mini|Weinbeeren werden zu Rosinen getrocknet mini|Schüssel mit verschiedenen Rosinen
Rosinen (Plural von Rosine; bei Luther noch Rosin, über mittelhochdeutsch rosīnVgl. etwa Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 211 (zu Passule und Passuli: „cleyn rosyn […] winberen“). und mittelniederländisch/mittelniederdeutsch rosinīe von bzw. pikardisch/ost-altfranzösisch rosin, aus ‚Weintraube‘)Vgl. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 608. sind getrocknete Weinbeeren. Der Begriff „Rosinen“ ist sowohl der Oberbegriff für alle getrockneten Weinbeeren als auch die konkrete Bezeichnung für die getrockneten Früchte einer bestimmten Traubensorte. Sie werden reif geerntet und danach in der Sonne oder im Schatten getrocknet, bis die Feuchtigkeit der Beeren nur noch etwa 15 bis 18 % beträgt. Dies bewirkt eine Konzentration des Fruchtzuckergehalts auf etwa 33 %. Sie haben eine honiggelbe bis dunkelbraune Farbe. Vier bis fünf Kilogramm Weintrauben ergeben ein Kilogramm Rosinen.
Im OIV-Bericht finden sich Statistiken über den Weinanbau mit Angaben zur Rosinenproduktion..
Arten mini|Sultaninen mini|Korinthen mini|Zibeben/Rosinen
Je nach Rebsorte und Herkunft tragen folgende Arten von Rosinen einen eigenen Namen:
Smyrna-Rosinen weiche Kerne, dunkelfarbig Sultaninen (kernlos, hell) werden aus der Sultana-Traube (Thompson Seedless) gewonnen, die weiß, dünnhäutig, besonders süß und kernlos ist. Sultaninen haben eine helle goldgelbe Farbe. Produktionsländer sind die Türkei (→ Weinbau in der Türkei), USA, insbesondere Kalifornien (→ Weinbau in den Vereinigten Staaten), Australien (→ Weinbau in Australien) und Südafrika (→ Weinbau in Südafrika). Korinthen (kleinbeerig, mit und ohne Kern) werden aus der Rebsorte Korinthiaki („Schwarze Korinthe“; lat. Vitis vinifera apyrena) gewonnen. Sie sind meist kernlos, schwarzbraun bis schwarzblau und im Geschmack kräftiger. Die Korinthe wurde nach der griechischen Stadt Korinth benannt und ist eine seit dem 15. Jahrhundert im Deutschen nachweisbare Neubildung, analog zu Französisch raisin de Corinthe („Rosine aus Korinth“).Kluges Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage. Produktionsländer sind neben Griechenland auch Australien, Südafrika und die USA (Kalifornien). Zibeben (arabisch , sizilianisch zibibba) sind Trockenbeeren am Rebstock mit Kernen. In trockenen Erntejahren werden sie zu einer Trockenbeerenauslese (einem Wein mit hohem Restzuckergehalt) verarbeitet. Ein typischer Vertreter dieses Herstellungsverfahrens ist der ungarische Wein „Tokaji Aszú“ (Tokajer Ausbruchwein), bei dem dem frischen Most vor der Vergärung immer eine bestimmte Menge Zibeben zugesetzt wird. In Süddeutschland und Teilen von Österreich ist „Zibebe“ ein allgemeiner Ausdruck für getrocknete Weinbeeren, die für die Zubereitung von Speisen verwendet werden. Nach dem Deutschen Wörterbuch beginnt dieser Ausdruck der Bezeichnung „Rosine“ zu weichen.Jacob Grimm und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Band 31: Z–Zmasche. Leipzig 1956. Stichwort „Zibebe“. Spalte 875. Zeile 35. Nachdruck Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1991, ISBN 3-423-05945-1. Gliederung zitiert nach: Der digitale Grimm – Elektronische Ausgabe der Erstbearbeitung. Version 12/04. Zweitausendeins, Frankfurt am Main, ISBN 3-86150-628-9. Nach dem Duden gehört das Wort zu den süddeutschen und österreichischen Besonderheiten.Duden Band 1 – Rechtschreibung, 24. Auflage. 2006, S. 1140. 2009 enthält das Wörterbuch des österreichischen Deutsch die Erklärung „große rötliche Rosine“ und vermerkt, dass das Wort „auch süddeutsch“ sei.Zibebe In: Jakob Ebner: Wie sagt man in Österreich. Wörterbuch des österreichischen Deutsch. 4. Auflage. Dudenverlag Mannheim / Wien / Zürich 2009, ISBN 978-3-411-04984-4, S. 427.
Lebensmittelrecht Rosinen dürfen zur Verbesserung der Haltbarkeit geschwefelt werden. Ab einem Zusatz von 10 mg Sulfit pro kg muss das auf der Packung angegeben werden. Ab 500 mg Sulfit pro kg muss die Angabe lauten: „stark geschwefelt“. Der Höchstgehalt ist 1000 mg/kg. Rosinen dürfen mit Speiseöl oder Glyceriden von Speisefettsäuren (E 472a) behandelt werden, um ein Zusammenkleben zu verhindern. Bleichen oder die Behandlung mit Paraffin ist unzulässig.
Verwendung Aufgrund des hohen Zuckergehalts sind Rosinen beliebt bei der Zubereitung von Süßspeisen, können aber auch unverarbeitet gegessen werden. Sie werden in vielen Süßspeisen verbacken, unter anderem in Rosinenbrötchen, Rosinenstuten und Christstollen. Für einige Rezepte werden Rosinen in Fruchtsaft, alkoholischen Getränken oder Wasser eingeweicht, um sie praller, weicher und fruchtiger zu machen. Sie finden aber auch in vielen Hauptgerichten aus dem arabischen Raum sowie im Rheinischen Sauerbraten Verwendung. Außerdem sind sie in vielen Müsli-Mischungen enthalten. Das sogenannte Studentenfutter erhält durch den großen Anteil an Sultaninen seinen süßen Geschmack.
Durchschnittliche Zusammensetzung Angaben je 100 g essbarem Anteil: Bestandteile Wasser 15,7 g Eiweiß 2,5 g Fett 0,6 g Kohlenhydrate 68,0 g Ballaststoffe 5,2 g Mineralstoffe 2,0 gMineralstoffe Natrium 20 mg Kalium 780 mg Magnesium 40 mg Calcium 80 mg Mangan 465 µg Eisen 2300 µg Kupfer 370 µg Zink 245 µg Phosphor 110 mg Selen 7 µgVitamine Retinol (Vit. A1) 5 µg Thiamin (Vit. B1) 120 µg Riboflavin (Vit. B2) 55 µg Nicotinsäure (Vit. B3) 500 µg Pantothensäure (Vit. B5) 100 µg Pyridoxin (Vit. B6) 110 µg Folsäure (Vit. B9) 4 µg Ascorbinsäure (Vitamin C) 1 mgAminosäuren Arginin¹ 305 mg Histidin¹ 50 mg Isoleucin 45 mg Leucin 75 mg Lysin 70 mg Methionin 13 mg Phenylalanin 45 mg Threonin 55 mg Tryptophan 5 mg Tyrosin 10 mg Valin 70 mg 1 mg = 1000 µg ¹ semi-essentiell
Der physiologische Brennwert beträgt 1242 kJ je 100 g essbarem Anteil.
Sonstiges Rosinen sind für Menschen und viele Tierarten ungiftig. Eine Ausnahme bilden Katzen und Hunde.Botha CJ, Penrith ML: Potential plant poisonings in dogs and cats in southern Africa., J S Afr Vet Assoc. 2009 Jun;80(2):63-74. Review, PMID 19831265 Bei einigen Hunden kommt es schon bei Aufnahme von 2,8 g Rosinen pro kg Körpermasse zu einer Weintraubenvergiftung. Katzen können schon bei kleinen Mengen in einen lebensbedrohlichen Zustand verfallen. Die deutsche Redewendung „sich die Rosinen (aus dem Kuchen) picken“ bedeutet „sich die besten Teile nehmen und die weniger guten Teile den anderen überlassen“. Das Gleiche bedeutet in Österreich das Wort „Zibebenpicker“. Ein redensartlicher Korinthenkacker ist jemand, der Unwichtiges zu wichtig nimmt und seinen Mitmenschen gegenüber rechthaberisch auftritt, also ein Pedant. (Ähnliche Begriffe sind Kümmelspalter, Erbsenzähler, Haarspalter, Krümelkacker, in Beolingus, TU Chemnitz Kriacherlscheiber (österreichisch, steirisch), I-Tüpfelischisser (alemannisch), Tüpflscheißer (mittelbairisch), I-Tüpfelreiter (österreichisch), Pennschieter oder Pinnenschieter (norddeutsch).) Eine alte, etwa in der Pharmazie gebrauchte, lateinische Bezeichnung der getrockneten Weinbeere war passula bzw. (insbesondere für die kleine Rosine oder Korinthe) uva passulae oder uva passaeOtto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 150 („Passulae: Getrocknete Weinbeeren, Rosinen“).Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 211 (Passule – cleyn rosyn […] – Passuli – winberen, uve passe: (kleine) Rosinen (= Korinthen), getrocknete Beeren von Vitis vinifera L.) Nach der Sturmflut 1962 stellte Griechenland 520 Tonnen Korinthen und Sultaninen als Sachspende. Diese wurden u. a. über die Schulen an die Hamburger Schüler verteilt.Jens Meyer-Odewald: Süßes Hilfspaket aus Griechenland. In: Hamburger Abendblatt. 3. April 2012, S. 7. Onlineausgabe: Süßes Hilfspaket aus Griechenland. Abgerufen am 27. März 2026.
Weblinks
Entstehung von Rosinen im Zeitraffer
Einzelnachweise
Kategorie:Trockenobst Kategorie:Weintraube