mini|Talos mit einem Stein bewaffnet. Silberne Münze (Didrachme) von Phaistos auf Kreta. Vorderseite, ca. 300/280–270 v. Chr. Talos (Pausanias 7,4,8 oder ,Bibliotheke des Apollodor 1,9,26,3 manchmal auch oder , lateinisch TalusPomponius Mela, De chorographia 2,112) ist eine Gestalt der griechischen Mythologie. Als kretischer Heros war er je nach Quelle der Letzte des Ehernen Geschlechts,Apollonios Rhodios, Argonautika 4,1641–1642; Bibliotheke des Apollodor 1,9,26,3 ein Sohn des Kres,Pausanias 8,53,5 ein Sohn des OinopionPausanias 7,4,8 oder eine Schöpfung des Hephaistos.Bibliotheke des Apollodor 1,9,26,3
Mythos Talos ist ein eherner (bronzener) Riese, den ein vom Kopf bis zur Ferse reichender „Blutkanal“ lebendig hält.Apollonios Rhodios, Argonautika 4,1646–1647; Bibliotheke des Apollodor 1,9,26,3 Er soll entweder von Zeus zum Schutz der Insel auf Kreta stationiertApollonios Rhodios, Argonautika 4,1641–1643; Bibliotheke des Apollodor 1,9,26,4 oder dem Minos von Hephaistos zum Geschenk gemacht worden sein.Bibliotheke des Apollodor 1,9,26,3 Talos umkreiste die Insel dreimal täglichApollonios Rhodios, Argonautika 4,1644; Bibliotheke des Apollodor 1,9,26,4 und warf Steine auf Schiffe, die sich näherten.Bibliotheke des Apollodor 1,9,26,4 Landete dennoch jemand, erhitzte sich der Riese bis zur Glut. Ließ sich der Angreifer auch davon nicht abschrecken, verbrannte ihn Talos, indem er ihn umarmte.Eustathios von Thessalonike, Kommentar zur Odyssee, pagina 1893
Die auf ihrer Heimfahrt befindlichen Argonauten wussten sich schließlich zu helfen. Medea betörte ihn, indem sie ihm Unsterblichkeit versprach; dann zog sie ihm den „Nagel“ (den verschließenden Pfropfen) aus der Ferse,Bibliotheke des Apollodor 1,9,26,5 woraufhin das Blut herausfloss und der Riese starb. In anderen Versionen verletzte er sich am KnöchelApollonios Rhodios, Argonautika 4,1679–1680 bzw. wurde von Poias mit einem Pfeil an der Ferse getroffen.Bibliotheke des Apollodor 1,9,26,5
In einer weiteren Version ist Talos kein Riese, sondern neben Rhadamanthys ein Wächter über die Einhaltung der Gesetze auf Kreta.Pseudo-Platon, Minos 320 c In dieser Funktion besucht er die Dörfer Kretas dreimal im Jahr; da die Gesetze auf ehernen Tafeln aufgeschrieben waren, wurde Talos selbst „der Eherne“ genannt.
Deutungen Nach Meinung einiger Forscher ist Talos eine mythologische Personifikation der Minoischen Eruption des Inselvulkans Thera im 17./16. Jahrhundert v. Chr.Vgl. Günther Kehnscherper: Santorin. Traditionsgeschichtliche Untersuchungen über Erinnerungen an die Santorinkatastrophe in der Offenbarung des Johannes Kap. 6, 12–15; 8, 5–12 und 9, 2–10. Dissertation, Leipzig 1965, S. ?. Eine andere umstrittene Interpretation des Talos-Mythos stammt von Robert Graves, der ihn als Fehlinterpretation eines Bildes begreift, welches Athene bei Demonstration des Wachsausschmelzverfahrens zeigt.Robert Graves: The Greek Myths. 1955, ISBN 3-499-55404-6, S. ?.
Trivia Nach Talos wurde der Talos Dome in Antarktika benannt, ebenso der Apollo-Asteroid (5786) Talos, das Computerspiel The Talos Principle sowie der Flugabwehr-Lenkflugkörper RIM-8 Talos der US-Navy aus der Zeit des Kalten Krieges. In der Computerspielreihe The Elder Scrolls repräsentiert er Tiber Septim, nachdem dieser zum Gott aufgestiegen ist, und zu Talos dem „Heldengott“ der Menschen wurde.
Literatur
Richard Hennig: Altgriechische Sagengestalten als Personifikation von Erdfeuern und vulkanischen Vorgängen. In: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts. Bd. 54, 1939, S. 230–246. J. Schoo: Vulkanische und seismische Aktivität des ägäischen Meeresbeckens im Spiegel der griechischen Mythologie. In: Mnemosyne. 3. Serie. Bd. 4, Heft 4, 1937, S. 257–294.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Kreatur der griechischen Mythologie Kategorie:Riese (Mythologie) Kategorie:Hephaistos Kategorie:Gestalt der griechischen Mythologie als Namensgeber für einen Asteroiden