mini|hochkant|Der deutsche Bundesadler in der Fassung als kleines Bundessiegel nach einem Entwurf Sigmund von Weechs aus dem Jahr 1921 mini|hochkant|Der österreichische Bundesadler, hier als Schildhalter mini|hochkant|Der Südtiroler Adler im Wappen der heutigen italienischen Autonomen Provinz Bozen – Südtirol mini|hochkant|Das Wappen von Altensteig-Berneck ist von einem nahen Adelsgeschlecht abgeleitet Der Adler ist in der Heraldik eine Gemeine Figur und nach dem Löwen das häufigste Wappentier.
Symbolik Der Adler war als „König der Vögel“So unter anderem in Aischylos, Agamemnon 113; Pindar, Pythia I, 13; ders., Olympia XIII, 30; ders., Isthmia VI, 48; Aristophanes, Die Ritter, 1087. Vgl. , bald auch „König der Lüfte“ und Bote der höchsten Götter, schon im Alten Orient das Symbol der Könige, besonders der Achämeniden, deren Stammvater von einem Adler aufgezogen worden sein soll.Aischylos, Die Perser, 250; Xenophon, Kyrou paideia VII, 1 und 8; Curtius Rufus, Historiae Alexandri Magni Macedonis III, 3 und 16. Als Sinnbild der Herrschaftsmacht löste der Adler dabei den im ägyptischen und persischen Kulturraum verbreiteten Geier als herrschaftliches Symbol und Wappentier ab.Otto Keller: Geier. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Band VII, 1 (= 13. Halbband), 1910, Sp. 931–935.
miniatur|Die Basis der Antoninus-Pius-Säule
Nach Aristoteles ließ der Adler seine Jungen ins Sonnenlicht blicken, um ihre Legitimität zu prüfen.Aristoteles, Ἱστορία ζῴων („Geschichte der Tiere“) IX, 34. Der Greifvogel, so lag nahe, konnte folglich auch dem Menschen unzugängliche Himmelsregionen durchmessen. So war der erste sumerische König Etana gemäß dem Gilgamesch-Epos vielfach mit dem Adlermotiv und insbesondere mit jenem der Himmelfahrt auf einem Adler verbunden.Hans Biedermann: Knaurs Lexikon der Symbole (= Digitale Bibliothek, Band 16). Zweite Ausgabe. Directmedia, Berlin 2000, s. v. „Adler“, S. 34 (= S. 15 der Buchversion: Droemer Knaur, München 1989). Diese Sagenmotive wurden später auf andere Herrscherhäuser übertragen. Der Adler wurde folglich zum Sinnbild für den Aufstieg in den Himmel und speziell die Apotheose großer Menschen und Herrscher (vgl. der römische Divus-Titel), wobei er für die Überwindung des Irdischen sowie die Unsterblichkeit und Erlösung der Seele stehen konnte.
mini|Aquila auf einem Grabesmonument aus augusteischer Zeit
In Europa wurde der Adler als königliches Münz- und Wappenzeichen durch Alexander den Großen eingeführt und ging dann auf die Reiche seiner Diadochen über.Otto Keller: Tiere des klassischen Altertums. Olms, Hildesheim 1878, S. 241, 244 ff. Octavian brachte ihn aus Ägypten als kaiserliches Wappen nach Rom.Flavius Josephus, De bello Iudaico III, 6. Bei der Verbrennung der Leiche eines Kaisers auf dem Marsfeld im Rahmen seiner Konsekration ließ man einen Adler gen Himmel steigen.Herodian, Τῆς μετὰ Μάρκον βασιλείας ἱστορία („Geschichte des römischen Reiches nach Mark Aurels Tod“) IV, 2. Dieser Brauch soll auf eine Beobachtung bei der Einäscherung des Augustus zurückgehen: Angeblich habe man einen Adler aus der Flamme des Scheiterhaufens gen Himmel fliegen sehen.Cassius Dio, ‘Ῥωμαϊκὴ ἱστορία („Römische Geschichte“) LVI 42, 3. Weitere Quellenangaben bei Ein Beispiel der römischen Ikonographie findet sich auf der Antoninus-Pius-Säule aus dem Jahr 106 n. Chr. In seiner Traumdeutung aus dem zweiten Jahrhundert berichtet Artemidor von Daldis vom Symbolgehalt des Adlers, der sich wiederum auf die Begriffsfelder Macht, Reichtum und Ruhm bezieht:
Auf einem Adler zu reiten, weissagt Kaisern, Reichen und Mächtigen den Tod; denn nach einem alten Brauch stellen Maler und bildende Künstler solche Persönlichkeiten nach ihrem Ableben auf Adlern reitend dar und verherrlichen sie durch solche Bildwerke. Armen dagegen bedeutet es Segen; sie werden durch reiche Gönner einen starken Auftrieb und keine geringe Unterstützung erhalten, und zwar meist durch Reisen ins Ausland. […] Träumt eine Frau, sie gebäre einen Adler, so wird sie einem Sohn das Leben schenken, der, wenn er arm ist, Soldat werden und es bis zum Heerführer bringen wird; denn jedem Heer geht ein Adler voran; gehört er dem Mittelstand an, wird er Athlet werden und sich einen Namen machen; ist er reich, wird er über viele herrschen oder gar Kaiser werden.Artemidor von Daldis, Oneirokritika II, 20; übersetzt von Karl Brackertz als Das Traumbuch. Deutscher Taschenbuchverlag, München 1979, S. 141 f.
Über den Kaiserkult und die Aquila, das mit einem Adler gestaltete Feldzeichen der römischen Legionen, avancierte der Adler zum Zeichen des Imperiums und des Kaisertums (Reichsadler). Auch bei der militärischen Verwendung des Adlersymbols scheint die Traum- bzw. Zeichendeutung mitgewirkt zu haben (s. Geschichte der Aquila). In die Verwendung als Standarte spielt schon bald die Identifikation des Adlers mit Jupiter hinein, wie die Abbildung des Adlers mit dem Blitzbündel zeigt.
Religiöse Vorstellungen Auf dem Ganymed-Mythos fußend, wurde der Adler bei den Griechen mit dem Göttervater Zeus verbunden, bei den Römern mit Jupiter und bei den Germanen mit Odin. Im syrischen Palmyra war der Adler angeblich dem Sonnengott geweiht und als solcher fähig, sich wie der Phönix zu verjüngen (beispielsweise durch dreimaliges Eintauchen im Wasser). Angeblich soll ihn auch die Sonne verjüngen, wie Wolf Helmhardt von Hohberg am Beispiel des 103. Psalms erläuterte: „Der Adler, wan ihm nun die Federn fluglos werden / sich an der Sonnenflamm erjunget und verneut“.Wolfgang Helmhard von Hohberg: Die mit teutschen Saiten überzogene, heilige Kron-Harffe, oder, Verfassung des gantzen Psalter Davids in teutsche Reim-Gebände. Michael und Johann Friedrich Endtern, Nürnberg 1680, S. 369 (zuerst erschienen als Lust- und Artzney-Garten deß Königlichen Propheten Davids, Regensburg 1675). In dem zugrundeliegenden Psalm heißt es: „und du wieder jung wirst wie ein Adler“ (Lutherbibel, Online-Text).
In der christlichen Ikonographie wird er als Symbol des Evangelisten Johannes (Johannesadler) und als Symbol des zum Himmel aufgefahrenen Propheten Elias wie auch des auferstandenen Christus sowie dessen Himmelfahrt geläufig. Auch die alten Herrschertugenden von Kraft, Erneuerung, Kontemplation, Gerechtigkeit und Scharfsicht finden hier ihre Fortsetzung, auch wenn sie gelegentlich durch die Vermutung konterkariert werden, der Adler neige aufgrund seines in die Ferne gerichteten Blickes – der das Naheliegende zu missachten scheint – zur Sünde des Hochmuts.
Formen des Adlers Die Formen des heraldischen Adlers sind vielfältig. Selbst bei identischer Blasonierung können große Unterschiede in der genauen Ausgestaltung des Adlers vorliegen, je nach Entstehungszeit, Schildform respektive Form des Wappenfeldes sowie Stil und Fähigkeiten des Wappenkünstlers. Nachfolgend sind zehn Beispiele eines nach heraldisch rechts blickenden rotbewehrten und rotbezungten schwarzen Adlers abgebildet:
Sitzender, stehender, auffliegender und liegender Adler Neben dem traditionellen Adler gibt es die stehende und die auffliegende Form mit ausgebreiteten Schwingen. Äußerst selten ist die ansitzende Form mit angelegten Schwingen. Auch Darstellungen im Sturzflug oder angreifend finden sich vereinzelt.
Eine Sonderform ist der freischwebende Adler im Nebenwappen.
Tingierung Zur Tingierung des Adlers können alle heraldischen Farben und Metalle verwendet werden. Körper und Flug (Schwingen, die Flügel) sind im allgemein gleich tingiert. Daneben können auch die Waffen – die Beck (Schnabel) und die Fänge (Füße) – in anderer Farbe ausgeführt sein, wie auch die Zunge.
Je nach Farbe des Adlers und seinem Grund unterscheidet man die typischen namentlichen Adler, etwa der schwarze Adler auf Gold des Heiligen Römischen Reichs, oder der rot-silber geschachte Mährische Adler.
Das redende Gemeindewappen von Aigle ist in der Homonymie des Ortsnamens zu frz. aigle ‹Adler› begründet. Es zeigt zwei Adler in verwechselten Farben. Der Schnabel wurde zu Beginn nicht besonders hervorgehoben. Darstellungen des Tieres mit ausgeschlagener Zunge treten in Wappen erst nach 1400 auf.Walter Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage. 1978. mini|100px|links|Wappen von Aigle mini|Wappen von Obererbach mini|Wappen von Seelbach
Auch Obererbach/Westerwald oder Seelbach in der Ortenau verwechseln.
Kopfanzahl Doppeladler Der Doppeladler, ein zweiköpfiger Adler, ist eines der ältesten Adlermotive in der Heraldik. Unter anderem nutzten ihn das Heilige Römische Reich, das Russische Reich und die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Andere Nationen, die den Doppeladler als Staatswappen führen, sind Albanien, Jugoslawien (ehemalig), Serbien, Montenegro sowie Russland. Bei Städten sind Duisburg oder Lübeck zu nennen.
Adler mit drei Köpfen Bei einem dreiköpfigen Adler wie im Wappen der Familie Reinmar von Zweter sind die Sachsen nach innen gedreht und mit einwärts gerichteten Adlerköpfen an den Enden bestückt. Der eigentliche Adlerkopf folgt den heraldischen Regeln. Diese Darstellung ist aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift bekannt. Ein dreiköpfigen Adler in Conrad Grünenbergs Wappenbuch verweist auf das Wappenbild des römisch-deutschen Kaisers.
Beim dreiköpfigen Adler im Wappen des Landkreises Waiblingen sind die Sachsen normal gestellt, die beiden äußeren Köpfe, leicht geneigt, sitzen dicht neben dem mittleren und blicken nach außen.
Attribute des Adlers mini|Quaternionenadler, ein nimbierter Doppeladler, die Flügel mit den Reichsständen belegt, als Symbol des Reiches. Holzschnitt von Hans Burgkmair d. Ä., 1510
Grundlegende Attribute eines Wappentieres sind auch beim Adler: Krone Nimbus Brustschild Typisch für den Adler sind aber insbesondere: der Kleestängel und die Brustspange Belegung der Flügel, insbesondere ebenfalls mit Wappen sowie Embleme in den Fängen: Schwert, Reichsapfel, Szepter Spruchband Blitze, Schwerter und Ähnliches (besonders Waffen in der militärischen Heraldik)
Nimbierter Adler mini|100px|links|Wappen von Großmehring mini|hochkant=0.6|Adler mit Nimbus im Wappen der Katholischen Könige (Ende 15. Jh.) Der nimbierte Adler trägt einen Heiligenschein (Nimbus) um den Kopf, häufig in Gold, selten anders gefärbt. Er ist erst ab dem 15. Jahrhundert nachweisbar. Kaiser Sigismund soll ihn im Wappen um 1433/37 verwendet haben. Auch der von Isabella der Katholischen als Schildhalter verwendete Johannisadler, der den Evangelisten Johannes symbolisiert, hatte einen Heiligenschein. Beim Doppeladler sind beide Köpfe nimbiert. Im Wappen des Heiligen Römischen Reichs symbolisierte der Nimbus des Reichsadlers das „Heilige“.
Im 20. Jahrhundert wurde der Adler mit Heiligenschein auch vom austrofaschistischen Ständestaat (Österreich) und im Wappen des spanischen Staates unter Francisco Franco verwendet.
Formen der Figur
Halber Adler Der Adler kann im Wappen auch gespalten oder geteilt vorkommen.
Wenn er am Spalt ist, wird er mittig in zwei gleiche Teile zerlegt. Der Adlerkopf ist davon ausgenommen und wird vollständig dargestellt. Die Blickrichtung legt die Schildseite fest. Der halbe Adler am Spalt kann rechts oder links von der senkrechten Teilungslinie im Wappen dargestellt sein. Die Beschreibung halb oder wachsend (aus einer Teilungslinie oder einem Heroldsbild) treffen nicht für diese Wappentieranordnung zu. Die Entstehung des halben Adlers wird in der im späten Mittelalter aufkommenden Vereinigung von mehreren Wappen in einem Schild vermutet und um dem Platzbedarf gerecht zu werden.
Junger Adler