Stuhr ist eine selbständige Gemeinde im Norden des Landkreises Diepholz (Niedersachsen) und mit rund 33.500 Einwohnern die größte Kommune des Kreises und die zweitgrößte Gemeinde Deutschlands ohne Stadtrechte. Sie schließt südlich an die Stadt Bremen an. Die Gemeinde Stuhr ist ein Mittelzentrum.

Geografie Stuhr befindet sich südwestlich von Bremen. Weitere Nachbargemeinden sind im Nordwesten die Stadt Delmenhorst, im Südwesten die Samtgemeinde Harpstedt, im Süden die Gemeinden Bassum und Syke sowie im Südosten die Gemeinde Weyhe. Stuhr ist die einwohner- und wirtschaftsstärkste Kommune des Landkreises Diepholz und nach Delmenhorst auch eine der größten an Bremen angrenzenden Gemeinden. Die Erhebungen in einigen Ortsteilen sind Bestandteil der Geest (eiszeitliche Landschaftsformation).

Ortsteile Stuhr besteht aus den Ortsteilen Brinkum, Fahrenhorst, Groß Mackenstedt, Heiligenrode, Neukrug, Moordeich, Seckenhausen, Stuhr und Varrel. Die Ortsteile waren bis 1974 selbständige Gemeinden. Die Ortsnamen deuten auf ländliche Gemeinden mit Moorböden und gerodeten Stellen hin.

In verschiedenen Belangen sind die Strukturen der früheren Gemeinden noch erkennbar. Zahlreiche Bürger der ehemals Oldenburger Orte orientieren sich auf das Mittelzentrum Delmenhorst sowie auf Bremen und Oldenburg. Die Bewohner der früher hannoverschen Gemeinden verstehen sich eher als Buten-Bremer. So gehören die evangelischen Stuhrer Kirchengemeinden zu zwei verschiedenen evangelischen Landeskirchen und die katholische Kirche zu zwei Bistümern. Mit drei unabhängigen, konkurrierenden Tageszeitungen wird Stuhr versorgt: Bremer Nachrichten/Weser-Kurier mit der Regionalausgabe Regionale Rundschau als Beilage, Kreiszeitung Syke und Delmenhorster Kreisblatt mit Stuhr-Teil.

Stuhr mini|Backsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert in Alt-Stuhr

Markantestes Bauwerk von Alt-Stuhr ist die Pankratiuskirche, deren für die Gegend typisches Backsteinmauerwerk im späten 20. Jahrhundert wieder freigelegt wurde. Ein hölzerner Vorläufer entstand zwischen 1180 und 1187. Im 13. Jahrhundert wurde die heutige Kirche in drei Bauabschnitten errichtet. Heute befinden sich im Innenraum verschiedene Wandmalereien. Diese wurden in der Reformationszeit übertüncht, später aber bei Renovierungsarbeiten wieder freigelegt.

Ende der 1980er Jahre wurde in Stuhr ein Park („Biotop“) mit zahlreichen Gewässerflächen angelegt. Stuhr ist außerdem Verwaltungssitz der Gemeinde und beheimatet das in den 1980er Jahren erbaute Rathaus, das auch Ort zahlreicher Kulturveranstaltungen ist. Direkt neben dem Rathaus befinden sich Infrastruktureinrichtungen für die gesamte Gemeinde, wie die Polizeistation und die Sozialstation.

Zum Ortsteil Alt-Stuhr zählen auch die Ortschaften Stuhrbaum, Blocken/Obernheide und Kuhlen. Letztere grenzt an Bremen. In diesem Bereich liegen Teile des Bremer Flughafens auf Stuhrer Gebiet. In der Nähe von Kuhlen bildet der Park links der Weser ein Naherholungsgebiet.

Durch Stuhr verläuft der heute kaum noch auffällige Stuhrgraben, der in früheren Zeiten als reißendes Fließgewässer noch „de sture“ hieß und dem die Gemeinde ihren heutigen Namen verdankt.

Varrel

Varrelhttps://www.stuhr-varrel.de/ ist seit der Gemeindereform 1974 ein Ortsteil der Gemeinde Stuhr. Seit Anfang der 1970er Jahre ist Varrel zu einem beliebten Wohnort mit guter Nahverkehrsanbindung an Bremen und Delmenhorst geworden. Es grenzt übergangslos an Bremen sowie an Delmenhorst. Die Grenze nach Bremen wird durch die Varreler Bäke markiert.

Groß Mackenstedt mini|Autobahndreieck Stuhr in Groß Mackenstedt; von links nach rechts die Bundesautobahn 1, von oben die Bundesautobahn 28, von unten die Bundesstraße 322 mini|Maislabyrinth in Groß Mackenstedt

In Groß Mackenstedt leben etwa 3.100 Einwohner.Webseite der Gemeinde Stuhr, aufgerufen am 22. August 2015 Es befindet sich etwa 17 Kilometer südwestlich von Bremen.

Moordeich

Moordeich besteht seit 1143 und zeichnet sich neben einigen alten Gehöften und vielen Einfamilienhaussiedlungen aus den 1960er und 1970er sowie 1990er und 2000er Jahren durch zahlreiche Gewerbeansiedlungen aus. Moordeich grenzt direkt an den Bremer Stadtteil Huchting. Vielen Bremern ist Moordeich durch die „Haferflockenkreuzung“ an der Stadtgrenze ein Begriff, was auf der dort lange ansässigen Haferflockenproduktion beruht.

Brinkum mini|Gewerbegebiet Brinkum zwischen der Bundesautobahn 1 (unten links) und der Ochtum (oben rechts)

Brinkum ist seit der Eingemeindung 1974 ein Ortsteil von Stuhr. Es ist mit etwa 10.650 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2010) Stuhrs größter Gemeindeteil. Es liegt südlich von Bremen und grenzt übergangslos an Bremens Ortsteil Kattenesch.

Heiligenrode mini|hochkant|Klosterkirche Heiligenrode

Heiligenrode, gelegen am Klosterbach, besticht durch seine idyllische Lage. Die gut erhaltene Klosterkirche, die Klostermühle, der Kloster- und der Mühlenteich im Ortskern sind Zeugen der ehemals bewegten Vergangenheit Heiligenrodes, die ihren Ursprung vor über 865 Jahren fand.

Seckenhausen

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts scheinen die ersten urkundlich gesicherten Hinweise aufzutreten. Dieses Dorf wurde offenbar aus kleinen Anfängen im Außenbereich von Brinkum gegründet. Eine geschlossene Bauernsiedlung trifft man nur in der 600 Jahre alten Bauerschaft Wulfhoop an; ansonsten liegen die Höfe vereinzelt in der Landschaft. Dazwischen sind aber einige Wohngebiete entstanden.

Die Martin-Luther-Kirche (Seckenhausen) wurde 1968 gebaut mit Reliefs und Farbwege von Otto Herbert Hajek. Seit 2005 hat sie die größte Photovoltaikanlage auf einem Kirchendach in Norddeutschland.

Fahrenhorst

Der Ortsteil Fahrenhorst ist der südlichste Teil der Gemeinde Stuhr. Zu diesem Ortsteil gehören außerdem noch Feine und Warwe, die vorwiegend bäuerlich geprägt sind. Ein Teil der Ortschaft Fahrenhorst liegt im Wald.

Geschichte Einheitsgemeinde Stuhr In ihrer heutigen Form ist die Gemeinde Stuhr durch die Gemeindereform am 1. März 1974 geschaffen worden. Die alte Gemeinde Stuhr mit den Ortsteilen Moordeich, Stuhr (eingeschlossen die Ortsteile Blocken, Stuhrbaum und Kuhlen) und Varrel gehörte zum Landkreis und Verwaltungsbezirk Oldenburg. Sie wurde mit den ehemals selbständigen Gemeinden Brinkum, Fahrenhorst, Groß Mackenstedt, Heiligenrode (eingeschlossen die Ortsteile Bürstel und Neukrug) und Seckenhausen zusammengeschlossen und gab als einwohnerstärkste Gemeinde der neuen Verwaltungseinheit ihren Namen. Gleichzeitig wurde die neue Gemeinde dem Regierungsbezirk Hannover zugeschlagen, zu dem beispielsweise die Gemeinde Brinkum auch vorher schon gehörte, und kam so in den Landkreis Grafschaft Hoya. Durch die Kreisreform im August 1977 wurde der Landkreis Grafschaft Hoya aufgelöst und ging im Landkreis Diepholz auf, zu dem Stuhr seitdem gehört.

Einwohnerstatistik Nach Angaben des Landesamtes für Statistik Niedersachsen hat sich die Bevölkerung – zum Teil auch durch die Eingemeindungen – wie folgt entwickelt:https://www1.nls.niedersachsen.de/statistik/html/default.asp

mini|400px|Einwohnerentwicklung von Stuhr von 1939 bis 2016

Stichtag Einwohner 17.05.1939 8.896 13.09.1950 13.855 06.06.1961 13.619 27.05.1970 18.683 25.05.1987 27.085 31.12.2015 33.083 31.12.2016 33.374 31.12.2017 33.526

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren 35,1 % der Einwohner evangelisch, 7,4 % römisch-katholisch und 57,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stuhr Religion, Zensus 2022 Jahresende 2025 waren von den Einwohnern 29,8 % evangelisch, 6,8 % katholisch und 63,4 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeinde Stuhr Flyer Zahlen Daten Fakten, abgerufen am 14. März 2026 Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist demnach im beobachteten Zeitraum gesunken.

Landeszugehörigkeit Im 11. bis zum Anfang des 13. Jahrhunderts gehörte das Gebiet um Stuhr zum Stammesherzogtum Sachsen. 1234 kam Stuhr in den Besitz der Grafen von Oldenburg bzw. der Herrschaft von Delmenhorst. Brinkum gehörte danach zum Bistum Bremen; es wurde 1384 an die Grafschaft Hoya verkauft.

Stuhr war ab Mitte des 17. Jahrhunderts nacheinander dänisch (1667), französisch (1679), schwedisch (1700), chur-hannoversch (1711), russisch (1773), britisch-hannoversch (1795) und 1811 noch einmal französisch. Ab 1815 gehörte Stuhr wieder zu Oldenburg.

Geschichte der Ortsteile Brinkum ist als Kirchdorf Brinscimibroch 1063 urkundlich erwähnt, als König Heinrich IV. der erzbischöflichen Kirche zu Bremen-Hamburg Grundstücke übertrug.

Groß Mackenstedt – im 8. Jahrhundert besiedelt- könnte 1171 nach Friedrich von Mackenstedt, Dienstmann des Erzbischofs von Bremen, seinen Namen erhalten haben.

Heiligenrode wurde im 8. Jahrhundert besiedelt. 1182 entstand ein Benediktinerinnen-Kloster. 1189 wurde der Ort genannt.

Moordeich fand 1143 Erwähnung. Es wurde im 16. Jahrhundert besiedelt.

Seckenhausen wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erstmals urkundlich benannt.

Stuhr wurde urkundlich erstmals 1171 als Bruch entlang dem Flüsschen Sture erwähnt, als Herzog Heinrich der Löwe und Erzbischof Balduin I. von Bremen den Friedrich von Mackenstedt das Siedlungsprivileg nach Hollerrecht erteilten. 1182 kam der Ort zu großen Teilen unter die Klosterrechte von Heiligenrode. Das älteste Bauwerk ist die Kirche in Alt-Stuhr von 1180/1187. Nach 1234 kam es in den Besitz der Grafschaft Oldenburg und Delmenhorst.

Varrel wurde 1289 erstmals als Verlebrinc erwähnt.

KZ-Außenlager Obernheide In Obernheide wurde 1941 ein Barackenlager für Bauarbeiter und Kriegsgefangene eingerichtet und von der Organisation Todt geführt. Im Jahre 1942, nach Leerständen und Zwischennutzungen, wurden erneut Kriegsgefangene hier untergebracht. Im Juni 1944 waren hier Flaksoldaten stationiert.

Ab September 1944 war Obernheide ein Außenlager mit zwölf Baracken des KZ Neuengamme. 500 jüdische Frauen aus Ungarn wurden von der Hindenburgkaserne in Bremen-Huckelriede nach Obernheide verlegt. Später kamen 300 weibliche KZ-Häftlinge aus Polen hinzu. Die Frauen mussten unter Bewachung der SS Aufräumarbeiten in Bremen ausführen. Schwere Misshandlungen durch das SS-Wachpersonal sind nach dem Krieg bekannt geworden. Am 4. April 1945 wurden die Häftlinge zum KZ Bergen-Belsen verlagert. Viele von ihnen verloren bis zur Befreiung des KZ am 15. April 1945 ihr Leben.Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. Band: Ergänzungsband. A–Z. Edition Temmen, Bremen 2008, ISBN 978-3-86108-986-5, S. 131.

Zur Erinnerung steht hier seit 1988 das Mahnmal Obernheide aus Stein von Wittmute Malik.

Politik Selbstdarstellung: In den späten 1970er Jahren warb die Gemeinde mit dem Slogan „Stuhr ist nicht stur“. Der heutige Slogan lautet: „Gemeinsam sind wir Stuhr“.

Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Stuhr hat 38 Mitglieder. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 30.001 und 40.000 Einwohnern., abgerufen am 12. November 2014 Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Neben den 38 in der Gemeinderatswahl gewählten Mitgliedern ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister im Rat stimmberechtigt.

Die vergangenen Gemeinderatswahlen führten zu folgenden Ergebnissen und Sitzverteilungen:

Parteien und Wählergemeinschaften% 2026Sitze 2026% 2021Sitze