mini|hochkant=1.4|Der Frankfurter Stadtwald grenzt südlich an die städtische Bebauung Frankfurts. Im Vordergrund ein Teil des Oberwaldes, Ansicht von Südosten. Dahinter die auch „Mainhattan“ genannte Frankfurter Skyline sowie am Horizont der Mittelgebirgszug Taunus. Foto von Mai 2007, Ansicht vom Goetheturm aus.
Der Frankfurter Stadtwald ist der kommunale Waldbesitz der Stadt Frankfurt am Main. Im engeren Sinne ist er ein 5785 Hektar großes Waldgebiet im Süden Frankfurts, wovon 3866 Hektar innerhalb der Stadtgrenzen liegen. Der Stadtwald südlich des Mains nimmt mit einer Ausdehnung von rund 35 km² etwa 14 % des Stadtgebietes ein.Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Artenvielfalt im Frankfurter Stadtwald. Faltblatt, 2011. Darin: Kapitel Was wissen wir über die Natur in Frankfurt? Er ging im 14. Jahrhundert aus einem Teil des historischen Wildbanns Dreieich hervor, einem Bannforst im Besitz der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Dieses Waldgebiet befindet sich seit dem Jahr 1372 im Besitz der Stadt Frankfurt.Stadt Frankfurt am Main, Grünflächenamt (Hrsg.): Waldladen im Stadtwaldhaus/Fasanerie. Faltblatt, 2013 Heute wird der Wald hauptsächlich für Bildung, Freizeit und Erholung sowie in geringerem Maße weiterhin forst- und landwirtschaftlich genutzt.
Im weiteren Sinne ist mit der Bezeichnung Frankfurter Stadtwald die Gesamtheit aller Waldflächen auf Frankfurter Stadtgebiet gemeint. Dazu gehören neben dem flächenmäßig größten, südlich des Mains gelegenen Stadtwald mehrere verstreut über das Stadtgebiet liegende, kleinere Waldgebiete. Dies sind westlich des Stadtzentrums der Biegwald, der Niedwald und Ginnheimer sowie das Praunheimer Wäldchen im Niddapark, östlich des Zentrums liegen der Riederwald, der Enkheimer Wald und der Fechenheimer Wald, und im Norden des Stadtgebiets befinden sich der Nieder-Erlenbacher und der Nieder-Eschbacher Wald. Diese Waldflächen sind zusammen ein wesentlicher Teil des im Jahr 1991 eingerichteten Frankfurter Grüngürtels, der weiträumig die Stadt umgibt.Stadt Frankfurt am Main, Dezernat für Umwelt, Gesundheit und Personal (Hrsg.): 20 Jahre GrünGürtel Frankfurt – Menschen, Daten und Projekte. Frankfurt am Main 2011. Darin: Kapitel Der Stadtwald – Viel älter als der GrünGürtel, S. 30 ff.Stadt Frankfurt am Main, Dezernat für Umwelt, Gesundheit und Personal (Hrsg.): 20 Jahre GrünGürtel Frankfurt – Menschen, Daten und Projekte – 1991–2011. S. 5.
Topografie mini|Ein Abschnitt der Kelsterbacher Terrasse, einer postglazialen Geländestufe zwischen Schwanheimer Wald und Unterwald. Ansicht von Norden.
Das Kerngebiet des Frankfurter Stadtwaldes erstreckt sich über eine west-östliche Breite von etwa 15 Kilometern sowie eine nord-südliche Ausdehnung von etwa 3 KilometernStadt Frankfurt am Main, Grünflächenamt (Hrsg.): StadtForst Frankfurt Wanderkarte. 2009. über die südlichen Gebiete der Stadtteile Schwanheim, Sachsenhausen und Oberrad sowie über den nördlichen Teil des Stadtteils Flughafen. Neben der Dresdner Heide gehört der Frankfurter Stadtwald zu den größten kommunalen Wäldern in Deutschland. Er bildet den nördlichen Teil des Dreieichforstes, der aus dem mittelalterlichen Wildbann Dreieich hervorging.
Der Stadtwald wird traditionell in drei Teile gegliedert: Der östlich gelegene Oberwald und der westliche Unterwald liegen beide gegenüber der Untermainebene etwas erhöht. Die Grenze zwischen beiden Teilen verläuft etwa an der Mörfelder Landstraße. Der Schwanheimer Wald mit den Schwanheimer Wiesen liegt dagegen in der Ebene. Er ist vom südlich anschließenden Unterwald deutlich durch die acht Kilometer lange Kelsterbacher Terrasse abgegrenzt – eine Geländestufe aus dem Pliozän, die ein Abschnitt der südlichen Begrenzung des Urstromtales des Flusses Main ist. Oberhalb der Terrasse verläuft die jahrhundertealte Grenzschneise als Teil einer Altstraße von Frankfurt am Main nach Mainz. Die an der Grenzschneise und in deren näherer Umgebung seit dem 19. Jahrhundert gemachten archäologischen Funde – mehrere Oberflächenfunde sowie Felder von Hügelgräbern aus der europäischen Bronzezeit – deuten darauf hin, dass Wege entlang der Oberkante der Kelsterbacher Terrasse bereits in der Jungsteinzeit existierten. Diese Befunde lassen den Schluss zu, dass die Grenzschneise eine der ältesten nachgewiesenen Wegverbindungen auf dem heutigen Stadtgebiet Frankfurts ist.
Gewässer im Stadtwald mini|Der zentral im Stadtwald gelegene Jacobiweiher ist dort das flächenmäßig größte Stillgewässer. Uferblick von Nordosten. mini|Der Königsbach fließt an der Stoltzeschneise entlang der Königswiese mini|Das Königsbrünnchen, eine im 19. Jahrhundert in Stein gefasste Quelle an der Oberschweinstiege
Stillgewässer Im Frankfurter Stadtwald liegen insgesamt acht Stillgewässer.Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Die GrünGürtel Freizeitkarte. 7. Auflage, 2011. Davon wurden sieben im Laufe des 20. Jahrhunderts im Oberwald zur Regulierung des Wasserhaushalts von Menschenhand angelegt. Sechs tragen das Wort Weiher im Namen, obwohl es nach der Binnengewässerkunde (Limnologie) Teiche sind. Dies sind der Jacobiweiher, der Tiroler Weiher, der Maunzenweiher, der Försterwiesenweiher, der Kesselbruchweiher und der Scherbelinoweiher. Einzige Ausnahme ist die Grastränke. Das einzige natürlich entstandene Stillgewässer im Stadtwald, der Rohsee im äußersten Westen des Unterwaldes, ein Altarm des Mains, ist dagegen ein Tümpel.Magistrat der Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Stadtgewässer – Seen, Teiche, Tümpel entdecken. Frankfurt am Main, 2003. Darin: Kapitel Rohsee, S. 59.
Das mit sechs Hektar Wasserfläche größte Stillgewässer im Stadtwald ist der Jacobiweiher. Dieser von Oberforstmeister Hans Bernhard Jacobi in den Jahren 1931/32 durch Aufstauen des Königsbaches angelegte Teich wird von einigen Frankfurtern wegen seines Grundrisses auch als „Vierwaldstättersee“ bezeichnet. Ansonsten soll dieser Beiname davon herrühren, dass das Gelände des umliegenden Stadtwaldes die Gemarkungen von vier „Städten“ berührt – die der Frankfurter Stadtteile Niederrad, Oberrad und Sachsenhausen sowie im Süden die der Stadt Neu-Isenburg.Magistrat der Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Stadtgewässer – Seen, Teiche, Tümpel entdecken. Frankfurt am Main, 2003. Darin: Kapitel Jacobiweiher, S. 46.
Fließgewässer Der Stadtwald wird von drei natürlich entstandenen Fließgewässern durchquert. Von Westen nach Osten sind dies im äußersten Westen die Kelster, etwa in der geographischen Mitte des Waldes der Königsbach (beide sind linke Zuflüsse des Mains) sowie der Bach vom Mörderbrunnen im Süden des Oberwaldes, dessen Wasser nahe der Stadtgrenze zu Neu-Isenburg von rechts dem Königsbach zufließt. Darüber hinaus existieren mehrere Entwässerungsgräben, von denen einige nur zeitweilig Wasser führen.
Quellen Im Stadtwald befinden sich mehrere Quellen. Das nördlich des Jacobiweihers gelegene Königsbrünnchen bildet die Fassung von vier Quellen und wurde 1881 errichtet. Das Wasser enthält Eisenhydroxid (Braunfärbung) und Schwefelwasserstoff (leicht fauliger Geruch). Das Quellwasser ist trinkbar, wurde jedoch noch nicht von offizieller Seite auf Wassergüte untersucht. Nach wenigen Metern mündet der durch diese Quellen gespeiste Bach von rechts in den Königsbach. Weitere Brunnen im Stadtwald sind der in Stein gefasste und versiegte Königsbrunnen wenige Meter westlich des Königsbrünnchens (beide Namen nehmen Bezug auf den einstigen königlichen Bannforst Wildbann Dreieich) sowie der Mörderbrunnen. Der Name des Letzteren rührt von einer lokalen Volkssage her, die vor Ort auf einer Informationstafel dokumentiert ist.Foto der Informationstafel am Mörderbrunnen (Bilddatei auf Wikimedia Commons).
Fauna und Flora mini|Buchenbestand am Jacobiweiher Der Frankfurter Stadtwald beherbergt eine große Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten. Für die Erfassung der Artenvielfalt ist eine Forschungsgruppe des Forschungsinstituts Senckenberg zuständig. Im Jahr 2000 wurden 700 Pflanzenarten gezählt, davon gelten 45 als gefährdet.Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Artenvielfalt im Frankfurter Stadtwald. Faltblatt, 2011. Darin: Kapitel Arteninventar 2000. Besonders große Veränderungen in der Zusammensetzung der Flora des Stadtwaldes gab es in den vergangenen hundert Jahren. Der Vergleich der jüngsten Zahlen mit historischen Erfassungen zeigt sowohl ein Verschwinden vieler ursprünglich vorhandener Arten auf als auch die Zunahme von nicht einheimischen Pflanzenarten (Neophyten). Diese durch Selbstverbreitung oder durch Anpflanzung hinzugekommene Flora stellt ein Problem dar, wenn sie durch die Rate ihrer Ausbreitung einheimische Arten verdrängt.
Flora: Baumarten und Waldtypen Im Frankfurter Stadtwald sind eine Vielzahl verschiedener Baumarten und – je nach Beschaffenheit des Bodens – auch eine Vielfalt von Waldtypen anzutreffen. Die im Stadtwald dominierenden Baumarten sind Eichen (Quercus, rund 35 %), Buchen (Fagus, ca. 22 %), von denen einige zu den größten Exemplaren in Hessen zählen,Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Artenvielfalt im Frankfurter Stadtwald. Faltblatt, 2011. Darin: Kapitel FFH-Gebiet Oberwald. sowie größere Bestände der seit etwa dem 17. Jahrhundert ausgesäten Waldkiefern (Pinus silvestris, etwa 30 %). Zu den übrigen 13 Prozent der Baumarten zählen unter anderem Birken (Betula), Hainbuchen (Carpinus), Fichten (Picea) und Douglasien (Pseudotsuga).
Zu den im Stadtwald vertretenen Waldtypen zählen bodensaure Eichenwälder (im Schwanheimer Wald), die nahezu ein Drittel des hessischen Bestandes ausmachen, Stieleichen-Hainbuchenwälder, Waldmeister-Buchenwälder sowie Hainsimsen-Buchenwälder. Weiterhin gibt es Vorkommen von Erlen-Bruchwald mit Schwarz-Erlen (Alnus glutinosa, am Rohsee sowie in dem nördlich des Jacobiweihers gelegenen Clee’ischen Wäldchen), Eschenwald und Weichholz-Auenwald.Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Artenvielfalt im Frankfurter Stadtwald. Faltblatt, 2011.
Flora: Krautschicht mini|Bärlauch-„Teppich“ zwischen Schwarz-Erlen (Alnus glutinosa) am Königsbach im Clee’ischen Wäldchen Von den 700 im Stadtwald vorkommenden Pflanzenarten trugen zur Einstufung weiter Areale des Stadtwaldes als schützenswerte Lebensräume nach der FFH-Richtlinie auch Pflanzenarten der Krautschicht bei. Eine Zählung ergab 45 seltene Arten, die laut der Roten Listen Deutschlands und Hessens als gefährdet gelten. Beispiele dafür sind die Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris) und die Ästige Graslilie (Anthericum ramosum).Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Artenvielfalt im Frankfurter Stadtwald. Faltblatt, 3. Auflage, 2011. Darin: Kapitel Pflanzen – Viel mehr als nur Bäume!
In den FFH-Gebieten Schwanheimer Wald (zu dem ein Teil des südlich gelegenen Unterwaldes gehört) und Oberwald ist das Grüne Besenmoos (Dicranum viride) hervorzuheben, das unter anderem in größerer Dichte entlang der den Wald durchquerenden Bahntrassen wächst. Ebenfalls anzutreffende geschützte Pflanzenarten sind Nordisches Labkraut (Galium boreale), Diptam (Dictamnus albus) und Färber-Scharte (Serratula tinctoria).Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Artenvielfalt im Frankfurter Stadtwald. Faltblatt, 3. Auflage, 2011. Darin: Kapitel FFH-Gebiet Schwanheimer Wald und FFH-Gebiet Oberwald.
Nicht unter FFH-Schutz steht zum Beispiel der Bärlauch (Allium ursinum). Dieser hat besonders ausgedehnte Vorkommen in einem Areal vom Erlenbruchwald Clee’isches Wäldchen im Norden bis zur Trasse der Bundesautobahn 3 im Süden. Im Clee’ischen Wäldchen wachsen außerdem Bestände weiterer Frühlingsblüher wie Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides), der im Frühjahr auffällig rot-orange Früchte tragende Aronstab (Arum maculatum) sowie der Gefingerte Lerchensporn (Corydalis solida).
Flora: Naturdenkmale im Stadtwald