zentriert|350px|Erste Teilung Polens 1772 Die Nachbargroßmächte Russland, Preußen und Österreich einigen sich auf die erste Teilung Polens. zentriert|150px|Gustav III. von Schweden Gustav III. von Schweden putscht gegen den Adel in seinem Land. zentriert|189px|Jens Juel: Johann Friedrich Struensee (1771); Bomann-Museum, Celle Der dänische Kabinettsminister Johann Friedrich Struensee wird verhaftet und hingerichtet. 1772 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1220/21 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1764/65 (Jahreswechsel 10./11. September) Bengalischer Solarkalender 1177/78 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2315/16 (südlicher Buddhismus); 2314/15 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 74. (75.) Zyklus Jahr des Wasser-Drachen 壬辰 (am Beginn des Jahres Metall-Hase 辛卯) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1134/35 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4105/06 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1150/51 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1185/86 (3./4. April) Jüdischer Kalender 5532/33 (27./28. September) Koptischer Kalender 1488/89 (10./11. September) Malayalam-Kalender 947/948 Seleukidische Ära Babylon: 2082/83 (Jahreswechsel April) Syrien: 2083/84 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1828/29 (Jahreswechsel April)
1772 wird mit dem Vertrag von Sankt Petersburg die Erste Teilung Polens zwischen den Großmächten Russland, Preußen und Österreich besiegelt.
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Dänemark
17. Januar: Die Gattin des dänischen Königs, Caroline Mathilde, und der dänische Staatsminister Graf Johann Friedrich Struensee werden wegen Verdachts eines gegen König Christian VII. gerichteten Komplotts festgesetzt. Die Königin wird auf Schloss Kronborg verbracht, Struensee, ihr Geliebter, verhaftet. Der Minister wird am 28. April mit seinem Vertrauten Enevold von Brandt hingerichtet, die Königin verbannt.
Schweden
26. Mai: König Gustav III. von Schweden stiftet an seinem Krönungstag den Wasaorden. 19. August: Der schwedische König Gustav III. putscht mit ihm ergebenen Offizieren gegen die Adelsoligarchie. Der in einem Saal tagende Reichsrat wird eingeschlossen, die Bürgerschaft in Stockholm durch glänzende Reden des Herrschers gewonnen. Der Reichsrat akzeptiert kurz darauf eine dem König genehme Verfassung.
Heiliges Römisches Reich
mini|links|Erzbischof Colloredo 1773 Hieronymus von Colloredo, der bisherige Bischof von Gurk und Kandidat des Hauses Habsburg, wird am 14. März nach mehr als zehn Wahlgängen vom Domkapitel zum Nachfolger des im Vorjahr verstorbenen Sigismund III. Christoph von Schrattenbach zum Fürsterzbischof des Erzstifts Salzburg gewählt. Viele Salzburger hätten den Gegenkandidaten Ferdinand Christoph von Waldburg-Zeil bevorzugt, daher wird der feierliche Einzug des neuen Erzbischofs am 29. April vielfach boykottiert. Erzbischof Colloredo ist ein Verfechter von Reformen im Sinne der Aufklärung, die er nach und nach im Erzbistum durchzusetzen versucht.
Ferdinand Christoph von Waldburg-Zeil wird von Colloredo am 18. Oktober als Nachfolger des am 6. Juli verstorbenen Franz Karl Eusebius von Waldburg-Friedberg und Trauchburg zum Fürstbischof von Chiemsee ernannt.
Russisch-Türkischer Krieg und Erste Teilung Polens
17. Februar: Russland und Preußen einigen sich im Kern auf die Teilung Polens und warten auf die Billigung des Plans durch Österreich, die am 4. März erfolgt. April: Im heute rumänischen Focșani treffen sich Gesandte aus Russland und dem Osmanischen Reich zu Unterhandlungen im Russisch-Türkischen Krieg. 26. April: Die Regimenter der Konföderation von Bar auf der Krakauer Burg kapitulieren vor der russischen Armee unter Alexander Wassiljewitsch Suworow. Die Tyniec-Festung hält bis zum 13. Juli und die Festung Jasna Góra mit der Königin von Polen unter dem Kommando Kazimierz Pułaskis bis 18. August. Der vermutlich am längsten gehaltene Stützpunkt ist das Kloster Zagórz, das erst am 28. November fällt. Nach einem fünfjährigen Bürgerkrieg zwischen der Konföderation von Bar mit der anfänglichen Unterstützung Frankreichs und Österreichs auf der einen Seite und der Konföderation von Radom mit der Königlich Polnischen und der Kaiserlich Russischen Armee auf der anderen Seite siegt nach fünfjährigen Kämpfen schließlich die russische Allianz. Die Teilnehmer der Konföderation von Bar werden nach Sibirien deportiert oder können mit ihren Familien vorher noch rechtzeitig nach Westen fliehen, wo sie nach der Ersten Teilung Polen-Litauens unter preußische oder österreichische Fremdherrschaft kommen. Die Konföderation von Bar gilt als letzte Massenbewegung des polnischen Kleinadels und erster polnischer Nationalaufstand. 5. August: Der Vertrag von Sankt Petersburg besiegelt die erste Teilung Polens. Er besteht aus drei bilateralen Verträgen der Mächte Österreich, Preußen und Russland jeweils mit dem Königreich Polen-Litauen, das etwa fünf seiner vierzehn Millionen Einwohner und ein Drittel seines Staatsgebietes inklusive seiner reichsten Provinzen verliert. König Stanislaus II. August Poniatowski wird abhängig vom Ständigen Rat, den die Invasoren einberufen haben. Österreich gewinnt 2,5 Millionen Einwohner in der neuen Verwaltungseinheit Galizien und Lodomerien am Rande der Karpaten dazu. Preußen erhält Polnisch-Preußen als Westpreußen ohne Danzig und somit den räumlich geringsten, aber wirtschaftlich und strategisch wertvollsten Teil mit dem überwiegenden Teil der protestantischen Bevölkerung hinzu. Russland erhält den räumlich größten Teil mit dem überwiegenden Teil der orthodoxen Bevölkerung. 6. November: Ein russisches Geschwader von 7 Kriegsschiffen besiegt und zerstört großteils ein türkisches Geschwader im Golf von Patras.
Großbritannien und seine Kolonien
1. April: König Georg III. unterschreibt den Royal Marriages Act 1772. Dieser erklärt jede Heirat für ungültig, die Mitglieder des britischen Königshauses vor der Vollendung ihres 25. Lebensjahres ohne Zustimmung des Monarchen eingehen. Die Bestimmung gilt für alle Nachkommen von Georg II. mit Ausnahme der Nachkommen der Prinzessinnen, die in andere Familien eingeheiratet hatten. Mitglieder der königlichen Familien, die älter als 25 Jahre sind, können auch nach Ablehnung des Ehewunsches heiraten, sofern sie dem Privy Council dieses ein Jahr zuvor angezeigt haben und das Parlament es nicht untersagt. Der Royal Marriage Act erklärt es außerdem zur Straftat, eine illegale Heirat eines Mitglieds der königlichen Familie in irgendeiner Form zu unterstützen. 9. Juni: Der britische Schoner Gaspée unter Führung von William Dudingston verfolgt Schmuggler und läuft dabei in der Narragansett-Bucht vor Providence auf Grund. Das Schiff wird von einer Gruppe Unabhängigkeitskämpfer, den Sons of Liberty, geentert. Die Männer holen die Besatzung gewaltsam von Bord und setzen das Schiff in Brand. Die so gedemütigte britische Regierung bestellt eine Kommission und setzt eine Belohnung zur Ergreifung der Täter aus, die jedoch nie gefasst werden. Die sogenannte Gaspéeaffäre ist ein Vorbote der Amerikanischen Revolution. 22. Juni: Mit einem Grundsatzurteil auf eine Klage des Sklaven James Somerset erklärt der britische Court of King’s Bench unter Chief Justice William Murray, Earl of Mansfield, die Sklaverei in Großbritannien für ungesetzlich.
Asien
6. Januar: Shah Alam II., Kaiser des indischen Mogulreiches, kehrt nach mehrjährigem Exil in Allahabad mit Unterstützung der Marathen nach Delhi zurück. Mit der Hilfe des safawidischen Adligen Mirza Najaf Khan kann er die Sikhs im Punjab zurückdrängen, auf Grund finanzieller Schwierigkeiten die Herrschaft des Mogulreiches jedoch nicht über den Raum Delhi hinaus ausdehnen. 16. Oktober: Nach dem Tod von Ahmad Schah Durrani folgt ihm sein Sohn Timur Schah Durrani auf den Thron des afghanischen Durrani-Reichs. Er wird nur widerwillig von den Klanführern akzeptiert, seine Herrschaft ist von Bürgerkriegen geprägt.
Pazifik
26. September: Im Auftrag von Manuel d’Amat i de Junyent, dem Vizekönig von Peru, sticht Domingo de Boenechea von Callao aus in See, um Tahiti zu erreichen. Auf seiner Fahrt dorthin läuft er mehrere Inseln des Tuamotu-Archipels und der Gruppe der Gesellschaftsinseln an. Am 12. November ankert er mit seiner Fregatte El Águila in der Baie de Tautira auf Tahiti und tauft die Ansiedlung der Einheimischen etwas hochtrabend Santísima Cruz. Die Kontakte mit den Insulanern entwickeln sich gut. Boenechea lässt Karten zeichnen und Informationen von den Einwohnern Tahitis einholen, so erfährt er von den vorangegangenen englischen Expeditionen unter Samuel Wallis und James Cook, die hier wenige Jahre zuvor angelegt haben. Am 20. Dezember verlässt er Tahiti und macht sich auf die Heimreise.
Wirtschaft Geldwirtschaft
mini|Churfürstlich Sächsisches Cassen-Billet im Wert von 1 Taler von 1772 Mit den Churfürstlich Sächsischen Cassen Billets gibt das Kurfürstentum Sachsen als erster deutscher Staat Papiergeld heraus.
Unternehmensgründungen
2. November: Mit einer Auflage von 350 Exemplaren startet die konservative Tageszeitung The Morning Post in London.
Die private Wiener Kleine Post wird gegründet. Das Unternehmen Wilkinson Sword, britischer Hersteller von Rasierklingen, Schwertern, Essbesteck und Gartengeräten, wird von Henry Nock gegründet
Wissenschaft und Technik
Forschungsreisen
Französische Südmeerexpeditionen
13. Januar: Die Expedition Marc-Joseph Marion du Fresnes entdeckt die zu den später so genannten Prinz-Edward-Inseln gehörende Marion-Insel neuerlich. 24. Januar: Das französische Staatsgebiet vergrößert sich im Zuge der Ersten Französischen Südmeerexpedition um die Crozetinseln im Indischen Ozean. Der vom Sturm abgetriebene Kapitän Marc-Joseph Marion du Fresne geht an der größten Insel Île de la Possession an Land und nimmt sie für Frankreich in Besitz. Benannt wird die Inselgruppe nach dem Offizier Jules Crozet. 12. Februar: Die Inselgruppe der Kerguelen wird durch den französischen Seefahrer Yves Joseph de Kerguelen de Trémarec entdeckt. 25. März: Du Fresne sichtet den Mount Taranaki auf der Nordinsel Neuseelands und nennt ihn nach seinem Schiff „Pic Mascarin“, ohne zu wissen, dass James Cook den Berg auf seiner ersten Südseereise bereits „Mount Egmont“ getauft hat.
mini|Gedenkstein für du Fresne in der Bay of Islands Am 4. Mai ankern die wiedervereinten Schiffe du Fresnes in der Bay of Islands, um dringende Reparaturen durchzuführen. Die folgenden fünf Wochen verlaufen zunächst friedlich, die Kontakte mit den ansässigen entwickeln sich trotz einiger kleiner Diebstähle gut und ohne Probleme. Am 12. Juni wird jedoch eine Gruppe von Franzosen nach der Rückkehr vom Fischen unvermittelt von den angegriffen und 16 Männer, darunter du Fresne selbst, getötet und verzehrt. Da der Vorfall vom Schiff aus zunächst unbemerkt bleibt, können die am folgenden Tag weitere neun Franzosen töten. Der Grund für den plötzlichen Überfall ist nicht bekannt, möglicherweise haben die Europäer unbewusst ein verletzt. Aus Rache für die Tat brennen die Franzosen ein -Dorf nieder und töten viele der Bewohner. Der Bericht über die Ereignisse ist wesentlich verantwortlich für das Bild der „blutrünstigen, menschenfressenden Maori“, das sich für lange Zeit in Europa verfestigt. Crozet führt die Schiffe anschließend über die Philippinen nach Mauritius zurück.
James Cooks Zweite Südseereise miniatur|hochkant|Porträt von James Cook (gemalt von William Hodges) ca. 1775–76