mini|Hans W. Geißendörfer (2015) Hans Wilhelm Max Geißendörfer (* 6. April 1941 in Augsburg als Wilhelm Max Geißendörfer) ist ein deutscher Regisseur, Autor und Filmproduzent.
Leben Hans W. Geißendörfer wuchs als Kind einer PfarrersfamilieSusanne Mack: Karriere einer Pfarrerstochter. deutschlandradiokultur.de, 26. Oktober 2005, abgerufen am 26. Oktober 2014 in Neustadt an der Aisch auf. Sein Vater war Militärgeistlicher, der kurz nach seiner Geburt fiel. Er besuchte das Gymnasium Windsbach und machte das Abitur. Von 1962 bis 1967 studierte er Germanistik, Theaterwissenschaften, Psychologie und afrikanische Sprachen in Marburg, Erlangen, Wien und Zürich.
Während des Studiums und nach dessen Abbruch reiste er durch Europa, Asien und Afrika. Dabei machte er 16-mm-Filme, die von Fernsehanstalten gekauft und zum Teil überarbeitet ausgestrahlt wurden. 1968 zog er nach München, wo er mit anderen Filmemachern wie Wim Wenders seine Filmkenntnisse erweiterte. Nach kurzer Tätigkeit als Regieassistent konnte er seine ersten Fernsehfilme drehen.
Im Jahr 1971 gründete er mit anderen Autorenfilmern des Neuen Deutschen Films den Filmverlag der Autoren. In den folgenden Jahren inszenierte er unter anderem anspruchsvolle Literaturverfilmungen, Thriller und historische Stoffe. Sein Film Die gläserne Zelle war 1979 für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.
1982 gründete Geißendörfer seine eigene Produktionsgesellschaft, die Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion GmbH, kurz gff GmbH. Sie produzierte von 1985 bis 2019 in Zusammenarbeit mit dem WDR die erste deutsche Dauerserie Lindenstraße, bei der Geißendörfer zeitweise auch Regie führte. Zu dieser Serie wurde er durch seine Kindheit in einem Mehrfamilienhaus in Neustadt an der Aisch inspiriert.
Geißendörfer gehörte 2003 zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Filmakademie. 2011 war er einer der Mitgründer des Video-on-Demand-Portals alleskino.de, das zum Ziel hat, alle deutschen Kinoproduktionen zu zeigen.Über uns auf alleskino.de
In der Öffentlichkeit trägt Geißendörfer stets eine Wollmütze. Nach seiner eigenen Aussage wurde ihm nach einem schweren Nebenhöhlenkatarrh in seiner Kindheit von ärztlicher Seite geraten, immer eine Kopfbedeckung zu tragen. Erst trug er eine Kapitänsmütze, zur jetzigen inspirierte ihn der Film Einer flog über das Kuckucksnest, in dem der Hauptdarsteller Jack Nicholson ein ähnliches Modell trägt.Der Mann hinter der Lindenstraße auf dradio.de
mini|Hana und Hans Geißendörfer (2015) Die Regisseurin Hana Geißendörfer ist seine Tochter, der Neustädter Gymnasiallehrer, Posaunenchorleiter (ab 1968)www.fraenkische-blaeservereinigung.de und Komponist Dieter Geißendörfer (1939–2012) war sein Bruder.
Filmografie (Auswahl) 1970: Jonathan 1970: Der Fall Lena Christ 1970: Eine Rose für Jane 1971: Carlos 1973: Marie 1973: Die Eltern 1974: Perahim – die zweite Chance 1976: Lobster (Fernsehserie, 6 Teile) 1976: Sternsteinhof 1976: Die Wildente 1978: Die gläserne Zelle 1979: Theodor Chindler (Fernsehserie, 8 Teile) 1982: Der Zauberberg 1984: Ediths Tagebuch 1985–2020: Lindenstraße (Produzent) (Fernsehserie, 1758 Folgen) 1989: Bumerang-Bumerang 1992: Gudrun 1993: Justiz 2005: Schneeland 2007: Zelle (Produzent) 2008: Selbstgespräche (Produzent) 2011: In der Welt habt ihr Angst 2011: Sommer der Gaukler (Produzent) 2012: Der deutsche Freund (Produzent) 2015: Tatort: Schwerelos (Produzent) (Fernsehfilm) 2017: Toter Winkel (Produzent)
Auszeichnungen 1970: Filmband in Silber (Nachwuchsregie) für Jonathan 1970: Preis der 15 (deutschen Filmkritiker) für Jonathan als bestes Debüt 1976: Filmband in Silber für Sternsteinhof 1978: Filmband in Gold für Die gläserne Zelle 1979: Oscar-Nominierung für Die gläserne Zelle 1982: Filmband in Silber für Der Zauberberg 1988: Bambi für Lindenstraße 1998: Goldene Kamera für Lindenstraße 2001: Adolf-Grimme-Preis mit Gold für Lindenstraße 2005: Kompassnadel des Schwulen Netzwerks 2005: DVD Champion in der Kategorie Lifetime Achievement Award für sein Lebenswerk 2011: Ehrenbiber der Biberacher Filmfestspiele 2013: Integrationsbrief der bayerischen Staatsregierung 2015: Max-Ophüls-Preis – Ehrenpreis für Verdienste um den jungen deutschsprachigen Film 2015: Bundesverdienstkreuz am Bande 2026: Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
Literatur Hans-Michael Bock: Hans W. Geissendörfer – Regisseur. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 1, 1984. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 3: F – H. John Barry Fitzgerald – Ernst Hofbauer. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 214 f.
Weblinks
Hans-W.-Geißendörfer-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin Das von Hans W. Geißendörfer gegründete VOD-Portal alleskino.de Hans W. Geißendörfer im Interview als SWR2-Zeitgenosse
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Filmproduzent Kategorie:Grimme-Preisträger Kategorie:Träger des Deutschen Filmpreises Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen Kategorie:Mitglied der Deutschen Filmakademie Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1941 Kategorie:Mann