mini|Waschmaschine mit durchsichtigem Gehäuse zu Ausstellungszwecken, 2010 mini|Tonaufnahme des Waschvorgangs einer Waschmaschine mini|hochkant|August 1910: Inserat für eine Dampfwaschmaschine mit Wasserschiff
Eine Waschmaschine ist ein Reinigungsgerät, vornehmlich zur Reinigung von Textilien. In einer Waschmaschine wirken Wasser, mechanische Kräfte, chemische Waschmittel sowie Wassertemperatur und Waschdauer in Kombination auf das Waschgut ein, diese Wirkmittel werden oft an das zu waschende Material und dessen Verschmutzungsgrad und -art angepasst. Waschmaschinen dienen in Haushalten ebenso wie im Reinigungsgewerbe dazu, Kleidung und andere textile Fertigerzeugnisse zu reinigen.
Die Mechanisierung der Textilienwäsche durch Maschinen war ein tiefer Einschnitt im Alltag. Bis allseitig zufriedenstellende Typen entwickelt waren, zog es sich allerdings sehr lange hin.Joachim Radkau: Technik in Deutschland – Vom 18. Jahrhundert bis heute. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-593-38689-8, S. 249.
Geschichte der Waschmaschine Übersicht über die technische Entwicklung
mini|hochkant|Beschreibung und Abbildungen der „The American Floating Ball Washing Machine“, enthielt 200, 240 oder 300 Bälle
mini|hochkant|Universalwaschmaschine anno 1888;„Ohne Kochen und Brühen, ohne Reiben oder Rumpeln wird die Wäsche durch einfaches Schwemmen in heissem Wasser, welchem nur gewöhnliche Wasch- oder weiche Seife zugesetzt wird, […] in kurzer Zeit gründlich gereinigt …“ Traditionell wurde Wäsche mit dem Waschbrett in kaltem Wasser (oder besser mit weichem Regenwasser, siehe dazu Wasserhärte#Geschichte und Herleitung des Begriffs) an einem mit Frischwasser versorgten Waschplatz oder in einem Zuber gewaschen. Eine erste Erleichterung brachten die Waschkessel, in denen Wasser mit Festbrennstoffen erhitzt werden konnte und die Wäsche aber weiterhin manuell mit einem Wäschestampfer und anderen Geräten bearbeitet werden musste.
Hölzerne Bottichwaschmaschinen besitzen zwar ein manuell oder elektrisch angetriebenes Rührwerk, können selbst aber das Wasser nicht erhitzen. Soll kein kaltes Wasser verwendet werden, so muss die Waschlauge anderswo erhitzt werden. Bottichwaschmaschinen mit Metallkessel besitzen neben dem meist mit Flügelrädern realisierten Rührwerk oft auch eine Heizung, die oft nach Wunsch in der Ausführung für Brennstoffe, Erd- bzw. Stadtgas oder als Elektroheizung geliefert werden konnte. Bottichwaschmaschinen sind oft zusätzlich mit einer Wringmaschine ausgestattet. Sie erlaubte etwa die Hälfte des Wassers aus der Wäsche herauszupressen.
Nach jahrzehntelanger Koexistenz lösten die Trommelwaschmaschinen die Bottichwaschmaschinen in den 1960er Jahren endgültig ab. Hauptursache war die Tatsache, dass diese deutlich weniger Wasser und Energie verbrauchen. Bei Trommelwaschmaschinen unterscheidet man Front- und Toplader, je nachdem, wo die Wäsche in die Maschine eingefüllt wird. Durch die immer höhere Rotationsgeschwindigkeit konnte eine separate Schleuder eingespart werden und die Waschmaschine übernahm auch diese Funktion.
Frühe Modelle Ab dem 17. Jahrhundert kam das Interesse an Waschmaschinen auf, bei denen durch eine mechanische Kraft das beim Handwaschen anstrengende Rubbeln, Reiben, Stauchen, Schlagen und Bürsten der Wäschestücke ersetzt oder zumindest erleichtert werden sollte. Es entstanden im Laufe der folgenden Jahrhunderte eine Vielzahl von verschiedenen Waschmaschinenkonstruktionen, bei denen entweder ein Bewegungselement auf direktem Weg die Wäsche in einem mit Waschlauge befüllten Behältnis rührte oder bewegte oder das Behältnis sich mit der Wäsche selbst bewegte, um ein Stauchen, Fallen und Aneinanderreiben der Wäsche zu erreichen.Barbara Orland: Wäsche waschen – Technik- und Sozialgeschichte der häuslichen Wäschepflege. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1991, ISBN 3-499-17736-6, S. 93. Am 22. August 1691 wurde John Tizack (auch Tyzacke) das englische Patent No. 271 auf eine Maschine erteilt, die neben einer Vielzahl von Anwendungen auch für das Waschen von textilen Stoffen nutzbar sein sollte. Eine detaillierte Beschreibung der Konstruktion wird in der Patentschrift nicht gegeben.
Über die Anwendung einer Waschmühle, die wie eine Walkmühle betrieben wird, für das Waschen von Wäsche in einem Norbertiner-Kloster in der Eifel, wurde im Jahr 1757 berichtet.Bericht. In: Braunschweigische Anzeigen, 14. Mai 1757, Spalte 687; .
mini|hochkant|Bottichwaschmaschine im Freilichtmuseum Roscheider Hof, Rührwerk mit Holzzapfen
Schon im Jahr 1752 wurde eine Waschmaschine in einem Magazin beschrieben, die als Yorkshire Maiden bezeichnet wird. Ein Holzbottich wurde mit der Wäsche und heißem Seifenwasser befüllt. Durch die Mitte des Deckels war eine Holzstange geführt, die am oberen Ende einen Griff zum Drehen und am unteren Ende eine Holzscheibe mit eingelassenen Holzzapfen besaß, die beim Hin- und Herdrehen die Wäsche in der Seifenlauge bewegten.Beschreibung der Bottichwaschmaschine Yorkshire Maiden im Jahr 1752. Abgerufen am 15. April 2016. Die Größe dieser Waschmaschine und der Handbetrieb machten sie für kleinere Haushalte geeignet. Diese Art Waschmaschine soll zum Zeitpunkt des Berichtes schon lange Zeit in der Grafschaft Yorkshire in Gebrauch gewesen sein und sich auch über andere Grafschaften Englands ausgebreitet haben. Aus England ist dieser Waschmaschinentyp mit der einen oder anderen kleinen Variation auch nach Deutschland gekommen und dort wohl schon 1740 in Hannover in Gebrauch gewesen, später in Braunschweig, Hamburg, Leipzig (1746) und Augsburg (1761) bekannt geworden.Zur Ausbreitung der englischen Waschmaschine in Deutschland. Abgerufen am 16. April 2016. Beschrieben wurde diese Art Waschmaschine nebst einer Zeichnung, wie sie in Braunschweig genutzt wurde, schon 1756.Georg Heinrich Zincke: Leipziger Sammlungen von Wirthschaftlichen, Policey –Cammer- und Finantz-sachen Sammlungen. Verlag Carl Ludwig Jacobi, Leipzig 1756, 136. Stück, S. 318 ff.
Diese Waschmaschinenkonstruktion, wie sie in Braunschweig genutzt wurde, war die Grundlage für den Nachbau durch Gotthard Friedrich Stender Anfang der 1760er Jahre, den er im Auftrag von Freyherrn von Korff in Kopenhagen vornehmen ließ.Die höchstbequeme Waschmaschine von Stender. Abgerufen am 16. April 2016. Aufmerksam geworden durch einen Zeitschriftenartikel im Jahr 1766, in dem Stender seinen Nachbau der englischen Waschmaschine bekanntgab, beschaffte sich Jacob Christian Schäffer eine solche Waschmaschine und nahm nach Erprobungen bei Beibehaltung der Grundkonstruktion und des Waschprinzips einige Verbesserungen (z. B. Holzart, Anbau eines Ablaufs des Zubers) daran vor.Jacob Christian Schäffer: Die bequeme und höchst vortheilhafte Waschmaschine. Beschreibung seiner Waschmaschine. Abgerufen am 16. April 2016. Das bei diesen ersten Waschmaschinen verwendete Prinzip der Wäschebewegung mit Holzzapfen blieb über Jahrzehnte ein immer wieder kopiertes Prinzip.Barbara Orland: Wäsche waschen – Technik- und Sozialgeschichte der häuslichen Wäschepflege. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1991, ISBN 3-499-17736-6, S. 94. Selbst bis in den Zweiten Weltkrieg hinein waren Zapfenwaschmaschinen, teilweise sogar mit Elektroantrieb versehen, in Thüringen und Sachsen anzutreffen.Josef Kurz: Kulturgeschichte der häuslichen Wäschepflege: Frauenarbeit und Haushalttechnik im Spiegel der Jahrhunderte. Wachter-Verlag, Bönnigheim 2006, ISBN 3-89904-248-4, S. 172.
Ab dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts nahm die Entwicklung von Waschmaschinen insbesondere in England stark zu, was sich in den Patentanmeldungen widerspiegelte. Allein in den Jahren zwischen 1780 und 1793 wurden 13 Patente für Waschmaschinen angemeldet, davon 10 in den Jahren von 1789 bis 1793 (korrespondierend zum damaligen Bauboom).Christine MacLeod: Inventing The Industrial Revolution – The English patent system, 1660–1800. Cambridge University Press, Cambridge 1988, ISBN 0-521-30104-1, S. 155. Dieser Trend setzte sich auch im 19. und 20. Jahrhundert fort. Im US Patent Office sind zwischen 1790 und 1975 über 20.000 Patente mit Bezug auf Waschmaschinen registriert.Lee M. Maxwell: Save womens lives: history of washing machines. Oldwash, Eaton 2003, ISBN 0-9729710-0-9, S. 11.
Über viele Jahrzehnte blieb es bei der Nutzung von Waschmaschinen ohne eigene Heizung und mit Handbetrieb. Den Behältnissen wurde meist heiße Waschlauge zugegeben. Neben den schon erwähnten Zapfenwaschmaschinen werden folgende nach Art der Wäschebewegung unterschieden:Josef Kurz: Kulturgeschichte der häuslichen Wäschepflege: Frauenarbeit und Haushalttechnik im Spiegel der Jahrhunderte. Wachter-Verlag, Bönnigheim 2006, ISBN 3-89904-248-4, S. 168–184. mini|hochkant|Walzenwaschmaschine Walzenwaschmaschinen, bei denen das Prinzip des Waschbrettes nachgeahmt wurde, indem die Wäsche durch zwei geriffelte Walzen hindurchbewegt wurde. Bürstenwaschmaschinen, bei denen man anstelle der Walzen Bürsten mit steifen Borsten verwendete. Wiegenwaschmaschinen, bei denen ebenfalls die Wirkung des Waschbrettes nachgeahmt werden sollte (Markenname: Eckarts Universal Waschmaschine), über einem aus wellenförmig geschnittenen Holzstäben zusammengesetzten Boden ein Arm hin und her bewegt wurde. mini|hochkant|Schaukelwaschmaschine Schaukelwaschmaschinen, auch Schlesische Waschmaschine, bei denen ein hölzerner Behälter mit einer Innenauskleidung aus Blech und geschlossenem Deckel mit Wäsche und heißer Waschlauge befüllt und hin und her geschaukelt wurde. Ab 1890 kam eine Schaukelwaschmaschine in den Handel, die ganz aus Stahl bestand. mini|hochkant|Flügelradwaschmaschine Flügelradmaschinen, bei den an Stelle der Zapfen Flügelräder verwendet wurden, die damit schonender auf die Wäsche einwirkten.
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts waren Waschmaschinen weiterhin überwiegend in öffentlichen und gewerblichen Wäschereien und Großhaushalten verbreitet und weniger in privaten Haushalten oder bei einzelnen Berufswäscherinnen. Die Waschmaschine wurde in zahlreichen Variationen auf Industrieausstellungen vorgeführt.Barbara Orland: Wäsche waschen – Technik- und Sozialgeschichte der häuslichen Wäschepflege. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1991, ISBN 3-499-17736-6, S. 93. Selbst in Paris waren noch in den 1860er Jahren Waschschiffe auf der Seine mit den mit Keulen und Bürsten arbeitenden Waschfrauen zu sehen. Zwar waren Waschmaschinen in dieser Zeit in manchen Gegenden Deutschlands bereits verbreitet, eine allgemeine Verwendung stand jedoch noch aus.Otto Buchner: Die neuesten, besten und gebräuchlichsten Wasch-Einrichtungen, nach persönlicher Beobachtungen auf der Pariser Welt-Industrie-Ausstellung von 1867, sowie unter Benutzung der technischen Literatur, mit besonderer Berücksichtigung deutscher Verhältnisse für Haushaltungen, Fabriken, öffentlich Anstalten und Maschinenbauer geschildert. Verlag Bernhard Friedrich Voigt, Weimar 1868, S. 3. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden in großen Städten sogar Probewaschtage mit Schauwaschen abgehalten, um Werbung für die damals neue Technik zu machen.Schilderung einer Probewaschung im Jahr 1889 in Innsbruck. Abgerufen am 27. April 2016. mini|hochkant|Erste gelochte Waschtrommel (Krauss-Werke)
Im September 1855 wurde in der Berliner Bauschule/Bauakademie eine von B. Moore (New York) erfundene und patentierte Kugelwaschmaschine vorgeführt, die mittels Holzkugeln die Schmutzwäsche bearbeitete.Augsburger Tagblatt, No. 241. Montag 3. September 1855, S. 1533. Als Digitalisat, abgerufen am 5. Februar 2021. Diese Kugelwaschmaschine bestand aus einem viereckigen Behälter, in den Holzkugeln eingebracht wurden. Sie darf nicht mit den aus einer Kugel bestehenden Kugelwaschmaschinen des 20. Jahrhunderts verwechselt werden.