Wehnde ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Eichsfeld. Sie gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Lindenberg/Eichsfeld.

Lage mini|links|Blick von der Wehnder Warte über Wehnde Wehnde liegt etwa 7 Kilometer nordöstlich von Worbis auf einer Hochebene im Eichsfeld am Rande des Ohmgebirges. Die Umgebung ist geprägt durch Wälder, Wiesen und Äcker. Die nordwestliche Gemarkungsgrenze bildet auch die niedersächsisch-thüringischen Landesgrenze.

Nachbargemeinden sind Ecklingerode im Norden, Brehme im Nordosten, Tastungen im Süden und Teistungen im Westen.

Am Ortsrand gibt es mehrere kleine Quellen, wie die Reese und die Lindenbeek. Die höchste Erhebung ist der Trogberg (502,9 m) im südöstlichen Gemeindegebiet, weitere Berge sind die Nonnecke (), Auf der Höchte () und der Thomasberg (ca. ) im Duderstädter Wald.

Geschichte mini|Blick zur Kirche St. Ursula Wehnde wurde 1238 erstmals urkundlich als Winedhe erwähnt. 1281 übergibt Rudolf von Bodenstein mit Genehmigung des Grafen Albert von Gleichenstein das Patronatsrecht der Kirche in Winedhe an das Kloster Teistungenburg. Eckard von Bodenstein (1304–1315) und Albert von Bodenstein (1316) veräußern Güter in Wehnde an das Kloster. Der Zehnte stand dem Martinsstift in Heiligenstadt zu. 1358 verkauft Dietrich von Rusteberg und 1389 Otto von Rusteberg Besitz in Wehnde an die Stadt Duderstadt.Wehnde. In: Eichsfelder Heimatstimmen, 1987, 31. Jahrgang, S. 149, Duderstadt.

Wehnde gehörte von 1573 bis zur Säkularisation 1802 zu Kurmainz und war eines der fünf Gerichtsdörfer derer von Wintzingerode auf dem Bodenstein. 1623 wurde Wehnde durch Christian von Braunschweig zerstört. 1802 bis 1807 wurde der Ort preußisch und kam dann zum Königreich Westphalen. Von 1815 bis 1944 war er Teil der preußischen Provinz Sachsen.

1942 mussten 17 ausländische Zwangsarbeiter bei Bauernhöfen des Ortes arbeiten.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): [Wehnde]. Band 8. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 45. 1945 kam der Ort zur sowjetischen Besatzungszone und war ab 1949 Teil der DDR. Im selben Jahr wurde nach einer Vereinbarung zwischen den sowjetischen und englischen Besatzungsmächten der Grenzverlauf zwischen den ehemaligen preußischen Provinzen Sachsen (heute Thüringen) und Hannover (ehemals Königreich Hannover und heute Niedersachsen) korrigiert und der Duderstädter Wald wurde der Gemarkung Wehnde zugeschlagen. Ab 1945 wurde Friedrich Wilhelm Freiherr von Wintzingerode-Knorr enteignet, die Familie floh nach Westdeutschland und 1948 wurde aufgrund von Befehl 209 der SMAD das Herrenhaus des Gutes gesprengt. Von 1961 bis zur Wende und Wiedervereinigung 1989/1990 wurde Wehnde von der Sperrung der nahen innerdeutschen Grenze beeinträchtigt. Seit 1990 gehört der Ort zum wieder gegründeten Bundesland Thüringen.

Wehnder Warte mini|hochkant|Die Wehnder Warte

An der Straße von Tastungen nach Wehnde am Fuße des Trogberges befindet sich auf einer Höhe von die Wehnder Warte, auch Feuerhakenwarte genannt. Wann die Wehnder Warte gebaut wurde, ist nicht genau bekannt. Der Name Feuerhakenwarte und ein in einem Stein eingemeißelter Feuerhaken deuten auf eine Verbindung zur Adelsfamilie von Wintzingerode. 1496 ließ Duderstadt Steine zur neuen Warte fahren, 1520 wurde nochmals die neue Warte bei Wehnde erwähnt. Im Jahr 1532 wurde der Turmwächter Hermann Furhake auf der Warte genannt.Thomas Müller: Die „nyge warde by Wende“ – eine Untersuchung der älteren Geschichte der Feuerhakenwarte bei Wehnde. In: Eichsfelder Heimatstimmen, 1997, 41. Jg., S. 58–61 Der Turm aus Bruchsteinmauerwerk ist noch gut erhalten und wurde Mitte der 1990er Jahre aufwendig restauriert.Wehnder Warte. warttuerme.de Über eine Außentreppe ist der ehemalige Turmeingang zu erreichen und man gelangt weiter über die Innentreppe zu einer Aussichtsplattform. Von hier hat man eine weite Aussicht über das südliche Untereichsfeld bis zu den Göttinger Gleichen und zum Oberharz mit dem Brocken.

Rittergut Wehnde mini|Gut Wehnde um 1860, Sammlung Alexander Duncker Das Gut war Stammsitz der Familie von Wintzingerode und später der Freiherren von Wintzingerode-Knorr, die den Ort als zur Burg Bodenstein gehörig innehatten. Das schlossartige Herrenhaus wurde Ende des 17. Jahrhunderts von Georg Friedrich von Wintzingerode errichtet, über dem Eingang wurde ein Doppelwappen des Erbausers und seiner Ehefrau Ursula Dorothea von Hanstein angebracht. Im 19. Jahrhundert wurde es saniert und ein Obergeschoß aufgesetzt. Zum Gut gehörten große landwirtschaftlich genutzte Ländereien, Wälder und das Vorwerk Oberwildungen. Letzte Besitzerin war Gisela von Wintzingerode-Knorr.Thomas Bienert: Mit schönem Garten präsentierte sich einst das Herrenhaus in Wehnde. In: Eichsfelder Heimatzeitschrift, 2011, Heft 12, S. 441–442

1945 fiel das Rittergut unter die Bodenreform und wurde enteignet, die Ländereien wurden auf Neubauern und bäuerliche Kleinbetriebe aufgeteilt. Das Herrenhaus wurde schließlich 1946 abgerissen.Volker Große, Gunter Römer: Verlorene Kulturstätten im Eichsfeld 1945 bis 1989. Eine Dokumentation. Eichsfeld Verlag, Heilbad Heiligenstadt 2006, S. 209

Wappen Blasonierung: „In Blau auf einem silbernen Berg einen silbernen gemauerten Turm; der Berg ist mit zwei grünen Eichenblättern sturzsparrenweise belegt.“

Der heraldisch stilisierte Turm symbolisiert die in unmittelbarer Ortsnähe befindliche Wehnder Warte. Die beiden Eichenblätter im silbernen Hügel weisen auf die Zugehörigkeit zum Eichsfeld und zudem auf die alte Eiche beim ehemaligen Gutshof hin.

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember): 1994: 379 1995: 386 1996: 402 1997: 395 1998: 391 1999: 389 2000: 404 2001: 406 2002: 402 2003: 407 2004: 414 2005: 394 2006: 393 2007: 395 2008: 389 2009: 381 2010: 376 2011: 372 2012: 365 2013: 374 2014: 384 2015: 394 2016: 390 2017: 382 2018: 387 2019: 379 2020: 371 2021: 374 2022: 375 2023: 373 2024: 359 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Wehnde setzt sich aus sechs Gemeinderatsmitgliedern zusammen. FWG Wehnde: 6 Sitze

(Stand: Kommunalwahl Mai 2024)

Bürgermeister Ehrenamtliche Bürgermeisterin ist Monique Heidenreich (Freie Wählergemeinschaft Wehnde) Sie wurde am 12. Juni 2022 für 6 Jahre gewählt.

Partnergemeinden Vyšná Slaná (Slowakei), seit dem 14. September 2001

Sehenswürdigkeiten Wehnder Warte aus dem Jahr 1430 mit Aussichtsmöglichkeit über das Untereichsfeld bis zum Harz. Sie war Teil der Duderstädter Landwehr mit 16 Warttürmen um Duderstadt. Evangelische Kirche St. Ursula aus den Jahren 1664 bis 1694 West-Östliches Tor auf dem Kutschenberg an der Landesgrenze nach Niedersachsen Wanderrouten zum Stausee Glockengraben, zum Lindenberg und ins Ohmgebirge

Verkehr Wehnde liegt zwei Kilometer nordöstlich der Bundesstraße 247 und ist verkehrsmäßig über die Landesstraße 2017 angeschlossen, über die man auch den nächsten Bahnhof Leinefelde an der Bahnstrecke Halle–Hann. Münden, 11 km südlich von Wehnde, erreicht.

Literatur Helmut Godehardt: Einige Bemerkungen zum Patronatsrecht und zur Seelsorge in den einstigen Bodensteiner Gerichtsdörfern Tastungen und Wehnde. In: EJb, 2005, 13, S. 23–35. Johann Freitag: Im Schritt der Zeit – unsere eichsfeldische Heimat. Die Wehnder Warte. In: Eichsfelder Heimatzeitschrift, 61. Jg., Heft 5, S. 141.

Wehnde. In: Ulrich Harteisen, Ansgar Hoppe, Hansjörg Küster, Torsten W. Müller, Haik Thomas Porada, Gerold Wucherpfennig (Hg.): Das Eichsfeld. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme (Landschaften in Deutschland, Bd. 79). Verlag Böhlau, Wien, Köln, Weimar 2018, S. 241 f.

Weblinks

Wehnde. Verwaltungsgemeinschaft; lindenberg-eichsfeld.de

Einzelnachweise

Kategorie:Ersterwähnung 1238 Kategorie:Ort im Eichsfeld Kategorie:Ort im Landkreis Eichsfeld