mini|Lobenstein um 1859 mini|Bad Lobenstein und Umgebung, diverse Ansichten. 1878 gezeichnet von J.J. Kirchner mini|Blick vom Burgberg über die Altstadt mini|hochkant|Rathaus Bad Lobenstein, bis 2005 Lobenstein, ist eine Kleinstadt im Saale-Orla-Kreis in Thüringen und staatlich anerkannter Kurort mit der Artbezeichnung Moorheilbad. Vor der Eingliederung in diesen war Lobenstein Kreisstadt des gleichnamigen Kreises. Die Stadt liegt aufgrund ihrer reußischen Geschichte im Thüringer Vogtland.
Geographie Die Stadt liegt im Thüringer Schiefergebirge zwischen den Ausläufern des Thüringer Waldes und des Frankenwaldes, südlich bzw. westlich der großen Saaletalsperren Hohenwarte und Bleiloch.
Stadtgliederung Zur Stadt gehören die Ortsteile Helmsgrün, Lichtenbrunn, Mühlberg, Oberlemnitz, Saaldorf und Unterlemnitz.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind die Städte Gefell, Saalburg-Ebersdorf, Tanna und Wurzbach und die Gemeinden Remptendorf und Rosenthal am Rennsteig.
Geschichte Die hochmittelalterliche Burg Lobenstein liegt über dem Zentrum der Stadt rechts der Lemnitz auf einem Bergkegel. Sie diente der Überwachung des Verkehrs auf dem Verbindungsweg von Leipzig nach Bamberg.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 175–176. Lobenstein wurde erstmals 1250 als Rittersitz erwähnt. Dieser war wahrscheinlich eine Gründung der Herren von Lobdeburg. Ein Otto von Lobenstein wurde 1250 auf der Burg genannt. Das ist auch die urkundliche Ersterwähnung von Lobenstein.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer bis 1300. Ein Handbuch. 2., verbesserte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2001, ISBN 3-934748-58-9, S. 39. Im 13. Jahrhundert gehörte die Veste den Vögten von Gera. Sie blieb dann bis 1601 Residenz, seit 1597 im Besitz der jüngeren Linie Reuß. Um 1600 war die Burg stark verfallen. Die Reußen zogen dann in das Schloss. Im Dreißigjährigen Krieg spielte die Burg eine kurze Rolle. 1632 stürmten kaiserliche Truppen die von Schweden besetzte Anlage. Von der Burg künden heute noch der Bergfried und Ringmauerreste.Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. 430 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 216.Burg Lobenstein.
Bereits 1278 wurde Lobenstein als Stadt bezeichnet. Bürgermeister und Rat sind 1411 bezeugt, ihnen standen die Niedergerichte zu.
Am 8. Oktober 1806 zog das napoleonische Heer durch die Stadt. Gegen 9:00 Uhr verließ Kaiser Napoleon I. Kronach. Dort besichtigte er die Festung und verstärkte sie mit eigenen sowie verbündeten bayerischen Truppen, um im Falle einer Niederlage gegen Preußen eine Rückzugsmöglichkeit zu haben. Er traf gegen 12:30 Uhr in Lobenstein ein. Sein Weg führte über den Gallenberg nach Ebersdorf, wo er mit weiteren 32 Generälen und Stabsoffizieren übernachtete. Tag und Nacht marschierten ca. 190.000 Mann durch Lobenstein. Die Stadt und das gesamte Umland waren davon betroffen. Biwak und Plünderungen waren an der Tagesordnung. Trotz der Neutralität des Reußenlandes musste die Bevölkerung stark leiden.
Im Neuen Schloss weilte der Marschall und spätere König von Norwegen-Schweden Bernadotte. Am 14. Oktober fand die Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt statt, mit deren Ausgang das Schicksal Preußens besiegelt wurde.
Der Bürger Lobensteins, Stadtschreiber Christian Gottlieb Reichard, war wegen seiner außergewöhnlichen Geographiekenntnisse bis nach Paris bekannt. Napoleon forderte ihn auf, als Kartograph mit dem Heer zu ziehen. Reichard lehnte mit Hinweis auf seine Gesundheit ab, er blieb im Bett. Ob er wirklich krank war, ist nicht exakt bekannt.
Von 1597 bis 1918 gehörte die Stadt zum Fürstentum Reuß jüngerer Linie, wobei sie bis 1824 Residenz der Unterlinie Reuß-Lobenstein und von da an bis 1848 zur Linie Ebersdorf gehörte. 1848 bildete sie zusammen mit Schleiz und Hirschberg (Saale) ein Zentrum der bürgerlichen Bewegung.
Im Jahre 1862 wurden fast alle historischen Gebäude bei einem Stadtbrand zerstört. Ab 1868 bewirkten aus den benachbarten Hochmooren geförderte Heilerde und eine Eisen-Mineralquelle die Entstehung des Kurbetriebs in Lobenstein.Moorbad Lobenstein. In: Hans Joachim Kessler: Heilendes Wasser und sprudelnde Quellen. Begegnung mit historischen Bädern in Thüringen. Reinhold, Altenburg 2001, ISBN 3-910166-44-X, S. 84–87.
Einen Eisenbahnanschluss erhielt die Stadt 1896 nach Triptis (Richtung Gera), 1901 nach Hof und 1907 nach Saalfeld.
Während des Zweiten Weltkrieges mussten 60 Frauen und Männer aus Osteuropa, die in zwei „Ostarbeiterlagern“ untergebracht waren, Zwangsarbeit verrichten: im Metallwerk Werner Schröder, im Sägewerk und in der Bahnmeisterei. Auf dem Friedhof von Lobenstein erinnert ein Holzkreuz an einen KZ-Häftling, der bei einem Todesmarsch auf dem Gallenberg von SS-Männern erschossen wurde. Im Kurpark erinnert eine Gedenkstätte mit einer Skulptur „Trauernde Mutter“ eines polnischen Künstlers an alle Opfer des Faschismus von Lobenstein.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, 223 ff.
Seit dem 21. März 2005 trägt die Stadt offiziell den Namen Bad Lobenstein und ist zugleich staatlich anerkannter Kurort mit der Artbezeichnung Moorheilbad. Lobenstein hatte zuvor jahrzehntelang um den Titel eines Bads gekämpft.
Am 7. Dezember 2022 geriet Bad Lobenstein in die Schlagzeilen, als das Jagdschloss Waidmannsheil – wie andere Orte in 11 Bundesländern, Italien und Österreich – Schauplatz eines der größten Antiterroreinsätze in der Geschichte der Bundesrepublik wurde. Im Zuge der Großrazzia gegen das rechtsterroristische Netzwerk Patriotische Union um Heinrich XIII. Prinz Reuß, dem vom Generalbundesanwalt die Vorbereitung eines Staatsstreiches in Deutschland vorgeworfen wird, wurde das Schloss durchsucht.
Eingemeindungen Am 4. August 1993 wurden die zuvor eigenständigen Orte Helmsgrün und Lichtenbrunn eingemeindet.Statistisches Bundesamt: Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7. Danach folgten am 1. Januar 1997 Unterlemnitz und als vorerst letzte Gemeinde Oberlemnitz im Jahre 1999.StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997 und 1999.
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994: Stand jeweils 31. Dezember): Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik 1833: 3274 1933: 3391 1939: 3577 1994: 7002 1995: 7019 1996: 7083 1997: 7455 1998: 7419 1999: 7363 2000: 7332 2001: 7235 2002: 7132 2003: 7042 2004: 6948 2005: 6905 2006: 6820 2007: 6653 2008: 6570 2009: 6466 2010: 6444 2011: 6236 2012: 6164 2013: 6108 2014: 6073 2015: 6146 2016: 6029 2017: 5997 2018: 5931 2019: 5825 2020: 5843 2021: 5745 2022: 5625 2023: 5556 2024: 5523
Politik
Stadtrat Die Kommunalwahl vom 26. Mai 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 60,7 % (+ 6,4 %p) zu folgendem Endergebnis (mit Vergleich zur vorigen Wahl 2019):Thüringer Landesamt für Statistik – Gemeinderatswahl 2024 in Thüringen, Endergebnis: Bad Lobenstein Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Ergebnis 2019 Bad Lobensteiner Bürgerliste (LBL) 23,6 % 5 30,9 %, 6 Sitze Aktiv-Unabhängig-Fair (AUF!) 18,9 % 4 17,4 %, 4 Sitze Alternative für Deutschland (AfD) 18,6 % 2 – Christlich Demokratische Union (CDU) 16,2 % 3 11,1 %, 2 Sitze Die Linke 10,5 % 2 18,3 %, 4 Sitze Bürger für Lobenstein (BfL) 6,5 % 1 12,0 %, 2 Sitze Freie Demokratische Partei (FDP) 5,7 % 1 10,3 %, 2 Sitze
Bürgermeister Am 1. Juli 2012 trat Thomas Weigelt (parteilos) sein Amt als Bürgermeister an. Vorgänger Peter Oppel (SPD) hatte das Amt 18 Jahre bekleidet.
Weigelt wurde beschuldigt, beim Marktfest im August 2022 einen filmenden Journalisten der Ostthüringer Zeitung angegriffen zu haben. Am 31. August 2022 enthob die Rechtsaufsichtsbehörde des Saale-Orla-Kreises Weigelt vorläufig des Dienstes und setzte den 1. Beigeordneten und stellvertretenden Bürgermeister Klaus Möller (Die Linke) als amtierenden Bürgermeister vorläufig ein.saale-orla-kreis.de
+letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2024Dominik KirstenLBL50,2 (Stichwahl)2018Thomas WeigeltWeigelt68,2201252,2 (Stichwahl)2006Peter OppelSPD56,9 (Stichwahl)200078,1199461,41990Rudi TrögerLBL
Wappen mini|Brunnen mit drei Bracken auf dem Marktplatz Blasonierung: „In Rot schwebend der silbern-schwarz gespaltene Rumpf einer Bracke.“
Der Brackenrumpf ist die Helmzier der Grafen Reuß älterer Linie; sie wurde bereits im 15. Jahrhundert in einem Schild gesetzt und von der Stadt als Wappen gezeigt.
Eine Sage berichtet von einer anderen Version zur Herkunft des Namens Lobenstein: „Lobe den Stein“ soll Kaiser Ludwig der Bayer, der von 1282 bis 1347 lebte, ausgerufen haben, als er in diesem wild- und waldreichen Revier jagte. Die Sage berichtet weiter, dass ihm während der Hatz sein Lieblingshund verloren ging. Lange mussten die Jäger suchen, bis schließlich einer der Ritter das Tier ermattet und leicht verletzt bei einem Stein wiederfand. Er trug den Hund zu seinem Herrn, der den Ritter zum Dank mit einem Lehen um den „gelobten Stein“ beschenkte. Zur Erinnerung an das Ereignis erhielt der Ort den Namen Lobenstein und trug fortan den Brackenkopf in seinem Wappen.Hartmut Ulle: Neues Thüringer Wappenbuch. Band 2: Ilmkreis, Jena, Kyffhäuserkreis, Saale-Orla-Kreis, Saalfeld-Rudolstadt (Landkreis), Schmalkalden-Meiningen (Landkreis), Suhl. 2., veränderte, überarbeitete Auflage. Arbeitsgemeinschaft Genealogie Thüringen e. V., Erfurt 1997, ISBN 3-9804487-2-X, S. 39.
mini|Neues Schloss
Städtepartnerschaften Die Bad Lobensteiner Städtepartnerschaften rand|alt=|20px|Stadtwappen von Leonberg Leonberg rand|alt=|20px|Stadtwappen von Ujazd Ujazd
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Burgruine mini|hochkant|Der Markt in Bad Lobenstein Neues Schloss mit Schlosspark: eine barocke Anlage nördlich der Altstadt, errichtet zwischen 1714 und 1718. Residenz der Fürsten von Reuß-Lobenstein (bis 1824), im Garten steht ein Pavillon (errichtet 1746 bis 1748). Vor dem Schloss befinden sich die Alte Wache im klassizistischen Stil sowie die ehemals fürstliche Wagenremise. Burg Lobenstein: eine Burgruine oberhalb der Altstadt. Erhalten sind zwei Türme (darunter der 35 Meter hohe Bergfried) sowie einige Grundmauern. Die Anlage wurde um 1300 von den Lobdeburgern errichtet und im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Jagdschloss Waidmannsheil: ein Jagdschloss im Stadtteil Saaldorf, errichtet im neugotischen Stil zwischen 1834 und 1837. Eigentum der Fürsten von Reuß jüngerer Linie (von 1840 bis 1945 und seit 1990). Stadtkirche St. Michaelis: errichtet nach dem Stadtbrand von 1862. Therme: seit 2002 Kur- und Moorbehandlungen in der Ardesia-Therme. mini|hochkant|Der „Fässleseecher“ im Rathausturm Markt Höhler, seit dem Jahre 2000 als Bergerlebnis im Rahmen von Führungen zugängiger historischer Bierfelsenkeller, der zwischen 1780 und 1798 von Lobensteiner Bergleuten angelegt worden war. Von 1861 bis 1863 erweitert, besteht der Markt Höhler heute aus einem ca. 55 m langen Stollen und 20 großen Kammern und ist fast halb so groß wie der Bad Lobensteiner Marktplatz. Hier erfährt man alles über die frühere Bierlagerung in der Stadt und über den historischen Erzbergbau im Lobenstein-Hirschberger Gangrevier. Regionalmuseum in der fürstlichen Oberförsterei: Der nach einem Stadtbrand 1714 errichtete zweigeschossige, sechsachsige Putzbau mit schiefergedeckten Walmdach wurde im 18. Jahrhundert als Forstamt genutzt und beherbergt seit Mitte der 1980er Jahre das Regionalmuseum.