mini|Zeitungsjungen in New York (1908)

Kinderarbeit ist von Kindern zu Erwerbszwecken verrichtete Arbeit.Originalzitat des Dudens: Für den Begriff gibt es vielfältige Definitionen, da „Kinder“, „Erwerbszweck“ und „Arbeit“ in vielerlei Hinsicht interpretierbare Begriffe sind.

Die UN-Kinderrechtskonvention (KRK) definiert Kinderarbeit als Tätigkeiten von unter 18-Jährigen, die ihnen schaden oder sie am Schulbesuch hindern (KRK, Artikel 32). Laut UNICEF zählen als Kinderarbeit jene Arbeiten, für die Kinder zu jung sind, die gefährlich oder ausbeuterisch sind, die körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder die Kinder vom Schulbesuch abhalten. Sie beraubt Kinder ihrer Kindheit und verstößt gegen die weltweit gültigen Kinderrechte.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), eine Organisation der Vereinten Nationen, definiert die Obergrenze für Kinderarbeit unter normalen Umständen als 15 Jahre (Mindestalter-Konvention 138). Die Konvention 138 wurde von 173 ILO-Mitgliedsstaaten ratifiziert, sie ist international anerkannt.K. Basu Child Labor: Cause, Consequence, and Cure, with Remarks on International Labor Standards. In: Journal of Economic Literature, Vol. 37, 1999, S. 1083–1119. (PDF; 182 kB)

Geschichte der Kinderarbeit Extreme Ausweitung ab 1700 mini|links|250px|Kinderarbeit in einer Fabrik (USA, 1908). Kinderarbeit gibt es bereits seit Menschengedenken, aber mit der Industrialisierung nahm sie im 18. und 19. Jahrhundert in Europa und den USA Ausmaße an, die die Gesundheit und Bildung der Bevölkerung massiv beeinträchtigten. Kinder ab vier Jahren arbeiteten in dieser Zeitepoche nicht nur als Hilfskräfte und Dienstboten, sondern auch zu einem großen Teil in der Textilindustrie, in Kohlegruben und Minen, bis zu 16 Stunden täglich. Manche Arbeiten im Bergbau konnten nur von Kindern wegen ihrer geringen Körpergröße ausgeführt werden.Edward P. Thompson: Die Entstehung der englischen Arbeiterklasse, Band 1, Frankfurt a. M. 1987, S. 360 ff. Um 1800 war ein Drittel der Fabrikarbeiter in den USA zwischen sieben und zwölf Jahren alt.

Kinder, die arbeiteten, hatten neben hohen Gesundheitsrisiken oft nur eine minimale Schulbildung. Nach einer Untersuchung im Jahr 1819 konnten von 715 Kindern, die arbeiteten, nur 455 lesen, 351 ein wenig schreiben und 234 etwas rechnen. Die Kinderarbeit ermöglichte den Familien ein zusätzliches und oft dringend notwendiges Einkommen. Die Unternehmen, die Kinder beschäftigten, fühlten sich daher als Wohltäter. Dabei beuteten sie die Kinderarbeiter aus, die meist nur den Bruchteil des Lohnes eines erwachsenen Arbeiters bekamen. mini|Glashütte Eleonorenhain (heute Lenora) / Böhmen 1890 Kinderarbeit beim Eintragen

In England übernahmen, wie Friedrich Engels in seiner Untersuchung Die Lage der arbeitenden Klasse in England (1845) festhielt, die Spinn- und Webmaschinen einen zunehmenden Anteil der Arbeit, welche vormals Körperkraft erfordert hatte, und das verbleibende Zusammenknüpfen gebrochener Fäden erledigten nunmehr meist Frauen und Kinder zu geringerem Lohn.Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England, Kapitel 9, Projekt-Gutenberg. Aufgrund der hohen Mortalität bei der Arbeit an den Maschinen – oft wurden die Kinder zwischen den Maschinenreihen und den heran rasenden Maschinengestellen zerquetscht – beschäftigte man Kinder aus Waisenhäusern.Zur Geschichte der Kinderarbeit in Deutschland und Europa. In: bpb, 16. Oktober 2012.

Auch in Deutschland wurden Kinder früher häufig in Bergwerken eingesetzt, so etwa sog. Scheidejungen und Grubenjungen.

Der US-amerikanische Fotograf Lewis Wickes Hine (1874–1940) hat um 1900 im Auftrag des National Child Labor Committee die Kinderarbeit dokumentiert.

Kinder in der Landwirtschaft In der Schweiz konnten zwischen 1800 und 1950 Bauern von den Behörden Verdingkinder, d. h. Waisen- und Scheidungskinder, auf einem Verdingmarkt ersteigern. Solche Kinder wurden meistens zu Zwangsarbeit eingesetzt.

Vor allem im 19. Jahrhundert bis hinein in die 1920er Jahre zogen jährlich Kinder aus Tirol, Südtirol, Vorarlberg und der Schweiz zu Fuß über die Alpen nach Oberschwaben, um dort den Sommer über vor allem in der Landwirtschaft zu arbeiten (siehe dazu den eigenen Artikel Schwabenkinder).

In der elterlichen Landwirtschaft, insbesondere in der Nebenerwerbslandwirtschaft, wurden Kinder regelmäßig als Helfer herangezogen und das bis hinein in die 1950er Jahre. Die Schulferien wurden so gelegt, dass die Kinder bei den Ernten (Heuernte, Getreideernte, Kartoffelernte) helfen konnten; sie waren dabei willkommene, unverzichtbare Hilfskräfte.

Erste gesetzliche Einschränkungen Im Verlauf des 19. Jahrhunderts schränkten mehrere Fabrikgesetze („Factory Acts“) die Kinderarbeit schrittweise ein. In Europa war das Vereinigte Königreich 1833 das erste Land,Dieter Kastner: Kinderarbeit im Rheinland. Entstehung und Wirkung des ersten preußischen Gesetzes gegen die Arbeit von Kindern in Fabriken von 1839. Köln 2004, S. 8. das die Kinderarbeit beschränkte, wenig später erließ Preußen 1839 mit dem Preußischen Regulativ ein noch fortschrittlicheres und weitreichenderes Schutzgesetz. Ausschlaggebend dafür war nicht die mangelnde Qualität der Rekruten, wie in Folge der marxistischen Forschung lange angenommen wurde, sondern die massive Verletzung der Schulpflicht.Dieter Kastner: Kinderarbeit im Rheinland. S. 8 f. u. 13–70 et passim.

Das Preußische Regulativ untersagte es, die 9- bis 16-Jährigen länger als zehn Stunden täglich, sowie sonntags und nachts arbeiten zu lassen.Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in den Fabriken vom 9. März 1839 Im Jahr 1853 wurde das Mindestalter für die Fabrikarbeit auf zwölf Jahre angehoben. Die Umsetzung des Gesetzes gelang nicht immer, und noch 1858 arbeiteten 12.500 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren in preußischen Fabriken. Als Folge der Kinderarbeit wurde in Preußen die Gewerbeaufsicht gegründet.

Im Königreich Bayern und Großherzogtum Baden wurden 1840 Kinderschutzbestimmungen erlassen, in den anderen deutschen Ländern erst in den 1860er Jahren.

Ein am 1. Januar 1904 in Kraft getretenes Kinderschutzgesetz untersagte im Deutschen Kaiserreich die Beschäftigung von Kindern unter zwölf Jahren in gewerblichen Unternehmen.Zur Kinderarbeit bis zum Ersten Weltkrieg und deren gesetzlichen Regelung vgl. Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, I. Abteilung: Von der Reichsgründungszeit bis zur Kaiserlichen Sozialbotschaft (1867–1881), 3. Band: Arbeiterschutz, bearbeitet von Wolfgang Ayaß, Stuttgart/Jena/New York 1996; Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, II. Abteilung: Von der Kaiserlichen Sozialbotschaft bis zu den Februarerlassen Wilhelms II. (1881–1890), 3. Band: Arbeiterschutz, bearbeitet von Wolfgang Ayaß, Darmstadt 1998; Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, III. Abteilung: Ausbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890–1904), 3. Band, Arbeiterschutz, bearbeitet von Wolfgang Ayaß, Darmstadt 2005. Die Kinderarbeit in Familienbetrieben war 1906 für unter 10-Jährige erlaubt.

„In den meisten anderen Industriestaaten Westeuropas wurden Gesetze zur Einschränkung der Kinderarbeit erst sehr viel später als in Deutschland verabschiedet, wobei fast alle Staaten nur die Kinderarbeit in Fabriken einschränkten.“Wilfried Feldenkirchen: Kinderarbeit im 19. Jahrhundert – ihre wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen. In: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, 26 (1981), S. 1–41, hier S. 12. siehe auch Jugendarbeitsschutzgesetz#Geschichte

Kategorien der Kinderarbeit (ILO) mini|Relation Arbeitende Kinder, Kinderarbeit und gefährliche Kinderarbeit In den folgenden Begriffen der ILO bezeichnet „Kinder“ Menschen von 7 bis 14 Jahren.

Arbeitende Kinder (Children in Employment) sind diejenigen, die in irgendeinem Marktsegment arbeiten. Diese Gruppe beinhaltet Kinder, die in der formellen, oder in der informellen Wirtschaft arbeiten; für Bezahlung oder andere Vorteile; und Haushaltsarbeit außerhalb des Elternhauses (bezahlt oder unbezahlt).

Kinderarbeit (Children in Childlabour) ist ein Teil der arbeitenden Kinder. Darin nicht enthalten sind (a) Kinder mit erlaubter leichter Arbeit und (b) Kinder über dem Mindestalter, deren Arbeit nicht als die schlimmste Form der Kinderarbeit nämlich gefährliche Kinderarbeit klassifiziert wird.

Gefährliche Kinderarbeit (Children in hazardous work) ist wiederum ein Subset der Kinderarbeit. Definiert wird sie in Artikel 3 der ILO Konvention Nr. 182. Diese Kategorie beinhaltet (a) alle Formen der Sklaverei oder Praktiken ähnlich der Sklaverei, wie z. B. Kinderhandel, Schuldknechtschaft, Leibeigenschaft, Zwangsverpflichtung in Kinderarmeen (b) das Benutzen oder Anbieten eines Kindes für Pornografie oder für pornografische Darstellungen (c) das Benutzen oder Anbieten eines Kindes für illegale Aktivitäten, besonders für die Produktion und den Handel mit Drogen und (d) Arbeit, die von sich aus oder wegen der Umstände wie sie ausgeführt wird, vermutlich die Gesundheit, Sicherheit oder Moral der Kinder schädigt.

Aktuelle Situation (2020/25) mini|Kinderarbeit – schuften, um zu überleben mini|Ein Kind als Mitglied eines jugendlichen Teams in einer Ziegelei 2008 in Paraguay Nach Angaben der ILO wurde im Bericht aus dem Jahr 2021 erstmals seit dem Jahre 2000 eine Stagnation der sinkenden Kinderarbeit verzeichnet. Während der relative Anteil an Kinderarbeit im Vergleich zu 2016 bei 9,6 % verblieb, stieg die totale Anzahl der Kinderarbeiter um 8,4 Millionen. Somit gab es im Jahre 2020: 160 Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und 17 Jahren in Kinderarbeit. Nahezu die Hälfte davon, 79 Millionen in gefährlicher Kinderarbeit (hazardous child labour). Über die Hälfte (55,8 %) der Opfer von Kinderarbeit sind zwischen 5 und 11 Jahren, 22,2 % zwischen 12 und 14 und 21,9 % zwischen 15 und 17 Jahren. Kinderarbeit ist hauptsächlich (70 %) in der Landwirtschaft vertreten (das beinhaltet auch Fischerei, Forstwirtschaft, Vieh- und Fischzucht). Zusätzlich sind 19,7 % sind im Dienstleistungsbereich und weitere 10,3 % arbeiten im Industriellen Sektor (der Bergbau beinhaltet).

+Kinder in Kinderarbeit in Millionen (gerundet)davon in gefährlicher Kinderarbeit (hazardous work) in Millionen (gerundet)Gesamt16079Afrika92,241,4Amerika8,35,7Asien und Pazifik48,722,2Europa und Zentralasien8,37,9Arabische Länder2,41,95-11 Jahre89,325,912-14 Jahre35,618,115-17 Jahre3535männlich9750,2weiblich62,928,8

Kinderarbeit im Tourismus mini|Kinder verkaufen Futter für Affen in Wat Tham Khan (Thailand)

Laut der Internationalen Arbeitsorganisation sind weltweit mindestens 10 % der Beschäftigten im Tourismus Kinder. Davon werden laut UNICEF etwa eine Million sexuell ausgebeutet.

Beispiel Indien