Die Republik Serbische Krajina (), kurz РСК/RSK, war ein international nicht anerkanntes De-facto-Regime,z. B. das während des Kroatienkrieges von 1991 bis 1995 mithilfe der Armee der Republik Serbische Krajina etwa ein Drittel des kroatischen Staatsgebietes kontrollierte. Sein Name bezog sich auf Vojna krajina, die serbische und kroatische Bezeichnung der österreichischen Militärgrenze.
Am 19. Dezember 1991 wurde zunächst ein Teil des Gebiets als unabhängiger Staat proklamiert mit der Absicht einer späteren Angliederung an die Republika Srpska und Serbien.Mediji i rat: Kako je “Politika” izveštavala 1992. godine (2) Politika 27. ožujka 1992: Poslanici su aplauzom potvrdili pravno zaokruženje četvrte republike na tlu treće Jugoslavije.Decision of the ICTY Appeals Chamber; 18 April 2002; Reasons for the Decision on Prosecution Interlocutory Appeal from Refusal to Order Joinder; Paragraph 8
Zur Hauptstadt der RSK wurde Knin erklärt. Außerdem wurde eine eigene Währung geschaffen, der Dinar der Republik Serbische Krajina (serb. Dinar Republike Srpske Krajine). 1992 schlossen sich die serbisch kontrollierten Gebiete im Osten Slawoniens und in der Baranja der RSK an.
Ein großer Teil des Gebiets war Schauplatz eines Krieges mit Massakern an der Zivilbevölkerung, ethnischen Säuberungen und massiven Plünderungen. Tausende Menschen kamen ums Leben und Hunderttausende wurden zur Flucht gezwungen. Zerstörungen machten ganze Landstriche zu Ruinenlandschaften.
Die internationale Staatengemeinschaft richtete 1992 so genannte UN-Schutzzonen (United Nations Protected Areas, UNPAs) ein. Dies beruhigte die Lage etwas, auch wenn Waffenstillstandsabkommen immer wieder gebrochen wurden.
Im Großteil des Gebiets wurde im August 1995 im Zuge der Operation Oluja die staatliche Gebietshoheit Kroatiens hergestellt. Der restliche Teil des Gebietes in Ostslawonien wurde im Rahmen der UNTAES-Mission nach dem Abkommen von Erdut vom November 1995 bis 1998 friedlich integriert.
Vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien wurden Führer der serbischen und der kroatischen Seite wegen Kriegsverbrechen verurteilt; die Verurteilungen der kroatischen Generäle wurden 2012 vom Berufungsgericht aufgehoben.Kein „verbrecherisches Unternehmen“, orf.at vom 16. November 2012, abgerufen am 16. November 2012.
Geographie mini|hochkant|Die Regionen und Hauptorte auf dem Territorium der Republik Serbische Krajina. Das Territorium der Republik Serbische Krajina setzte sich zusammen aus einem Gebiet von der Banija über den Kordun und die Lika bis ins Hinterland Norddalmatiens sowie aus Teilen West- und Ostslawoniens. Die drei Teile hatten nur über das serbisch kontrollierte Gebiet im Norden Bosniens bzw. die Bundesrepublik Jugoslawien Verbindung untereinander. Die faktische Grenze war die Waffenstillstandslinie, die dem Frontverlauf von Anfang 1992 entsprach.
Bevölkerung mini|links|Bevölkerung im April 1991 und Juli 1992 mini|Serbische Bevölkerungsanteile in Kroatien 1981 Laut Ergebnis der Volkszählung von 1991 lebten im Frühjahr 1991 auf dem Gebiet der späteren Republik Serbische Krajina insgesamt etwa 470.000 Menschen, davon 246.000 Serben, 168.000 Kroaten und 56.000 Angehörige anderer Nationalitäten, wobei in den einzelnen später zur RSK gehörenden Landesteilen die jeweilige regionale Bevölkerungsverteilung (auf 100 gerundet) wie folgt war:ICTY-Anklage gegen Slobodan Milošević, Absatz 69 (PDF; 3,3 MB) SerbenKroatenanderegesamtspätere RSK gesamt245.800 (52,3 %)168.000 (35,8 %)55.900 (11,9 %)469.700UNPA-Sektor Nord und Süd170.100 (67 %)70.700 (28 %)13.100 (5 %)253.900UNPA-Sektor West14.200 (60 %)6.900 (29 %)2.600 (11 %)23.700UNPA-Sektor Ost61.500 (32 %)90.500 (47 %)40.200 (21 %)192.200 Anmerkung: Diese Tabelle sollte nur zur überblickshaften Veranschaulichung dienen. Dabei wird außer Acht gelassen, dass die Bevölkerungszusammensetzung des betreffenden Gebietes äußerst inhomogen ist und es in nahezu jeder Ortschaft zum Teil bedeutende Minderheiten der einen oder anderen Volksgruppe gab.
In den ländlich geprägten Regionen (Knin, Kordun, Banija) stellten Serben mit 154.461 Personen 67 Prozent der Bevölkerung. In Slawonien insgesamt wurden 200.460 Serben gezählt. Dies entsprach 20 Prozent der Bevölkerung. Insgesamt waren dies 61 Prozent aller in Kroatien lebenden Serben.Holm Sundhaussen: Der Gegensatz zwischen historischen Rechten und Selbstbestimmungsrechten als Ursache von Konflikten: Kosovo und Krajina im Vergleich. S. 22, vgl. Literatur
Der Gründung der Republika Srpska Krajina gingen großflächige Vertreibungen (sog. „ethnische Säuberungen“) von über 170.000 nicht-serbischen Einwohnern, vorwiegend Kroaten, aus den betroffenen Gebieten voraus. Eine unbekannte Zahl von Zivilisten wurden darüber hinaus ermordet. Des Weiteren wurden viele in Gefangenenlagern festgehalten. Nur so konnte ein zusammenhängendes Gebiet mit serbischer Bevölkerungsmehrheit geschaffen werden.
Die Lebensbedingungen in den „Hafteinrichtungen“ sollen brutal und von unmenschlicher Behandlung, Überfüllung, Hunger, Zwangsarbeit, unzureichender medizinischer Versorgung und ständigen physischen und psychischen Übergriffen, einschließlich Scheinexekutionen, Folter, Schlägen und sexuellen Angriffen charakterisiert gewesen sein.
Etwa 5000 Bewohner der ostkroatischen Stadt Ilok, 20.000 Bewohner der Stadt Vukovar und 2500 Bewohner der Stadt Erdut sollen gewaltsam in Gefangenenlager gebracht worden sein.Quelle für die Zahlen und weitere Inhalte: ICTY-Anklage gegen Slobodan Milošević, Absatz 36k (PDF; 3,3 MB)
Im Anschluss an die im Sommer 1995 durchgeführte Militäroperation Oluja („Sturm“), bei der die kroatische Armee das Gebiet der RSK eroberte, kam es wiederum zu Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an Zivilisten. Laut UNO-Statistik flohen ca. 200.000 Krajina-Serben in die Republika Srpska, nach Serbien und Montenegro und in die UNTAES-Zone.http://www.un.org/documents/ga/docs/50/plenary/a50-648.htm
Geschichte Vorgeschichte 1941–1990 Während des Zweiten Weltkriegs waren Krajina-Serben dem Völkermord im faschistischen Unabhängigen Staat Kroatien (NDH) in dem von den Achsenmächten besetzten Jugoslawien ausgesetzt, auf der anderen Seite wurden Bosniaken und Kroaten von den serbisch-monarchistischen Tschetniks verfolgt, die mit den italienischen faschistischen Besatzungstruppen im Kampf gegen Ustascha und Titopartisanen kollaborierten.
1943 erklärte die provisorische Regierung (ZAVNOH) Kroaten und Serben zu gleichberechtigten „Staatsvölkern“ in Kroatien.Dokumente des ZAVNOH auf crohis.com Auch nach den Änderungen der Verfassungsgesetze in Jugoslawien 1965 und 1974 wurden diese Rechte der serbischen Bevölkerung bekräftigt.
Seit den 1980er Jahren hatte sich in Jugoslawien eine schwere Wirtschaftskrise entwickelt, in deren Verlauf auch das politische System Jugoslawiens in Frage gestellt wurde. Die diesbezüglichen Auseinandersetzungen hatten auch nationale Komponenten, die mit dem Wohlstandsgefälle zwischen den Teilrepubliken und sich zuspitzenden Verteilungskämpfen verbunden waren.
Zerfall Jugoslawiens und Herausbildung der SAO Krajina 1990–1991
1990 fanden in allen Republiken mit Ausnahme von Serbien und Montenegro freie Wahlen statt, die jeweils von national orientierten Parteien gewonnen wurden. In Kroatien errang die damals nationalistische HDZ (Hrvatska demokratska zajednica „Kroatische Demokratische Union“) unter Franjo Tuđman die Mehrheit. Erklärte Zielsetzung der neuen Regierung war eine möglichst große Selbständigkeit Kroatiens innerhalb Jugoslawiens oder die völkerrechtliche Souveränität.
Diesem Ziel stand eine aggressive Politik des serbischen Präsidenten Slobodan Milošević gegenüber. Die HDZ fürchtete wie auch andere kroatische Parteien eine von Serbien ausgehende militärische Intervention der Jugoslawischen Volksarmee. Es wurden Gerüchte verbreitet, dass in Belgrad bereits Maßnahmen zur „Wiederherstellung der Ordnung“, d. h. der Unterdrückung aller demokratischen Bemühungen und nationalen Bestrebungen geplant waren. Dies verstärkte serbophobe Tendenzen in der kroatischen Öffentlichkeit.
mini|Blick auf Knin von der Festung Der Führer der erst im Februar gegründeten serbischen Partei Srpska Demokratska Stranka (SDS), Jovan Rašković, sah zunächst eine positive Perspektive für die Serben in Kroatien und versuchte sich von den nationalistischen Kräften in seiner eigenen Partei abzugrenzen. In Gesprächen mit Tuđman versuchte er, Möglichkeiten für einen „historischen Kompromiss“ zwischen Kroaten und Serben auszuloten. Solche Versuche wurden aber bald von gewaltsamen Zwischenfällen überschattet. Am 13. Mai 1990, dem Sonntag nach den Parlamentswahlen in Kroatien, kam es bei einem Fußballspiel zwischen Dinamo Zagreb und Roter Stern Belgrad in Zagreb zu einer großen Schlägerei mit mehr als hundert Schwerverletzten. Wenige Tage später fand in Benkovac ein Attentatsversuch auf einen örtlichen SDS-Funktionär statt. Dies führte zur Radikalisierung innerhalb der SDS. Sie setzte die Mitarbeit ihrer wenigen Abgeordneten im kroatischen Parlament aus.Hannes Grandits und Carolin Leutloff: Discourses, actors, violence: the organisation of war-escalation in the Krajina region of Croatia 1990-91, in: Potentials of disorder: New Approaches to Conflict Analysis. Edited by Jan Koehler and Christoph Zürcher, Manchester University Press 2003
Die Regierung unter Tuđman stufte die rund 580.000Volkszählung in Kroatien 1991, Bevölkerung nach Nationalität, dzs.hr, Seite 13 v. 34, abgerufen am 21. September 2019 in Kroatien lebenden Serben in einer neuen Verfassung vom zweiten Staatsvolk zur Minderheit herab. Die Abschaffung der notwendigen Zweidrittelmehrheit bei nationalitätenpolitischen Beschlüssen des kroatischen Parlaments nährte Diskriminierungsängste der Serben und weckte Erinnerungen an den Ustascha-Staat im Zweiten Weltkrieg. Die zunehmende Tolerierung von Ustascha-Symbolen, die berufliche Diskriminierung von Serben, ein provokant-brutales Vorgehen der Polizei, nationalistische Agitation, die Verharmlosung serbischer Opfer im Zweiten Weltkrieg und eine wachsende Serbophobie heizten nationale Emotionen an. Sie wurden sowohl von kroatischen wie serbischen Politikern geschürt.Holm Sundhaussen: Der Zerfall Jugoslawiens und dessen Folgen, in: "Das Parlament" mit der Beilage "Aus Politik und Zeitgeschichte", Ausgabe 32 vom 4. August 2008 online
Die Situation spitzte sich besonders in der Region Knin zu. Hier hatten sich auf serbischer Seite die Machtverhältnisse zugunsten des radikalen Flügels in Person von Milan Babić, damals Bürgermeister von Knin, verschoben. Babić sprach sich für eine territoriale Autonomie der serbischen Minderheit aus. Am 25. Juli 1990 erklärte die Führung des serbischen Bevölkerungsteils um Milan Babić aufgrund der sich abzeichnenden kroatischen Verfassungsänderung die „Souveränität und Autonomie des serbischen Volkes in Kroatien“ und gründete einen so genannten Nationalrat. Nachdem es Mitte August 1990 während der so genannten Baumstammrevolution zu Straßenblockaden an den Grenzen der von Serben beanspruchten Gebiete gekommen war, führte ein Ende August in der Gegend von Knin organisiertes Referendum am 2. September 1990 zur Proklamation des Serbischen Autonomen Gebiets Krajina (Srpska autonomna oblast Krajina, SAO Krajina).Dunja Melčić (Hrsg.): Der Jugoslawien-Krieg. Westdeutscher Verlag, Opladen/Wiesbaden 1999, ISBN 3-531-13219-9, S. 545. Den kroatischen Behörden wurde die Legitimität abgesprochen und sie wurden an jeglichen Tätigkeiten in mehrheitlich serbisch besiedelten Gebieten gehindert.
Im März 1991 kam es zu ersten heftigen gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der kroatischen Polizei auf der einen und serbischen Freischärlern auf der anderen Seite. Als Beginn wird oft der bewaffnete Zwischenfall bei den Plitvicer Seen genannt.
Ausrufung der RSK