Weyhe ist eine selbständige Gemeinde im Norden des Landkreises Diepholz in Niedersachsen.

Geographie Geographische Lage Weyhe schließt direkt an die südliche Grenze der Stadt Bremen an. Im Westen grenzt Weyhe an die Gemeinde Stuhr, welche im Landkreis Diepholz als einzige eine größere Bevölkerungszahl als Weyhe hat. Östliche Nachbarn sind die Stadt Achim und die Samtgemeinde Thedinghausen, im Süden grenzt Weyhe an die Stadt Syke.

Flüsse Im Ortsteil Kirchweyhe entfließt die Ochtum dem Kirchweyher See, der von der Hache und dem Süstedter Bach gespeist wird. Die Ochtum fließt in Richtung Nordwesten in das Bundesland Bremen und bildet dabei teils die Grenze zwischen Niedersachsen und Bremen. Schlussendlich mündet die Ochtum zwischen Lemwerder-Altenesch und Bremen-Seehausen in die Weser.

Durch den Ortsteil Sudweyhe fließt ungefähr parallel zur Hache die Sudweyher Beeke, welche in den Süstedter Bach mündet.

Klima Gemäßigtes Seeklima beeinflusst durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee. Im langjährigen Mittel erreicht die Lufttemperatur in Weyhe 8,5 bis 9,0 °C und es fallen etwa 700 mm Niederschlag im Jahr. Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen gerechnet werden.

Flächennutzung Die Flächennutzung der Gemeinde WeyheNiedersächsisches Landesamt für Statistik, Hannover. Katasterfläche in Niedersachsen ist landwirtschaftlich geprägt. 2005 wurden 65,8 % der Gemeindefläche als Landwirtschaftsfläche ausgewiesen. Betrachtet man die Ergebnisse der Erhebungen der Flächeninanspruchnahme im Zeitraum 1981 bis 2005, so ist allerdings eine deutliche Verschiebung von Landwirtschaftsfläche zu Gunsten anderer Nutzungsarten festzustellen. Gegenüber 1981 wurde die Landwirtschaftsfläche von 4458 ha auf 3966 ha verringert, was eine Abnahme von 11,1 % darstellt. Die Flächeninanspruchnahme für Gebäude- und Freifläche hat um 249 ha (+36,4 %) zugenommen, die Erholungsfläche hat um 49 ha (+144 %) zugenommen und sich somit mehr als verdoppelt. Die Verkehrsfläche hat um 59 ha (+ 16 %) zugenommen.

links|420px|Flächennutzung der Gemeinde Weyhe+ Flächennutzung 1981–2005 Nutzung 1981 1989 1997 2005 Katasterfläche (ha) Insgesamt 6022 6024 6025 6025 Gebäude- und Freifläche 766 875 961 1045 Betriebsfläche 61 23 35 24 Erholungsfläche 34 44 54 83 Verkehrsfläche 371 389 414 430 Landwirtschaftsfläche 4458 4327 4168 3966 Waldfläche 134 141 160 225 Wasserfläche 167 186 197 209 Andere Nutzung 31 39 35 43

Geschichte Der Ortsname Weyhe tauchte schon um 860 auf.Wilfried Meyer: Weyhe im Wandel der Zeit. 3., überarbeitete Auflage, WM-Verlag-Weyhe, 2006, ISBN 3-9807444-6-9.Wilfried Meyer: Weyhe im Wandel der Zeit. Band 2. WM Verlag-Weyhe, 2005, ISBN 3-9807444-4-2. Grund war ein Bericht über die Wunderheilungen am Grab Willehads. Erzählt wird von einem Mädchen aus „Wege“ (Kirch- oder Sudweyhe), das seit langem keine Kraft mehr in ihrem Körper hatte. Als sie schwer erkrankte und an das Grab des heiligen Bischofs geführt wurde, habe sie ihre Kräfte und ihre Gesundheit zurückerhalten.

mini|Weÿe Adel Sitz in der Grafschaft Hoya, 1654

Etwa 400 Jahre später ist in der sogenannten Weserbrückenliste von „zwei Dörfern“ die Rede. Man kann ziemlich genau sagen, dass es sich um Kirchweyhe und Sudweyhe handelte. Kirchweyhe und Sudweyhe sind bald darauf in anderen historischen Quellen als „Kerckwege“ (1277) und „Suthweige“ (um 1300) zu finden.

In der Westhälfte der heutigen Gemeinde Weyhe erstreckten sich die Ortsteile Angelse, Erichshof, Hagen, Hörden und Melchiorshausen, die der damaligen Gemeinde Leeste angehörten. Früheste schriftliche Hinweise stammen aus der Zeit um 1185. Erwähnt wird dabei unter anderem der Verwalter des erzbischöflich-bremischen Meierhofes in „Leste“ (Leeste).

Um 1800 fand ein reger Warenaustausch zwischen Bremen und Weyhe statt. Nicht nur landwirtschaftliche Produkte, sondern auch gewerbliche Erzeugnisse wurden in der Weserstadt getauscht oder zum Verkauf geboten.

1873 eröffnete die über Kirchweyhe führende Eisenbahnstrecke Bremen–Osnabrück. In der Folge entstand in Kirchweyhe ein sechs Kilometer langer, südwärts bis zum benachbarten Weiler Barrien reichender Rangierbahnhof mit wenigen Gleisen. Fachkräfte zogen mit ihren Familien nach Kirchweyhe und sorgten für einen rapiden Bevölkerungsanstieg. Noch um 1925 ernährte die Eisenbahn rund zwei Drittel aller Einwohner in Kirchweyhe, außerdem viele Familien aus den damaligen Nachbargemeinden. Der Rangierbahnhof ist nach seiner Stilllegung 1968 verkleinert worden,E. Preuss: Einzelblatt über den Bf. Kirchweyhe. Aus: Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe. 63. Ergänzungslieferung, 2006. Reste des Nordschuppens werden von einer Firma genutzt.

Zeitleiste 200px|mini|Die Ortschaften der heutigen Gemeinde Weyhe in der Kurhannoverschen Landesaufnahme vom 1773 Um 860: Erste bis heute bekannte schriftliche Erwähnung Weyhes („Wege“). 1158: Kaiser Friedrich I. gestattet die Besiedelung des bis dahin unbebauten Bruchlandes in Kirchweyhe und/oder Sudweyhe und Dreye. 1167: Während eines Adelsaufstands gegen Heinrich den Löwen erobern Widersacher des Welfenherzogs das „Castrum Wege“ (die Burg Weyhe). Um 1185: Ältester schriftlicher Hinweis auf die Existenz des Ortsteils Leeste. Um 1250: Errichtung der Felicianus-Kirche im Ortsteil Kirchweyhe. 1582: Kirchweyhe, Sudweyhe und Leeste geraten nach dem Aussterben der Hoyaer Grafen unter welfische Herrschaft. 1790: Die „Kolonie Erichshof“ entsteht auf den Betriebsflächen des im 16. Jahrhundert gegründeten Vorwerks Erichshof. Sie ist Teil des lutherischen Kirchspiels Leeste. 1794: Gründung der evangelisch-lutherischen Superintendentur, die bis 1934 bestehen blieb. 1824: Der Bau einer „Ziegelbrennerey“ in Sudweyhe wird genehmigt. Ein traditioneller Weyher Gewerbezweig beginnt sich zu entwickeln. Bis 1896 entstehen in den Marschen von Ahausen, Leeste, Sudweyhe und Dreye fünf weitere Betriebe. 1826: Im Weserdorf und Zollort Dreye gründet der Bremer Fabrikant G. F. Sengstake eine Seifensiederei – Pionier der Industrialisierung in diesem Ortsteil, der größten Gewerbeansiedlung in Weyhe bis heute. 1873: Fertigstellung der Bahnstrecke Bremen–Osnabrück, in der Folge Errichtung des Rangierbahnhofes. 1928: Die „Kolonie Erichshof“ wird mit der Gemeinde Leeste vereinigt. 1945: Die Endkämpfe um Bremen führen zu zahllosen schweren Zerstörungen im Gebiet der heutigen Gemeinde Weyhe. 1992: Weyhe erhält den Status „selbstständige Gemeinde“. 2000: Die Einwohnerzahl erreicht 30.000.

Gemeindebildung Am 1. März 1974 wurde die Gemeinde Weyhe durch den Zusammenschluss der Gemeinden Kirchweyhe, Leeste und Sudweyhe neu gebildet. Die Gesamtfläche der neuen Gemeinde beträgt 6025 Hektar. Zur Gemeinde Kirchweyhe gehörten die Ortsteile Kirchweyhe, Lahausen und Dreye, zur Gemeinde Sudweyhe die Ortsteile Sudweyhe, Jeebel und Ahausen. Ebenso selbständig war zum Zeitpunkt die Gemeinde Leeste mit den Ortsteilen Leeste, Erichshof, Hörden, Angelse, Hagen und Melchiorshausen.

+ EinwohnerverteilungOrtsteilEinwohner*) Kirchweyhe 9.860 Leeste 9.225 Lahausen 3.763 Sudweyhe 3.150 Erichshof 2.652 Melchiorshausen 1.796 Dreye 1.162 Jeebel 492 Ahausen 162 *) Stand: 31. Dezember 2024Bevölkerungsstatistik 2024, Gemeinde Weyhe, Stand: 31. Dezember 2024.420px|Lage der Ortsteile der Gemeinde Weyhe

Einwohnerstatistik 370px|rechts|Einwohnerentwicklung der Gemeinde Weyhe 1974–2006 Die Gemeinde Weyhe hat seit der Gründung von 1974 einen starken Bevölkerungsanstieg zu verzeichnen. Die Einwohnerzahl stieg zwischen 1974 und 2006 von 21.556 auf 30.325 (+ 40 %).Niedersächsisches Landesamt für Statistik, Hannover. Fläche, Bevölkerung und Bevölkerungsbewegung in Niedersachsen

Konfessionsstatistik 2018 waren von den 30.998 Einwohnern Weyhes 40,0 % evangelisch, 7,0 % katholisch und 53,0 % hatten eine sonstige Religionsangehörigkeit oder waren konfessionslos.Bevölkerungsstatistik Gemeinde Weyhe Seite 46 abgerufen am 22. November 2019 2015 waren von der Bevölkerung Weyhes 14.133 evangelisch, 2372 katholisch und 660 anderer Religionsangehörigkeit. 14.653 Menschen waren 2015 Konfessionslos.weyhe.de Der Anteil der evangelischen und katholischen Gemeindeglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem weiter gesunken. 2024 waren von den Einwohnern Weyhes 31,6 % evangelisch, 5,8 % katholisch und 62,6 % hatten eine sonstige Religionsangehörigkeit oder waren konfessionslos.Bevölkerungsstatistik Gemeinde Weyhe Seite 11 ! abgerufen am 6. Juni 2025

Politik Gemeinderat

Der Gemeinderat der Gemeinde Weyhe besteht aus 38 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 30.001 und 40.000 Einwohnern.Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 10. November 2014. Die 38 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die letzte Gemeinderatswahl fand am 12. September 2021 statt.

Stimmberechtigt im Gemeinderat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister.

Die vergangenen Gemeinderatswahlen führten zu folgenden Ergebnissen: + Gemeinderatswahlen 1996–2021 Jahr Wahl-beteiligungSPD CDUGrüne FDP Die ParteiFWGLinke% Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze %Sitze% Sitze202159,640,91526,21017,478,932,412,511,91201654,6 43,7 1728,3 1114,7 510,4 4 3,0 1–– – – 2011 49,3 45,2 17 26,5 10 21,3 8 5,4 2 – – –– 1,6 1 2006 46,1 50,3 20 27,4 10 12,2 4 10,2 4 – – –– – – 2001 48,3 50,8 20 30,6 12 10,9 4 7,5 2 – – –– – – 1996 61,5 48,3 18 32,1 11 13,8 5 5,4 2 – – –– – –

Landtagswahlen + Landtagswahlen 2003–2013 (Zweitstimmen) Jahr Wahl-beteiligung CDU SPD FDP Grüne Linke NPD Piraten 2013 60,1 % 31,9 % 35,8 % 8,2 % 16,4 % 3,2 % 0,8 % 1,9 % 2008 58,3 % 35,7 % 33,5 % 8,5 % 10,4 % 8,2 % 1,5 % — 2003 67,6 % 41,7 % 38,6 % 7,0 % 10,0 % — — —

Bürgermeister

Der Hauptamtliche Bürgermeister wurde am 10. November 2019 neu gewählt, nachdem der bisherige Amtsinhaber Andreas Bovenschulte (SPD) im Juli 2019 auf eigenen Wunsch abgewählt wurde, weil er in die Bremer Landespolitik wechselte. Frank Seidel (SPD) gewann die Wahl im ersten Wahlgang mit 59,8 % der Stimmen.Bürgermeister Weyhe: Seidel folgt auf Bovenschulte (NDR), abgerufen am 11. November 2019.

Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 wurde Bovenschulte mit 55,6 % der Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat Nils Krämer erhielt 44,4 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 54,3 %.Einzelergebnisse der Direktwahlen am 25. Mai 2014 in Niedersachsen, abgerufen am 10. November 2014. Bovenschulte trat sein Amt am 1. November 2014 an und löste den bisherigen Amtsinhaber Frank Lemmermann (SPD) ab, der nicht mehr kandidiert hatte.

Bisherige Amtsinhaber:

1974–1976: Walter Zimmermann (CDU) 1976–1981: Heinrich Klenke (SPD) 1981–1986: Friedrich Kruse (CDU) 1986–1991: Heinrich Klenke (SPD) 1996–2001: Edmund Irmer (parteilos) 2001–2006: Reinhard Osterloh (parteilos) 2006–2014: Frank Lemmermann (SPD) 2014–2019: Andreas Bovenschulte (SPD) 2019– : Frank Seidel (SPD)

Gemeindedirektoren:

1974–1992: Alfred Wetjen 1992–1995: Dietrich Schütte 1995–1996: Edmund Irmer

Verwaltung mini|350px|Das Rathaus der Gemeinde Weyhe im Ortsteil Leeste