkau und Neuhaus sowie dem Gericht Rauenstein räumlich vom Kerngebiet um Meiningen durch das Herzogtum Sachsen-Hildburghausen getrennt war. Für dieses Gebiet bürgerte sich die Bezeichnung „Meininger Oberland“ ein. Das Kerngebiet um die Residenzstadt Meiningen wurde nun als „Meininger Unterland“ bezeichnet. Bis 1806 gehörten die Ämter Meiningen, Maßfeld, Wasungen, Sand, Frauenbreitungen und Amt Salzungen zum Fränkischen Reichskreis.
1826 bis 1866 mini|links|Karte des Herzogtums Sachsen-Meiningen 1849 Die letzte Neuordnung und Territoriumsveränderung der ernestinischen Herzogtümer erfolgte nach dem Aussterben der Linie Sachsen-Gotha-Altenburg im Jahre 1826 durch den Teilungsvertrag zu Hildburghausen. Bis auf die Ämter Königsberg und Sonnefeld erhielt Sachsen-Meiningen ganz Sachsen-Hildburghausen, die Ämter Saalfeld, Gräfenthal und Themar (bisher zu Sachsen-Coburg-Saalfeld), Camburg mit 15 Orten des Kreisamts Eisenberg, Kranichfeld und 1/3 des Amts Römhild (bisher zu Sachsen-Gotha-Altenburg) zugesprochen. Sachsen-Coburg-Saalfeld bekam dafür die Ämter Sonnefeld und Königsberg und das Herzogtum Sachsen-Gotha, das in Personalunion als Doppelherzogtum Sachsen-Coburg und Gotha verwaltet wurde. Der Herzog Friedrich von Sachsen-Hildburghausen wurde zum Ausgleich mit Sachsen-Altenburg abgefunden.
Seit 1815 war Sachsen-Meiningen Mitglied des Deutschen Bundes. Das Herzogtum Sachsen-Meiningen erhielt 1829 eine eigene Verfassung und den aus Landständen vereinten Meininger Landtag, der sich aus 24 parlamentarischen Abgeordneten zusammensetzte. 1833 wurde das Herzogtum im Zoll- und Handelsverein der Thüringischen Staaten Mitglied des Deutschen Zollvereins.
1866 bis 1918 Im Deutschen Krieg 1866 stand Sachsen-Meiningen auf der Seite Österreichs, so dass eine preußische Kriegserklärung am 11. Juli erfolgte. Nach der Niederlage Österreichs und dem späteren Austritt am 26. Juli aus dem Deutschen Bund ersuchte Herzog Bernhard II. um die Aufnahme in den Norddeutschen Bund. Dieses wurde ihm nur unter der Bedingung der Abdankung zu Gunsten seines damals preußenfreundlichen Sohnes Georg II. zugesagt. Nach langwierigen Verhandlungen über einen Auseinandersetzungsvertrag mit seinem Sohn dankte der Herzog schließlich am 20. September nach dem Einrücken eines preußischen Infanterieregimentes in Meiningen zugunsten des Erbprinzen Georg ab. So konnte am 8. Oktober ein Friedensvertrag geschlossen werden, der lediglich gegen endgültige Abtretung des umstrittenen Dorfes Abtlöbnitz bei Camburg, ohne weitere Kriegsentschädigungen, die Aufnahme in den Norddeutschen Bund ermöglichte.
Im Jahre 1871 wurde das Herzogtum Mitglied des Deutschen Reiches, das den Norddeutschen Bund ersetzte. Im Bundesrat in Berlin ließ es sich durch das Königreich Bayern vertreten und nicht wie die meisten anderen thüringischen Staaten durch das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.
Herzogliche Residenz und Landeshauptstadt war die heutige Kreisstadt Meiningen (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) mit dem Residenzschloss Elisabethenburg. Die bekannteste und meistgenutzte Sommerresidenz der Meininger Herzöge befand sich im Schloss Altenstein in Bad Liebenstein. Weitere Residenzen waren die Veste Heldburg, das Schloss Landsberg sowie die Villa Carlotta in Tremezzo am Comer See.
Nach der Abdankung des Herzogs 1918 wurde aus dem Herzogtum der Freistaat Sachsen-Meiningen, der 1920 im Land Thüringen aufging.
Wappen Blasonierung: Das Wappen ist fünfmal geteilt und zweimal gespalten mit Mittelschild auf dem fünften und achten Feld. In den Feldern:
Herzschild (Feld 5): Neunmal von Schwarz und Gold geteilt. (Stammwappen der Wettiner, Ernestinische Linie und Kleines Staatswappen von Sachsen-Meiningen) Feld 1: In Blau ein siebenmal von Silber und Rot geteilter Löwe mit goldener Krone. (Landgrafschaft Thüringen) Feld 2: In Rot eine goldene Lilienhaspel mit acht Lilien, belegt mit einem weißen Herzschild. (Herzogtum Kleve, Erbanspruch) Feld 3: In Gold ein schwarzer Löwe. (Herzogtum Jülich, Erbanspruch) Feld 4: In Gold ein schwarzer Löwe. (Markgrafschaft Meißen) Feld 5: belegt von Mittelschild Feld 6: In Silber ein goldgekrönter roter Löwe mit Doppelschweif. (Herzogtum Berg, Erbanspruch) Feld 7: In Blau ein goldgekrönter goldener Adler. (Pfalzgrafschaft Sachsen) Feld 8: In Gold zwei blaue Pfähle. (Markgrafschaft Landsberg) Feld 9: In Schwarz ein goldener Adler (Pfalzgrafschaft Thüringen) Feld 10: Im mit zehn roten Herzen bestreuten Feld ein schwarzer Löwe mit roter Krone. (Grafschaft Orlamünde) Feld 11: In Silber drei blaue Balken. (Herrschaft Eisenberg im Kreis Stadtroda). Feld 12: Gespalten von Silber und Blau, belegt von einem goldbekrönten Löwen in verwechselter Tinktur. (Fürstentum Lichtenberg in der Pfalz) Feld 13: In Silber eine rote Rose mit goldenem Butzen und grünen Kelchblättern. (Burggrafschaft Altenburg in Thüringen) Feld 14: Rot. (Regalienfeld) Feld 15: In Silber drei rote Seeblätter (2:1). (Grafschaft Brehna im Kreis Bitterfeld) Feld 16: In Gold ein 21-mal in drei Reihen von Silber und Rot geschachter Balken. (Grafschaft Mark in Westfalen, Erbanspruch) Feld 17: Im geteilten Feld rechts in Gold auf grünem Dreiberg ein schwarzer Hahn mit rotem Kamm, links in Rot eine silberne Säule, darauf eine goldene Krone. (Rechts: Gefürstete Grafschaft Henneberg – Links: Herrschaft Römhild im Kreis Hildburghausen) Feld 18: In Silber drei rote Sparren. (Grafschaft Ravensberg in Westfalen, Erbanspruch)
Schlösser des Hauses Sachsen-Meiningen
Weitere Daten mini|Grenzstein zwischen Ellingshausen und Rohr Bevölkerung: 143.933 (1833), 187.957 (1871), 278.762 (1910)
Stadt Einwohner1. Dez. 1833 Meiningen 5656 Saalfeld 4358 Hildburghausen 4229 Pößneck 3424 Sonneberg 3347 Bad Salzungen 2804 Eisfeld 2769 Wasungen 2201 Stadt Einwohner1. Dez. 1910 Veränderungseit 1833 Meiningen 17.131 + 203 % Sonneberg 15.878 + 374 % Saalfeld 14.347 + 229 % Pößneck 12.430 + 263 % Hildburghausen 7708 + 82 % Bad Salzungen 5134 + 83 % Eisfeld 4439 + 60 % Wasungen 3021 + 37 %
Außerdem lagen 1910 im Vergleich zu 1833 folgende Orte über der Marke von 2000 Einwohnern: Gemeinde Steinach (7557 – 1928; +292 %), Gemeinde Lauscha (5821 – 911; +539 %), Gemeinde Oberlind (3602 – 864; +317 %), Gemeinde Schweina (3533 – 1357; +160 %), Stadt Themar (2960 – 1323; +124 %), Stadt Camburg (2846 – 1530; +86 %), Stadt Gräfenthal (2592 – 1387; +87 %), Stadt Schalkau (2439 – 977; +150 %), Gemeinde Breitungen (2290 – 1545; +48 %), Gemeinde Steinheid (2234 – 639; +250 %), Gemeinde Judenbach (2151 – 918; +134 %) und Stadt Lehesten (2025 – 870; +133 %).
Verwaltungsgliederung Das Herzogtum Sachsen-Meiningen war bei der Erbteilung nach Erlöschen der Linie Sachsen-Gotha-Altenburg (1826) deutlich erweitert worden. Das Staatsgebiet wuchs von ca. 970 km² auf ca. 2400 km². Durch Edikt vom 29. Januar 1829 Nr. 6Verordnungs-Sammlung Band I, S. 55–68. erfolgte eine Einteilung in 12 Verwaltungsämter: Meiningen, Salzungen, Sonneberg und Wasungen (für den alten Bestand von vor 1826), Eisfeld, Gräfenthal, Heldburg, Hildburghausen, Kranichfeld, Römhild, Saalfeld und Camburg (für die bei der Erbteilung hinzuerworbenen Gebiete).
Diese Verwaltungsämter wurden 1868/69 aufgehoben und ihre Sprengel in vier Kreisen zusammengefasst: Kreis Hildburghausen für Hildburghausen (mit Heldburg), Eisfeld und Römhild. Kreis Meiningen (mit den Exklaven Oberellen und Dietlas) für Meiningen, Salzungen und Wasungen. Kreis Saalfeld (mit den Exklaven Camburg, Großkochberg, Kranichfeld, Lichtenhain, Milda, Mosen, Rödelwitz, Treppendorf und Vierzehnheiligen) für Saalfeld, Gräfenthal, Kranichfeld und Camburg. Kreis Sonneberg (entspricht dem als Meininger Oberland bezeichneten früheren Verwaltungsamt).
Verwaltungsgliederung mit Einwohnerzahl 1871Fußnote: Volkszählung 1871
Kreis Einwohner 1871 Hildburghausen 50.725 Meiningen 52.632 Saalfeld 47.310 Sonneberg 37.217
Währung und Postregal mini|Schuldbrief über 100 Mark des Herzogtums Sachsen-Meiningen vom 22. Mai 1888 Das Herzogtum trat 1838 dem Dresdner Münzvertrag bei. Zwei Taler im preußischen 14-Taler-Münzfuß entsprachen nun süddeutschen Gulden im -Gulden-Fuß, was als gemeinsame Vereinsmünze der „contrahierenden Staaten“ gelten sollte. Diese Vereinsmünze zu „2 Taler = Gulden“ war in jedem Zollvereins-Land gesetzlich gültig – unabhängig davon, wer der jeweilige Emittent der Vereinsmünze war. Sachsen-Hildburghausen und Sachsen-Meiningen prägten eigene Münzen im bayerischen Münzfuß (1 Gulden zu 60 Kreuzer zu 240 Pfennigen). Münzstätten bestanden in Hildburghausen 1786–1829, in Saalfeld 1828–1846, in München 1854–1915. Erst mit der Einführung der Mark als Reichswährung zum 1. Januar 1876 nach dem Gesetz vom 4. Dezember 1871 wurde die Zersplitterung des Währungswesens aufgehoben.
Die Thurn-und-Taxis-Post sicherte sich durch Verträge mit den ernestinischen Herzogtümern das Postregal: 2. Mai 1807 mit Herzogin Louise Eleonore, Regentin für ihren Sohn Bernhard II. Erich Freund geschlossenen Vertrag das Postregal für das Herzogtum Sachsen-Meiningen, 4. April 1807 mit Herzog Friedrich für das Herzogtum Sachsen-Hildburghausen, 30. Juni 1816 mit Herzog Ernst I. für das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld, 24. Februar 1817 mit Herzog Friedrich IV. für den Landesteil Gotha des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg, 26. Oktober 1817 mit Herzog Friedrich IV. für den Landesteil Altenburg des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg.