Der Münchner Tierpark Hellabrunn wurde 1911 gegründet. Der Tierpark ist durch seine naturnahe Lage im Landschaftsschutzgebiet der Isarauen (LSG-00120.09) gekennzeichnet. Im ersten Geozoo der Welt leben rund 18.500 Tiere in 529 Arten.
Lage Der Tierpark liegt im Stadtteil Siebenbrunn unterhalb von Harlaching. Eingebettet in das Landschaftsschutzgebiet der östlichen Isar-Auen konnte auf dem Gelände ein 40 Hektar großer typischer europäischer Auenwald erhalten werden, der über einen sehr alten Baumbestand verfügt. Ursprünglich lag auf einem Teil des Geländes eine Mühle aus dem 14. Jahrhundert. Diese südlichste Untergiesinger Mühle wurde 1902 abgerissen, mit ihrem Abbruch gelang der Durchbruch für die dauerhafte Gründung eines Zoos für München.
Das Tierparkgelände erstreckt sich von der Thalkirchner Brücke isaraufwärts bis zur Marienklause über das gesamte Terrain der Flussaue vom Steilhang bis zum Isarufer, von dem es nur durch einen Damm mit befestigtem Weg getrennt ist. Das Areal wird von dem am Südende des Zoos von der Isar bzw. vom Isar-Werkkanal abzweigenden Auer Mühlbach durchzogen. Mit 25 Brücken über verschiedene Wasserläufe und Kanäle bezeichnet sich der Münchner Tierpark mitunter als „Venedig unter den Zoos“.
Der hohe Grundwasserspiegel im Tierparkgebiet speist eine große Zahl an Brunnen, die über das gesamte Areal verteilt sind und aus denen der Tierpark über ein Kanalsystem den Wasserbedarf für seine Tiere und Anlagen vollständig autark decken kann. Viele Gehege sind durch natürliche Wasserläufe oder Wassergräben begrenzt, so dass Besucher einen barrierefreien Blick auf die tierischen Bewohner werfen können.
Über die Thalkirchner Brücke gelangt man zu Fuß in wenigen Minuten von der U-Bahn-Station Thalkirchen zum sogenannten Isar-Eingang an der Nordwestecke des Tierparks. Die Endhaltestelle „Tierpark (Alemannenstraße)“ der Buslinie 52 und Buslinie X98 liegt an der Nordostecke des Tierparks beim sogenannten Flamingo-Eingang. In der Nähe beider Eingänge befinden sich Parkplätze (z. T. bewacht).
Geschichte Eröffnung 1911 mini|links|Plakat von Ludwig Hohlwein (1912) Nachdem in München verschiedene Gründungen von Zoos bzw. zooähnlichen Anlagen gescheitert waren, gründete sich am 25. Februar 1905 auf Initiative von Oberstleutnant Hermann Manz der Verein „Zoologischer Garten München e. V.“ mit namhaften Münchner Honoratioren mit dem Ziel, einen neuen Tierpark in München zu errichten. Nachdem andere in Frage kommende Standorte ausgeschieden waren, entschied man sich für das Gebiet, das zu dem Adelssitz und Lustschlösschen Hellabrunn gehörte und das zum Namenspatron für den Tierpark wurde. Das Hellabrunner Areal wurde dem Verein 1906 von der Stadt München für sechzig Jahre unentgeltlich zur Verfügung gestellt – unter der Bedingung, dass dieser innerhalb von fünf Jahren das erforderliche Kapital für den Aufbau eines Tierparks beschaffen könne.
Der Tierpark öffnete am 1. August 1911. Zwar waren noch einige der Tierhäuser relativ provisorisch, doch das heutige Elefantenhaus stammt bereits aus jener Anfangszeit (Eröffnung 1914). Der künstlerische Generalplan für den Tierpark stammt von dem Architekten Emanuel von Seidl, der das Hanggelände mit seinen Nagelfluhfelsen und der vom Auer Mühlbach durchflossenen Auenlandschaft geschickt ausnutzte, um eine naturnahe Tierhaltung zu ermöglichen.
1922 musste der Tierpark wegen Geldmangels aufgrund der Inflation wieder schließen. Zahlreiche Einrichtungen wurden demontiert, das Löwenhaus von 1911 wurde abgerissen; die Gebäude verfielen.
Wiedereröffnung 1928 mini|Das Elefantenhaus als Postkartenmotiv (1932) Im Jahr 1925 wurde innerhalb des „Hilfsbundes der Münchner Einwohnerschaft“ ein Tierparkausschuss gegründet und man nahm den Wiederaufbau in Angriff. Am 23. Mai 1928 wurde der Tierpark Hellabrunn unter Direktor Heinz Heck wiedereröffnet. Heck griff Ideen des Tierhändlers und Hamburger Zoogründers Carl Hagenbeck auf und konzipierte den Tierpark als ersten Geozoo der Welt, bei dem die Anordnung der Tierarten nach ihrer geographischen Herkunft erfolgte. Der Tierpark erlangte dank dieses Konzeptes und der Abbildzüchtungs-Versuche ausgerotteter Tierarten, welche in Heckpferd und Heckrind resultierten, weltweite Anerkennung und Bekanntheit. Die 1936/1937 als Gesamtkonzept geplante und erbaute Menschenaffenstation mit Aquarium, heute unter Denkmalschutz, zählte damals zu den modernsten weltweit. Die bereits im Juli 1936 eröffnete Menschenaffenstation war zudem die größte der Welt.Paul Eipper: Wiedersehen mit meinen Tieren. Pieper & Co, München 1966, S. 141. Der Tierpark verlangte bis 1969 ein Extra-Eintrittsgeld für diesen Bereich. Gleichzeitig entstanden 1936/1937 große Freianlagen für Wisente, Bisons und Heckrinder. Bis Ende 1936 hatte sich der Tierbestand durch Neuerwerbungen und Zuchterfolge auf 3735 Säugetiere und Vögel vermehrt.Mitteilungen. In: Der Biologe. Monatsschrift zur Wahrung der Belange der deutschen Biologen 11 (1937), S. 375.
Zweiter Weltkrieg und Provisorien Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Zoo schwere Bombenschäden. Zahlreiche Tiere fielen den Luftangriffen zum Opfer. Der Zoo musste 1944 schließen. Im Mai 1945 wurde der Tierpark wieder eröffnet. Als provisorische Unterbringung für die Tiere nutzte man teilweise ehemalige Pferde-Lazarettbaracken aus dem Krieg. Da der Tierpark keine Bauzuschüsse der Stadt München erhielt und ihm wenig Geld zur Verfügung stand, blieben einige der Provisorien mehr als 20 Jahre bestehen. Neue Gebäude konnten kaum gebaut werden. Zebras und Antilopen waren bis 1972 in einem solchen Behelfsstall untergebracht, Kamele bis in die 1980er Jahre. 1960 spendete Helmut Horten dem Zoo mehr als eine Million Deutsche Mark. Mit Hilfe dieses Geldes wurden Anlagen für Wildziegen und Wildschafe und ein Wolfsgehege sowie Ausstellungspavillons gebaut. Heck leitete den Tierpark bis 1964. Nachfolger wurde sein Neffe Lutz Heck jun. (1924–2009), der den Tierpark bis 1972 leitete.
Generalausbauplan 1972 mini|Eisbär im Polarium im Sommer 1977 mini|Eingang zu Großvoliere aus dem Jahr 1980 Um 1970 war der Tierpark in einem schlechten Zustand und viele Renovierungen und Neubauten waren überfällig. Daher stellte man 1972 einen Generalausbauplan zur Erneuerung der Tierparkanlage auf. Auch die Stadt München stellte größere Zuschüsse zur Verfügung. Ab 1972 kam es zu einer grundlegenden Erneuerung aller Anlagen. Von 1970 an wurde die Menschenaffenstation renoviert und Außenanlagen für Gibbons gebaut. Die Gitter ersetzte man durch weniger störende Panzerglasscheiben. 1975 folgte die Eröffnung des neuen Polariums mit Anlagen für Moschusochsen, Pinguine, Eisbären und Robben, ein Kindertierpark und ein Streichelzoo.
1980 errichteten der Hausarchitekt von Hellabrunn, Jörg Gribl, und die Bauingenieure Frei Otto und Ted Happold eine große Voliere für Vögel, die auf einer Fläche von 5000 m² von einem 18 m hohen, dünnmaschigen Edelstahlgewebe überspannt wird. Mittlerweile ist diese Großvoliere ein Wahrzeichen von Hellabrunn geworden.
1981 übernahm Henning Wiesner von Arnfrid Wünschmann die Leitung des Zoos und 1992 auch den Vorstandsvorsitz der Münchner Tierpark Hellabrunn AG. Das Affenhaus wurde 1983 mit einer Anlage für Lemuren, Neuweltaffen und Siamangs erweitert. Die Außengehege der Wildziegen und Steinböcke wurden 1985/86 natürlicher gestaltet. In den 1990er Jahren kam ein neuer Kamelstall hinzu, ebenso ein neues Nashornhaus. Es folgte ein großes Glashaus für Schildkröten und Insekten (1997) und ein neues Dschungelzelt (1995) für Raubtiere und tropische Vögel.
Der Tierpark um die Jahrtausendwende mini|Löwe im Dschungelzelt Ein neues Urwaldhaus nach Plänen von Herbert Kochta wurde 2001 eröffnet; es bietet für die Hellabrunner Schimpansen, Gorillas, Mississippi-Alligatoren und einige Reptil- und Fischarten Platz. Die Gorillas können über einen für das Publikum unsichtbaren Tunnel aus dem Innengehege zum entgegengesetzt liegenden Freigehege wechseln. Die Orang-Utans haben seit 2005 großzügige „Spielzimmer“. Im Anschluss daran konnte am 24. Juli 2007 das Artenschutzzentrum mit seinem Kino eröffnet werden.
Das weitgehend unterirdische Aquarium wurde renoviert. Von 2002 bis 2004 wurde das Elefantenhaus erheblich umgebaut und modernisiert. Die Flusspferde mussten dem Umbau weichen, der Bereich wurde dem Areal der Elefanten angegliedert.
Im November 2009 wurde Andreas Knieriem, der zuvor die stellvertretende zoologische Leitung im Zoo Hannover innehatte, Direktor und später alleiniger Vorstand der Münchener Tierpark Hellabrunn AG. In die Amtszeit Knieriems fallen einige Großprojekte vor allem baulicher Art. 2010 wurde die neue Eisbärenanlage fertiggestellt. Die bis dahin bestehende Anlage vergrößert sich auf 2.800 m². Im Jahr 2013 wurde die 10.000 m² große Giraffensavanne eröffnet. Im Jahr davor wurde bereits das Aquarium komplett renoviert. Nach dem Wechsel von Andreas Knieriem in den Tierpark Berlin 2014 leitete Beatrix Köhler den Tierpark als Interimsvorstand.
Tierpark heute: Der Masterplan von 2016 mini|Kinder beobachten die Eselspinguine Seit dem 1. August 2014 ist der Architekt Rasem Baban, vormals Prokurist und stellvertretender Direktor im Zoo Leipzig, im Amt. Seine Projekte stehen unter dem angekündigten Konzept eines „Geozoos der Biodiversität“. Im März 2016 wurde ein neuer Masterplan für den Aus- und Umbau des Zoos in den folgenden 20 bis 25 Jahren vorgestellt und vom Aufsichtsrat verabschiedet. Ein interdisziplinäres Tierparkteam, welches von externen Fachplanern unterstützt wurde, entwickelte in gut einem Jahr, auf der Basis des Ziel- und Entwicklungsplans von 2011, den Hellabrunner Masterplan. Der Masterplan rückt das ursprüngliche Konzept des Geozoos wieder in den Vordergrund und verbindet dies mit einem neuen Bildungsauftrag zur Darstellung und Erläuterung der globalen Biodiversität. Die Kosten für den Ausbau werden auf 5 Millionen Euro pro Jahr (insgesamt 100 Millionen Euro) veranschlagt. Das Geozoo-Prinzip soll auch durch eine klare Rundwegeführung optimiert werden. Um die Komplexität der Biodiversität und das Zusammenspiel verschiedener Arten zu veranschaulichen, kommt es zu Vergesellschaftungen mehrerer Tierarten in einer Anlage.
Seit Babans Amtseintritt wurde im Zuge des neuen Masterplans der zweite Bauabschnitt der Polarwelt und damit die erste Geozone fertiggestellt. Das Mühlendorf, Teil der Geozone Europa, ist ein weiterer Schritt zum Geozoo der Biodiversität. Der erste Teil wurde im Sommer 2018 eröffnet, der zweite Teil des Projekts im Sommer 2019 fertiggestellt. Neben dem Hellabrunner Mühlendorf und der Fertigstellung des Elefantenhauses und der Elefantenaußenanlage im Herbst 2016 wurden diverse weitere Gebäude und Anlagen renoviert und instand gesetzt, wie zum Beispiel der neue Tao-Garten am Schildkrötenhaus, die Innen- und Außenanlagen der Primaten, das neue Artenschutzzentrum und die Großvoliere.
Der Tierpark Hellabrunn war zwischen 2007 und 2016 Drehort für die Fernsehserie Nashorn, Zebra & Co., einen Ableger von Elefant, Tiger & Co. aus Leipzig. Sie wird vom Bayerischen Rundfunk produziert und wurde am 24. Mai 2007 erstausgestrahlt. Seit 2015 wurde die Sendung unter dem Titel Neues aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn im BR gezeigt. Die bisher letzte Staffel wurde im Frühjahr 2018 ausgestrahlt.
Unter dem Titel Lange Nacht der Biodiversität war der Tierpark am 4. Juni 2016 nach eigenen Angaben erstmals in seiner Geschichte abends über die regulären Öffnungszeiten hinaus zugänglich. Diese in anderen Zoos als Nachtzoo bezeichnete Aktion, die es ermöglicht, das Verhalten der Tiere nach dem Einbruch der Dämmerung zu beobachten, wurde in Hellabrunn durch musikalische und künstlerische Darbietungen sowie Informationsangebote zum Thema Naturschutz ergänzt.