Uerdingen [] ist ein Stadtteil und Teil des Bezirkes 4 Krefeld-Ost der kreisfreien Stadt Krefeld mit etwa 18.000 Einwohnern. Der Ort wurde im Jahr 1255 zur Stadt erhoben und wurde 1929 Teil von Krefeld-Uerdingen am Rhein. Bekanntheit erreichte er durch Erzeugnisse der Weinbrennerei Dujardin, den Uerdinger Schienenbus, ein Werk des Chemiekonzerns Bayer und den Fußballverein KFC Uerdingen 05.

Geographie mini|350px|(1) = Uerdingen heute / Alt-Uerdingen bis 1284: (2) = vermutete Lage im jetzigen Rheinbett; (3) = vermutete Lage beim Römerkastell Gellep

Uerdingen grenzt im Westen an die Krefelder Stadtteile Bockum, Gartenstadt und Elfrath, im Nordwesten an Krefeld-Traar, im Norden an Duisburg-Rumeln-Kaldenhausen, im Nordosten an Krefeld-Hohenbudberg und Duisburg-Rheinhausen, im Osten an das auf der anderen Rheinseite gelegene Duisburg-Mündelheim sowie im Süden an den Krefelder Stadtteil Linn. Uerdingen hat eine 3,7 km lange Rheinfront; der Ort liegt bei Rheinkilometer 765. Der heutige Stadtbezirk Krefeld-Uerdingen erstreckt sich weiter nach Süden und umfasst auch einen schmalen Streifen des Stadtteils Linn im Bereich des Rheinhafens und daran anschließend den Stadtteil Gellep-Stratum; er grenzt somit auch an den Krefelder Stadtteil Oppum und die Meerbuscher Stadtteile Ossum-Bösinghoven, Lank-Latum und Nierst.Stadt Krefeld – Stadtbezirke.

Für die geographische Lage des alten Uerdingen vor der Neuentstehung an heutiger Stelle gibt es zwei nicht gesicherte Annahmen: eine Lage östlich vor der Stadtmauer des heutigen Uerdingen, eine Siedlung entstanden aus dem Römerlager Castra Ordeonii exakt an der alten Römerstraße gelegen. Der Rhein floss im Mittelalter weiter östlich, bevor er infolge Überschwemmungen und Eisgang sein Bett nach Westen verlagerte und die Stadt nach und nach in den Fluten versank. eine Lage nahe dem ehemaligen Römerkastell Gelduba bei Krefeld-Gellep; auf den Resten der auf eine Vorinsel verlegten Zivilsiedlung des alten Römerkastells, wo die Franken später ein Dorf errichteten – an einem „Orth“, nämlich der spitz zulaufenden Einmündung des heutigen Mühlenbaches. Daraus könnte im hohen Mittelalter das alte Uerdingen (Oorthdingi) entstanden sein. Die Insel wurde durch Rheinverlagerungen im 12. Jahrhundert zu Festland, das durch ständige Überschwemmungen schließlich unbewohnbar war.Museum Burg Linn / Exponate Gelduba / Ausstellungs-Beschreibung Urdingi.

Geschichte Altertum und Frühmittelalter Funde belegen die Anwesenheit der Römer auf dem Gebiet des heutigen Uerdingen. Ein sechsteiliger römischer Grabesfund aus dem 2. bis 3. Jahrhundert ist seit 1868 als Uerdingen Hoard im Britischen Museum in London ausgestellt. Eine Herleitung des Ortsnamens Uerdingen vom römischen Feldherrn Marcus Hordeonius Flaccus, der hier ein befestigtes Lager namens Castra Ordeonii unterhalten haben soll, gilt als unwahrscheinlich.Friedrich Wilhelm Oediger: Vom Leben am Niederrhein. Aufsätze aus dem Bereich des alten Erzbistums Köln Düsseldorf 1973, S. 27. Um das Jahr 400 zogen sich die Römer zurück, Franken rückten nach. Möglicherweise leitet sich daher der Name von den altfränkischen Begriffen Ord/Oorth und Ding/Thing ab, umgeformt zu den Schreibweisen Ortdingi, Ordingen, Urdingi zu Uerdingen. Ord/Oorth ist eine zulaufende Spitze, z. B. einer Sandbank im Rhein oder bei der Einmündung eines Nebenflusses oder Baches in einen Hauptfluss.

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte mit Undingi, verschrieben statt Urdingi, in einem um 900 angelegten Urbar der Abtei Werden.Oskar Burghardt u. a. (Hrsg.): Krefeld – die Geschichte der Stadt. Band 1, S. 367 f., Verlag van Ackeren, Krefeld 1998, ISBN 3-9804181-6-2.

Hoch- und Spätmittelalter Im 12. Jahrhundert befand sich das alte Uerdingen im Besitz des Erzstifts Köln. 1176 unterlag die Gerichtsherrschaft der Vogtherrschaft Hohenbudberg. Im Jahre 1255 erhielt (Alt-)Uerdingen durch Erzbischof Konrad von Hochstaden die Stadtrechte. Wahrscheinlich existierte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Kapelle, was sich aus einer Schenkungsurkunde durch Erzbischof Siegfried von Westerburg erkennen lässt.Guido Rotthoff: Uerdingen und das Gasthaus zum heiligen Michael – in Geschichte der Stadt Krefeld / S. 419f, Verlag van Ackeren, Krefeld 1998, ISBN 3-9804181-6-2. Ebenso ist 1255 urkundlich ein Henricus Fermentarius (= Grüter, von Grut) als Zeuge belegt und gilt damit als frühester Nachweis über das Bierbrauen in Uerdingen.

Nach einer Überschwemmung – wahrscheinlich im Februar 1284 – wurde die alte Stadt aufgegeben und weiter westlich eine neue, befestigte Stadt erbaut, entsprechend dem damaligen kurkölnischen städtebaulichen Verständnis einem nach Norden stehenden Rechteck ähnlich. 1285 wurde Uerdingen selbständige Pfarre und 1290 von Erzbischof Siegfried von Westerburg am neuen Platz wiederum als Stadt privilegiert und zum kurkölnischen Amt. 1297 wurde ein erster Amtmann von Liedberg und Uerdingen erwähnt, Ritter Rembodo von Budberg. Das Amt Uerdingen umfasste nun die Honschaften Verberg, Rath, Vennikel und Hohenbudberg.

1306 wurde die erste Schule gegründet. Portal Rheinische Geschichte. 1314 wurde das große Stadtsiegel erwähnt und 1317 ein Bürgermeister. Uerdingen war neben Rheinberg viele Jahrzehnte die nördlichste kurkölnische Stadt am Rhein und ihr Zoll politisch bedeutend, so dass sie mit einer 1333 erstmals erwähnten Stadtmauer befestigt wurde. Die Rheinseite wurde mit einer Burg Uerdingen gesichert. Um 1380 wurde das Hospital zum heiligen Michael von Uerdinger Bürgern gegründet. 1381–1383 wurde die Kapelle zur dreischiffigen Kirche St. Peter ausgebaut. Weil die Pest Uerdingen nicht erreichte, wich die geistliche Obrigkeit aus Köln zeitweise nach Uerdingen aus.

1424 wurde die Stadt an den Grafen von der Mark verpfändet, 1430 weiter an den Bischof von Münster in Westfalen. 1436 wurde die Stadt wieder eingelöst und an Arnd von Brempt verpfändet. Durch die „Drei Uerdinger Weisthümer“ aus dem Jahre 1454 ist die eigenständige Gerichtsbarkeit mit Schultheiß und Schöffen belegt. 1463 wurde durch den Erzbischof von Köln verfügt, dass Bier für den freien Verkauf ausschließlich in der Stadt und nicht im Umland gebraut werden durfte. In Neuss wurde nachweislich im Jahre 1493/94 der erste bekannte Hexenprozess gegen Elsgen von Uerdingen durchgeführt. 1502 wurde die Adelsfamilie Viermund-Neersen mit der Vogtei Uerdingen belehnt.

Neuzeit mini|hochkant|Stadtplan 1724

In Uerdingen gab es seit Mitte des 15. Jahrhunderts verschiedene Bruderschaften und Zünfte. Es bestand ein Wochenmarkt; bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts kamen weitere Märkte hinzu. Die Landwirtschaft hatte stets untergeordnete Bedeutung und deckte überwiegend den eigenen Bedarf der Einwohner. Berichte aus dem Jahr 1569 erwähnen 700 Kommunikanten und 185 Häuser innerhalb der Stadtmauern. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts bildete das Amt Uerdingen mit dem Amt Linn ein Doppelamt.

1583 fand eine Plünderung und Brandschatzung unter anderem des Pfarrhauses statt. 1584 gab es einen Stadtbrand, während die Besatzungen der Stadt im Truchsessischen Krieg bzw. Kölnischen Krieg ständig wechselten. Für 1589 ist ein Hexenprozess in Uerdingen belegt.Chronik der Hexenprozesse am Niederrhein (1074–1738). Am 2. Juli 1625 wurde die Stadt, vom Dreißigjährigen Krieg bis dahin weitgehend verschont, durch Truppen des Peter Ernst II. von Mansfeld überfallen.Friedrich J. Löhrer: Geschichte der Stadt Neuß von ihrer Gründung an bis jetzt. S. 313. In der Endphase des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Stadt 1641 von den Hessen vergeblich belagert. Am 14. Januar 1642 wurde Uerdingen gemeinsam von den aus Wesel kommenden protestantischen brandenburgisch-weimarischen und französisch-hessischen Truppen überfallen. Nach drei Tagen des katholischen, kaiserlich-kölnischen Widerstands wurde sie eingenommen. Ab dem 17. Januar 1642 fand die Schlacht auf der Kempener Heide statt, in deren Folge Uerdingen im kurkölnischen Herrschaftsbereich verblieb.

1631 wurde eine Lateinschule errichtet, das (Fabritianum). 1650 beschloss Kurfürst Ferdinand von Bayern (1577–1650) im Einvernehmen mit dem Uerdinger Magistrat die Einrichtung eines Konvents der Franziskaner (OFM)-Observanten von der dritten Ordensregel. Die Grundsteinlegung erfolgte 1656; es bestand bis zur linksrheinischen Säkularisation 1802.

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg siegten die vereinten holländischen und brandenburgischen Truppen unter Kurfürst Friedrich dem III. von Brandenburg am 12. März 1689 in der Schlacht bei Uerdingen gegen die Franzosen, womit der weitere Vorstoß über Haus Meer und Neuss bis zur Belagerung von Bonn (1689) möglich wurde. Ende des 17. Jahrhunderts änderte der Rhein bei Rheinberg seinen Lauf und entfernte sich von der Stadt. Die dortige kölnische Rheinzollstätte wurde daher 1692 geschlossen und nach Uerdingen verlegt.Walther Föhl In: Uerdinger Bibliographie. 1965, S. 86. Onlinefassung 1701–1715 durchzogen Truppen im Zuge des Spanischen Erbfolgekriegs die Stadt. 1714–1725 wurde das bis heute erhaltene Uerdinger Rathaus erbaut. 1740 herrschte schwerer Eisgang auf dem Rhein, am 29. Februar 1784 ein historisches Hochwasser. In der Nacht zum 16. Juni 1801 wurde der Räuber Anton Häuser aus Uerdingen (Mitglied der Crefeld-Neusser Bande) in Viersen bei einem Einbruch erschossen.Nikolaus Becker, Anton Keil: Actenmässige Geschichte der Räuberbanden an den beyden Ufern des Rheins. Band 2, 1804.

Mit dem Herbstfeldzug 1794 begann die Besatzungszeit durch die Soldaten der französischen Revolutionsarmee. In der Nacht vom 5. auf den 6. September 1795 setzen sie bei Uerdingen mit einem Heer von 45.000 Soldaten auf das rechte Rheinufer über und besiegten die österreichischen Gegner. Bis 1802 kam es zur vollständigen Eingliederung des Niederrheins in das französische Reich. Uerdingen wurde eine Mairie mit einem Maire (Bürgermeister) nach französischem Vorbild und Sitz des Kantons Uerdingen, der zum Arrondissement Krefeld des Rur-Departements gehörte. Der Kanton Uerdingen umfasste außerdem noch die Mairien Bockum, Fischeln, Friemersheim, Langst, Lank, Linn, Osterath und Strümp.GenWiki: Kanton Uerdingen

1804 zog Napoleon Bonaparte durch Uerdingen, das damals 1629 Einwohner hatte. Er übernachtete in einem Hotel gegenüber dem Haus „Zur Krone“. Ende Oktober 1811 besuchte Kaiserin Marie-Louise von Österreich auf dem Weg von Nimwegen nach Düsseldorf die Rheinstadt anlässlich einer Musikveranstaltung.

1814 marschierten während der Befreiungskriege gegen Napoleon I. russische Kosaken ein. Ein Jahr später begann die preußische Herrschaft. Aus der französischen Mairie Uerdingen wurde die preußische Bürgermeisterei Uerdingen. 1817 gab es wieder eine schwere Hungersnot und Überschwemmung. Auch 1819, 1824 und 1825 brachte der Rhein Überschwemmungen. Uerdingen hatte 1825 bereits 2064 Einwohner.

Industrialisierung und Gründerzeit Der Rhein spielte für die wirtschaftliche Entwicklung Uerdingens eine Schlüsselrolle. Infolge der Abwendung des Rheinverlaufs von Rheinberg wurde der Uerdinger Landeplatz Anfang des 18. Jahrhunderts der erste Anleger für niederländische Schiffe im Kölner Erzstift. Hier wurden Salz, Kolonialwaren, Kohlen und Baumaterial für das westliche Umfeld um Kempen, Mönchengladbach und den Jülicher Raum umgeschlagen. Am 7. September 1807 gründete sich aus der Uerdinger Oberschicht die Casino-Gesellschaft.die Heimat 79/2008, Reinhard Feinendegen, Casino-Verein-Erholung, S. 61. Im Jahre 1810 wurde das Unternehmen Dujardin & Co. gegründet. 1832 wurden die drei Herberzhäuser gebaut, die später zum Rathaus, zur Apotheke und zum Amtsgericht, letzteres wieder später zur Stadtbücherei werden sollten. 1829 wurde die Spedition Theodor Müncker gegründet, 1830 die Spedition Erlenwein. 1833 feierte die Casino-Gesellschaft die Grundsteinlegung ihres Gesellschaftshauses am Rhein. Im Jahr 1845 zählte Uerdingen 2988 Einwohner.