mini|Altstadt von Jüterbog mini|Rathaus
Jüterbog ( oder Jieterbock; , veraltet auch Jutrobog, Jitšobog, WitšebokJutšobog in der niedersorbischen Ortsnamendatenbank auf dolnoserbski.de.) ist eine Kleinstadt im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg. Sie ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg.
Geografie Jüterbog liegt in einer weiten Talmulde westlich der oberen Nuthe am Übergang zwischen Hohem und Niederem Fläming. Nördlich befindet sich ein Fließ, das im Laufe der Zeit mit einem Meliorationsgraben, dem Graben 2 Grüna, entwässert wurde. Die Siedlung war ursprünglich vollständig von einem Sumpf umgeben und nur durch Dämme zu erreichen. Hiervon zeugt noch heute der Wohnplatz Damm, eine 1356 erstmals als uffe dem damme erwähnte Siedlung südlich des Ortskernes. Auf einem Horst befand sich ein altslawischer Burgwall, der in eine Parkanlage umgewandelt wurde. Der Grabenverlauf ist im Osten, Südosten und Norden jedoch noch gut zu erkennen. Der Flurname Schloßberg weist dabei auf eine mittelalterliche Burg hin. Knapp drei Kilometer weiter östlich befindet sich ein weiterer Burgwall auf dem Gebiet der Bürgerwiesen, die vom Bürgerwiesener Graben entwässert werden. Er besitzt einen Außendurchmesser von rund 50 bis 60 Metern sowie einen Innendurchmesser von rund 25 Metern. Im 19. Jahrhundert sollen die Wallreste noch eine Höhe von fünf Fuß besessen haben.
Stadtgliederung Die Stadt Jüterbog gliedert sich in die Kernstadt sowie folgende weitere Ortsteile mit den zugehörigen Wohnplätzen:Stadt Jüterbog. Serviceportal des Landes Brandenburg, abgerufen am 16. November 2024.
Fröhden Grüna Kloster Zinna mit den Wohnplätzen Kaltenhausen, Neue Häuser Markendorf mit dem Wohnplatz Waldsiedlung Neuheim Neuhof mit dem Wohnplatz Ziegelei Werder
Zur Kernstadt Jüterbog gehören zudem die Wohnplätze Bürgermühle, Damm, Neues Lager, Neumarkt, Quellenhof und Waldau sowie die abgegangenen Siedlungen Neue Mühle und Forsthaus Bischofspfuhl.
Geschichte Ersterwähnung und frühe Neuzeit mini|links|Neumarkttor mini|Teil der historischen Stadtbefestigung Im Jahr 1007 erwähnte erstmals Thietmar von Merseburg, der Chronist des Erzbischofs Tagino von Magdeburg, die dörfliche Siedlung mit Burgwall als „Jutriboc“ (1007 ad locum, qui Iutriboc appelabatur). Anderthalb Jahrhunderte nach Thietmars Chronik eroberte der Magdeburger Erzbischof Wichmann den Ort (1157) und wandelte ihn in einen deutschen Burgward um, der Zentrum einer magdeburgischen Exklave zwischen der Mark Brandenburg (Askanier) und dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg (Askanier) war.
Die Exklave entwickelte sich schnell zu einem besonders geförderten Fernhandelszentrum. So erhielt der Ort 1174 das Stadtrecht, das zweitälteste des heutigen Landes Brandenburg. In dieser Urkunde wird Jüterbog als Mittelpunkt der provincia Iutterbogk (Land Jüterbog) bezeichnet, als ihr Ausgangspunkt und Haupt (exordium et caput). Dieses Land (oder Ländchen) Jüterbog umfasste auch Kloster Zinna, Luckenwalde und Trebbin und erstreckte sich nach Norden hin bis zum Seddiner See vor den Toren Potsdams. Von kriegerischen Auseinandersetzungen hielt sich die Stadt eher fern, stattdessen wurden Soldaten gestellt oder Ausgleichszahlungen geleistet.Informationstafel Jüterbog im Krieg am Wehrturm Ecke Heilig-Geist-Platz / Hinter der Mauer Die Schreibweise änderte sich von Juterbuk im Jahr 1161 zu ecclesiam in Jvterbuk in den Jahren 1161/1174 in uilla Juterbok in den Jahren 1173/1180.
Vor 1174 ließen sich zahlreiche Kaufleute im Umfeld der Liebfrauenkirche nieder, die später zur Hauptkirche des Landes Jüterbog erhoben wurde. Erzbischof Wichmann versuchte, seine Macht durch den Bau des Klosters Zinna zu festigen. Bei einem Einfall der Slawen im Jahr 1179 wurde die Stadt zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Im Jahr 1182 wurde von in Iuterboc berichtet. Eine Münzprägung ist aus dem Jahr 1192 bezeugt.
Um 1200 wurde der Stadtkern nach Osten erweitert und später durch St. Nikolai ergänzt. Ein Vogt und Schultheiß, die die Gerichtsbarkeit hielten, erschienen im Jahr 1217. Im Laufe des 13. Jahrhunderts erlangte der Schultheiß wohl die alleinige Stadtgerichtsbarkeit, während der Vogt in Damm die Landgerichtsbarkeit ausübte. Die Schreibweise Jüterbogs änderte sich erneut in Juterboc, als im Jahr 1218 von „zwei Gebieten im Sumpf unserer neuen Stadt“ berichtet wurde (in areis duabus sitis in palude nove nostre civitatis Juterboc).
mini|Zinnaer Tor Wohl zum Ende des 13. Jahrhunderts erfolgte die Trennung der Burgstadt von den übrigen Gebäuden. Jüterbog wuchs entlang der Hauptverkehrsstraße von Westen nach Osten, so dass eine im Süden abgeflachte Ellipse mit einer Länge von 870 Metern in West-Ost-Richtung und 420 Metern in Nord-Süd-Richtung entstand. Innerhalb dieses Bereiches entstanden zwei gebogene Längsstraßen sowie ein leicht nach Westen hin versetzter Marktplatz, ein Geschenk des Erzbischofs. Im Zuge des Ausbaus, vielleicht auch früher, kamen im Norden oder Nordwesten die wüste Feldmark Dieke und Rothe. Als sicher gilt, dass 1301 der Stadtbusch hinzukam, der im 17. Jahrhundert ausgeholt wurde. Die Stadtmauer entstand vermutlich Ende des 13. Jahrhunderts, wurde erstmals 1335 urkundlich erwähnt und von 1480 an erneuert und verstärkt. Im Jahr 1301 erhielten die Bürger Jüterbogs ein weiteres Geschenk des Erzbischofs, einen Fischteich, der Molendik genannt wurde. Kurz darauf bestätigte er die Bäckerinnung (1313). Im Jahr 1350 gab es erstmals einen Schulrektor in der Stadt. Um 1350 ist in Jüterbog „vor dem Zinnaer Tor“ ein Leprosorium (ein Siechenhaus und ein Hospital) nachweisbar. Die Kapelle des Leprosoriums wurde im Jahr 1523, das Hospital 1711 abgerissen.siehe
Zwischen 1355 und 1623 fanden mindestens zehn Fürstentagungen in Jüterbog statt. Im Jahr 1370 lebten in der Stadt unter anderem der Bürgermüller, ein Bader, ein Gerber, ein Leineweber, ein Bäcker, ein Kramer, ein Schuster, ein Fleischer, ein Kürschner und ein Schröter. Sie konnten ihre Waren ab 1376 auf dem Laurentius- und Martinimarkt anbieten. Drei Jahre später trat Jüterbog dem großen märkischen und magdeburgischen Städtebund bei. Die Bestätigung der Kürschnerinnung erfolgte 1384. Im Jahr 1387 wurden erstmals Schützen erwähnt, die 1405 als Brüderschaft bezeichnet wurde. Eine Gewandschneiderinnung erschien erstmals im Jahr 1399.
Die Burg bzw. das spätere Schloss war von Anbeginn an im unmittelbaren Besitz des Landesherren, während die Vogtei sowie das spätere Schlossamt oft verpfändet wurden. Darüber hinaus gab es zahlreiche Hufen, Hofstellen und Hebungen, die im Einzelbesitz von Jüterboger Bürgern, Adeligen und weiteren Personen waren. In Summe existierten bis in das 19. Jahrhundert hinein bis zu 49 Anteile, die nach und nach an den Landesherren bzw. das Amt fielen.
Zeit der Jüterboger Lande Um 1410 arbeiteten in der Stadt unter anderem Gewandschneider, Schuhmacher, Knochenhauer, Schröter, Bäcker, Kürschner, Leineweber, Gerber, Altbuter, Schuhknechte und Krämer. Das Stadtrichteramt war seit 1310 ein erbliches Lehen und kam 1412 zum Schloss zurück. Der Rat der Stadt übte die polizeiliche und gewerbliche sowie die volle Gerichtsbarkeit über die Stadtgrenzen hinaus aus. Im Jahr 1413 raubten brandenburgische Adelige insgesamt 107 Bürger aus. Sie stahlen zwei Ochsen, 93 Kühe, 255 Rinder, einen Hammel, 21 Ziegen und 912 Schafe und richteten einen Schaden in Höhe von 641 Schock böhmischen Groschen an. Im Jahr 1419 gründete sich die Leineweberinnung; 1454 erließ der Erzbischof eine Brauordnung. Nach dem Stadtbrand 1478, bei dem 300 der 365 Wohnhäuser den Flammen zum Opfer fielen, wurde der Wiederaufbau durch die Magdeburger Erzbischöfe gefördert. Jedoch forderte die Pest im Jahr 1495 zwischen 1700 und 2000 Tote. Zwei Jahre später entstand ein neuer Tuchmarkt.
Der neue Markt führte zu einer erheblichen wirtschaftlichen Belebung der Stadt: Im Jahr 1500 arbeiten annähernd 200 Tuchmacher in Jüterbog. Um 1510 gab es Maurer und Zimmerleute, Schneider, Tischler, Drechsler, Stellmacher, Glaser, Färber, Schuhmacher, Böttcher, Seiler, Töpfer, Schmücker, Nadler, Seifensieder, Riemer, Sattler, Schlosser, Sporer, Büchsenmacher, Sägenmacher, Kupferschmiede, Zinngießer, Klempner, Weißgerber, Tuchscherer, Tuchbereiter und Bortenwirker. Die Kramergilde gründete sich 1512. Von 1517 an ist nachgewiesen, dass der Ablassprediger Johann Tetzel im Auftrag des Erzbischofs von Mainz an mehreren mitteldeutschen Orten auftrat, darunter in Jüterbog. Dies war ein Anlass, der zu Martin Luthers 95 Thesen führte und damit zur Reformation.Ekkehart Eichler: Scharfe Schnitte am Garten Eden. Martin Luther war niemals in Jüterbog. Doch ohne die brandenburgische Kleinstadt wäre die Reformation vielleicht ganz anders verlaufen. In: Neues Deutschland vom 4./5. März 2017, S. 31. Eine Statistik aus dem Jahr 1525 führte für Jüterbog 373 Wohnhäuser sowie 209 brauberechtigte Großerben und 164 Kleinerben auf. Das Jungfrauenkloster zahlte 1534 Abgaben in Höhe von 138 Rheinische Gulden (fl) 5 Groschen (gr) zum 50 Pfennig. Sechs Personen Gesinde zahlen 12 gr sowie die Vorstände des Klosters 10 fl zum 50. Pfennig. Eine Schützenkompanie wurde 1542 erstmals erwähnt und deren Satzungen 1566 bestätigt. Zwischen 1549 und 1683 fanden 14 obersächsische Kreistage in Jüterbog statt. Die Weingilde gab sich 1554 eine Satzung; 1558 wurde die Tuchscherer- und Scherenmacherinnung bestätigt. Die Stadtschule wurde 1577 in ein Gymnasium umgewandelt und fortan an Jungfernschule bezeichnet. Für 1583 führte eine Statistik 593 wehrhafte Bürger und 63 waffenlose Bürger auf; darin waren 162 Vorstädter enthalten. Im Jahr 1584 traf die Stadt erneut eine Pestepidemie.
Im Jahr 1609 gab es 205 Brauereien und 240 Kleinerben. Zusammen mit 180 Feuerstätten (=Haushalte) vor den Toren der Stadt gab es in Jüterbog insgesamt 625 Feuerstätten. Ein Jahr später kam es in der Zinnaer Vorstadt zu einem Brand, bei dem 72 von 100 Häusern zerstört wurden. Im Folgejahr brach erneut die Pest aus; über 700 Menschen starben. Im Jahr 1620 gab es 613 Wohnhäuser, darunter 194 Großerben, 252 Kleinerben und 167 Kleinerben in den Vorstädten. Die Pest wüstete erneut im Jahr 1626. Eine Statistik aus dem Jahr 1638 führte für Jüterbog acht Ratsherren, vier Schöppen, drei Innungsmeister und 112 Bürger auf, darunter acht Bäcker, fünf Böttcher, einen Buchbinder, vier Fleischer, einen Fuhrmann, einen Gärtner, einen Gastwirt, zwei Hausschlächter, einen Hosenstricker, einen Hüter, zwei Hutmacher, einen Klempner, einen Kramer, zwei Kürschner, einen Kupferschmied, einen Leineweber, einen Leinwandfärber, einen Müller, zwei Nadler, zwei Nagelschmiede, zwei Ölschläger, einen Rittmeister, einen Salzführer, einen Sattler, zwei Schlosser, zwei Schmiede, zehn Schneider, 13 Schuster, einen Schwarzfärber, einen Schwertfeger, einen Seifensieder, fünf Seiler, fünf Tagelöhner, einen Tischler, 14 Tuchmacher, ein Weißgerber und einen Zimmermann.
Zeit im Kurfürstentum Sachsen