mini|Diana Ross (2022) mini|Diana Ross (1981) Diana Ernestine Earle RossJ. Randy Taraborrelli: Diana Ross. An unauthorized biography. Rose Books, 2007. (* 26. März 1944 in Detroit, Michigan) ist eine US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin, die zu den erfolgreichsten Künstlerinnen der Musikgeschichte gehört. Sie prägte als Frontsängerin der Girlgroup The Supremes die Soul- und Popmusik der 1960er Jahre sowie die Plattenfirma Motown und stieg ab 1970 „zu einer schillernden Superstar-Persönlichkeit auf, die jedes Genre populärer schwarzer Musik beherrschte“. Sechsmal stand sie als Solistin in den USA an der Spitze der Single-Charts. Ross bewies ihre Wandlungsfähigkeit auch als Schauspielerin, so in ihrem Oscar-nominierten Debüt als Billie Holiday in Lady Sings the Blues. Mit den dazugehörigen Jazz-Aufnahmen hatte sie ebenso großen Erfolg wie ab Mitte der 1970er Jahre mit ihren Disco-Werken. Mit dem weltweiten Nummer-eins-Hit Upside Down etablierte sich Ross auch im deutschsprachigen Raum. Die Entertainerin wurde zahllose Male für die wichtigsten Preise der Showbranche nominiert, darunter zwölf Mal für den Grammy, den sie im Jahr 2012 für ihr Lebenswerk erhielt.Top 10 Legendary Musicians Who Never Won a Grammy- TopTenz.net

Karriere Frühe Jahre 1959 bis 1961 Diana Ross gründete bereits in den 1950ern eine Band mit vier Schulfreundinnen. Bei einem Gesangswettbewerb belegten sie den ersten Platz. Durch die Freundschaft mit Smokey Robinson konnten Ross und ihre Freundinnen, von denen sich eine, Barbara Martin, bereits wieder zurückgezogen hatte, einen Kontakt zu der Plattenfirma Motown herstellen.Diana Ross: Mein Leben. Goldmann Verlag, 1993.

Leadsängerin der Supremes: Die Motown-Jahre 1961 bis 1970 mini|The Supremes: Florence Ballard, Mary Wilson und Diana Ross (1965), (v. l. n. r.) Diana Ross, Florence Ballard und Mary Wilson wurden 1961 als The Supremes von Berry Gordy und seinem 1959 gegründeten Plattenlabel Motown unter Vertrag genommen. Die ersten Singles des Trios stellten sich als Flops heraus. Einen Achtungshit hatte das Trio 1963 mit When the Lovelight Starts Shining Through His Eyes.Diana Ross: Mein Leben. Goldmann Verlag, 1993. 1964 gelang schließlich der Durchbruch mit dem Lied Where Did Our Love Go, dem ersten von zwölf Nummer-eins-Hits der Supremes in den US-amerikanischen Single-Charts. Fortan gehörte die Girlgroup zu den bekanntesten und erfolgreichsten Motown-Stars. Laut Gladys Knight, selbst in den 1960er Jahren ein Motown-Star, galt bei dem Plattenlabel zu dieser Zeit eine Art Kastensystem, das Ross mit den Supremes anführte. Danach folgten Smokey Robinson & the Miracles. Darunter standen The Temptations und The Four Tops.

Die Supremes zählten bald auch international zu den Spitzenstars, nicht zuletzt wegen ihrer glamourösen Live-Auftritte und perfekten Bühnenshows. Hits wie Stop! In the Name of Love oder You Keep Me Hangin’ on wurden laut dem Spiegel zu „absoluten Klassikern des Genres – grandioser Soul-Pop ohne Verfallsdatum“. 1967 verließ Florence Ballard die Supremes und wurde durch Cindy Birdsong ersetzt. Gleichzeitig wurde die Gruppe in Diana Ross & the Supremes umbenannt, da Ross mittlerweile als Leadsängerin dominierte. In späteren Jahren behauptete Wilson, dass Ross ganz bewusst die Aufmerksamkeit auf sich zog und ihre Sangeskolleginnen in den Schatten stellen wollte.Mary Wilson: Dreamgirl. My Life As a Supreme. St. Martin’s Press, New York 1986 Zum Zeitpunkt des Namenswechsels hatte Ross eine Beziehung mit Berry Gordy, der die Sängerin von Beginn an künstlerisch förderte und ihre Karriere auch im kommenden Jahrzehnt maßgeblich vorantrieb.

1970 verließ Ross die Gruppe und wurde durch Jean Terrell, Schwester des Boxers Ernie Terrell, ersetzt. Das neuformierte Trio nannte sich bis zur Auflösung 1977 wieder The Supremes. Den letzten gemeinsamen Auftritt mit Ross hatten die Supremes am 14. Januar 1970. Live-Aufnahmen des Abends finden sich auf dem letzten Album in dieser Besetzung, Farewell. Die letzte, zum Abschied passende, Single Someday We’ll Be Together war bereits im November 1969 erschienen. Das Lied war nicht nur die letzte Nummer eins der Supremes mit Ross in den USA, sondern auch der 1960er Jahre.

Solokarriere ab 1970 Kurz nach der Trennung von den Supremes begann Ross 1970 ihre Solokarriere, unterstützt von Ashford & Simpson, die sowohl die Kompositionen beisteuerten als auch die Produktion der Aufnahmen verantworteten. Die erste von Ashford & Simpson geschriebene und produzierte Single Reach Out and Touch (Somebody’s Hand) war nur ein Achtungserfolg. Doch schon die nächste Single Ain’t No Mountain High Enough, ein Cover des Hits von Marvin Gaye und Tammi Terrell von 1967, stand im September 1970 für drei Wochen auf dem ersten Platz der US-amerikanischen Pop- und R&B-Charts. Die Aufnahme erhielt darüber hinaus eine Grammy-Nominierung. Das erste Soloalbum Diana Ross erhielt ein von Harry Langdon fotografiertes Cover, das Ross abseits ihres bisherigen glamourösen Images in abgeschnittenen Shorts und verwittertem T-Shirt präsentierte. Der Modefotograf Langdon und Ross arbeiteten in den 1970er und 1980er Jahren noch oft zusammen. 1971 hatte sie mit der Ballade I’m Still Waiting ihre erste Nummer eins in den britischen Single-Charts.

1972 gab Ross als Billie Holiday ihr Filmdebüt im Kassenerfolg Lady Sings the Blues. Der dazugehörige Soundtrack war einer der größten kommerziellen Erfolge von Ross und ihre einzige Nummer eins in den US-Alben-Charts. Im Jahre darauf begann die langjährige Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Produzenten Michael Masser, der für Ross Touch Me in the Morning, ihre zweite US-Nummer-eins, schrieb. Auch ihre dritte Nummer eins, rund zwei Jahre später, Theme from Mahogany (Do You Know Where You’re Going To) stammt aus seiner Feder. Bis Anfang der 1980er Jahre nahm Ross etliche weitere Lieder von Masser auf, darunter der Top-10-Erfolg It’s My Turn (1981). Die erfolgreichsten Aufnahmen wurden 1981 auf der Kompilation To Love Again zusammengefasst. Für Masser war die Zusammenarbeit der Durchbruch im Musikgeschäft.

Im Herbst 1973 folgte ein lang erwartetes, gemeinsames Album mit Marvin Gaye. Die Aufnahmen waren von Problemen überschattet. Laut dem Buch Diana Ross: A Biography von J. Randy Taraborrelli war es für Gaye üblich, im Studio Cannabis zu rauchen. Ross, die zu diesem Zeitpunkt schwanger mit ihrer ersten Tochter Rhonda war, konnte Gaye nicht davon überzeugen, dies zu unterlassen. Auch Interventionen bei Berry Gordy hatten keinen Erfolg. Ein Teil der Gesangsaufnahmen soll schließlich getrennt voneinander stattgefunden haben. Gaye soll darüber hinaus von Anfang an kein großes Interesse an den Duetten gehabt haben, da er einerseits noch nicht über den frühen Tod seiner mehrjährigen Duettpartnerin Tammi Terrell hinweg war. Andererseits hatte er seit dem großen Erfolg des 1971 veröffentlichten Albums What’s Going On künstlerische Freiheiten erworben, die er auf Diana & Marvin nicht ausleben konnte. Dennoch war das Album ein Erfolg, insbesondere in Großbritannien, wo das Werk die Top 10 und eine Gold-Auszeichnung erreichte. Bei den ausgekoppelten Singles setzte Motown unterschiedliche Prioritäten. Während in den USA You’re a Special Part of Me und My Mistake (Was to Love You) erfolgreich ausgekoppelt wurden, hatten Gaye und Ross in Großbritannien und Kontinentaleuropa vor allen Dingen mit dem Stylistics-Cover You Are Everything Erfolg. Trotz ihrer anfänglichen Probleme sagten sowohl Gaye als auch Ross der Presse, dass sie die Arbeit an dem Album genossen hätten. Gaye erzählte dem Soul Train-Moderator Don Cornelius in einer Folge im Februar 1974, dass er auch in Zukunft gerne mit Ross zusammenarbeiten würde und sie als Mensch sehr schätze. Die Zusammenarbeit erfüllte sich lediglich 1978 für die mit Stevie Wonder und Smokey Robinson als Quartett eingespielte, wenig beachtete Single Pops, We Love You (A Tribute to Father), eine Hommage an Berry „Pops“ Gordy, Sr., den Vater von Berry Gordy, der in jenem Jahr an Krebs gestorben war. Das dazugehörige Album Pops We Love You, eine Kompilation mit diversen Motown-Künstlern, enthält mit I’ll Keep My Light In My Window ein weiteres Duett von Gaye und Ross.

Erfolge als Disco-Queen mini|Diana Ross, späte 1970er oder Anfang der 1980er Jahre Ross prägte auch das Disco-Genre, als sie 1976 das Lied Love Hangover aufnahm. Der Song wurde zum Klassiker und erreichte nicht nur Platz eins der Billboard Hot 100, sondern auch die Spitze der R&B- und Disco-Charts. Ross nahm in den folgenden Jahren etliche weitere Disco-Stück auf. Besonders erfolgreich war das Album The Boss, eine weitere Ashford & Simpson-Produktion, die Platz eins der Disco-Charts erreichte und zum Spitznamen für Ross wurde. Übertroffen wurde dieser Erfolg noch von der Zusammenarbeit mit Nile Rodgers und Bernard Edwards von Chic, die ihr erfolgreichstes Solo-Album Diana 1980 produzierten und alle enthaltenen Songs schrieben. Obwohl Disco zu diesem Zeitpunkt insbesondere in den USA stark an Popularität eingebüßt hatte, gelangte die ausgekoppelte Single Upside Down nicht nur in den USA bis auf Platz eins der Charts. Es ist bis heute ihr größter internationaler Hit.

Auch die nachfolgende Single aus Diana, I’m Coming Out, war ein internationaler Erfolg, mit dem Ross noch heute ihre Shows eröffnet. Dass Rodgers und Edwards dabei an ein homosexuelles Coming-out dachten, war Ross, den Musikern zufolge, nicht bewusst. Die beiden wollten damit Ross’ große Popularität bei Schwulen und insbesondere bei Dragqueens nutzen. Noch Jahrzehnte später nannte das Billboard-Magazin das Lied die „ultimative Schwulenhymne“ und Ross selbst eine „Schwulenikone“.

Abschied von Motown, Wechsel zu RCA/EMI 1981 entschloss sich Ross, Motown zu verlassen. Ihre letzte Single für das Label, Endless Love, war ein Duett mit Lionel Richie. Der Erfolg sollte einen besonderen Meilenstein in der Karriere der beiden Sänger darstellen, denn zum Zeitpunkt der Veröffentlichung stellte die Single gleich drei Rekorde auf. Es war die kommerziell erfolgreichste Veröffentlichung von Motown, es war die bis dahin erfolgreichste Filmmusik und das erfolgreichste Duett. Es war der letzte Nummer-eins-Erfolg in den USA für die Sängerin. Neun Wochen konnte sich die Single an der Spitze halten – ein weiterer Motown-Rekord, der erst 1994 von Boyz II Men eingestellt wurde.

Nach dem Abschied von Motown unterschrieb Ross für 20 Millionen US-Dollar einen Vertrag bei RCA für die USA und Kanada sowie EMI für den Rest der Welt. Dieser Vertrag eröffnete ihr nicht nur mehr künstlerische Freiheit, sondern auch die Möglichkeit, ihre Musik selbst zu produzieren und am Songwriting mitzuwirken. Ihr erstes mit Platin ausgezeichnetes Album Why Do Fools Fall in Love war ein weltweiter Erfolg, der Titelsong, ein Cover des Frankie Lymon & the Teenagers Klassikers, erreichte die Top 10 der britischen und US-Charts. Eine weitere Single, Work That Body, hatte Ross erstmals als Co-Autorin verantwortet und erreichte damit erneut die Top 10 in Großbritannien. Auch die nachfolgenden Alben Silk Electric (1982) und Swept Away (1984) waren erfolgreich und erhielten in den USA Gold-Auszeichnungen. Ross intensivierte die Zusammenarbeit mit berühmten Kollegen insbesondere im Hinblick auf die Single-Charts. Die Hits in jenen Jahren: Das vom Rolling Stone als „modernes Pop-Meisterwerk“ bezeichnete Muscles, geschrieben und produziert von Michael Jackson; All of You, ein Duett mit dem spanischen Superstar Julio Iglesias; Swept Away, geschrieben und produziert von dem seinerzeit erfolgreichsten Pop-Duo Hall & Oates; Missing You, von Lionel Richie zum Andenken an den verstorbenen Marvin Gaye geschrieben; Eaten Alive mit Michael Jackson als Background-Sänger, geschrieben und produziert von Barry Gibb; Chain Reaction, geschrieben von den Bee Gees, produziert von Gibb, erreichte für drei Wochen den ersten Platz der britischen Charts.