mini|ZdK-Sitz in der Berliner Schönhauser Allee 182 (rechtes Gebäude) (2022) Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist ein Gremium der römisch-katholischen Kirche in Deutschland, das die Anliegen der Katholiken in der Öffentlichkeit vertreten, die Anliegen der katholischen Laien und ihrer Gruppierungen koordinieren und die Aufgaben der katholischen Kirche unterstützen soll. Es berät die Deutsche Bischofskonferenz in Fragen des gesellschaftlichen, staatlichen und kirchlichen Lebens und ist aus 231 Laienvertretern verschiedener Gruppierungen und Diözesen zusammengesetzt (Stand April 2024).Unsere ZdK-Mitglieder, abgerufen am 5. April 2024. Sein Sitz ist in Berlin.
Das ZdK ist Initiator und Träger des Deutschen Katholikentags. Zudem wird der in unregelmäßigen Abständen stattfindende Ökumenische Kirchentag von ZdK und dem Deutschen Evangelischen Kirchentag gemeinsam organisiert. Zusammen mit der Deutschen Bischofskonferenz trägt das ZdK die Verantwortung für den Synodalen Weg. Ein Großteil der Laien, die am Synodalen Weg teilnehmen, ist vom ZdK benannt.
Geschichte mini|Teilnehmerausweis zur Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschland im Jahr 1868 in Bamberg, als ein Central-Comité, welches aus fünf bis sieben Geistlichen und Laien bestand, ernannt wurde
Entstehung Seit 1837 hatte sich eine katholische Bewegung gegen Behördenwillkür und staatliche Reglementierung der Kirche zu sammeln begonnen, 1848 trat sie mit dem „Piusverein für religiöse Freiheit“ an die Öffentlichkeit. Bald gab es hunderte von ähnlichen Gründungen an vielen Orten. Vom 3. bis 6. Oktober 1848 trafen sich 87 Delegierte zahlreicher Piusvereine und rund weitere 100 Geistliche und Laienteilnehmer in Mainz zum ersten Katholikentag.
Schon bald entstand der Gedanke, für diese jährlich stattfindende Veranstaltung ein „Geschäftsführendes Zentralkomitee“ einzurichten. Es sollte „perpetuierlicher Mittelpunkt für das Vereinswesen“ sein. 1868 wurde dieses Gremium erstmals gewählt. Als Aufgaben des Zentralkomitees wurden 1868 genannt: Die Vorbereitung der Generalversammlungen, die Sorge für die Ausführung ihrer Beschlüsse und die Weckung sowie Förderung des katholischen Vereinslebens „sowohl durch häufige Kundgebungen in der Presse als auch durch persönlichen Verkehr“. Diesen vielfältigen Anforderungen konnte man nur durch Erweiterung des Mitgliederkreises gerecht werden. Im Jahr 1871, dem Jahr der Gründung des Deutschen Kaiserreichs, hatte das Zentralkomitee bereits 270 Mitglieder aus vielen Diözesen.
Das Engagement galt drängenden Fragen der Kirche und der Gesellschaft wie Diaspora und Mission, Freiheit des Papsttums und Bindung der katholischen Kirche in Deutschland an Rom, Caritas, Wissenschaft, Wirtschaft, Publizistik, Bildung und soziale Gerechtigkeit. Ab 1898 griffen die Katholikentage mehr und mehr neue Aufgaben in Kirche und Gesellschaft auf. Zunehmend prägte sich auch das in 50 Jahren geschulte Bewusstsein der Mitverantwortung der Laien für die Kirche aus.
Wiederholt waren Unabhängigkeit, Selbständigkeit und Gestaltungswille des Zentralkomitees den im Staat Herrschenden im Weg. Im Kulturkampf unter Bismarck und in der Zeit des Nationalsozialismus wurde es aus der Öffentlichkeit verbannt. Frauen und Männer aus seinen Reihen hielten seine Ideen und Aufgaben auch in Zeiten der Bedrängnis und Verfolgung am Leben.
Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Zweiten Weltkrieg fand 1948, 100 Jahre nach dem ersten Katholikentag, wieder ein Katholikentag in Mainz statt. Dieser 72. Deutsche Katholikentag stand unter dem Leitwort „Der Christ in der Not der Zeit“. 1952 nahm auch das Zentralkomitee mit neuem Statut und unter dem Namen Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) seine Arbeit wieder auf. Ausdrücklich im Vordergrund seiner Arbeit stand jetzt die Aufgabe, die vielfältigen Kräfte der katholischen Laienarbeit und das gesellschaftliche Wirken der Laien nach innen zu koordinieren und nach außen zu vertreten.
1963 wurde die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle Mönchengladbach als gemeinsame Arbeitsstelle von Bischofskonferenz und ZdK gegründet.
Mehrfach hat das ZdK seitdem sein Statut überarbeitet und damit auf gesellschaftliche und kirchliche Entwicklungen reagiert. So wurden in einer Statutenreform 1967 die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils berücksichtigt und wiederum 1974 die Ergebnisse der Beratungen der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, der sogenannten Würzburger Synode.
In enger Kooperation mit dem Gemeinsamen Aktionsausschuss katholischer Christen in der DDR gelang es bereits bei der Vollversammlung des ZdK im November 1990 die Vertreter der Laienarbeit aus freien Initiativen, Diözesen und Jurisdiktionsbezirken aus dem Bereich der ehemaligen DDR ins ZdK zu integrieren.Thomas Grossmann: „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ in Lexikon für Theologie und Kirche, Herder 2001, S. 1431–1432.
21. Jahrhundert Bei der Vollversammlung im Frühjahr 2013 wurde durch eine Statutenänderung der Weg für Mitglieder aus muttersprachlichen Gemeinden bereitet. Drei Mitglieder aus muttersprachlichen Gemeinden gehörten so dem ZdK ab 2013 an.Pressemeldung: ZDK um drei Mitglieder aus muttersprachlichen Gemeinden erweitert, 28. Juni 2013.
Der Sitz des Generalsekretariats des ZdK ist seit Januar 2022 in Berlin und war zuvor in Bonn-Bad Godesberg.Der Sitz im Sinne des Vereinsrechts ist Paderborn, lt. Vereinsregister des Amtsgerichts Paderborn, VR 505. In der Vollversammlung am 10. Mai 2019 beschloss man einen Umzug nach Berlin zum Jahreswechsel 2021/2022. In den Räumen in der Schönhauser Allee 182 im Stadtteil Prenzlauer Berg (der ursprünglich anvisierte Sitz Johannisstraße 4 ließ sich nicht realisieren) war bis zur Schließung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1941 das katholische Mädchengymnasium Theresienschule untergebracht, dann bis 1945 das „Hilfswerk beim Bischöflichen Ordinariat Berlin“, dessen Geschäftsführerin Margarete Sommer half, untergetauchte Juden in Berlin zu verstecken.
Name Der Name Zentralkomitee stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts: Es handelte sich um den Namen des Organisationsorgans der Katholikentage. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Lenins entstand erst später, zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Aufgaben, Selbstverständnis und Leitbild, Stellung Das ZdK soll die Aufgaben erfüllen, die sich aus dem Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über das Apostolat der Laien ergeben. Es gehört zu den Gremien, die
Nach dem Willen des Konzils üben die Laien „durch ihr Bemühen um die Evangelisierung und Heiligung der Menschen und um die Durchdringung und Vervollkommnung der zeitlichen Ordnung mit dem Geist des Evangeliums“ ein Apostolat aus. Ihr Tun ist ein offenes Zeugnis für Christus und dient dem Heil der Menschen. Die Laien verwirklichen so in Kirche und Welt ihren eigenen Anteil an der Sendung des ganzen Volkes Gottes und haben teil am priesterlichen, prophetischen und königlichen Amt Christi.Apostolicam actuositatem Nr. 2
Das ZdK hat gemäß seinem Statut (Fassung von 1974, zuletzt geändert 2013)ZdK, Statut und Geschäftsordnung die folgenden Aufgaben:
Das ZdK engagierte sich wiederholt auch bei innerkirchlichen Reformen, in denen die „Existenzfrage“ der Kirche identifiziert wird. Der vom ZdK veranstaltete Katholikentag des Jahres 2022 stand hauptsächlich unter dem Zeichen kirchlicher Veränderung in Themen wie kirchlicher Sexualmoral und geschlechtlichen Identitäten, Strukturreformen und kirchlicher Macht – Themenstellungen, die durch die Kirchenkrise infolge sexuellen und spirituellen Missbrauchs und einer anhaltenden Vertrauenskrise der Kirche als dringend angesehen werden. Im Programm des Katholikentags fanden sich zahlreiche Angebote, die reformwilligen Gläubige unterstützen und zum Bleiben in der Kirche bewegen sollten.
Das Zentralkomitee ist Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland.
Leitbild Die Vollversammlung verabschiedete am 22. November 2024 ein Leitbild, des Zentralkomitees mit folgenden Merkmalen: „Wir, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), vertreten die Anliegen der katholischen Gläubigen in Deutschland und geben ihnen eine Stimme. Aus unserem Glauben leiten wir den Auftrag ab, Kirche, Gesellschaft und Politik aktiv mitzugestalten.“ demokratisch organisiert „Unser Glaube an den menschgewordenen Gott ist die Grundlage unseres Handelns. Mit unserem Engagement geben wir Zeugnis von der Hoffnung, die uns erfüllt. .“ Grundsätze des Engagements werden aus dem Evangelium und der christlichen Tradition gewonnen. Orientierung und Wertmaßstäbe für konkretes Handeln bietet die christliche Sozialethik mit ihren Prinzipien (Personalität, Solidarität, Subsidiarität, Gemeinwohl und Nachhaltigkeit) Arbeit auf der Bundesebene, Aufgreifen von aktuellen Themen aus Gesellschaft und Kirche In transparenten, demokratischen Meinungsbildungsprozessen werden Positionen erarbeitet; dabei werden Stimmen aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Publizistik einbezogen. Dialog mit dem Judentum und dem Islam wird praktiziert und gefördert. Austausch in der Ökumene Katholikentage und Ökumenische Kirchentage sind Orte, um Positionen zu vertreten und weiterzuentwickeln Grundlage der Arbeit: die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Ergebnisse der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland und der Pastoralsynode der Katholischen Kirche in der DDR.zdk.de: Leitbild des ZdK – Beschluss der ZdK-Vollversammlung, 22. November 2024.
Verhältnis zur Deutschen Bischofskonferenz Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) erkennt das ZdK als „als Rat gemäß Nr. 26 des Konzilsdekrets über das Apostolat der Laien“ an.Geschäftsordnung der gemeinsamen Konferenz (DBK und ZdK), 22. November 1976, §1, 1, Statut und Geschäftsordnung Gegenüber der Bischofskonferenz hat das ZdK eine beratende Rolle in Fragen des gesellschaftlichen, staatlichen und kirchlichen Lebens.
Um einen Austausch zu gewährleisten, findet alle sechs Monate eine „Gemeinsame Konferenz“ statt, bestehend aus jeweils zehn gewählten Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und des ZdK. Beide Gruppierungen agieren unabhängig voneinander. Geistlicher Assistent des ZdK ist seit September 2023 Heiner Koch, Erzbischof von Berlin.
Der Präsident des ZdK muss von der Bischofskonferenz mit einer Zweidrittelmehrheit bestätigt werden.
Tätigkeiten und Ereignisse Das ZdK begleitet das kirchliche und gesellschaftliche Leben, vor allem durch ständige Sachbereiche und Gesprächskreise, die ihre Ergebnisse in die Vollversammlungen einbringen können; diese verabschiedet aktuelle „Erklärungen“.Positionen, abgerufen am 5. April 2024. Außerdem organisiert es Großereignisse.mini|Einladung zum 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt: Die Präsidentin der Diözesanversammlung des Bistums Limburg, Ingeborg Schilai (rechts), die Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Christina Aus der Au und ZdK-Präsident Thomas Sternberg, am 18. November 2016
Katholikentag
Gemeinsam mit der jeweiligen gastgebenden Diözese ist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken Veranstalter der Katholikentage. Die fünftägige Veranstaltung findet alle zwei Jahre in wechselnden Städten statt.
Historisch ist das ZdK sogar selbst aus den vormaligen Katholikentagen des 19. Jahrhunderts hervorgegangen.