Topfstedt ist eine Gemeinde im thüringischen Kyffhäuserkreis, die zur Verwaltungsgemeinschaft Greußen gehört.
Geografie Topfstedt gehört zur Thüringer Hügellandschaft und liegt im Thüringer Becken. Der Ort liegt ca. 40 km nordöstlich der Landeshauptstadt Erfurt und 18 km südlich der Kreisstadt Sondershausen, direkt an der Bundesstraße 4 und besteht aus Niedertopfstedt und Obertopfstedt. Die beiden Ortsteile sind ca. einen Kilometer voneinander entfernt.
Geschichte mini|Rittergut Niedertopfstedt um 1860, Sammlung Alexander Duncker mini|Rittergutshaus Niedertopfstedt 2011 Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Topfstedt erfolgte im Jahre 842, als ein gewisser Frecholf seine Güter in Topfestat dem Kloster Fulda schenkte.
Die Schenkungsurkunde selbst ist jedoch nicht erhalten. Ihr Wortlaut war in einem unter Abt Hrabanus Maurus seit 833 angelegten Cartular (Sammlung von Urkundenschriften) eingetragen. In diesem Cartular wurden alle Schenkungen Thüringer Privatleute an das Kloster gesammelt. Aber selbst dieses Cartular ist nicht erhalten. Jedoch ist eine kurze Zusammenfassung des Urkundeninhalts erhalten. Dies ist im zweiten Band des so genannten Codex EberhardiStA Marburg K426 Bl.87r nachzulesen. Der genaue Zeitpunkt der Schenkung Frecholfs ist auch nicht nachzuvollziehen.
Da die Schenkung vermutlich in die Regierungszeit des Fuldaer Abtes Hrabanus Maurus (822–842) fiel, wurde das letztmögliche Jahr, also 842, als Jahr der ersten Nennung angenommen. Die älteste noch vorhandene Urkunde von Topfstedt stammt aus dem Jahre 1089; diese ist jedoch eine Fälschung. Bei der Fälschung handelt es sich um eine Besitzstandsurkunde des Klosters Reinhardsbrunn. Die fingierte Urkunde wurde um das Jahr 1165 von einem Mönch des Klosters Reinhardsbrunn hergestellt, um den Besitzstand des Klosters gegenüber den Feudalgewalten zu sichern.
1333 wurden erstmals die beiden, noch heute existierenden, Ortsteile Niedertopfstedt und Obertopfstedt genannt. Beide Orte gehörten bis 1815 zum kursächsischen Amt Weißensee. Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kamen sie zu Preußen und wurden 1816 dem Landkreis Weißensee im Regierungsbezirk Erfurt der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem sie bis 1944 gehörten.
Besuch des preußischen Königs Am 15. Oktober 1806, einen Tag nach der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt, eilten die geschlagenen preußischen Truppen von Weißensee kommend durch Topfstedt, um die Festung Magdeburg zu erreichen.
Zur Rettung des Königs Friedrich Wilhelm III. vor der Gefangennahme wandte Generaloberleutnant Kalckreuth eine Kriegslist an. Ohne erfolgreichen Abschluss dieser List wäre eine Gefangennahme des Königs durch französische Truppen sehr wahrscheinlich gewesen. Der König war in der Nacht nach der Schlacht von Auerstedt bis Sömmerda geritten und hatte im dortigen Pfarrhaus Quartier genommen. Am 16. Oktober 1806 nahmen ein Husaren- und ein Dragonerregiment den König in die Mitte und geleiteten ihn über Weißensee-Ottenhausen zunächst nach Niedertopfstedt. In Niedertopfstedt angekommen, wollte der König im Rittergutshaus ein Mahl einnehmen, musste aber nebst einer Eskorte von 50 Reitern unter Generalleutnant von Blücher schleunigst die Flucht antreten, da gegen 10 Uhr in Greußen französische Husaren einritten, die jedoch durch eine Schwadron preußischer Dragoner wieder vertrieben werden konnten.
Der König setzte seine Flucht dann in Richtung Sondershausen fort. Am Mittag des 16. Oktober 1806 sammelten sich preußische Truppen zwischen Niedertopfstedt und Greußen zu einem Rückzugsgefecht, um die Flucht des Königs zu decken. Zwischen 15:30 Uhr und 19:30 Uhr kam es dann zu einem kurzen Gefecht, an dem eine preußische Nachhut in Stärke von 12.000 Mann teilnahm. Nach dem Treffen zogen Teile dieser Nachhut, teils ohne Waffen, durch den Ort. Der größte Teil jedoch wurde von den französischen Truppen gefangen genommen. Zum Andenken an den Fluchtbesuch des preußischen Königs wurde in dem Zimmer des Rittergutes, in dem er sich aufgehalten hatte, eine Gedenktafel angebracht, die aber 1945 wieder entfernt wurde.
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember): 1994 – 643 1995 – 660 1996 – 677 1997 – 686 1998 – 693 1999 – 687 2000 – 687 2001 – 686 2002 – 669 2003 – 674 2004 – 662 2005 – 660 2006 – 654 2007 – 654 2008 – 647 2009 – 621 2010 – 613 2011 – 603 2012 – 507 2013 – 586 2014 – 578 2015 – 574 2016 – 563 2017 – 565 2018 – 561 2019 – 569 2020 – 571 2021 – 563 2022 – 539 2023 – 540 2024 – 534 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik
Politik
Wappen
Flagge Die Flagge der Gemeinde Topfstedt ist Weiß – Rot geteilt und trägt das Gemeindewappen.§ 2 der Hauptsatzung der Gemeinde Topfstedt (PDF; 621 kB).
Dienstsiegel Das Dienstsiegel trägt die Umschrift im oberen Halbbogen „THÜRINGEN“, im unteren Halbbogen „Gemeinde Topfstedt“ und zeigt das Gemeindewappen.
Sehenswürdigkeiten Dorfkirche in Niedertopfstedt Historisches Rittergutshaus (Herrenhaus) in Niedertopfstedt Dorfkirche St. Sebastian und Fabian in Obertopfstedt (Das Herrenhaus des Guts in Obertopfstedt wurde nach 1945 abgerissen)
Wirtschaft Wirtschaftlich ist Topfstedt eher von der Landwirtschaft geprägt, es sind aber auch eine Reihe kleiner mittelständischer Unternehmen angesiedelt. In Niedertopfstedt ist 2010/2011 eine Biogasanlage entstanden, die Dächer der Wirtschaftsgebäude sind großflächig mit Solarpanelen bestückt.
Bis Anfang der 1990er Jahre wurde die Wirtschaft durch die in Niedertopfstedt ansässige Ziegelei und die in beiden Ortsteilen vorhandene LPG geprägt. Ein Großteil der Bevölkerung arbeitete in diesen Betrieben.
Literatur
Weblinks
Webpräsenz. vgem-greussen.de
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kyffhäuserkreis
Kategorie:Ersterwähnung 842 Kategorie:Gemeindegründung 1974