Die Kosovo-Truppe, kurz KFOR (englisch Kosovo Force), ist die 1999 nach Beendigung des Kosovokrieges aufgestellte multinationale militärische Formation unter der Leitung der NATO. Ihr obliegt es, gemäß der vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Juni 1999 beschlossenen Resolution 1244 für ein sicheres Umfeld für die Rückkehr von Flüchtlingen zu sorgen. Somit war die erste KFOR-Aufgabe, den Abzug der jugoslawischen bzw. serbischen Truppen sowie die Entmilitarisierung des Kosovos zu überwachen. Das Hauptquartier befindet sich in der kosovarischen Hauptstadt Pristina.
Ursprünglich beteiligten sich an der KFOR-Mission über 40 Staaten mit einer Truppenstärke von etwa 48.000 Soldaten. Aktuell (Stand: Februar 2026) wird die KFOR-Truppe von 33 Staaten gestellt und umfasst 4767 Soldaten.
KFOR arbeitet im Kosovo eng mit Missionen der Vereinten Nationen (UNMIK) und der Europäischen Union (EULEX Kosovo) zusammen. UNMIK hat wesentliche Aufgabenfelder im Polizei- und Justizaufbau im April 2009 an EULEX Kosovo übergeben.
Auftrag Mit der Verabschiedung der UN-Resolution 1244 durch den Sicherheitsrat am 10. Juni 1999 bekam die NATO – als führende Organisation zur Durchführung der friedensunterstützenden Operation im Kosovo – den Auftrag zur
Sicherstellung eines friedlichen und sicheren Umfeldes Unterstützung und Koordinierung internationaler humanitärer Bemühungen und ziviler Organisationen Unterstützung der Entwicklung zu einem stabilen, demokratischen, multi-ethnischen und friedlichen Kosovo Unterstützung der Entwicklung von Sicherheitskräften im Kosovo
Geschichte mini|Karte mit den KFOR-Sektoren (2002)
Der Einsatz der KFOR begann am 12. Juni 1999 mit der Operation Joint Guardian (deutsch: Gemeinsamer Wächter), als die ersten NATO-Truppen in den Kosovo einrückten. Mit etwa 48.000 Soldaten aus 30 Nationen (19 NATO-Mitglieder und 11 weitere Partnerländer) war es bis zu diesem Zeitpunkt der größte Bodeneinsatz in der Geschichte der NATO.
Die zu Beginn größten Truppensteller waren das Vereinigte Königreich mit knapp 13.000 Soldaten und einer zusätzlichen Einsatzreserve von weiteren 6000, gefolgt von Deutschland mit 8000, den Vereinigten Staaten und Frankreich mit je 7000 sowie Italien mit 5000 Soldaten. In der Anfangszeit der Mission wurde der Kosovo in fünf militärische Sektoren aufgeteilt, welche je von einer der fünf führenden Truppenstellernationen verwaltet und mit einem Kampfverband in Brigadestärke überwacht wurden.
Das Vereinigte Königreich übernahm das Hauptquartier am Flughafen der Hauptstadt Pristina und den zentralen der fünf Sektoren, Italien den Westsektor, die Vereinigten Staaten den Ostsektor, Frankreich den Norden und Deutschland den Südsektor.
Kurz vor dem eigentlichen Einmarsch der NATO-Truppen kam es zu einem Kommandounternehmen der russischen Streitkräfte zur Besetzung des Flughafens von Pristina. Eine anschließend durchgeführte Luftblockade konnte eine dauerhafte Besetzung des Flughafens verhindern. Die russischen Truppen wurden schlussendlich in die KFOR-Strukturen integriert.
Gleich in den ersten Tagen kam es im Einsatz zu mehreren tödlichen Zwischenfällen im Kosovo: Zwei Journalisten, darunter der Stern-Reporter Gabriel Grüner, und ihr Begleiter wurden auf dem Dulje-Pass von einem russischen Paramilitär ermordet,stern.de britische Truppen töteten einen serbischen Polizisten, der auf sie geschossen hatte, und die Bundeswehr wurde in Prizren in einen tödlichen Schusswechsel verwickelt, nachdem zwei bewaffnete Serben mit ihrem Auto auf einen deutschen Kontrollposten zugefahren waren und zuvor auf die Menge geschossen hatten. In dem anschließenden Schusswechsel wurde einer der beiden Serben getötet und der andere schwer verwundet.dbwv.de
Zu Beginn des Einsatzes war die Stimmung im Kosovo – insbesondere im Süden in Prizren – extrem angespannt, was auch daran lag, dass anfangs noch reguläre jugoslawische Armeeeinheiten und serbische Paramilitärs vor Ort waren.
Mit Befriedung der allgemeinen Lage im Kosovo sollte eine Truppenreduzierung einhergehen, die am 12. November 2002 dazu führte, dass der italienische und der deutsche Verantwortungsbereich zusammengelegt wurden.nato.int Die neu gebildete Multinationale Brigade Südwest (MNB SW) deckte mit über 10.000 Soldatennato.int aus elf Nationen rund ein Drittel der Fläche des Kosovo ab.
In den folgenden Monaten wurde die KFOR-Truppe weiter deutlich verkleinert, von etwa 39.000 Soldaten im Jahr 2002 auf 26.000 im Juni 2003 und dann Ende 2003 auf 17.500.jfcnaples.nato.int
2004 kam es im gesamten Kosovo zu gewalttätigen Ausschreitungen, vor allem gegenüber der serbischen Minderheit, welche dazu führten, dass die NATO-Truppen erneut aufgestockt wurden.morgenpost.de
Im August 2007 wurde die KFOR-Mission auf ca. 16.000 Soldaten reduziert, welche aus 37 Staaten gestellt wurden. 2009 hat die NATO den Prozess „Deterrent Presence“ einer kontinuierlichen Reduzierung der präsenten Kräfte eingeleitet.
2010 kam es dann erneut zu einer Umgliederung; die multinationalen Brigaden wurden auf zwei reduziert und fortan als Battlegroup (deutsch Kampfgruppe) oder Taskforce bezeichnet. Die Multinational Battle Group South (MNBG S) unter deutschem Kommando bestand aus Soldaten aus Deutschland, Frankreich, Österreich, der Türkei und der Schweiz und wurde aus Prizren geführt. Die unter italienischer Führung stehende Multinational Battle Group West (MNBG W) setzte sich aus Soldaten aus Italien, Slowenien, Ungarn, der Türkei und Rumänien zusammen und hatte ihr Hauptquartier in Peja.
Bis Januar 2012 sank die Zahl der eingesetzten Soldaten weiter auf etwa 6000 und wurde im Juni 2017 nochmals auf 4500 reduziert. Aktuell (Stand: Februar 2026) wird die KFOR-Truppe von 33 Staaten gestellt und umfasst 4767 Soldaten.
Nachdem es 2023 erneut zu Spannungen zwischen Serbien und dem Kosovo gekommen war, wurden die KFOR-Truppen wieder aufgestockt. Das Vereinigte Königreich entsendete 200 zusätzliche Soldaten, ebenso schickte Rumänien weitere Soldaten.
Organisation mini|hochkant|NATO-Abzeichen
Struktur 1999 Seit dem Einmarsch der KFOR 1999 war diese in multinationale Brigaden gegliedert, die jeweils für die Sicherung eines Teilbereichs des Kosovo verantwortlich waren. Jede dieser multinationale Brigaden wurde von einer Lead Nation (Führungsnation) geführt.
Dem KFOR-Hauptquartier in Pristina unterstand folgende Struktur: Multinationale Brigade (MNB) „Zentrum“ in Pristina unter der Führung des Vereinigten Königreichs1997-2001.state.gov MNB „Nord“ in Novo Selo unter der Führung Frankreichs MNB „Süd“ in Prizren unter der Führung Deutschlands MNB „West“ in Peja unter der Führung Italiens MNB „Ost“ in Ferizaj unter der Führung der Vereinigten Staaten
Struktur 2003 Im November 2002 wurden der italienische und der deutsche Verantwortungsbereich zusammengelegt und es entstand die Multinationale Brigade Südwest (MNB SW).
Daraus ergab sich unter dem KFOR-Hauptquartier in Pristina die folgende Organisationsstruktur: Multinationale Brigade (MNB) „Zentrum“ in Pristina unter der Führung des Vereinigten Königreichs MNB „Nord“ in Novo Selo unter der Führung Frankreichs MNB „Südwest“ in Prizren unter der Führung Deutschlands MNB „Ost“ in Ferizaj unter der Führung der Vereinigten Staaten
Struktur 2006 Im August 2005 beschloss der NATO-Rat, die KFOR umzustrukturieren und die vier bestehenden multinationalen Brigaden durch fünf multinationale Task Forces (MNTF; deutsch: Multinationale Einsatzgruppen) zu ersetzen. Diese Änderung sollte eine größere Flexibilität ermöglichen, da beispielsweise die Beschränkungen für die grenzüberschreitende Verlegung von in verschiedenen Sektoren des Kosovo stationierten Einheiten aufgehoben wurden. Mit dem Übergang von der Brigade zur Task Force wurde auch mehr Gewicht auf nachrichtendienstlich geführte Operationen gelegt, wobei die Task Forces bei der Informationsbeschaffung eng mit der örtlichen Polizei und der Bevölkerung zusammenarbeiten. Die Umsetzung erfolgte Mitte 2006, wobei aus der vormaligen Multinationalen Brigade Südwest zwei Task Forces (West und Süd) gebildet wurden.
Daraus ergab sich unter dem Hauptquartier die folgende Organisationsstrukturnato.int: Multinationale Task Force (MNTF) „Zentrum“ in Pristina unter der Führung des Vereinigten Königreichs MNTF „Nord“ unter der Führung Frankreichs MNTF „West“ unter der Führung Italiens MNTF „Süd“ unter der Führung Deutschlands MNTF „Ost“ unter der Führung der Vereinigten Staaten
Struktur 2010 2010 wurde KFOR erneut restrukturiert und umfasste zwei Multinational Battle Groups (deutsch: multinationale Kampfgruppen) mit Sitz in Peja und Prizren sowie Joint Regional Detachments. Letztere hatten die Führung sogenannter Liaison Monitoring Teams inne. Durch diese Umstrukturierung wurde von klassischen militärisch eingesetzten Kräften die Brücke zu in der Bevölkerung fest verankerten militärischen Kräften geschlagen. Damit wurde das „Fühlen des Pulses“ innerhalb der Bevölkerung als weiteres Führungselement für den KFOR-Kommandanten (COM KFOR) geschaffen.
Die beiden multinationalen Kampfgruppen waren: Multinational Battle Group West in Peja unter der Führung Italiens und unter Beteiligung Sloweniens, Ungarns, Rumäniens und der Türkei Multinational Battle Group South in Prizren unter der Führung Deutschlands und unter Beteiligung Frankreichs, Österreichs, der Schweiz und der Türkei
Struktur 2019 Am 15. August 2019 wurde eine erneute Restrukturierung durchgeführt, um sich den Aufgabenfeldern im Kosovo besser anzupassen. Dabei wurden die Joint Regional Detachments in die Regional Commands eingegliedert. Dadurch können die Regional Commands bereits die Beurteilung aller eingesetzten Kräfte in ihrem Verantwortungsbereich durchführen.
Somit stellt sich die aktuelle Organisation (Stand: September 2019) wie folgt dar:
Dem Hauptquartier in Pristina sind folgende Elemente zugeordnet: MSU – Multinational Specialized Unit RC – Regional Command JLSG – Joint Support Logistic Group KTRBN – KFOR Tactical Reserve Bataillon HSG – Headquarters Support Group ISRBN – Intelligence Surveillance and Reconnaissance Battalion
MSU – Multinational Specialized Unit Die KFOR Multinational Specialized Unit (MSU) hat ihren Sitz in Pristina und ist Teil der Einsatzkräfte von COM KFOR. Sie besteht ausschließlich aus italienischen Carabinieri.
Die MSU ist eine Militäreinheit, die sich aus Polizeikräften mit militärischem Status zusammensetzt. Sie bietet dem COM KFOR die Möglichkeit, Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen, einschließlich strafrechtlicher Aufklärung, Beherrschung von Menschenmengen und Unruhen (Crowd and Riot Control, CRC) sowie das Sammeln und Bewerten von Informationen. Die MSU kann bei Bedarf auch lokale Polizeikräfte in einer Vielzahl von Fragen beraten und unterstützen, unter anderem zu Themen wie Strafverfolgung, Bekämpfung der organisierten Kriminalität und des Terrorismus, Ermittlung von Kriegsverbrechen, Kriminalprävention und öffentliche Sicherheit.
Die MSU wird von einem italienischen Carabinieri-Offizier kommandiert, der den COM KFOR in allen Angelegenheiten der Zivilpolizei berät.
RC – Regional Command Die KFOR verfügt über zwei RCs.
Das Regional Command Ost (RC-E) ist ein NATO-Kommando mit Sitz im Camp Bondsteel in der Nähe von Ferizaj im Südosten des Kosovo. Dieses Camp ist der Hauptstützpunkt der US-Armee unter dem KFOR-Kommando im Kosovo.
Die Einheit wird von einem US-Offizier kommandiert und besteht aus US-Truppen sowie Truppen aus Polen, Rumänien und der Türkei.
Die Regional Command West (RC-W) ist ein NATO-Kommando mit Hauptsitz im Camp Villaggio Italia in der Nähe von Pec im Westen des Kosovo. Dieses Camp ist der Hauptstützpunkt der italienischen Truppe unter dem KFOR-Kommando im Kosovo.
Die Einheit wird von einem italienischen Offizier kommandiert und besteht aus Truppen aus Italien, Österreich, Moldau und Slowenien.