mini|John Kerry (2021)rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image notpageimage|Unterschrift von John Kerry John Forbes Kerry (* 11. Dezember 1943 in Aurora, Colorado) ist ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei. Vom 1. Februar 2013 bis zum 20. Januar 2017 war Kerry der 68. Außenminister der Vereinigten Staaten. Zuvor gehörte er ab 1985 für Massachusetts dem Senat der Vereinigten Staaten an und war ab 2009 Vorsitzender des Senatsausschusses für Außenbeziehungen. 2004 unterlag Kerry als Kandidat der Demokraten bei der US-Präsidentschaftswahl dem damaligen Amtsinhaber George W. Bush. Unter Präsident Joe Biden war Kerry von dessen Amtsantritt im Januar 2021 bis März 2024 Sondergesandter des Präsidenten für das Klima.
Leben Herkunft und Jugend John Kerry kam 1943 als Sohn des US-Diplomaten Richard J. Kerry (1915–2000) und dessen Frau Rosemary Isabel Forbes (1913–2002) zur Welt. Seine Mutter entstammt dem „Ostküsten-Adel“ der Stadt Boston; die Familie seines Vaters stammt aus Bennisch im damaligen Österreichisch-Schlesien. Sein Großvater Fritz Kohn (1873–1921) konvertierte 1901 vom Judentum zum Katholizismus, änderte den Nachnamen von „Kohn“ in „Kerry“ und wanderte mit seiner Familie 1904 in die USA ein.Die väterlichen Vorfahren von Senator John Kerry vom 7. Oktober 2004, abgerufen am 17. Dezember 2012.
John Kerry hat zwei Schwestern, Margery (* 1941) und Diana (* 1947), sowie einen Bruder, Cameron Forbes Kerry (* 1950). Sein Vater Richard Kerry veröffentlichte 1990 das Buch Star Spangled Mirror, das sich kritisch mit der US-Außenpolitik im 20. Jahrhundert auseinandersetzt.
Aufgrund des Berufes seines Vaters verbrachte John Kerry einen Großteil seiner Jugend in Europa. Unter anderem lebte er zwischen 1954 und 1956 abwechselnd in Berlin und in dem Internat Institut Montana auf dem Zugerberg in der Schweiz.Florian Kain: Wie das Nachkriegs-Berlin John Kerrys Kindheit prägte - Berliner Morgenpost 2013 In dieser Zeit hat er Deutsch gelernt; ein wenig beherrscht er die Sprache immer noch. Außerdem spricht er fließend Französisch und durch einen Aufenthalt seines Vaters in Norwegen auch Norwegisch; zudem kann er etwas Italienisch.John Kerry wird für sein Norwegisch gelobt. In: Frankfurter Rundschau vom 14. März 2013
Familie Am 23. Mai 1970 heiratete Kerry Julia Stimson Thorne (1944–2006), die Tochter des US-Diplomaten und Verlegers Landon Ketchum Thorne, Jr. und dessen Frau Alice Smith Barry. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor: Alexandra Forbes Kerry (* 5. September 1973) und Vanessa Bradford Kerry (* 31. Dezember 1976). Die Ehe wurde 1988 geschieden; im April 2006 starb Julia, die sich als Autorin und Verlegerin einen Namen gemacht hatte, an Krebs.
mini|Teresa Heinz mit John Kerry (2004) Seit dem 26. Mai 1995 ist er in zweiter Ehe mit der fünf Jahre älteren Teresa Heinz verheiratet, der Witwe des republikanischen Senators Henry John Heinz III. Dieser war ein Erbe des Ketchupfabrikanten Henry John Heinz. Sie brachte drei Söhne mit in die Ehe. Ihr Vermögen wird auf ungefähr 500 Millionen bis eine Milliarde US-Dollar geschätzt. Die Beteiligung seiner Frau an der H. J. Heinz Company liegt jedoch unter vier Prozent.
Ausbildung Kerry absolvierte ein Studium der politischen Wissenschaften an der Yale University. Er ist Mitglied der studentischen Verbindung Skull & Bones. Kerry meldete sich 1966 freiwillig zum Dienst in der US Navy, wo er eine Offiziersausbildung absolvierte. In seiner Freizeit spielte Kerry Eishockey.
Nach seinem Einsatz im Vietnamkrieg begann Kerry 1973 Jura an der Boston College Law School zu studieren und erhielt 1976 den akademischen Grad Juris Doctor.
Karriere Vietnamkrieg Nach seinem ersten Einsatz 1968 auf der Fregatte USS Gridley (DLG-21) im Südchinesischen Meer meldete er sich freiwillig zur Verwendung im Vietnamkrieg und wurde im Februar 1969 Kommandant eines „swift boat“, eines schnellen Patrouillenboots. Er nahm mit dem ihm unterstellten „Swift Boat #94“ an zahlreichen militärischen Operationen teil; unter anderem wurde er mit dem Silver Star, dem Bronze Star und drei Purple Hearts (letztere für drei Verwundungen) ausgezeichnet. Bereits im April 1969 verließ er Vietnam wieder, seine aktive Dienstzeit endete 1970.
Noch heute befinden sich in seinem Oberschenkel Splitter von der Explosion einer Panzerfaust, die von einem Vietcong im Februar 1969 auf das Boot abgefeuert wurde.Zeitungsartikel "Die Geister von Vietnam" in: Süddeutsche Zeitung, 12./13. Januar 2013, Feuilleton, Seite 13 Kerry wurde mit dem Silver Star ausgezeichnet, als er nach Beschuss durch Raketen das Boot verließ, um den Schützen am Ufer zu stellen. 2017 besuchte Kerry in seiner letzten Reise als Außenminister noch einmal die Stelle, an der er den Schützen getötet hatte. Kerry unterhielt sich dort mit einem ehemaligen Vietcong, Vo Ban Tam, der an dem Gefecht teilgenommen hatte und den getöteten Raketenschützen als den damals 24-jährigen Vietcong Ba Thanh identifizierte.
Durch seinen Einsatz in Vietnam wurde Kerry zum Kriegsgegner. Er organisierte mehrere Demonstrationen gegen den Krieg, an denen vor allem Kriegsveteranen teilnahmen, und war Sprecher der Vietnam Veterans against War (VVAW). Um diese Demonstrationen zu finanzieren, nahm Kerry Spenden von reichen Kriegsgegnern entgegen. Als im Februar 2004 seine Chancen stiegen, Präsidentschaftskandidat der Demokraten zu werden, versuchten seine Gegner, diese Aktivitäten gegen ihn zu verwenden.
Kerry erlangte 1971 erstmals plötzliche Berühmtheit, als er nach seiner Rückkehr aus Vietnam am 22. April eine leidenschaftliche Rede gegen den Krieg hielt, in der er vor dem Senatsausschuss für auswärtige Beziehungen (United States Senate Committee on Foreign Relations) die US-Armee schwerer und systematischer Kriegsverbrechen beschuldigte, die von allen militärischen Ebenen begangen, geduldet oder sogar befohlen worden seien.Vgl. dazu Alex Barnett: Words That Changed America: Great Speeches That Inspired, Challenged, Healed, And Enlightened. Lyons, Guilford 2006, ISBN 978-1-59228-795-6, S. 296–299. Später musste er allerdings einräumen, nie selbst Zeuge solcher Kriegsverbrechen gewesen zu sein; etwa 50 angebliche Zeugen, die ihn auch bei der Ausschussanhörung begleitet hatten, konnten bei weiteren Befragungen ebenfalls keine genaueren Angaben zu Zeitpunkten, Orten oder Tätern dieser Ereignisse machen.
Einige der Mitglieder seiner damaligen Bootsbesatzung unterstützten John Kerrys Kandidatur für das Amt des Präsidenten und begleiteten ihn auf öffentlichen Auftritten; etwa 200 seiner ehemaligen Kameraden schlossen sich hingegen zu den Swift Boat Veterans for Truth zusammen. Sie warfen Kerry vor, falsche Angaben zu seinem Vietnameinsatz zu machen und einen Teil seiner Auszeichnungen zu Unrecht erhalten zu haben. Kerrys nunmehrige Kriegsgegnerschaft fassen sie zudem als „Verrat an den Kameraden“ auf.
Frühe berufliche und politische Karriere Bei den Kongresswahlen 1972 kandidierte Kerry erstmals für ein politisches Amt. Er bewarb sich um einen Sitz im US-Repräsentantenhaus für einen Wahlkreis in Massachusetts, unterlag aber seinem republikanischen Gegenkandidaten Paul W. Cronin.
Nach Beendigung seines Rechtsstudiums 1976 war er bis 1979 als Staatsanwalt in Massachusetts tätig. Kerry selbst sieht in dieser Berufserfahrung den Grund für seine pragmatische Einstellung zum Krieg gegen den Terror. 1979 eröffnete er mit einem Kollegen eine Rechtsanwaltskanzlei.
1982 zog es Kerry wieder in die Politik. Er bewarb sich um das Amt des Vizegouverneurs von Massachusetts und setzte sich in der Vorwahl der Demokraten knapp durch. Bei der Gouverneurswahl 1982 gewann das Team Dukakis/Kerry deutlich, und Kerry wurde Stellvertreter des Gouverneurs Michael Dukakis.
1992 spielte John Kerry in Folge 23 der 10. Staffel von „Cheers“ sich selbst.
Senator für Massachusetts Im November 1984 errang Kerry einen Sitz im Senat für den US-Staat Massachusetts und wurde im Januar 1985 vereidigt. In den Jahren 1990, 1996 (gegen den damaligen republikanischen Gouverneur von Massachusetts, Bill Weld), 2002 und 2008 wurde er wiedergewählt. Kerry wird von US-amerikanischen Kommentatoren oft als kleiner JFK bezeichnet. Nicht nur sind ihre Initialen gleich, auch war John F. Kennedy wie Kerry vor seinem Amtsantritt Senator für Massachusetts. Im Senat fiel Kerry vor allem durch seine Arbeit in Untersuchungskommissionen auf – insbesondere zur Iran-Contra-Affäre. Kerry arbeitete maßgeblich daran, die Aussöhnung zwischen den USA und dem ehemaligen Kriegsgegner Vietnam auf politischer Ebene in die Wege zu leiten. Er stimmte im Senat gegen den zweiten (von 1991), aber für den dritten Golfkrieg. Außerdem war er acht Jahre lang Mitglied des Geheimdienstausschusses des Senats. Seit dem 6. Januar 2009 hatte er als Nachfolger des zum US-Vizepräsidenten gewählten Joe Biden den Vorsitz im Ausschuss für Außenpolitik inne; zuvor stand er dem Ausschuss für kleine und mittlere Unternehmen vor. Ferner saß er unter anderem im Ausschuss für Handel, Wissenschaft und Verkehr sowie im Finanzausschuss.
Massachusetts gilt in der US-amerikanischen Politik als sehr liberaler, also im dortigen Sprachgebrauch als politisch linker Staat. Kerry ist für die Beschränkung des Rechts auf Waffenbesitz. Er setzt sich für die Rechte Homosexueller ein, lehnt aber eine Ehe zwischen ihnen ab. Kerry stimmte im Senat gegen das Gesetz zum Schutz der Ehe. Er war einer der sehr wenigen Senatoren, die sich für eine amerikanische Unterschrift unter das Kyoto-Protokoll einsetzten. Kerry ist Befürworter des Rechts auf Abtreibung. Er lehnt die Todesstrafe ab, außer bei terroristischen Akten, denn er habe selbst töten müssen, so Kerry.
Nach Kerrys Eintritt in das Kabinett Obama wurde eine Nachwahl um seinen Senatssitz nötig, bis zu der Mo Cowan als vom Gouverneur des Staates, Deval Patrick, ernannter Interimsnachfolger den Sitz innehatte. Die Nachwahl wurde schließlich von Ed Markey, einem langjährigen Abgeordneten der Demokraten im Repräsentantenhaus, gewonnen.
Präsidentschaftskandidatur 2004 mini|Kerry in St. Louis, 2004 mini|Unterstützung für John F. Kerry, 2004 in Arizona Bei den Vorwahlen zu den US-Präsidentschaftswahlen 2004 galt Kerry im Gegensatz zu Howard Dean, der am 18. Februar 2004 seine Kandidatur auf Grund mangelnder Zustimmung in den ersten Vorwahlen wieder zurückzog, als gemäßigter Kandidat. Für ihn sprachen sowohl seine internationale Erfahrung als auch seine persönliche Reputation als aktiver Kriegsteilnehmer. Seine Gegner im Vorwahlkampf warfen ihm vor, umfangreiche Spenden von Großunternehmen kassiert zu haben.
Nach Kerrys Erfolg bei den Vorwahlen des Super Tuesday am 2. März 2004 galt seine Präsidentschaftskandidatur als sicher. Offiziell nominiert wurde der demokratische Kandidat auf einem nationalen Parteitag in Boston Ende Juli 2004. Am 6. Juli 2004 präsentierte John Kerry in Pittsburgh auf einer Wahlkampfveranstaltung John Edwards, damaliger US-Senator für North Carolina, als seinen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten. Edwards war zuvor in der innerparteilichen Kandidatenkür sein schärfster Rivale gewesen.
Eine Umfrage zur Präsidentschaftswahl vom 7. März 2004 in Florida sah Kerry mit 49 % deutlich vor Bush, der lediglich 43 % Zustimmung erhielt.
Am 27. März 2004 wurde bekannt, dass bei einem Historiker Überwachungsprotokolle der US-Bundespolizei FBI über Aktivitäten Kerrys aus den 1970er Jahren gestohlen worden waren. Das FBI hatte den ehemaligen hoch dekorierten Vietnamkämpfer wegen seines späteren Engagements gegen den Krieg in Südostasien intensiv überwacht. Kerry selbst hatte zwar seine FBI-Akte bereits vor Jahren erhalten, doch die von dem Historiker in einem langwierigen Verfahren erstrittenen Dokumente waren mit etwa 20.000 Seiten weit umfangreicher als die Kerry bekannten.