mini|Blick auf Gefell Gefell ist eine Landstadt und Gemeinde im Saale-Orla-Kreis in Thüringen.

Geographie Gefell liegt im Südostthüringischen Schiefergebirge. Die Böden sind vorwiegend aus quarzisch gebändertem Tonschiefer und Quarzsandsteinen hervorgegangen.Hans Weber: Einführung in die Geologie Thüringens. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1955. Quellmulden sowie schmale Tallagen der Bäche sind typische Grünlandstandorte. Ackerbau ist auf plateauartigen Geländerücken, welligen Ebenen und Flachhängen begünstigt. Auf sonstigen Lagen überwiegt die forstliche Nutzung.

Geographische Lage Das Stadtgebiet von Gefell liegt am Dreiländereck von Thüringen, Sachsen und Bayern und erstreckt sich von diesem Punkt aus etwa 15 Kilometer nach Westen bis in die Nähe des Bleilochstausees. Das Stadtgebiet nimmt dabei auf durchschnittlich drei Kilometer Breite die Höhenlagen nördlich und östlich des Bogens ein, den die obere Saale in dieser Region beschreibt. Durch das Stadtgebiet fließen einige kleine Bäche nach Süden der Saale zu, darunter der Ehrlichbach, welcher die Altstadt Gefells durchfließt. Der Tannbach bildet im Südosten die Grenze zu Bayern. Höchste Erhebung der Region ist der 653 m hohe Rosenbühl nördlich der Stadt an der Grenze zu Tanna.

Stadtgliederung Die Stadt Gefell besteht neben der Kernstadt aus den bis Ende 1996 selbstständigen Gemeinden Blintendorf, Dobareuth, Frössen, Gebersreuth (mit Haidefeld, Straßenreuth und Mödlareuth) sowie Göttengrün und Langgrün als Stadtteilen.

Haidefeld liegt östlich der Kernstadt an der Grenze zu Sachsen. Gebersreuth und Straßenreuth sind im Südosten zu finden, wobei letzteres die dem Dreiländereck am nächsten gelegene Siedlung ist. Gebersreuth und südlich davon Mödlareuth liegen am Tannbach, wobei dieser bei Mödlareuth die Grenze zu Bayern bildet und den Ort in einen thüringischen Westen und einen bayerischen Osten teilt. Südlich der Kernstadt und wie diese am Ehrlichbach gelegen, befindet sich Dobareuth. Im Nordwesten grenzt Göttengrün an die Kernstadt. Weiter westlich folgt Blintendorf und schließlich ganz im Westen Langgrün und Frössen.

Nachbargemeinden

Angrenzende Gemeinden sind Rosenthal am Rennsteig, die Städte Bad Lobenstein, Hirschberg und Tanna im Saale-Orla-Kreis, Burgstein und Weischlitz im sächsischen Vogtlandkreis sowie Feilitzsch und Töpen im bayerischen Landkreis Hof.

Geschichte Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Ortes waren 1211 und am 28. Februar 1303, als Stadt am 9. Juni 1395.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad-Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 85. Die Stadt Gefell und das zugehörige Dorf Blintendorf gehörten als Exklaven zum sächsisch-albertinischen Amt Plauen (Vogtländischer Kreis). Nach dem Wiener Kongress waren die beiden Orte von 1815 bis 1944 Exklaven des preußischen Landkreises Ziegenrück, der innerhalb der Provinz Sachsen selbst eine Exklave war. Grund dieser außergewöhnlichen Verwaltungsart war wohl die Vermählung von Markgraf Friedrich der Freidige und Elisabeth, der vierzehnjährigen Tochter seiner Stiefmutter aus der Verbindung mit Otto von Lobdeburg-Arnshaugk am 24. August 1300. Die junge Frau brachte Neustadt/Orla, Auma und Ziegenrück in die Ehe ein. Der Vormund Elisabeths, der Reuße Heinrich von Plauen, erhielt von Friedrich zur Schuldenbegleichung Triptis, Auma und Ziegenrück als Unterpfand für die Summe von 3000 Schock Meißner Groschen.Wilfried Warsitzka: Die Thüringer Landgrafen. Bussert & Stadeler, Jena 2004, ISBN 3-932906-22-5, S. 260, 293, 294. Am 9. Juni 1395 verkaufte Heinrich von Plauen „sein Städtchen“ Gefell („Gevelle)“ für 50 Schock Freiberger Groschen wiederkäuflich an Markgraf Wilhelm I. zu Meißen. Nach dem Tod Wilhelms I. 1407 fiel Gefell („Gevelle“) nach Erbstreitigkeiten zwischen den Wettinern 1410 mit dem Naumburger Vertrag an Landgraf Friedrich IV. den Jüngeren. Nach dessen Tod fiel Gefell an seine Cousins, die Brüder Friedrich II. und Wilhelm III. und mit der Leipziger Teilung an Ernst, Kurfürst und Herzog von Sachsen.

Die Einwohner von Gefell werden von Auswärtigen als „Ußßen“ bezeichnet, oder nennen sich teilweise selbst so, wie im Beispiel des Ußßenhausener Karnevals.

Im Rahmen der Thüringer Gemeindeneugliederung wurden mit Wirkung vom 1. Januar 1997 die Stadt Gefell und die Gemeinden Blintendorf, Dobareuth, Frössen, Gebersreuth, Göttengrün und Langgrün aufgelöst. Aus dem Gebiet der aufgelösten Gemeinden wurde eine neue Gemeinde gebildet, die den Namen Gefell führt und berechtigt ist, die Bezeichnung „Stadt“ zu führen.Thüringer Gesetz zur Neugliederung kreisangehöriger Gemeinden vom 23. Dezember 1996 GVBL Nr. 20 S. 333, siehe § 18, Seite 4 der PDF-Datei. mini|Rathaus Gefell Einwohnerentwicklung + Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994 31. Dezember): 1833: 1.319 1933: 1.515 1939: 1.553 1994: 1.487 1995: 1.506 1996: 1.468 1997: 3.056 1998: 3.034 1999: 3.033 2000: 3.014 2001: 2.928 2002: 2.870 2003: 2.825 2004: 2.839 2005: 2.827 2006: 2.779 2007: 2.792 2008: 2.747 2009: 2.708 2010: 2.675 2011: 2.629 2012: 2.584 2013: 2.566 2014: 2.498 2015: 2.508 2016: 2.491 2017: 2.465 2018: 2.468 2019: 2.477 2020: 2.465 2021: 2.461 2022: 2.401 2023: 2.373 2024: 2.344 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik

Stadtrat Die Kommunalwahl am 26. Mai 2024 führte zu den in nebenstehenden Diagrammen dargestellten Ergebnissen:

+Zusammenstellung der Wahlergebnisse der vergangenen vier Wahlen Parteien und Wählergemeinschaften Prozent2024Ergebnisse der Kommunalwahl 2024 in Gefell auf wahlen.thueringen.de, abgerufen am 26. Juni 2024. Sitze2024 Prozent2019Ergebnisse der Kommunalwahl 2019 in Gefell auf wahlen.thueringen.de, abgerufen am 26. Juni 2024. Sitze2019 Prozent2014Ergebnisse der Kommunalwahl 2014 in Gefell auf wahlen.thueringen.de, abgerufen am 26. Juni 2024. Sitze2014 Prozent2009Ergebnisse der Kommunalwahl 2009 in Gefell auf wahlen.thueringen.de, abgerufen am 26. Juni 2024. Sitze2009 VUB/CDU Vereinigung unzufriedener Bürger / Christlich Demokratische Union 34,4 5 39,7 5 56,3 8 – – FWG/IG/BI Freie Wählergemeinschaft/IG Hochwasserschutz/BI „Lebenswerte Stadt“1 26,5 4 34,4 5 21,4 3 20,9 3 Naturfreunde/proVOGTLANDschaft Naturfreunde/proVOGTLANDschaft e. V. 21,5 3 – – – – – – FWE Freie Wählergemeinschaft Einheitsgemeinde 17,5 2 20,6 3 16,5 2 19,3 3 LINKE Die Linke – – 5,3 1 5,8 1 5,4 1 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands – – – – – – 22,4 3 VUB Vereinigung Unzufriedener Bürger – – – – – – 16,3 2 AL/UBV Alternative Liste/Unabhängige Bürgervertretung – – – – – – 15,7 2 Gesamt 100 14 100 14 100 14 100 14 Wahlbeteiligung 67,0 % 62,8 % 61,1 % 61,4 % 1 FWG/IG/BI – Vollständige Bezeichnung: Freie Wählergemeinschaft / IG Hochwasserschutz gegen unsoziale Zwangsbeiträge / Bürgerinitiative „Für eine lebenswerte Stadt Gefell“; 2009 und 2014 ohne BI „Lebenswerte Stadt“

Bundespolitik

Gefell ist Teil des Bundestagswahlkreises Saalfeld-Rudolstadt – Saale-Holzland-Kreis – Saale-Orla-Kreis (194). Dieser wird im 21. Deutschen Bundestag durch den im Wahlkreis direkt gewählten Michael Kaufmann (AfD) sowie den über ihre jeweiligen Landeslisten eingezogenen Diana Herbstreuth (CDU) und Mandy Eißing (Die Linke) vertreten.

Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2009 Marcel Zapf. Er übernahm das Amt von Ulrich Schmidt (FWE).

+letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2021Marcel ZapfZapf95,32015VUB96,9200956,6 (Stichwahl)2003Ulrich SchmidtFWE67,4

Wappen Blasonierung: „In Silber ein viereckiger roter Turm mit blauem Kuppeldach.“ In Abdrücken des ältesten Stadtsiegels aus der Zeit um 1500 steht der Turm im damaszierten Feld. Der Wappenturm deutet wohl auf den aus dem 12. Jahrhundert stammenden Wehrturm der Stadtkirche hin.Hartmut Ulle: Neues Thüringer Wappenbuch. Band 2: Ilmkreis, Jena, Kyffhäuserkreis, Saale-Orla-Kreis, Saalfeld-Rudolstadt (Landkreis), Schmalkalden-Meiningen (Landkreis), Suhl. 2., veränderte, überarbeitete Auflage. Arbeitsgemeinschaft Genealogie Thüringen, Erfurt 1997, ISBN 3-9804487-2-X, S. 35.

Städtepartnerschaften Die Gefeller Städtepartnerschaften (kursiv: Partnerschaft von Frössen) rand|20px|class=noviewer|Stadtwappen von Gerlingen Gerlingen rand|20px|class=noviewer|Stadtwappen von Échenoz-la-Méline Échenoz-la-Méline rand|20px|class=noviewer|Ortswappen von Erlenbach bei Dahn Erlenbach am Berwartsteinstadt-gefell.de

Kultur und Sehenswürdigkeiten Der heutige Markt liegt direkt an der Bundesstraße 2 in der Nähe zum markanten Zwiebelturm der Stadtkirche „Unsere lieben Frauen“. Mittelpunkt des Marktes bildet der Springbrunnen von 1833, der 2012 mit Spenden aus dem benachbarten Hirschberg restauriert wurde, sowie eine alte „Friedenseiche“. Am Markt steht das Gefeller Rathaus im architektonischen Zustand von 1860. Neben der Stadtverwaltung und dem Rathaussaal wurde bis etwa 2000 der Ratskeller betrieben. Im Nebengebäude war bis 1990 der städtische Bauhof und die Feuerwehr untergebracht und ist mittlerweile Sitz der Stadtbibliothek.Werner Rauh: Aus dem Leben einer kleinen Stadt. Teil 1: Stadtchronik. Rat der Stadt Gefell, Gefell 1988.

Auf dem Friedhof des Ortsteils Langgrün befinden sich die Grabdenkmale von elf durch SS-Männer ermordeten Häftlingen eines Todesmarsches, der vom KZ Buchenwald nach dem KZ Flossenbürg durch die Gemarkung des Ortes führte.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 221. Im Ortsteil Mödlareuth befindet sich eine Gedenkstätte zur deutsch-deutschen Teilung; das Dorf war durch eine Mauer geteilt.

Das Dreiländereck mit dem Drei-Freistaaten-Stein ist seit 2007 als Kulturdenkmal neu gestaltet worden.

Wirtschaft und Infrastruktur In der Tontechnik steht der Begriff Gefell für die Mikrofone, die seit dem Zweiten Weltkrieg dort gefertigt wurden. Aufgrund des Krieges verlegte Georg Neumann & Co. ihren Firmensitz von Berlin nach Gefell. Nach dem Krieg nahm die Georg Neumann GmbH ihre Fertigung in West-Berlin wieder auf (seit 1991 zu Sennheiser), der Betrieb in Gefell blieb aber bestehen und produzierte weiter unter dem Namen Georg Neumann & Co., ab 1972 unter dem Namen VEB Mikrofontechnik Gefell. Das jetzt als Microtech Gefell GmbH bezeichnete Unternehmen konnte sich mit seinen hochwertigen Produkten nach der Wende am Markt behaupten.

Die landwirtschaftliche Produktion bestimmte im Gefeller Raum die Wirtschaft. Sowohl in der Zeit vor Gründung der LPG als auch danach wurden auf Grund der natürlichen Bedingungen gute Erträge erzielt. Der Boden mit seinem hohen Feinerdeanteil und Humusgehalt sowie die natürlichen Klimabedingungen im Schleizer Oberland waren und sind Voraussetzung für stabile Erträge in der Feld- und Viehwirtschaft. Im eingemeindeten Dorf Dobareuth befand sich bis zur Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg in der SBZ ein Staatsgut, das 203 Hektar Land bewirtschaftete. Pächter war der Diplomlandwirt Max Heydemann. Das Gut wurde bei der Bodenreform auf Umsiedler und kleinere Bauern aufgeteilt.

Verkehr Schienenverkehr mini|Haltepunkt Göttengrün-Gefell (2022) Der Haltepunkt Göttengrün-Gefell, im namensgebenden Ortsteil Göttengrün gelegen, befindet sich an der Bahnstrecke Schönberg–Hirschberg, die allerdings im Personenverkehr nicht mehr betrieben wird. Nahegelegene Bahnhöfe mit regelmäßigem Verkehr sind die Bahnhöfe in Gutenfürst (Sachsen), Feilitzsch (Bayern), Bad Lobenstein (Saale-Orla-Kreis) und der Hauptbahnhof in Hof (Bayern). Mit nur wenigen Fahrten am Tag werden die Stationen in Grobau und Reuth bedient.

Straßenverkehr