mini|Ortsansicht Hirschberg ist eine Landstadt im Süden des thüringischen Saale-Orla-Kreises, am Oberlauf der Sächsischen Saale. Sie grenzt unmittelbar an den Freistaat Bayern und liegt im thüringischen Teil des Vogtlandes.
Geographie Angrenzende Gemeinden sind Rosenthal am Rennsteig und Gefell im Saale-Orla-Kreis sowie Berg, Köditz und Töpen im bayerischen Landkreis Hof.
Geschichte thumb|Luftbild Hirschberg Ein Saaleübergang war sicherlich der Anlass zum Bau einer Burg und somit die Voraussetzung für die Entwicklung der Stadt Hirschberg. Von der Burg sind nur noch Mauerreste des Turmstumpfes erhalten geblieben.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 140. 1154 wurde Hirschberg erstmals urkundlich erwähnt.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer bis 1300. Ein Handbuch. 2., verbesserte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2001, ISBN 3-934748-58-9, S. 31. 1232 nannte man einen „Rudegerus von Hirschberg“. Dann begannen wechselhafte Besitzverhältnisse: 1296 erwarb Rudolf von Habsburg die Burg und verpfändete sie an die Vögte von Plauen. 1357 waren die Wettiner Besitzer. 1359 erwarb die böhmische Krone die Veste. 1480–1664 besaßen die Herren von Beulwitz die Burg. 1664 kaufte Heinrich X. aus der Linie Reuß-Lobenstein-Ebersdorf das Anwesen und begann mit dem Wiederaufbau. 1680–1711 war eine Seitenlinie der Reußen am Ort, das Schloss diente als Residenz. In dieser Zeit baute man ein neues Schloss, das 1825 weiter ausgebaut wurde. Bis 1808 blieb Hirschberg böhmisches Lehen. Ab 1920 diente das Schloss Wohnzwecken und als landwirtschaftliches Verwaltungsgebäude.Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. 430 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 214.Burg Hirschberg.
Die urkundliche Ersterwähnung der Stadt war 1296. 1479 verlieh der böhmische König Vladislav die Stadtrechte. Im März 1848 war die Stadt das bedeutendste Revolutionszentrum im Fürstentum Reuß-Lobenstein-Ebersdorf. Nach der Abdankung des Fürsten Heinrich LXXII. im selben Jahr ging Lobenstein-Ebersdorf in der Schleizer Linie als Reuß jüngere Linie auf, zu der Hirschberg bis 1918 gehörte.
500 Jahre lang war die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt von der Lederverarbeitung geprägt. Im 20. Jahrhundert war die Lederfabrik Hirschberg, die 1741 gegründet worden war, zeitweise größter Produzent von Schuh- und Sohlenleder in Deutschland. Auch nach der Enteignung der Familie Knoch 1947 war der VEB Lederfabrik der wirtschaftliche, aber auch soziale und kulturelle Mittelpunkt der Stadt. 1992 ging die Firma in Konkurs, von 1993 bis 1996 wurde die 16 Hektar große Fabrik bis auf das heutige Museum für Gerberei- und Stadtgeschichte abgerissen.
Während des Zweiten Weltkrieges mussten 77 Ostarbeiter in der Lederfabrik Hirschberg Zwangsarbeit leisten. Im April 1945 wurden KZ-Häftlinge eines Todesmarsches vom KZ Buchenwald zum KZ Flossenbürg durch den Ortsteil Sparnberg und die Saale getrieben, denn die Brücke war bereits gesprengt. Zwei Häftlinge wurden von SS-Männern ermordet und fanden auf dem Friedhof von Sparnberg ihre letzte Ruhe. Zwei Grabdenkmale erinnern an das Geschehen.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 222.
thumb|Die Grenzübergangsstelle am 10. November 1989 Von 1945 bis 1989 war Hirschberg Grenzort an der innerdeutschen Grenze (im Sperrgebiet, neben den üblichen Sperranlagen auch durch eine Mauer von Bayern getrennt) sowie ab 1966 Mit-Namensgeber des Grenzübergangs an der A 9.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1974 wurde die Gemeinde Venzka (24. Juli 1348) mit dem Ortsteil Juchhöh (1713–1715) in die Stadt eingemeindet.
Am 8. März 1994 wurden Göritz (20. Februar 1282) mit Lehesten, Sparnberg (1202) und Ullersreuth (1327,13.04)Kai Müller: Ortschronik Ullersreuth. (Manuskript 2013). eingemeindet.
In Klammern: urkundliche ErsterwähnungWolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 298, 134, 93, 169, 292.
Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Hirschberg von 1830 bis 2017
Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994: Stand jeweils 31. Dezember):
1830: 1.760 1933: 2.915 1939: 2.888 1994: 2.923 1995: 2.846 1996: 2.748 1997: 2.749 1998: 2.674 1999: 2.654 2000: 2.666 2001: 2.670 2002: 2.653 2003: 2.612 2004: 2.600 2005: 2.569 2006: 2.526 2007: 2.493 2008: 2.488 2009: 2.373 2010: 2.352 2011: 2.343 2012: 2.440 2013: 2.181 2014: 2.183 2015: 2.168 2016: 2.186 2017: 2.121 2018: 2.123 2019: 2.132 2020: 2.099 2021: 2.110 2022: 2.120 2023: 2.098 2024: 2.105
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
Politik Stadtrat
Die Kommunalwahl am 26. Mai 2024 führte zu den in nebenstehenden Diagrammen dargestellten Ergebnissen:
+Zusammenstellung der Wahlergebnisse der vergangenen drei Wahlen Parteien und Wählergemeinschaften Prozent2024Ergebnisse der Kommunalwahl 2024 in Hirschberg auf wahlen.thueringen.de, abgerufen am 26. Juni 2024. Sitze2024 Prozent2019Ergebnisse der Kommunalwahl 2019 in Hirschberg auf wahlen.thueringen.de, abgerufen am 26. Juni 2024. Sitze2019 Prozent2014Ergebnisse der Kommunalwahl 2014 in Hirschberg auf wahlen.thueringen.de, abgerufen am 26. Juni 2024. Sitze2014 BB Hirschberg Bürgerbündnis Hirschberg 55,8 8 – – – – WG Hirschberg Wählergemeinschaft Hirschberg 31,7 4 67,7 10 – – CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 12,6 2 16,9 1 (2)1 15,8 2 DIE LINKE Die Linke – – 15,4 1 (2)1 11,4 2 WG Hirschberg/SPD Wählergemeinschaft Hirschberg / Sozialdemokratische Partei Deutschlands – – – – 41,1 6 BI Hirschberg Bürgerinitiative Hirschberg e. V. – – – – 31,7 4 Gesamt 100 14 100 12 (14)1 100 14 Wahlbeteiligung 62,9 % 59,7 % 54,2 % 1 Sowohl der CDU als auch der Linken hätten nach dem Wahlergebnis rechnerisch zwei Mandate zugestanden. Da beide mit je nur einem Kandidaten angetreten sind, bleiben je ein Mandat und in Summe zwei Mandate unbesetzt.
Bürgermeister Von 1990 bis 2024 war Rüdiger Wohl Bürgermeister von Hirschberg. Bei der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2024 trat er nicht erneut an. Da keine Wahlvorschläge eingereicht wurden, fand die Wahl als Wahl ohne Bindung an zugelassene Wahlvorschläge nach § 24 Abs. 7 ThürKWG statt. Im ersten Wahlgang am 26. Mai 2024 konnten der bei der Hirschberger Stadtverwaltung angestellte Ronald Schricker und der bisherige Erste Beigeordnete Benjamin Lill mit je 323 (40,3 %) bzw. 88 (11,0 %) Stimmen zwar die meisten Stimmen, aber keiner von beiden die notwendige absolute Mehrheit erzielen. Die Stichwahl am 9. Juni 2024 konnte Schricker mit 864 Stimmen (82,8 %) gegenüber Lill mit 179 Stimmen (17,2 %) gewinnen. Schricker nahm die Wahl allerdings nicht an; am 13. Oktober 2024 fand daher eine Neuwahl statt. Auch bei dieser gab es keine zugelassenen Wahlvorschläge; die meisten Stimmen erzielten erneut Ronald Schricker (87 Stimmen, 22,5 %) und Benjamin Lill (58 Stimmen, 15,0 %), die Wahlbeteiligung lag bei nur noch 24,4 %. Die Stichwahl am 27. Oktober 2024 konnte, wie bereits am 9. Juni 2024, Schricker mit 226 Stimmen (72,0 %) vor Lill mit 88 Stimmen (28,0 %) für sich entscheiden. Die Wahlbeteiligung sank im Vergleich zum 1. Wahlgang abermals, auf 18,6 %. Schricker lehnte die Wahl erneut ab.Hirschberg weiterhin ohne Bürgermeister - Wahlsieger lehnt Amt erneut ab, mdr.de, 6. November 2024 Am 23. Februar 2025 und damit parallel zur Bundestagswahl fand eine erneute Wahl statt, bei der es – wie bei den Wahlen 2024 – keine zugelassenen Wahlvorschläge gab. Bei einer Wahlbeteiligung von 71,4 % konnte die bisherige Erste Beigeordnete Patricia Duch 672 Stimmen (70,7 %) und damit die absolute Mehrheit erzielen. Seit dem Ende der Amtszeit Wohls am 30. Juni 2024 hatte Duch das Amt als Erste Beigeordnete bereits kommissarisch ausgeübt.
+letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlbeteiligung (in %)Wahlergebnis (in %)Anmerkungen2025Patricia DuchDuch71,570,42024 (II)Ronald SchrickerSchricker24,4, dann 18,672,0 (Stichwahl)Wahl wurde nicht angenommen2024 (I)62,0, dann 61,482,8 (Stichwahl)Wahl wurde nicht angenommen2018Rüdiger WohlWohl35,992,1201242,379,7200650,598,8200046,798,3199473,697,0
Wappen
Partnerschaften Hirschberg unterhält Partnerschaften zu Berg (Oberfranken), mit deren Ortsteil Rudolphstein es im Namen des Autobahngrenzüberganges verbunden war und zu Pilismarót in Ungarn. Es bestehen außerdem freundschaftliche Beziehungen zu den nahe gelegenen Städten Gefell, Tanna, Schleiz und Bad Lobenstein.https://www.stadt-hirschberg-saale.de/inhalte/stadt_hirschberg/_inhalt/partnergemeinden/partnergemeinden (Stand: 2012)
Kultur und Sehenswürdigkeiten Durch Hirschberg führen der Saale-Orla-Wanderweg, der Kammweg Erzgebirge–Vogtland, der Karl-Bock-Weg und der Saale-Radweg. mini|Blick auf Hirschberg 1859 miniatur|Museum für Gerberei- und Stadtgeschichte miniatur|Stadtansicht mit Schloss miniatur|Kulturhaus
Kirche
Museen An der Saalebrücke befindet sich das Museum für Gerberei- und Stadtgeschichte.
Bauwerke Das Schloss Hirschberg thront über der Stadt. An dieser Stelle wurde bereits Anfang des 13. Jahrhunderts eine Burg erbaut.
Das Kulturhaus der Stadt wurde als eines der ersten in der sowjetisch besetzten Zone 1947 errichtet. Nach der Sanierung enthält es einen großen Saal mit zirka 600 Sitzplätzen und eine Galerie mit 180 Plätzen.
Parks Der Naturpark Hag ist eine bewaldete Felswand mit Laub- und Nadelwald direkt an der Saale. Von der Stadt aus ist der Hag über einen Hängesteg entlang der Saale und vom Schlossberg aus zu erreichen. Durch den Hag verläuft der Saale-Orla-Wanderweg.
Regelmäßige Veranstaltungen Das traditionelle Wiesenfest findet seit 1852 mit Unterbrechungen im Zweiten Weltkrieg und wieder seit den 1970er Jahren jährlich am letzten Augustwochenende von Donnerstag bis Sonntag statt.
Wirtschaft und Infrastruktur Industrie Das holzverarbeitende Unternehmen Rettenmeier betreibt hier ein Werk.
Verkehr mini|Bahnhof Hirschberg (Saale), Empfangsgebäude (2022) Die Stadt befindet sich zwischen der Bundesstraße 2 und der Bundesautobahn 9.
1892 bekam Hirschberg mit der Bahnstrecke Schönberg–Hirschberg Anschluss an die Bahnstrecke Leipzig–Hof. Die Strecke wurde bis 1994 im Personenverkehr und bis 2000 im Güterverkehr bedient. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind jetzt Grobau am Abschnitt Plauen–Hof der Sachsen-Franken-Magistrale und Köditz an der Bahnstrecke Hof–Bad Steben, beide etwa elf Kilometer entfernt.
Mit den Linien 710, 721 und 163 des Verkehrsunternehmens KomBus besteht eine Busverbindung nach Schleiz und Plauen.
Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Die Stadt Hirschberg hat die Aufgaben der Trinkwasserversorgung und der Abwasserbeseitigung auf den Zweckverband Wasser/Abwasser "Obere Saale" übertragen.
Persönlichkeiten Ehrenbürger Paul von Hindenburg (1847–1934), GeneralfeldmarschallGemeinsam mit 82 anderen Thüringer Städten anlässlich seines 70. Geburtstages am 2. Oktober 1917, vgl. Der Deutsche. Zeitung für Thüringen und den Harz. Nr. 231.Kölnische Zeitung vom 3. Oktober 1917, S. 1.Merseburger Tageblatt. Kreisblatt mit den amtlichen Bekanntmachungen des Stadt- und Landkreises Merseburg vom 4. Oktober 1917, S. 7.Eleonore von Bojanowski: Thüringen im und nach dem Weltkrieg. 1921, S. 405.Walter Künzel: Acta Apostolorum Erfurtensium 1819–2009. 2009, S. 69.Expertise: Der Hindenburg-Mythos und Verleihung des Ehrenbürgerrechts
Söhne und Töchter der Stadt
Philipp Knoch (1779–1858), deutscher Fabrikant und Politiker