Der Kreis Warburg (1953–1969: Landkreis Warburg) war ein von 1816 bis 1974 bestehender Kreis. Der Kreis war zunächst Teil des Regierungsbezirks Minden in der preußischen Provinz Westfalen, ab 1946/47 Teil des nordrhein-westfälischen Regierungsbezirks Detmold. Verwaltungssitz war Warburg. Der Kreis ging 1975 im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform zusammen mit dem Altkreis Höxter im neu gegründeten Kreis Höxter auf.

Geografie Geografische Lage Der Kreis Warburg umfasst im Wesentlichen das südliche Obere Weserbergland zwischen Eggegebirge im Westen und dem Westhessischen Bergland im Süden und Osten. Die zentrale Landschaft des Kreises ist die Warburger Börde. Auf dem Hauptkamm der Egge liegt die Rhein-Weser-Wasserscheide, so dass das Kreisgebiet durch Nethe und Diemel nach Osten zur Weser hin entwässert wird.

Nachbarkreise mini|Lage des Kreises im Regierungsbezirk Detmold 1947–1968

mini|220x220px|Südansicht der (ehem.) Kreisstadt Warburg

Der Kreis Warburg grenzte Anfang 1972 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an den Kreis Höxter (in Nordrhein-Westfalen), an die Landkreise Hofgeismar, Wolfhagen und Waldeck (alle in Hessen) sowie an die Kreise Büren und Paderborn (beide wiederum in Nordrhein-Westfalen).

Geschichte Ein erster Kreis Warburg wurde bereits 1803 eingerichtet, nachdem das Fürstentum Paderborn an Preußen gefallen war. Zu diesem Kreis gehörten neben dem größten Teil des 1816 wiedergegründeten Kreises Warburg auch die historischen Ämter Beverungen, Lichtenau und Wünnenberg. Von 1807 bis 1813 gehörte das Kreisgebiet zum Königreich Westphalen, fiel dann zurück an Preußen und gehörte seit 1815 zum Regierungsbezirk Minden.

Bei der Einteilung des Regierungsbezirks Minden in Kreise wurde zum 1. August 1816 wieder ein Kreis Warburg eingerichtet. Er war zunächst in die teilweise auch als Bürgermeistereien bezeichneten sechs Verwaltungsbezirke Borgentreich, Dringenberg, Gehrden, Peckelsheim, Rösebeck und Warburg gegliedert. Diese Verwaltungseinheiten gingen aus sechs gleichnamigen Kantonen hervor, die 1807 im Departement der Fulda des Königreichs Westphalen eingerichtet worden waren.Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.); Projekt Westfälische Geschichte : "Königliches Decret, wodurch die Eintheilung des Königreichs in acht Departements angeordnet wird", Seite 101

Die Städte Borgentreich und Warburg erhielten 1836 die preußische revidierte Städteordnung und wurden dadurch verwaltungstechnisch von ihren Umlandgemeinden getrennt. Der Rest des Verwaltungsbezirks Borgentreich wurde mit dem Verwaltungsbezirk Rösebeck zum Verwaltungsbezirk Borgholz fusioniert.Amtsblatt der Regierung Minden 1837, S. 59

Im Rahmen der Einführung der westfälischen Landgemeinde-Ordnung von 1841 wurden aus den Verwaltungsbezirken unterhalb der Kreisebene, sofern es sich nicht um Städte gemäß der revidierten Städteordnung handelte, Ämter gebildet. Im Kreis Warburg bestanden dadurch seit 1843 die fünf Ämter Borgholz, Dringenberg, Gehrden, Peckelsheim und Warburg mit insgesamt 47 Gemeinden und drei Gutsbezirken. Die beiden Städte Borgentreich und Warburg blieben amtsfrei.

Etwa 1849 wechselten die Gemeinden Natingen aus dem Amt Gehrden und Drankhausen aus dem Amt Peckelsheim zum Amt Borgholz.Amtsblatt der Regierung Minden 1849, S. 60 Die beiden Ämter Dringenberg und Gehrden besaßen von Anbeginn einen gemeinsamen Amtmann und bildeten seit 1857/58 das gemeinsame Amt Dringenberg-Gehrden. 1852 suchte Kleinenberg wegen der miserablen Verkehrsverbindung mit seiner Kreisstadt Büren Anschluss an den Kreis Warburg; der Antrag wurde von den zuständigen Stellen des Regierungspräsidenten in Minden abgelehnt.

Um 1870 wechselten die beiden Gemeinden Fölsen und Niesen aus dem Amt Gehrden in das Amt Peckelsheim.Amtsblatt der Regierung Minden 1870, S. 203

Von 1852 bis 1876 befand sich das Landratsamt mit Genehmigung des Kreistages und des Regierungspräsidenten in Peckelsheim, das im Kreis zentraler und dem Wohnsitz des damaligen Landrats in Helmern näher lag. In diesen Jahren musste der Landrat wöchentlich einmal eine Sprechstunde in Warburg halten. Die Kreistage aber, die seit 1828 zusammentraten, fanden nach wie vor in Warburg statt.

Erst 1909 baute sich die Kreisverwaltung, durch die immer steigenden Aufgaben und die wachsende Zahl der Beamten und Angestellten genötigt, ein eigenes Verwaltungsgebäude an der Warburger Bahnhofstrasse. 1961/63 wurde im Rahmen von Umbauarbeiten auch der Erweiterungsbau errichtet. Lediglich dieser Erweiterungsbau wird heute als Außenstelle des Kreises Höxter genutzt, während das Hauptgebäude seit den 1980er-Jahren der Stadtverwaltung von Warburg als Zentrale zur Verfügung steht.

1920 wurde der Gutsbezirk Dinkelburg in die Gemeinde Körbecke eingegliedert.territorial.de: Amt Borgentreich 1928 wurden die Gutsbezirke Niesen und Schweckhausen in die gleichnamigen Gemeinden eingegliedert.territorial.de: Amt Peckelsheim Das Amt Warburg wurde 1932 in Amt Warburg-Land umbenannt.territorial.de: Amt Warburg-Land Am 1. April 1937 wurde die bis dahin amtsfreie Stadt Borgentreich in das Amt Borgholz eingegliedert, das daraufhin in Amt Borgentreich umbenannt wurde.Amtsblatt der Regierung Minden 1937, S. 71 mini|301x301px|Eingescannte Kopie des Gebietsänderungsvertrages der Kreise Höxter und Warburg vom 24. Juli 1974 Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Warburg.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.

Am 1. Januar 1975 wurde der Kreis Warburg mitsamt seinen vier Ämtern durch das Sauerland/Paderborn-Gesetz aufgelöst und mit dem alten Kreis Höxter zum neuen Kreis Höxter zusammengeschlossen. Gleichzeitig wurden Auenhausen, Frohnhausen, Gehrden, Hampenhausen und Siddessen in die Stadt Brakel sowie Dringenberg, Kühlsen und Neuenheerse in die Stadt Bad Driburg eingemeindet. Alle übrigen Gemeinden gingen in den drei Städten Borgentreich, Willebadessen und Warburg auf. mini|Grenzstein der Vergangenheit zwischen Kreis Warburg und Kreis Büren (2014) In einem Gebietsänderungsvertrag zur Kreisneugliederung zwischen den Kreisen Warburg und Höxter vom Juli 1974 war vereinbart worden, den gemeinsamen neuen Kreis als Kreis Brakel zu benennen mit Sitz in Brakel. Dieser Vertrag wurde von den Kreistagen in Höxter und Warburg angenommen. Trotzdem wurde bei der Landtagsentscheidung zum Sauerland/Paderborn-Gesetz mit knapper Mehrheit für den neuen Kreisnamen Kreis Höxter mit Sitz in Höxter entschieden. Auch eine Benennung des neuen Kreises als Kreis Höxter-Warburg fand keine Zustimmung im Landtag in Düsseldorf.

Einwohnerentwicklung Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen des Kreises Warburg, dessen Gebietsstand über den gesamten Zeitraum unverändert blieb. Bei den Zahlen handelt es sich um Volkszählungsergebnisse und für 1973 um eine Fortschreibung.Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1816–1871. Düsseldorf 1966, S. 64–67.Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1871–1961. Düsseldorf 1964, S. 66–67.Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Statistische Rundschau für den Kreis Warburg. Düsseldorf 1973, S. 18–19.Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975 Die Angaben beziehen sich ab 1871 sowie für 1946 auf die Ortsanwesende Bevölkerung und ab 1925 auf die Wohnbevölkerung. Vor 1871 wurden die Einwohnerzahlen nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Jahr Einwohner 1818 (31. Dez.) 26.375 1822 (31. Dez.) 28.433 1825 (31. Dez.) 28.553 1831 (31. Dez.) 29.776 1834 (31. Dez.) 30.536 1837 (31. Dez.) 30.551 1840 (31. Dez.) 32.341 1843 (31. Dez.) 32.859 Jahr Einwohner 1846 (3. Dez.) 33.596 1849 (3. Dez.) 34.645 1852 (3. Dez.) 36.049 1855 (3. Dez.) 33.979 1858 (3. Dez.) 32.888 1861 (3. Dez.) 33.020 1864 (3. Dez.) 32.700 1867 (3. Dez.) 31.465 Jahr Einwohner 1871 (1. Dez.) 31.061 1880 (1. Dez.) 31.075 1885 (1. Dez.) 31.491 1890 (1. Dez.) 31.982 1895 (1. Dez.) 32.308 1900 (1. Dez.) 32.332 1905 (1. Dez.) 32.739 1910 (1. Dez.) 33.383 Jahr Einwohner 1925 (16. Juni) 36.215 1933 (16. Juni) 36.528 1939 (17. Mai) 35.113 1946 (29. Okt.) 52.390 1950 (13. Sep.) 50.903 1961 (6. Juni) 43.298 1970 (27. Mai) 45.252 1973 (31. Dez.) 44.800

Politik Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946 In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.

Jahr CDU CWG SPD FDP DZP 1946 58,8 17,5 23,7 1948 44,7 21,6 33,6 1952 41,6 16,1 9,4 23,8 19561 46,3 14,5 6,9 17,7 19612 53,2 18,3 12,2 12,9 19643 54,1 (14,0) 16,3 15,5 1969 53,8 18,3 15,2 12,0

Bei der Wahl im Jahr 1952 erreichten unabhängige Kandidaten 7,9 % der gültigen Stimmen.

Fußnoten 1 1956: zusätzlich: UdM: 11,9 %, BHE: 2,7 % 2 1961: zusätzlich: CSWG: 3,3 % 3 1964: CWG: kursiv in Klammern: Ergebnis nicht sicher

Landräte 1803–1807Philipp von Wolff gen. Metternich 1816–1830Wilhelm Franz von Hiddessen 1831–1840Wilhelm von Hiddessen 1847–1868Adolf von Spiegel zu Peckelsheim 1869–1875Raban Spiegel von und zu Peckelsheim 1875–1885Karl von Delius 1885–1906Raban Spiegel von und zu Peckelsheim 1906–1919Ferdinand von Schorlemer 1919–1920Freiherr von Spiegel zu Helmern (vertretungsweise) 1920–1929Josef Schoenkaes 1929–1933Friedrich Boeckenhoff (Zentrum, auftragsweise) 1933–1943Joseph von Spiegel zu Peckelsheim, NSDAP 1943–1945Johannes Bachmann (stellvertretend) ab Mai 1945Josef Hillebrand (parteilos, kommissarisch) 1945–1946Josef Ortner 1946–1948Josef Sievers, CDU 1948–1950Karl-Josef Koch, Zentrum 1950–1952Josef Menke, CDU 1952–1956Heinrich Happe 1956–1969Joseph von Wrede, CDU 1969–1974Clemens Schäfer, CDU

Oberkreisdirektoren 1964–1974: Hubert Clausmeyer († 2013)

Wappen mini|Briefkopf mit Wappen des Kreises Warburg 1971

Unter einem roten Schildhaupt mit durchgehendem goldenen Kreuz in Silber eine blaue Lilie.

Das Schildhaupt steht für die frühere Zugehörigkeit zum Hochstift Paderborn. Die Lilie steht im Wappen der Stadt Warburg.

Städte, Ämter und Gemeinden Amtsfreie Städte Warburg, Stadt Borgentreich, Stadt (bis 1937 amtsfrei)

Ämter und Gemeinden Amt Borgentreich, bis 1937 Amt Borgholz (Sitz Borgentreich) Borgentreich, Stadt (seit 1937 amtsangehörig) Borgholz, Stadt Bühne Daseburg Drankhausen Großeneder Körbecke Lütgeneder Manrode Muddenhagen Natingen Natzungen Rösebeck

Amt Dringenberg-Gehrden (Sitz Dringenberg) Altenheerse Auenhausen Dringenberg, Stadt Frohnhausen Gehrden, Stadt Hampenhausen Kühlsen Neuenheerse Siddessen Willebadessen, Stadt

Amt Peckelsheim (Sitz Peckelsheim) Borlinghausen Eissen Engar Fölsen Helmern Ikenhausen Löwen Niesen Peckelsheim, Stadt Schweckhausen Willegassen

Amt Warburg-Land, bis 1932 Amt Warburg (Sitz Warburg) Bonenburg Calenberg Dalheim Dössel Germete Herlinghausen Hohenwepel Menne Nörde Ossendorf Rimbeck Scherfede Welda Wormeln

Kfz-Kennzeichen mini|Zulassungsplakette Kreis-Warburg

Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen WAR zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1974 ausgegeben.

Der Kreistag Höxter votierte auf seiner 7. Sitzung am 23. April 2015 mit 15 Ja- und 23 Nein-Stimmen (bei 3 Enthaltungen) erneut gegen die Wiedereinführung des Kennzeichens WAR (ergänzend zu HX).