Baesweiler [mit Dehnungs-e, gesprochen: ] ist eine mittlere regionsangehörige Stadt in der nordrhein-westfälischen Städteregion Aachen. Kurze Zeit prägte der Bergbau die Stadt und führte zu raschem Bevölkerungsanstieg.

Geografie mini|800px|Blick auf Baesweiler von der Bergehalde Carl Alexander Geologie Der Raum wird als Jülicher Börde bezeichnet und liegt in der Kölner Bucht, was eine Bodenzusammensetzung aus Löss begründet. In den Eiszeiten drangen die Gletscher bis in diese Bucht (nicht ganz bis Baesweiler) und zermahlten unter sich Gestein, das sie weit aus dem Norden herangeschafft hatten. Nach dem Abschmelzen blieb eine fruchtbare Erdschicht zurück.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind, im Uhrzeigersinn und im Norden beginnend: Geilenkirchen, Linnich, Aldenhoven, Alsdorf, Herzogenrath und Übach-Palenberg.

Stadtgliederung Baesweiler besteht seit dem 1. Januar 1972 aus folgenden Stadtteilen (Einwohner Stand: April 2024):

Baesweiler (14.289) Beggendorf (1.633) Floverich (424) Loverich (1.234) Oidtweiler (3.507) Puffendorf (473) Setterich (8.050)

Die Schreibung des Ortsnamens „Oidtweiler“ weist ein Dehnungs-i auf, das anzeigt, dass das vorausgehende o lang gesprochen wird, während das i selbst stumm ist.

Zentral gelegen ist der Hauptort Baesweiler, die anderen Stadtteile sind separat gelegene Orte, außer Oidtweiler, das in den Hauptort nahtlos übergeht. Durch extensive Ausweitung der Wohnbaufläche wachsen Setterich und Baesweiler aufeinander zu.

Geschichte mini|Denkmal für Grube Carl-Alexander auf dem Baesweiler Reyplatz, Mai 2006

Urgeschichte Archäologische Funde belegen eine jungsteinzeitliche Siedlung zwischen den Stadtteilen Baesweiler und Oidtweiler.

Römerzeit In der Römerzeit liegt Baesweiler am Kreuzungspunkt der Via Belgica, einer bedeutenden Heerstraße von Köln über Maastricht nach Boulogne, mit einer kleineren Straße in ungefährer Nord-Süd-Richtung. Römische Siedlungsspuren sind archäologisch nachgewiesen, es handelt sich um Beigaben eines Brandgrabes, die 1952 bei Ausschachtungsarbeiten entdeckt wurden. Etwa ein Kilometer westlich des Ortskerns, unmittelbar an der Bergehalde „Carl Alexander“, wurde entlang der Via Belgica ein römisches Dorf (Vicus) entdeckt. Der lateinische Name dieses Dorfes, das anscheinend in keinem siedlungsgeschichtlichen Zusammenhang mit dem mittelalterlichen Baesweiler steht, ist nicht bekannt.

Wie in der gesamten Jülich-Zülpicher Börde ist auch im Stadtgebiet von Baesweiler mit mehreren römischen Gutshöfen (Villa rustica) zu rechnen. Eine Villa Rustica zwischen Beggendorf und dem Vicus an der Via Belgica ist nachgewiesen, eine weitere nordwestlich von Beggendorf kann anhand von Oberflächenfunden vermutet werden.

Mittelalter 952: Beggendorf wird als Villa Begina bei einer Schenkung von Gütern durch Erzbischof Bruno von Köln an den Cäcilienstift urkundlich erwähnt. 13. April 1104: Oidtweiler findet als de Oidthwilre in einer Urkunde von Erzbischof Friedrich I von Köln Erwähnung. 1119: Setterich wird in einer Urkunde des Klosters Rolduc erstmals erwähnt. Da in dieser Urkunde die Kirche erwähnt wird, ist davon auszugehen, dass der Ort älter ist. 1130: Baesweiler wird zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Nach einer Schenkungsurkunde des Kollegialstifts St. Adalbert (Aachen) übertrug ein Freier namens Berolinus sein unabhängiges Gut zu Bastwilre dem Stift. Diese Schenkung wurde am 11. Mai 1222 durch den König bestätigt. 1153: Die beiden damals zusammengehörigen Orte Puffendorf und Loverich wurden als Pophendorp bzw. Loverken erstmals erwähnt. 22. August 1371: Bei Baesweiler fand die entscheidende Schlacht der Brabanter Fehde statt, in der die Truppen des Herzogs von Jülich, unterstützt vom Herzog von Geldern, gegen den Herzog von Brabant siegreich blieben.

Neuzeit 1570: Errichtung der Settericher Windmühle 1921: Am Westrand des Hauptortes wurde im Zuge der Nordwanderung des Aachener Reviers die Grube Carl Alexander eröffnet. Dies führte zu einem raschen Bevölkerungsanstieg. 1. Januar 1972: Die kommunale Gebietsreform im ehemaligen Regierungsbezirk Aachen tritt in Kraft. Aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Baesweiler, Setterich, Oidtweiler und Puffendorf entsteht die neue Gemeinde Baesweiler. Gleichzeitig werden der Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg aufgelöst und die Gemeinden des Kreises auf die Kreise Aachen, Düren und Heinsberg aufgeteilt.

14. Januar 1975: Verleihung der Stadtrechte durch Beschluss der Landesregierung

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Ortsteile der heutigen Stadt Baesweiler rein agrarisch strukturiert. Durch die Kohleförderung änderte sich das Bild. Zunächst betraf dies überwiegend den Ort Baesweiler selbst, wo im Jahr 1908 die Abteufarbeiten für die Grube Carl Alexander begannen. Bedingt durch den Ersten Weltkrieg nahm die neue Grube aber erst 1921 die Förderung auf. Dies führte zu einer sprunghaften Bevölkerungszunahme von ca. 1500 Einwohnern im Jahr 1905 auf 7400 Einwohner im Jahr 1933. Eine weitere große Bergmannssiedlung von Carl Alexander befand sich im benachbarten Boscheln. Im vier Kilometer östlich liegenden Siersdorf nahm die Grube Emil Mayrisch im Jahr 1952 die Förderung auf. Ein großer Teil der Bergleute wurde in Setterich angesiedelt, welches dadurch innerhalb eines Jahrzehnts seine Bevölkerungszahl vervierfachte.

mini|Carl-Alexander-Park-Baesweiler

Nachdem im Januar 1975 der Bergbau in Baesweiler eingestellt worden war, erinnert heute nur noch ein Denkmal am Reyplatz daran. Die Seilscheibe hat durch die Neugestaltung des Platzes einen neuen Standort erhalten. Die Betonstelen, welche einen Förderturm versinnbildlichten, sind nicht mehr vorhanden. Viele Nachfahren von Gastarbeitern verschiedener Nationalität und Kneipennamen wie Carl-Alexander erinnern an die Grube. Zudem türmen sich in der Nachbarschaft der Stadt Bergehalden auf, die begrünt wurden. Die Halde der Grube „Carl-Alexander“ ist seit Ende Mai 2008, als der „Carl-Alexander-Park“ (kurz „CAP“) eröffnet wurde, für die Öffentlichkeit zugänglichFotostrecke Carl Alexander Park. Auf dem höchsten Punkt der Halde befindet sich eine Aussichtsplattform. Über einen Turm auf dem Haldenvorgelände (mit Gastronomie, siehe Foto „Bistro CAP“), einen Schwebesteg und eine Treppenanlage ist der Gipfel der Halde zu erreichen. Es wurde ein Fahrdienst eingerichtet, der nach Anmeldung genutzt werden kann. So können auch ältere bzw. gehbehinderte Menschen die Schönheiten des Gipfelplateaus genießen.

Einwohnerentwicklung (jeweils am 31. Dezember)

1950: 13.268 1970: 24.223 1998: 26.731 1999: 27.160 2000: 27.434 2001: 27.485 2002: 27.604 2003: 27.716 2004: 27.933 2005: 27.969 2006: 28.160 2007: 28.234 2008: 27.991 2009: 27.793 2010: 27.898 2011: 27.905 2012: 26.445 2013: 26.497 2014: 26.597 2015: 26.819 2017: 26.996 2020: 27.319

Politik

Stadtrat

Die Kommunalwahl am 14. September 2025 führte zu folgendem Ergebnis:

CDU: 23 Sitze (−1) SPD: 5 Sitze (−1) AfD: 5 Sitze (+5) GRÜNE: 3 Sitze (−1) Die Linke: 1 Sitz (±0) FDP: 1 Sitz (±0)

Bürgermeister Zum Bürgermeister gewählt wurde 2020 Pierre Froesch (CDU) als Nachfolger von Willi Linkens (CDU). Er wurde bei der Wahl 2025 mit 86,2 % der Stimmen wiedergewählt.

Wappen links|120px|Stadtwappen

Wappenschild waagerecht geteilt in gold und blau, oben ein schwarzer Löwe mit roter Zunge und Bewehrung, der nach links gewendet ist. Darunter befinden sich mit den Spitzen nach unten zeigende, gekreuzte Pfeile in Silber. Das Wappen des Amtes Baesweiler wurde nach der Neugliederung 1971 für alle neu hinzugekommenen Gemeinden übernommen. Es stammt von einem Schöffensiegel aus dem Jahre 1556, der Löwe bezeichnet den Jülicher Landesherren, die Pfeile stehen symbolhaft für das örtliche Schützenwesen.

Logo Das Logo der Stadt Baesweiler zeigt den Schriftzug „Stadt Baesweiler“ mit einem freundlich schauenden Löwen (genannt „Leo“), der die Arme ausbreitet.

Städtepartnerschaften Die Stadt Baesweiler pflegt eine Städtepartnerschaft mit:Städtepartnerschaften Montesson, Frankreich seit 1990

Es finden regelmäßige Besuche statt und es gibt ein Schüleraustausch-Programm.

Von 1975 bis 2009 pflegte Baesweiler außerdem eine Städtepartnerschaft mit dem Easington (District) in Großbritannien. Aufgrund dessen Auflösung besteht keine Städtepartnerschaft mehr.

Sehenswürdigkeiten

mini|Besucherzentrum Carl-Alexander-Park

Das gesamte Gebiet der Stadt Baesweiler gehörte im Oktober und November 1944 zum Frontgebiet, doch kam es nicht zu allzu heftigen Kampfhandlungen. Dennoch sind nicht viele historische Bauten erhalten. Zudem wurden im 19. Jahrhundert im ganzen Rheinland viele mittelalterliche Kirchen durch Neubauten ersetzt und die meisten Fachwerkbauten durch Bauten aus Backstein.

Sakrale Bauten Der einzige noch existierende Kirchenbau aus mittelalterlicher Zeit ist St. Martinus im Stadtteil Oidtweiler. Die ehemalige romanische Kirche ist nun das südliche Seitenschiff.

Im 19. Jahrhundert wurden St. Laurentius in Puffendorf und St. Pankratius in Beggendorf errichtet.

Die kath. Pfarrkirche St. Petrus und die ev. Friedenskirche in Baesweiler stammen aus den 1920er Jahren, alle anderen Kirchenbauten sind Neubauten nach dem Zweiten Weltkrieg, wie zum Beispiel St. Andreas in Setterich un St. Willibrord in Loverich.

Von den vier Moscheen im Stadtgebiet ist nur die der DITIB architektonisch erwähnenswert.

Profane Bauten Einige der großen Hofanlagen in den einzelnen Ortschaften können sicherlich auf einen mittelalterlichen Ursprung zurückgeführt werden, sie wurden allerdings mehrfach umgebaut und erweitert.

Baesweiler Burg mini|Kulturzentrum Burg Baesweiler

In Baesweiler befindet sich die ehemalige Wasserburg Burg Baesweiler, die zum Teil um 1550 errichtet wurde. Von 2005 bis 2006 wurde sie zum Kulturzentrum umgebaut, welches im März 2006 seine Eröffnung hatte und mit regelmäßigen Veranstaltungen und Gastronomie das Stadtleben bereichern will.

Settericher Burg Von der Wasserburg in Setterich existiert nur noch das um 1640 errichtete Torhaus, die restlichen Gebäude wurden um 1820 abgebrochen. Heute befindet sich auf diesem Gelände ein Wohn- und Pflegeheim für Senioren, zu welchem das Torhaus die Zufahrt bildet.

mini|hochkant|Settericher Windmühle Settericher Windmühle Auf freiem Feld an der alten Römerstraße Köln-Jülich-Maastricht südöstlich von Baesweiler (Richtung Siersdorf) befindet sich die Ruine einer ehemaligen Windmühle, die 1570 von Johann von Reuschenberg zu Setterich – dem Amtmann zu Wilhelmstein und Eschweiler – errichtet wurde. Die Wahl des Standorts wurde durch die Westwinde bestimmt, die hier besonders günstig waren. Das erste Mal urkundlich erwähnt wurde die Windmühle am 3. Februar 1579 in einem Pachtvertrag zwischen Heinrich von Reuschenberg und Theodor Nobis, dem Pächter des „Kleinen Hofes“ in Siersdorf.

Die Deutung der Ruine als Wachturm des Deutschordens ist widerlegt, da das Grundstück immer zu Setterich gehörte und nie der Ordenskommende Siersdorf unterstand.

Die Mühle stellte 1912 den Betrieb ein, da sie den Dampfmühlen gegenüber nicht mehr konkurrenzfähig war. Anschließend befand sich dort für einige Jahrzehnte ein kleiner Bauernhof mit angeschlossenem Ausflugslokal. Die Mühle wurde während Kampfhandlungen im November 1944 schwer beschädigt. Im Stumpf befindet sich ein Gedenkkreuz für die um die Mühle gefallenen Soldaten.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Nach dem Wegfall des Steinkohlebergbaus in den 1970er Jahren musste Baesweiler einen wirtschaftlichen Strukturwandel durchführen, der heute abgeschlossen ist. Heute ist das Gewerbegebiet geprägt von mittelständischen Unternehmen, die vom Rolltreppenzulieferer bis zur Waschmittelproduktion reichen. Unterstützt wird dies von einem Gründerzentrum, dem its (internationales Technologie- und Servicecenter), das jungen Unternehmen Räumlichkeiten und Infrastruktur zur Verfügung stellt.