mini|380px|Lage von Büsingen am Hochrhein im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet mini|Luftbild von Büsingen am Hochrhein (1985)

Büsingen am Hochrhein ist eine deutsche Gemeinde im baden-württembergischen Landkreis Konstanz am rechten Ufer des Rheins. Bis 1961 hieß die Gemeinde Büsingen (Oberrhein).Historischer Atlas von Baden-Württemberg, Anhang zum Beiwort II,2: Gemeindegrenzenkarte, Schlüsselverzeichnis zur Gemeindegrenzenkarte von Baden-Württemberg (Gebietsstand 1. Januar 1957) (PDF, 906 KB), S. 7.

Die Gemeinde ist vollständig von Schweizer Staatsgebiet umgeben. Büsingen grenzt rechtsrheinisch an den Kanton Schaffhausen und linksrheinisch – mit dem Rhein als natürlicher Grenze – an die Kantone Zürich und Thurgau. Büsingen ist die einzige Gemeinde Deutschlands, die gänzlich von fremdem Staatsgebiet umgeben ist, also komplett eine Exklave Deutschlands ist. Neben Campione d’Italia ist Büsingen eine von zwei Enklaven innerhalb des Schweizer Staatsgebietes.

Geographie Geographische Lage Büsingen gehört zur Region Reiat und liegt am rechten, nördlichen Ufer des Hochrheins auf Höhen zwischen am Ausfluss des Rheins im Westen und etwa auf dem renaturierten Gipfel des Solenbergs im Nordwesten des Gemeindegebietes (vorher war das der Hohwacht auf ). Zwischen dem Gasthaus Waldheim im Osten, unterhalb dessen der Rhein ins Gemeindegebiet tritt, und Büsingen selbst mündet ihm von rechts der auch Gaalingerbach genannte Strudelbach zu, zwischen Büsingen und dem Wohnplatz Stemmer der kleinere Weihersgraben.

Nachbargemeinden Die Gemeinde Büsingen grenzt reihum im Nordwesten an die Stadt Schaffhausen des Kantons Schaffhausen im Nordosten an die Gemeinde Dörflingen des Kantons Schaffhausen und jenseits des Hochrheins im Südosten an die Kleinstadt Diessenhofen im Bezirk Frauenfeld des Kantons Thurgau im Süden an den Schaaren und den Ort Altparadies der Gemeinde Schlatt im Bezirk Frauenfeld des Kantons Thurgau im Südwesten kurz an den Ortsteil Langwiesen der Gemeinde Feuerthalen im Bezirk Andelfingen des Kantons Zürich

Die kürzeste Entfernung zwischen der Gemeinde Büsingen und der nächstgelegenen deutschen Gemeinde Gailingen am Hochrhein (östlich von Büsingen) beträgt etwa 700 Meter.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Büsingen am Hochrhein gehört der Ortsteil Stemmer. Im Gemeindegebiet liegen auch die Wüstungen Eggingen und Gluringen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 730–731.

Grenzsteine Büsingen wird auf einer Gesamtlänge von 17,141 km durch 123 Grenzsteine gegen das umgebende Schweizer Gebiet abgegrenzt.Matthias Biehler: An Grenze nicht alles im Lot. In: Südkurier. 12. April 2013. Einer dieser 123 Grenzsteine, der Grenzstein Nummer 1, ist der Hattinger oder auch Nellenburger Stein, ein Findling in der Mitte des hier etwa 200 m breiten Rheins, im Gebiet Laag. Er besteht aus Schrattenkalk, hat eine Kantenlänge von 1,00 bis 1,30 m und ein Volumen von ungefähr 1,5 m³. Er ist nicht zu sehen, weil er etwa 1,50 m unter dem Wasserspiegel liegt. Dieser Stein wurde 1453 erstmals urkundlich erwähnt.Nikolaus Philippi: Grenzland Hegau: Grenzsteine erinnern an ehemalige Herrschaften und Territorien. Verlag Rockstuhl, ISBN 978-3-86777-479-6.

Geschichte mini|hochkant|Bergkirche St. Michael mini|Junkerhaus

Die ältesten archäologischen Funde, die auf menschliche Aktivitäten im Raum Büsingen schließen lassen, stammen aus der Bronze- und der späten Hallstattzeit. Gegen Ende der Römerzeit wurde der Limes von Basel bis zum Bodensee auch in der Nähe von Büsingen errichtet. Nachdem diese Grenzbefestigung von den Alemannen überwunden worden war, ließen sich vermutlich die ersten am Rheinufer nieder und nannten ihren Ort Buosinga, was so viel heißt wie die Siedlung der Leute des Boso. Mit der auf einer Anhöhe gelegenen St.-Michaels-Kirche war das Gebiet des heutigen Kantons Schaffhausen vor der Stiftung des Klosters Allerheiligen zu Büsingen kooptiert.Albert Leutenegger: Der Büsinger Handel 1849. Sonderdruck für den Historisch-Antiquarischen Verein Schaffhausen, 1926, S. 1. 1090 wurde Büsingen erstmals urkundlich erwähnt, als es vom Grafen Burkhard von Nellenburg dem Kloster Allerheiligen in Schaffhausen geschenkt wurde.

Seit 1361 hatten die Herren von Klingenberg, österreichische Lehnsträger, die Ortsherrschaft inne. 1406 wurde Büsingen von den verschuldeten Klingenbergern an den Schaffhauser Rudolf Goldschmid verpfändet. 1463 übernahm dann der Bürgermeister Heinrich Barter die Vogtei in Büsingen.

Ab 1465 ging die Landeshoheit über Büsingen offiziell an Österreich über und der Ort gehörte zur vorderösterreichischen Landgrafschaft Nellenburg., abgerufen am 11. Mai 2018

17. Jahrhundert Seit 1658 hatte Eberhard Im Thurn die österreichische Lehnsherrschaft inne, die seit 1535 bereits der Schaffhauser Familie gehörte. Eberhard wurde am 10. April 1693 nach religiösen Streitigkeiten von eigenen Familienangehörigen nach Schaffhausen entführt, wo er wenig später von der dortigen Obrigkeit in den Kerker geworfen wurde. Für die österreichische Bezirksregierung in Nellenburg war die Entführung ihres Lehnsträgers Eberhard ein Eingriff in die Landeshoheit Österreichs. Binnen eines Jahres bekam die ursprünglich örtliche Angelegenheit staatspolitische Dimensionen. 1694 sperrte Österreich die Getreideausfuhr in die Schweiz und drohte Schaffhausen mit hohen Repressalien. Obwohl die Schaffhauser von ihren Eidgenossen zum Einlenken gedrängt wurden, leiteten sie ein Verfahren gegen Eberhard Im Thurn ein, bei dem dieser zum Tode verurteilt werden sollte. Es endete nach einer Abstimmung aber mit knapper Mehrheit nur mit lebenslanger Haft. Die Schaffhauser gaben erst nach, nachdem am 15. Februar 1697 Österreich den Druck noch einmal verstärkt und Truppen an die Schaffhauser Grenze verlegt hatte., abgerufen am 11. Mai 2018

18. Jahrhundert Aufgrund der Entführung von Eberhard Im Thurn verlor Schaffhausen die Pfandschaft über die Reiatdörfer, zu denen Büsingen gehörte, und konnte diese erst 1723 für 221.744 Gulden zurückerlangen. Nur Büsingen wurde von den Österreichern einbehalten, denn es sollte zum Ärgernis der Schaffhauser auf ewig österreichisch bleiben. Als Österreich 1770 seine Rechte an den Dörfern Ramsen und Dörflingen an das eidgenössische Zürich verkaufte, wurde Büsingen zu einer Enklave in der schweizerischen Eidgenossenschaft.

19. Jahrhundert Trotz aller Versuche der Schaffhauser, Büsingen zurückzuerlangen, wurde es im Pressburger Frieden von 1805 dem Kurfürstentum Württemberg (ab 1806 Königreich) zugeschlagen. 1810 ging Büsingen im Grenzvertrag zwischen Württemberg und Baden an das Großherzogtum Baden über. Auch auf dem Wiener Kongress, 1814/1815, durch den die Grenzen in Europa neu geordnet wurden, änderte sich an der Situation nichts und Büsingen gehörte weiterhin zu Baden.

1835 wurde Büsingen Zollausschlussgebiet (Deutscher Zollverein). 1895 schloss die Schweiz mit Büsingen ein Abkommen, damit die Büsinger Bauern ihre Produkte in der Schweiz verkaufen konnten. Dieser Warenaustausch funktionierte sogar während des Ersten Weltkriegs – in beide Richtungen.

Am 21. Juli 1849 drangen bewaffnete hessische Truppen beim sogenannten Büsinger-Handel über schweizerisches Territorium in die badische Exklave Büsingen ein. Der Konflikt mit der Schweiz wurde erst am 30. Juli mit dem Abzug der hessischen Truppen gelöst.

20. Jahrhundert 1918 wurde eine Volksabstimmung durchgeführt, in der 96 % der Büsinger Bürger für eine Angliederung ihres Dorfes an die Schweiz stimmten. Dazu kam es aber nicht, weil die Schweiz kein geeignetes Austauschgebiet anbieten konnte. So blieb Büsingen beim Deutschen Reich.

Büsingen wurde am 1. Dezember 1939 ans schweizerische Rationierungssystem angeschlossen.

1946 bat das von Frankreich besetzte Büsingen den Schweizer Bundesrat, die Zollgrenze zur Enklave aufzuheben. Am 1. Januar 1947 wurde mit dem Einverständnis der Franzosen diesem Gesuch entsprochen. Seitdem wird die 17 Kilometer lange Grenze zwischen Büsingen und der Schweiz nicht mehr kontrolliert und damit war Büsingen de facto Schweizer Zollgebiet geworden.

Die bisher letzte Chance der Büsinger, der Schweiz angegliedert zu werden, bot sich 1956. Damalige Verhandlungen waren zunächst vielversprechend, jedoch bestand der Landkreis Konstanz auf dem Verbleib von Büsingen bei Deutschland und forderte darüber hinaus einen verbindenden Korridor. Dieses Vorhaben scheiterte aber am vehementen Widerstand auf Schweizer Seite. Ein Gebietstausch stand bei Büsingen nie zur Diskussion, weil Menschen ihre Staatsbürgerschaft hätten verändern müssen und es unmöglich war, eine gleich große Ersatzfläche zu finden.

Die Gemeinde wurde am 6. Dezember 1961 von Büsingen (Oberrhein) in Büsingen am Hochrhein umbenannt.

Am 4. Oktober 1967 trat der neue Staatsvertrag zwischen Deutschland und der Schweiz in Kraft, der den rechtlichen Status von Büsingen regelt.https://www.buesingen.de/de/Unser-Buesingen/Deutsche-Insel-in-der-Schweiz/Staatsvertrag Der Vertrag konnte nicht alle Nachteile der Enklave beheben, aber viele von ihnen abmildern.

Ein Hauptanliegen der Verhandlungen war es, die 43 Hektar große deutsche Exklave Verenahof in die Schweiz einzuverleiben. Die Ersatzfläche konnte nur im komplizierten Dreiecksaustausch über die Gemeinden Merishausen, Opfertshofen und Büttenhardt gefunden werden. Merishausen trat im Beisental 30 Hektar an die deutsche Gemeinde Wiechs am Randen ab, Opfertshofen brachte 9 Hektar ein und den Rest von 4 Hektar Büttenhardt.

Im Mai 1989 riefen alle zehn Gemeinderatsmitglieder zur Wahlabstinenz bei der Europawahl auf, weil die durch die geografische Lage und wirtschaftliche Anbindung an die Schweiz hervorgerufenen Nachteile (Kaufkraftverlust, Auslandstelefongebühren) von der Bundesregierung nicht behoben worden waren. Lediglich 16 % der Büsinger wählten, davon über zwei Drittel per Briefwahl, da diese Stimmabgabewilligen – so wurde behauptet – befürchteten, gebrandmarkt zu werden.

21. Jahrhundert Während der COVID-19-Pandemie blieb die Grenze zur Schweiz offen; aber für mehrere Monate durften die Büsinger nur eine einzige Straße über Schweizer Gebiet zum übrigen Deutschland benutzen.Exklave Büsingen: Sonderstellung bei Grenzregeln. Heilbronner Stimme, 2. Mai 2020, abgerufen am 5. Mai 2020.

2024 wurde Büsingen am Hochrhein in das sogenannte Alarmierungs- und Evakuierungskonzept des Kantons Schaffhausen aufgenommen. Im Ereignisfall wird die Bevölkerung der deutschen Gemeinde von Schaffhausen aus alarmiert.https://www.buesingen.de/ceasy/resource/?id=2610&download=1

Demografie Die Gemeinde hat 1519 Einwohner und hat mit 51,1 Jahren den höchsten Altersdurchschnitt aller Gemeinden Deutschlands (Stand 31. Dezember 2019).Zwischen Franken und Euro. Interview von Thomas Güntert mit dem Bürgermeister Markus Möll. In: Südkurier, 14. Februar 2018. Mehr als ein Drittel der Einwohner von Büsingen sind keine deutschen Staatsbürger.https://www.statistik-bw.de/BevoelkGebiet/Bevoelkerung/01035010.tab?R=GS335015

In Büsingen wird wie in der unmittelbaren Umgebung Schaffhauser Dialekt gesprochen.Caspar Heer: Büsingen – die Insel im kleinen Paradies. Neue Zürcher Zeitung, 10. Januar 2012. Die Verwendung des „ß“ ist uneinheitlich.Die offizielle Website der Gemeinde verwendet in Teilen das ß (wobei „Junkerstrasse“ ohne ß verwendet wird), lokale Unternehmen benutzen die Schweizer Schreibweise ohne ß: ,

Politik Verwaltungsgemeinschaft Büsingen bildet mit Gailingen am Hochrhein und Gottmadingen eine vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft.

Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.