Hapkido (koreanische Aussprache: []; auch Hap Ki Do) ist eine koreanische Kampfkunst, die ihren Ursprung im japanischen Daitō-ryū Aiki-jūjutsu hat. Durch die Einflussnahme anderer Kampfstile entwickelte sich Hapkido zu einer eigenständigen Kampfkunst, die stilübergreifend durch einen umfassenden Lehrplan geprägt ist.

Besonders charakteristisch sind die zahlreichen Hebeltechniken, welche zusammen mit Wurf-, Tritt- und Schlagtechniken den Schwerpunkt in allen Hapkido-Stilen bilden. Einige Stile lehren ergänzend die Handhabung unterschiedlicher Waffen. Die Bewegungen im Hapkido werden vornehmlich kreisförmig und fließend ausgeführt.

Hapkido ist nach dem Taekwondo die populärste koreanische Kampfkunst und wird weltweit trainiert. Die Bezeichnung für einen Hapkido-Praktizierenden lautet Hapkido-in, wobei das Suffix „in“ der koreanische Ausdruck für „Mensch“ ist.

Namensbedeutung mini|50px|Hapkido auf Hangeul

Das Wort „Hapkido“ setzt sich aus folgenden Silben zusammen: Hap (kor. , ) bedeutet „vereinigen“, „verbinden“ oder „abstimmen“ und steht hier für die Harmonie von Körper, Geist und Seele. Ki (, ) bedeutet „Lebensenergie“ mit den drei Aspekten innere und äußere Kraft (persönliche Ausstrahlung und körperliche Fitness) Geistesgegenwart seelische Ausgeglichenheit Do (, ) bedeutet „Weg“, „Prinzip“ oder „Lehre“. Zusammen kann Hapkido beispielsweise mit „Weg der harmonischen Energie“ oder „Lehre der Entwicklung der Lebensenergie zu einem Gleichgewicht“ übersetzt werden.

Die japanische Lesart der gleichen Hanja lautet Aikidō, eine eigenständige Kampfkunst. Hapkido ist jedoch nicht aus dem Aikidō entstanden, sondern teilt mit ihm den gleichen Ursprung.

Geschichte Die Anfänge mini|Die Meister Choi Yong-sul und Ji Han-jae auf einem Gruppenfoto mini|Hapkido in den 1960er Jahren in Südkorea mini|Ein Scherentritt (Gawi-Chagi)

Die Entwicklung des Hapkido nahm in den 1910er Jahren ihren Anfang, als Korea unter japanische Herrschaft fiel. Der Koreaner Choi Yong-sul (1904–1986) wurde nach eigener Erinnerung um das Jahr 1912 im Alter von etwa acht Jahren in die japanische Stadt Moji gebracht. In den folgenden Jahrzehnten, bis zum Ende der japanischen Herrschaft über Korea, lernte er laut eigener Aussage das japanische Daitō-ryū Aiki-jūjutsu unter dem Samurai Takeda Sōkaku (1859–1943). Während es nicht belegt ist, dass Choi wirklich direkt unter Takeda trainiert hat, ist es unbestritten, dass er Jiu Jitsu erlernte.

In diesem Zusammenhang erwähnenswert ist, dass unter Takeda auch Ueshiba Morihei (1883–1969), der Begründer des Aikidō, trainierte. Aus diesem Grund teilen Hapkido und Aikidō die gleichen Wurzeln.

Neben Choi hatten andere Koreaner in Japan Daitō-ryū Aiki-jūjutsu erlernt, unter anderen Chang In-mok (geboren 1912). Nachdem 1945 die japanische Kolonialzeit vorüber war, kehrte er genau wie Choi in die koreanische Stadt Daegu zurück und lehrte dort einige Zeit lang Kampfkunst. Hauptsächlich war er Arzt der orientalischen Medizin und brachte im Gegensatz zu Choi nur wenige Schüler hervor.

Choi Yong-sul bezeichnete die Kampfkunst, die er erlernt hatte, zunächst als Yawara, die altjapanische Bezeichnung für Jūjutsu. Aufgrund seiner langen Aufenthaltszeit in Japan sprach er nach seiner Rückkehr nach Korea zunächst zu etwa 70 % Japanisch und nur zu etwa 30 % Koreanisch. Während er an den Techniken nichts oder nur sehr wenig veränderte, änderte er den Namen seiner Kampfkunst mehrmals. So nannte er sie Yu Sul (deutsch „weiche Technik“, dies ist die direkte Übersetzung von Jūjutsu ins Koreanische), Yu Kwon Sul („Weiche Fausttechnik“) und Hapki Yu Kwon Sul („Weiche Fausttechnik in Einheit mit Ki“).

Choi Yong-sul eröffnete am 12. Februar 1951 in Daegu zusammen mit seinem ersten Schüler Suh Bok-sup (revidierte Romanisierung: Seo Bok-seob) das Hapki Yu Kwon Sul Dojang.Kimm He-young: History of Korea and Hapkido. Han Do Press, Baton Rouge (LA) 2008, ISBN 978-0-9890807-4-3, S. 259–262. Suh Bok-sup behauptet, dass er und Choi 1959 den Begriff Hapkido als Kurzform von Hapki Yu Kwon Sul geprägt habenHentz, Eric (editor), Taekwondo Times Vol. 16, No. 8. Artikel von Mike Wollmershauser The Beginning of Hapkido; Ein Interview mit Hapkido Master Seo, Bok-Seob. Tri-Mount Publications, Iowa 1996. und Choi selbst sagte, dass er seine Kunst als Hapkido bezeichnet habe.

Einer der ersten Schüler Chois wurde ab 1953 Ji Han-jae (1936–2026), der für die Entwicklung, Geschichte und Verbreitung des Hapkido sehr wichtig werden sollte.

mini|Chang in Mok (1960)

Großpatriarch Jang In Mok (geboren 1912) aus der Stadt Taegue, der auch unter Takeda Sokaku trainierte und 1945 wie Großpatriarch Choi Yong-Sul in die Stadt Taegue in Korea zurückkehrte. Er war Arzt der orientalischen Medizin und lehrte sein Aikijitsu als Hapkido. Jang-in Mok lernte das Dae Dong Ryu Yu Sul Hapkido von seinem Lehrer Masuta Yutaka und seinem Lehrer Taketda Sokaku in Japan. Im Gegensatz zu Choi Yong-Sul, trainierte Jang In Mok nur wenige Schüler. Nennenswerte Schüler waren Han-young Choi, Jang Seeung Ho, Song Joon Hwi, Hu Il Wong (Lehrer von Peter und Joseph Kim), and Song Il Hun.

Weiterentwicklung des Hapkido Ji Han-jae gründete zunächst 1956 in Daegu die Schule An Moo Kwan (revidierte Romanisierung: „Anmu-Gwan“) und ein Jahr später in Seoul das Sung Moo Kwan (revidierte Romanisierung: „Seongmu-Gwan“). Kwan bedeutet so viel wie „Schule“, kann aber auch für „Verband“ oder „Stil“ stehen. Er hatte in den folgenden Jahren zahlreiche Schüler, die teilweise eigene Stile gründeten. Auch als Schauspieler in mehreren Kinofilmen erlangte er weltweite Bekanntheit, unter anderem durch eine lange Kampfszene mit Bruce Lee in dessen Film „Mein letzter Kampf“.

Es ist nicht nur Jis technischem Können und seinen Innovationen zu verdanken, dass Hapkido zunächst innerhalb Koreas und später international bekannt wurde. Er diente ab 1962 als Bodyguard von Präsident Park Chung-hee und wurde schließlich leitender Hapkido-Trainer seiner Sicherheitskräfte. Außerdem unterrichtete er die koreanische Polizei, koreanische Spezialeinheiten und an der Militärakademie. Als Folge davon verfügte er über gute politische Verbindungen, die er nutzte, um Hapkido zu verbreiten.

Namhafte Schüler von Ji Han-jae waren unter anderem Myeong Jae-nam, Kim Sou-bong, Kwon Tae-man, Yoo Young-woo, Oh Se-lim, Hwang Deok-kyoo, Kim Yong-jin und Jeong Won-seon.

Ein weiterer Schüler Choi Yong-suls in Daegu war Kim Moo-hong (Hangeul: , Revidierte Romanisierung: Kim Mu-hong. Sein Name wird mit vielen anderen unregelmäßigen Schreibungen romanisiert: Kim Moo-hyun, Kim Mu-hyun, Kim Mu-wung, Kim Moo-woong, Kim Moo-moong.) Kim Moo-hong war ein Spezialist für Fußtechniken, die er in einem Seouler Tempel perfektioniert haben soll.Kimm He-Young: Hapkido. (auch The Hapkido Bible). Andrew Jackson Press, Baton Rouge (LA) 1991. Der Name des Tempels, seine dortigen Lehrer und die Kampfkunst, aus der diese Tritte stammen sollen, sind unbekannt. Da in den traditionellen japanischen Kampfkünsten meist weniger Fußtechniken benutzt werden als in den traditionellen koreanischen, etwa dem Taekkyon,Hendrik Rubbeling: Taekkyon - Wie Wasser und Wind. Books on Demand, Norderstedt 2017, S. 208. lehrte Choi Yong-sul vergleichsweise wenige Fußtechniken.

Als Kim Moo-hong 1961 acht Monate im Sung Moo Kwan von Ji Han-jae verbrachte, entwickelte er mit ihm jenes Fußtechnikrepertoir, das heute in den meisten Hapkido-Stilen gelehrt wird. Aus diesem Grund enthält das moderne Hapkido wesentlich mehr Tritte als der ursprüngliche Stil Choi Yong-suls (siehe Kapitel Hapkiyusul). Erst durch den Einfluss von Ji Han-jae und Kim Moo-hong entstand also eine neue koreanische Kampfkunst, die sich wesentlich vom japanischen Daitō-ryū Aiki-jūjutsu unterscheidet. 1961 gründete Kim Moo-hong im Seouler Bezirk Jong Myo das Sin Moo Kwan Hapkido Dojang (kurz Sin Moo Kwan). Dort wurde Suh In-Hyuk, einer der späteren Gründer des Kuk Sool Won, sein Schüler.

Entstehung weiterer Hapkido-Stile Die ursprüngliche Kampfkunst von Choi Yong-sul unterschied sich also – wenn überhaupt – nur gering vom Daito-Ryu. Sie wurde durch Ji Han-jae und Kim Moo-hong „koreanisiert“. Hierdurch entstanden zwei Hauptlinien des Hapkido: Die eine geht auf Choi zurück, die andere auf Ji. Seit den späten 1950er machten sich viele Schüler von Choi Yong-sul und Ji Han-jae mit eigenen Schulen selbständig. Viele der Schulen unterschieden sich nur wenig voneinander und heute noch gibt es viele Stile, die sich sehr ähneln.

Seit den 1960er Jahren entwickelten sich bedeutende Stile, die deutlich voneinander abgrenzbar sind. Die wichtigsten dieser Stile sind im Kapitel Stile beschrieben.

Einfluss auf das Taekwondo Hapkido entlehnte nicht nur Techniken aus dem Taekwondo, es beeinflusste diese Kampfkunst auch seinerseits. In der kanadischen Stadt Toronto kam es 1972 zu einem Aufeinandertreffen der beiden Kampfkünste, das großen Einfluss auf das Taekwondo haben sollte. Einer der Schüler von Choi Yong-sul war Chung Ki-tae (auch Chung Kee-tae geschrieben), der 1939 in Daegu geboren wurde. 1955, im Alter von 16 Jahren, erhielt er seinen 1. Dan im Taekwondo. 1956 begann er mit seinem Hapkido-Unterricht. Chung emigrierte später nach Toronto, Kanada, wohin 1972 auch der Taekwondo-Pionier Choi Hong-hi auswanderte.

Im gleichen Jahr wollte ein Schüler von Choi Hong-hi, Park Jung-soo, nach Toronto ziehen. Choi forderte daraufhin Chung auf, Toronto zu verlassen, da er die Stadt für seinen Schüler Park haben wollte. Es kam daraufhin zu einem Treffen zwischen Choi und Chung, bei dem Chung verschiedene Hapkido-Techniken zeigte. Die beiden Männer trafen daraufhin eine Abmachung: Choi Hong-hi durfte diese Techniken in der neuen Auflage seines Buches Taekwon-Do, die koreanische Kunst der Selbstverteidigung abdrucken. Im Gegenzug erklärte er Chung zu „einem guten Taekwondo-Mann“ und sagte ihm, er könne überall leben, wo er wolle. Das entsprechende Kapitel in Choi Hong-his Buch („Siebter Teil — Selbstverteidigungstechniken (hosin sul)“) enthält Fotos von Chung und beginnt mit dem Satz:

Chung Ki-tae blieb in Toronto und arbeitete in der folgenden Zeit weiterhin mit der International Taekwon-Do Federation von Choi Hong-hi zusammen.

Koreanische Lehrer in Deutschland Kim Sou-bong Kim Sou-bong (1938–2011) kam 1964 als erster Hapkido-Dan-Träger nach Deutschland, wo die Kampfkunst bis dahin völlig unbekannt war. Er begann deutsche Kampfsportler zu unterrichten und baute sein eigenes nach ihm benanntes System auf.

Pak In-shuk Pak In-shuk (1938–1995) kam 1964 als Bergarbeiter ins Ruhrgebiet. Zu diesem Zeitpunkt trug er den vierten Dan im Kuk Sool Won Hapkido. Er schloss sich der Trainingsgruppe um Kim Sou-bong an, verließ diese jedoch aufgrund von Unstimmigkeiten. Im Gegensatz zu Kim Sou-bong lernte Pak zunächst bei Choi Yong-sul und eröffnete bereits 1956 seine eigene Schule in Busan. Wenig später wechselte er zum Kuk Sool Won. Als Kim Sou-bong 1965 in die USA emigrierte, übernahm Pak das regelmäßige Training in Deutschland. Damit prägte er das Hapkido im Nordrhein-Westfälischen Hapkido-Verband entscheidend. 1967 verließ Pak Deutschland und zog nach Kanada, wo er mehrere Kuk-Sool-Won-Schulen aufbaute. Dort entwickelte er sein eigenes Systems, das den Namen Kong Shin Bup Hapkido trug und im Wesentlichen auf den Kuk-Sool-Won-Lehrplänen beruhte.

Ko Myong Ko Myong (geboren 1953) lebt seit 1978 in Europa. Er begann 1983 damit, Kung Jung Mu Sul Hapkido in Deutschland zu unterrichten. Seit 1993 nennt er seinen Stil Shinson Hapkido.Website des Shinson Hapkido Darmstadt.

Inhalte mini|Hapkido-Schüler üben Würfe und Halten im Dojang.

Hosin-sul