Die Axt, oberdeutsch auch Hacke genannt, ist ein Werkzeug und besteht im Allgemeinen aus einem Stück Stahl mit einer geschmiedeten stählernen Schneide (dem Blatt oder Kopf) und dem Haus. Sie ist mit dem Auge auf einem Holz- oder Kunststoffstiel befestigt.

In der Vergangenheit gebräuchliche Namen für Fälläxte/Hacken waren Schrot-/Schrott-, Wende-, Holz-, Mais-/Meis-/Maß-Axt

Entastungsäxte hießen Asthacken oder Astäxte.

Spaltäxte bezeichnete man als Schlegel-Hacke/Axt oder Mösel.Reinhold Erlbeck: Kosmos Wald- und Forstlexikon.

Allgemein mini|hochkant=0.6|Bestandteile der Axt Die Axt wird zum Schlagen benutzt. Haus und Kopf sind meist aus Kohlenstoffstahl geschmiedet, weil solcher Stahl bei richtiger Wärmebehandlung einen guten Kompromiss zwischen Härte und Zähigkeit aufweist. Im Unterschied zum kürzeren und leichteren Beil wird die Axt üblicherweise mit beiden Händen geführt. Quer eingestielte Geräte werden als Dechsel oder Querbeil bezeichnet. Sie werden zur Bearbeitung von Holz verwendet.

Vorgeschichte Zur Schäftung siehe: Schäftung (Vor- und Frühgeschichte)

mini|Stiellochaxt des Äneolithikums, Kupfer (Fundort heutiges Ungarn) Archäologen nennen einen Körper mit Stielloch Axt, denjenigen ohne Schaftloch Beil, unabhängig von Material (Stein, Bronze, Eisen, Kupfer) und Handhabung (ein- bzw. zweihändig) oder Verwendung.

Steinbeile wurden neben Geweihäxten in Europa bereits in der Mittelsteinzeit benutzt und finden sich später auch in Horten. Aus dieser Zeit sind zumeist aus Feuerstein hergestellte, geschliffene und ungeschliffene Beile erhalten (Kernbeil, Scheibenbeil).

In Pratteln im Bezirk Liestal des Kantons Basel-Landschaft in der Schweiz wurde das überaus seltene Halbfabrikat einer Axt aus alpinem Gestein in einer etwa 6000 Jahre alten neolithischen Siedlung gefunden. Die Form der Axt mit den flachen Ober- und Unterseiten ist gut erkennbar. Sie wurde durch Picken mit einem Schlagstein aus einem Gestein herausgearbeitet. Danach sollte wohl zwischen den seitlichen Verdickungen eine Durchbohrung erfolgen, um ein Schaftloch zu schaffen. Dies unterblieb aus ungeklärten Gründen genauso wie das Schleifen und Polieren der Oberflächen.Jürg Sedlmeier. In: Archäologie in der Schweiz, 2011/1, Heft 34, S. 9. In der Jungsteinzeit wurden Äxte und Beile aus Stein geschliffen. Versuche ergaben, dass beim Schleifen von Quarzit und Sandstein nur die Zugabe von Wasser erforderlich ist, nicht aber von Sand.

Die Kultfunktion von Äxten und Beilen belegt eine bei Cham-Eslen in der Schweiz im Zugersee gefundene 6000 Jahre alte Axt der Cortaillod-Kultur. Ihr Doppelaxtkörper war 17,2 cm lang und mittels Keilen aus Geweih am 1,2 m langen Stiel aus Eschenholz befestigt. Dieser war spiralförmig mit rhombenverzierter Birkenrinde umwickelt.E. Gross-Klee, S. Hochuli: Die jungsteinzeitliche Doppelaxt von Cham-Eslen. Gesamtbericht über einen einzigartigen Fund aus dem Zugersee. In: Tugium, 2002, 18, S. 69–101. Der Stiel der äneolithischen Axt aus Grab 43 von Varna in Bulgarien war mit einem Goldstreifen umwickelt. Seit dem Jungneolithikum kommen Äxte aus Kupfer vor.

Geschichte mini|links|Odysseus vor den Axt-Ösen mini|hochkant=0.6|Beil aus Mammen (Dänemark) In einem Runen-Schriftzug aus Maes Howe auf den Orkneyinseln behauptet der Urheber der Zeilen, der erfahrenste Runenschreiber des westlichen Ozeans zu sein und jenes Beil benutzt zu haben, das einst Gaukr Trandilsson aus Island gehörte. Hermann Pálsson (1921–2002), der sich um die Übersetzung der Orkneyinga saga verdient machte, rekonstruierte, wer der Schreiber war. Seine Vorfahren hatten 200 Jahre zuvor den Besitzer des Beils erschlagen und es von Generation zu Generation vererbt, bis es in die Hände von Þórhallr Ásgrímsson dem Schreiber gelangte. Beile waren also keinesfalls nur Gebrauchsgut, sondern auch Statussymbole, mit denen unter anderem Runen geritzt wurden.

Odysseus beweist nach seiner Heimkehr nach Ithaka seine Identität, indem er mit seinem Bogen einen Pfeil durch die Stiellöcher („Augen“) von zwölf Beilen schießt.

In moderner Zeit werden Beile und Äxte aus Stahl geschmiedet. Der Körper ist mit einem Loch (Auge) versehen, um eine feste Verbindung mit dem Stiel zu gewährleisten.

Herstellung (nicht mehr gebräuchliche Lappen- oder Falttechnik) Ein Stück Flachstahl (meist C45) wurde über einen Dorn, der die Form des Beilauges besaß, mittig gebogen, die beiden Enden dann zusammengeschweißt, eine Schneide ausgeschmiedet und im Einsatz- oder Nitrierverfahren gehärtet (nicht mehr gebräuchlich) Zwischen die beiden Enden des nach 1 gebogenen Flachstahls wurde ein kleines Stück Kohlenstoffstahl eingeschoben, mit dem Eisen verschweißt und ausgeschmiedet, je nach Stahl in Öl oder Wasser gehärtet und danach angelassen (nicht mehr gebräuchlich; war immer selten) An das Flacheisen nach 1 und 2 wurde durch Überlappungsschweißung das Schneidenstück angesetzt (nicht mehr gebräuchlich) Um das aus einem Flachstahl zusammengebogene oder aus einem Stück gelochte und ausgeschmiedete Blatt aus Eisen wurde ein Stück flachen Stahls gelegt, verschweißt und ausgeschmiedet (noch üblich in Dorfschmieden) Ein rechteckig geformtes Stück Eisen wird unter einem Hammer oder einer Schmiedepresse mittels eines Dorns gelocht, wodurch das Öhr für den Stiel entsteht. Die der zukünftigen Schneide zugewendeten Eisenmasse wird mit einem Meißel aufgeschnitten, in den Schlitz ein Stück Kohlenstoffstahl eingeschoben und dieses verschweißt. (heute üblich) Ein rechteckiges Stück Stahl wird unter der Presse gelocht, oder das Öhr gepresst und dann unter dem Hammer ausgeschmiedet. Da es sich um eine ganz aus Stahl hergestellte Axt handelt, spricht man von einer „Ganzstahlaxt“

Verwendung mini|Entastungsaxt mit breitem Blatt

Mit der Axt werden u. a. beim Fällen, Entasten oder Einkerben von Bäumen Holzfasern durchtrennt. Sie verfügt in der Regel über eine beidseitig angeschliffene, mehr oder weniger schlanke Klinge mit relativ spitzem Schneidenwinkel, um ein leichtes Eindringen in das Holz zu ermöglichen. Beim Fällen von Bäumen mit einer Fällaxt wird schräg zur Faserrichtung geschlagen, und zwar von oben und von unten, um einen Keil aus dem Holz zu schlagen. Dieser Keil kann bis zu zwei Drittel in den Stamm ausgeschlagen werden, je nach Neigung und gewünschter Fallrichtung. Dann wird von der Rückseite, leicht nach oben versetzt, ein weiterer Keil ausgehauen, bis der Baum fällt. Anstelle des Aushauens des zweiten Keils war hier später auch ein Schnitt mit einer Zweihand-Blattsäge möglich. Das Benutzen einer Säge oder gar Motorsäge ist oft schneller, da weniger Arbeit aufgewendet werden muss.

Äxte mit besonders breiter und dünner Schneide wurden zum Entasten gefällter Bäume benutzt. Mit dem Aufkommen leichter Motorsägen sind Äxte nur noch wegen geringerer Lärm- und Geruchsbelästigung oder bei Benzinmangel üblich.

Mit einer Spaltaxt (auch Mösel)Andreas Lerch: „Holzarbeit im Niederösterreichischen Voralpenraum vom Holzknecht zum „Forst(fach)arbeiter““ oder einem Spalthammer wird bereits gesägtes Stammholz zu Brennholz gespalten. Spaltäxte haben eine beidseitig über eine große Fläche geschliffene, starke und schwere Klinge mit relativ stumpfem Schneidenwinkel – sie haben einen deutlich größeren Keilwinkel als Fälläxte oder Zimmermannsbeile. Die Schneide der Axt wird parallel zur Faserrichtung in das Holz geschlagen. Die hohe kinetische Energie erzeugt hohe Spaltkräfte, verbunden mit einer großen Spaltbreite, sodass die Elastizitätsgrenze bis zum Bruch des Holzes leichter überwunden wird. So können große Holzklötze (Stammabschnitte) oft mit einem Schlag gespalten werden. Auch Spalthämmer mit Spaltkeilen oder Holzspalter sind zu diesem Zweck geeignet. Sie weisen einen Keilwinkel bis zu 40° auf.

Qualitativ hochwertige Äxte werden in Deutschland seit 1932 mit dem Gütezeichen „Dreipilz“ ausgezeichnet.

Äxte und Beile mit schneidender und spaltender Funktion dienen zum Behauen und Glätten von Werkstücken, Herstellen von Balken, Pfosten, Konstruktionshölzern und Holzverbindungen. Sie verfügen i. d. R. über schlanke Klingen, die einseitig angeschliffen sein können. Typische Beispiele sind die klassischen Breitbeile der Zimmerleute.

mini|Schwedische Räumaxt Als schwedische Räumaxt wird ein Werkzeug mit messerartiger Klinge bezeichnet, die hauptsächlich zum Abschneiden und Hacken von jungen Trieben und Sträuchern verwendet wird. Sie hat den gleichen Griff wie eine Axt, ist aber leichter. Ein weiterer Unterschied zu einer Axt besteht darin, dass eine Räumaxt eine Schneidklinge aus hartem Stahl hat, die leicht ausgetauscht werden kann, da sie in einer nach außen federnden Halterung geklemmt ist.

Der Sapie, auch Sappi(e), Zappel oder Zapine, ist ein spezielles Rückewerkzeug, das vom Haus her ähnlich wie eine Axt gebaut ist, aber anstelle einer Schneide einen gebogenen Dorn hat. Er erleichtert die manuelle Holzbringung.

Eine weitere Besonderheit stellt die Eisaxt dar. Sie diente bis Anfang des 20. Jahrhunderts zum Bearbeiten und Verschieben von mit Fuhrwerken transportierten Eisblöcken im Eiskeller (Lebensmittelkonservierung).

Historischer Überblick über die Entwicklung der Axt in Mitteleuropa mini|Doppelaxt In der Zeit der Chelléen (etwa vor 350 000 Jahren) findet sich eine ganz bewusste und vorteilhafte Schlagtechnik zur Erzeugung von Schneidkanten an Steinen. Sie zeigt, dass damals bereits zwei verschiedene Methoden zur Klingenherstellung genutzt wurden.

Die eine Richtung ging bei der Herstellung ihrer Werkzeuge so vor, dass sie eine Feuersteinknolle köpfte und dann fast gleichmäßig geformte breitflächige Späne abschlug.

Die andere Gruppe dagegen zertrümmerte die Steinknolle nicht, sondern entfernte nur soviel von ihren äußeren Teilen, wie nötig war, um ein verwendungsfähiges Stück zu schaffen.

Die dabei entstehende Form nennen wir „Faustkeil“, besser träfe wohl die Bezeichnung „Faustmesser“ zu, denn das Werkzeug ist nach seiner Bauart als Keil völlig ungeeignet, als Messer jedoch durchaus zweckmäßig geformt. Solche mandelförmigen, dreieckigen und ovalen Faustkeile zeigen schon vor 300.000 Jahren sowohl bewundernswerte Handfertigkeit als auch in der Zurichtung ein hochentwickeltes Formengefühl. Von einer Axt kann man in diesen Zeiträumen noch nicht sprechen. Wohl bringt der Faustkeil zwei wichtige Voraussetzungen mit: eine von zwei Seiten durch Abschläge erfolgte Bearbeitung und die Rundung der Schneide. Das Hindernis aber, das einer Verwendung zum Schlag entgegenstand, war die Empfindlichkeit der Schneide. Aus diesem Grund dürfte der Faustkeil nur ausnahmsweise mit einem Stiel versehen gewesen sein. Die Bruchgefahr der Schneide erschwerte übrigens auch in späteren Perioden die Bearbeitung von Holz. Die Eigenart des Axthiebs beim Fällen und Entasten von Bäumen ruft fast immer eine Biegungsbeanspruchung der Schneide hervor.

Bis in die Zeit des Neolithikums war die Zurichtungsweise der Axtschneide dadurch gekennzeichnet, dass diese durch Abschläge (Retuschen) hergestellt wurde. Die Schneide war einem Sägeblatt ähnlich, also wellenförmig bis zackig. Die Abschläge hatten zudem eine meist muschelförmige, also konkave Vertiefung hinterlassen, dadurch war die Schneide gegen Abnutzung und Bruch empfindlich.

Der große Fortschritt, der sich nun anbahnte, und der in Ost- und Südeuropa früher als im Norden wahrgenommen werden kann, bestand darin, dass durch Wegschleifen aller Vertiefungen und Erhöhungen in Schneidennähe und durch ballige Ausformung eine Bruchsicherheit erzielt wurde, „die allein erst die Voraussetzung für die Bearbeitung von Holz schuf“. Das Werkzeug war also das Primäre, das die Holznutzung in größerem Umfang überhaupt erst ermöglichte. Die Änderung der steinzeitlichen Schneidenbearbeitung ist in ihrer technischen Bedeutung bisher vielleicht nicht genügend gewürdigt worden.