Die Mittelstadt Borken (westfälisch Buorken) liegt im westlichen Münsterland im Nordwesten des Landes Nordrhein-Westfalen und ist eine Mittlere kreisangehörige Stadt im Kreis Borken (Regierungsbezirk Münster) sowie dessen Kreisstadt. Borken ist nach Bocholt und Gronau die drittgrößte Stadt im Kreis.

Geografie Lage Borken gehört landschaftlich zur Westfälischen Bucht. Die Stadt, die direkt am Nordwestrand des Naturparks Hohe Mark-Westmünsterland und westlich des Höhenzugs Die Berge liegt, wird von der Borkener und Bocholter Aa durchflossen.

Nachbargemeinden

Bevölkerung

mini|Marktplatz mit Kirchturm von St. Remigius Die Stadt Borken hat 42.629 Einwohner (31. Dezember 2019), bei einer Bevölkerungsdichte von 279 Einwohnern pro km². Der Landesdurchschnitt in NRW liegt bei 526 Einwohnern pro km².

Stadtgliederung Als Folge von Eingemeindungen im Jahr 1969 entstanden aus vorher selbstständigen Gemeinden zwölf Stadtteile Borkens.

Das Amt Gemen-Weseke mit der Stadt Gemen und der Gemeinde Weseke wurde in die Stadtteile Gemen, Kirchspiel Gemen und Weseke überführt. Das Amt Marbeck-Raesfeld wurde aufgelöst. Raesfeld und Homer wurden zur neuen Gemeinde Raesfeld zusammengeschlossen, während die übrigen Gemeinden in die Stadtteile Marbeck, Hoxfeld, Grütlohn, Rhedebrügge, Burlo/Borkenwirthe und Westenborken überführt wurden.

Stadtteile (teilweise zusammengefasst) Einwohner Stadtteilkarte Borken (Hauptort) 20107 alt=|zentriert|hochkant|rahmenlos Gemen und das Kirchspiel Gemen 7466 Weseke 4968 Burlo/Borkenwirthe 3577 Grütlohn, Hoxfeld, Rhedebrügge und Westenborken 2762 Marbeck 2463

Geschichte mini|hochkant|Burg Gemen im gleichnamigen Stadtteil Mittelalter Bereits um 800 wurde die damalige Hofansammlung „Burg“ oder „Burk“ von Karl dem Großen als Lager auf seinen Reisen genutzt. Der Name stammt auch aus dieser Zeit und ist eine Entwicklung über Burke, Burken zu Borken. Im Jahre 1226 erfolgte die urkundliche Verleihung der Stadtrechte durch Bischof Dietrich III. von Isenberg (auch Fürstbischof Dietrich III. von Münster). Ab 1309 nahm die Stadt Borken an den Landtagen des Hochstifts Münster teil.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 80. Die Stadtbefestigung aus Stadtmauern und Türmen wurde erstmals 1391 erwähnt.

Neuzeit Mit der am 19. Oktober 1765 im Kloster Mariengarden geschlossenen Burloer Konvention wurde der bis dahin umstrittene Grenzverlauf zwischen der niederländischen Provinz Gelderland und dem Hochstift Münster verbindlich geregelt und blieb seitdem unverändert.

Von 1803 bis 1810 gehörte Borken zum Fürstentum Salm, ab 1810 zum französischen Kaiserreich. Im Zuge der Befreiungskriege vertrieben preußische Truppen der Nordarmee unter dem Kommando von Adolf Friedrich von Oppen die französischen Truppen, die nach der Völkerschlacht bei Leipzig nach Westen flohen, und rückten am 18. November 1813 in Borken ein.Johann Sporschil: Geschichte des Krieges des verbündeten Europas gegen Napoleon Bonaparte in den Jahren 1813, 1814 und 1815, Bd. 1: Der Feldzug von 1813, Teilband 3. Westermann, Braunschweig 1841, S. 1119. Beim Wiener Kongress 1815 wurde Borken auch völkerrechtlich dem Königreich Preußen zugeordnet und kam zur Provinz Westfalen. Am 10. August 1816 wurde Borken der Verwaltungssitz des damals neugebildeten Kreises Borken. 1843 zählte Borken 2845 Einwohner. Infolge der Industrialisierung stieg die Einwohnerzahl bis 1905 auf 4769.Stephanie Reekers, Johanna Schulz: Die Bevölkerung in den Gemeinden Westfalens 1818–1950. Ardey-Verlag, Dortmund 1952, S. 19–20.

Von 1880 bis 1905 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz (1880 Strecke Wanne – Borken – Winterswijk, 1901 Empel – Bocholt – Borken und Borken – Burgsteinfurt, 1905 Borken – Coesfeld – Münster).

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der historische Stadtkern Borkens bei Bombenangriffen zu 90 % zerstört, vor allem durch die Bombardements vom 21. bis zum 23. März 1945.Norbert Fasse: Vor 75 Jahren: Das Kriegsende in Borken. In: Franziska Wensing, Markus Lask (Red.) … Zurückgeblickt. Borken im Jahr 2020. Stadt Borken, Borken 2021, S. 244–248, hier S. 247. Am Gründonnerstag (29. März 1945) besetzte die British Army Borken.Norbert Fasse: Vor 75 Jahren: Das Kriegsende in Borken. In: Franziska Wensing, Markus Lask (Red.) … Zurückgeblickt. Borken im Jahr 2020. Stadt Borken, Borken 2021, S. 244–248, hier S. 245. Am 23. April 1945 wurde in der unzerstörten Villa der Familie Gans eine Abteilung des 906 Detachment Military Government als Militärregierung für Stadt und Kreis Borken eingerichtet.Johannes Stinner: Das Kriegsende 1945 im Westmünsterland. In: Westmünsterland. Jahrbuch des Kreises Borken, Jg. 1995, S. 13–23, hier S. 15–16.

Von 1975 bis 1978 wurde die südliche Altstadt umfassend saniert und neu gestaltet. Hierbei wurden die letzten Reste der historischen Bebauung, die den Zweiten Weltkrieg überdauert hatten, abgebrochen. Im Jahre 2001 feierte Borken sein 775-jähriges Bestehen. Borken gehörte 2012 zu den wenigen Städten in Deutschland, die keine eigenen Schulden hatten.WDR: Stadt Borken wird schuldenfrei: Der lange Weg zur Schuldenfreiheit

Eingemeindungen Im Zuge der kommunalen Neugliederung erfolgte am 1. Juli 1969 die Eingemeindung Gemens und der bis dahin selbständigen Gemeinden Borkenwirthe, Kirchspiel Gemen, Grütlohn, Hoxfeld, Marbeck, Rhedebrügge, Weseke und Westenborken.

Ausgliederungen Am 1. Januar 1975 wurde ein kleines Teilgebiet aus der vormaligen Gemeinde Marbeck mit damals etwa 240 Einwohnern an die Nachbargemeinde Heiden abgetreten.

Politik

Stadtrat Die 38 Sitze im Stadtrat verteilen sich nach den Ergebnissen der Kommunalwahl 2020 folgendermaßen auf die Parteien (Zur Information die Ergebnisse der Wahlen 2009 und 2014):

Partei Sitze Stimmenanteil 2009 2014 2020 2009 2014 2020 Christlich Demokratische Union 16 20 20 42,2 % 50,6 % 52,3 % Sozialdemokratische Partei Deutschlands 10 8 6 24,5 % 21,8 % 16,1 % Bündnis 90/Die Grünen 3 4 5 8,7 % 10,1 % 14,0 % Freie Demokratische Partei 4 1 2 10,2 % 4,1 % 4,1 % UWG 4 4 4 11,4 % 10,7 % 10,2 % AfD – – 1 – – 2,3 % FWB 1 1 – 3,2 % 2,8 % –

Wappen und Banner

Der Stadt ist mit Urkunde der Bezirksregierung Münster vom 22. April 1970 das Recht zur Führung eines Wappens und einer Flagge (Banner) verliehen worden.

Wappen Blasonierung: „In Silber (Weiß) aus dem Schildfuß wachsend eine runde schwarzgefugte rote Befestigung mit umlaufender Zinnenmauer, darin ein romanischer Rundbogen mit Schlussstein, zwei silbernen (weißen) Rundbogenportale umschließend, überragt von drei Rundtürmen, die Flankentürme mit vorkragendem dreizinnigem Abschluss und schwarzem Doppelfenster darunter, der mittige Turm größer mit vierpassförmiger silberner (weißer) Fensterrose unter dem facettierten Kuppeldach mit aufliegender Turmkugel.“

In früheren Wappendarstellungen des 20. Jahrhunderts erschien das Kuppeldach grün, andere Versionen zeigen das Wappenbild in nicht-perspektivischer Form. Erteilung 24. Juni 1910 und 22. April 1970. Eine weitere Version weist das Wappen mit einer Schildkrone aus einer von drei Zinnentürmen überragten Zinnenmauer mit Portal als Stadtwappen aus.

Das Wappen geht auf das älteste Stadtsiegel (ältester Abdruck von 1263) zurückngw.nl: , das, ohne Zinnenmauerkranz, die Flankentürme mit Spitzdächern und den mittleren mit Flachkegeldach und Zinnen zeigt. Als Wappenbild erschien es erstmals 1578, aufgenommen in die Schützenkette des St.-Johanni-Bürgerschützenvereins. In dieser Zeit wurde der Mauerring hinzugefügt. Es wird als redendes Wappen „Burg – Burk – Borken“ verstanden, obgleich der Name mehr als 500 Jahre bevor der Errichtung der Stadtbefestigung bestand. Herkunft und Bedeutung der Farben ist nicht bekannt.

Banner Beschreibung des Banners: „Banner in drei Streifen im Verhältnis 3 : 5 : 3 von Rot zu Weiß zu Rot längsgestreift; zeigt auf der weißen Bahn etwas über die Mitte nach oben verschoben das Stadtwappen ohne Schild.“

Städtepartnerschaften Albertslund (Dänemark) Bolków (Polen) Grabow (Deutschland) Mölndal (Schweden) Říčany (Tschechien) Whitstable (Vereinigtes Königreich). 1987 wurden die Partnerschaften mit Albertslund in Dänemark und mit Whitstable in England begründet. Da Albertslund zu diesem Zeitpunkt schon eine Städtepartnerschaft mit Mölndal in Schweden und mit Grabow in Mecklenburg-Vorpommern hatte, ist Borken auch mit diesen beiden Städten in Kontakt getreten. Bolków in Polen ist durch Einwohner des ehemals Bolkenhain genannten Ortes initiiert worden, die nach 1945 in Borken eine zweite Heimat gefunden haben. Als Borken im September 1997 das 10-jährige Partnerschaftsjubiläum mit Albertslund und Whitstable feierte, wurde die Gründung einer Ringpartnerschaft erörtert und diese mit Bolków und Mölndal beschlossen. Gleichzeitig hat Borken mit Grabow einen Freundschaftsvertrag vereinbart. Die Erweiterungsurkunde mit der tschechischen Stadt Řičany wurde am 8. September 2017 unterzeichnet.

Weil Borken sich im Rahmen der Städtepartnerschaften in besonderer Weise um die europäische Einigung und die Umsetzung des Europagedankens verdient gemacht hat, wurden ihr folgende Auszeichnungen, teilweise als Europapreis verliehen: 1996 Die goldenen Sterne der Partnerschaft („Les Etoiles d’Or du Jumelage“) 1997 Europadiplom 1998 Ehrenfahne 1998 Europamedaille des Institutes für europäische Partnerschaften und Internationale Zusammenarbeit (IPZ) 2007 Ehrenplakette Die NRW-Landesregierung hat die Stadt Borken 2019 für ihr Europa-Engagement als „Europaaktive Kommune“ ausgezeichnet. Die Urkunden wurden durch Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner im Namen des Ministerpräsidenten am 4. November 2019 verliehen.

Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Propsteikirche Sankt Remigius (vor Umgestaltung des Kirchplatzes 2016) mini|Heilig-Geist-Kirche und altes Rathaus am Marktplatz mini|hochkant|Stadtsanierung 1976–1979: Haus Kornmarkt 4 (ehem. Vennestraße 1) mini|Das Zaunsche Haus an der Remigiusstraße wurde wohl um 1600 errichtet und im 19. Jahrhundert verändert mini|Haus An der alten Windmühle 1 mit dem Rest des Vennetores mini|hochkant|Kuhmturm, Rest der Stadtbefestigung mini|Profanierte Josefskirche Borken, heute VHS und Jugendzentrum Die Sehenswürdigkeiten der Stadtteile werden jeweils dort aufgeführt.

Bauwerke

Kirchen In Borken befinden sich mehrere Kirchen.

Davon ist die mit Abstand älteste die Propsteikirche St. Remigius, die etwa 1160 erbaut wurde. Sie befindet sich an der Papenstegge 10. Südöstlich der Propsteikirche befindet sich inmitten einer Grünanlage die ehemalige Dechanei (heute katholisches Propsteipfarramt). Der zweigeschossige verputzte Backsteinbau wurde 1769 erbaut.

Zweitälteste Kirche in religiöser Funktion ist die Johanneskirche, die etwa 1700 errichtet wurde und innen über eine barocke Ausstattung verfügt.

Des Weiteren existieren einige Kirchen, die nicht mehr ihre ursprüngliche Funktion einnehmen:

Das Gebäudeensemble Heilig-Geist-Kirche und Altes Rathaus sind zum Forum Altes Rathaus Borken, abgekürzt FARB, geworden.FARB Forum Altes Rathaus Borken, auf de.nordrhein-ruhr.info, abgerufen am 7. März 2022 Das FARB ist die neue kulturelle Mitte und das Museum der Stadt Borken. Nach einem mehrjährigen Umbau hat es im Sommer 2020 erstmals seine Türen geöffnet. Dieses Projekt entstand mit Hilfe des Strukturförderprogrammes des Landes Nordrhein-Westfalen. Die frühere Gastkirche des Hospitals zum Heiligen Geist wurde 1809 profaniert. Es handelt sich um eine um 1380/90 erbaute Backstein-Saalkirche mit Dachreiter. Die Nord- und Südseite mit ihren Blendarkaden und Rautenmustern sind als Schaugiebel konzipiert. Diese sind im Westmünsterland einzigartig. Im Zweiten Weltkrieg vollständig ausgebrannt, wurde das Gebäude von 1950 bis 1952 äußerlich unverändert wiederaufgebaut und in den östlich anschließenden Rathausneubau einbezogen.