Windeck ist eine Gemeinde im Osten des Rhein-Sieg-Kreises in Nordrhein-Westfalen. Hier leben rund Einwohner (Stand: ) beiderseits der Sieg. Die Kommune entstand 1969 durch Zusammenlegung der Gemeinden Herchen, Dattenfeld und Rosbach. Sie wurde nach der Burgruine Windeck benannt.

Geographie Geographische Lage Die Gemeinde liegt im Naturpark Bergisches Land und im Übergangsraum zwischen Bergischem Land, Westerwald und Siegerland im Dreieck Köln–Bonn–Siegen. Nachbargemeinden sind im Westen Eitorf und im Nordwesten Ruppichteroth, beide im Rhein-Sieg-Kreis. Im Norden grenzt Windeck an Waldbröl und Morsbach, beide im Oberbergischen Kreis, im Osten an Hamm, im Süden an Altenkirchen-Flammersfeld im Landkreis Altenkirchen in Rheinland-Pfalz.

Nächstgelegene Großstadt ist die 30 Kilometer östlich gelegene Universitätsstadt Siegen, Bonn liegt rund 35 Kilometer westlich von Windeck. Die Millionenstadt Köln und die rheinland-pfälzische Stadt Koblenz sind jeweils rund 50 Kilometer von Windeck entfernt.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Windeck gliedert sich verwaltungsmäßig in die Ortsteile Dattenfeld, Herchen, Leuscheid, Rosbach, Schladern und Windeck, zu denen insgesamt 66, zum Teil sehr kleine, Ortschaften gehören.Gemeinde Windeck, Homepage der Gemeinde Windeck.

Die einwohnerstärksten Ortschaften sind (Stand: 31. Dezember 2011):

Ortschaft Einwohner Rosbach 3968 Dattenfeld 2347 Leuscheid 1170 Schladern 1150 Herchen 1086

Alle Ortschaften (alphabetisch):

Ehemalige Ortsteile sind hier gelistet.

Geschichte mini|Burg Windeck mini|Panorama der Burgruine mini|Burg Dattenfeld, ein ehemaliges Pfarrhaus mini|Die Herchener „Kölner Kanonen“ mini|Die katholische Kirche in Herchen Das Gebiet der Gemeinde Windeck wurde bereits vor dem Ende der letzten Kaltzeit von jagenden Menschengruppen aufgesucht, wie der Fund eines „Retuscheurs“ – eines Steins, der zur Bearbeitung anderer Steine diente – in der Nähe von Windeck-Dreisel zeigt, der auf Grund von Parallelen im Neuwieder Becken in die Zeit um 11.000 v. Chr. datiert werden kann. Der Stein enthält auf beiden Seiten je eine Tiergravur, von denen das Abbild einer Elchkuh noch gut erkennbar ist, während die Gravur auf der anderen Seite beschädigt und nicht mehr klar zu deuten ist.Eine Elchkuh aus der Eiszeit. In: Archäologie in Deutschland, 2/2006, S. 5.

Die spätere Geschichte Windecks ist mit der Geschichte der Burg Windeck verbunden. Nach den Grafen von Thüringen und den Erzbischöfen von Köln ging Windeck über die Grafen von Sayn an das Herzogtum Berg und bildete als Amt Windeck eine eigene Amtsverwaltung des Bergischen Landes. Wüstungen wie Augeben und Verlorene werden erwähnt.

Unter Napoleons Herrschaft wurde die Gegend 1806 Teil des neugebildeten Großherzogtums Berg und es wurden die Mairie Dattenfeld mit der Mairie Rosbach zu einer Munizipalität im Kanton Waldbröl zusammengelegt. Der Munizipal wirkte von Burg Mauel aus, in Burg Hof stand ein Militärkommando. Nach dem Wiener Kongress 1815 kam das Gebiet mit dem größten Teil des aufgelösten Großherzogtums Berg zum Königreich Preußen, wo es als Gemeinde Dattenfeld zum Kreis Waldbröl gehörte. Herchen war damals der Munizipalität Eitorf zugeschlagen worden und kam infolgedessen zum Kreis Uckerath und mit diesem zum Siegkreis. 1932 wurde der Kreis Waldbröl aufgelöst und das Amt Dattenfeld kam wie die Gemeinden Dattenfeld und Rosbach zum Siegkreis. Am 1. August 1969 wurden die drei Gemeinden Herchen, Dattenfeld und Rosbach in der Gemeinde Windeck zusammengefasst. Es war geplant, Herchen wieder Eitorf zuzuordnen. Diese Regelung hätte aber zu wenig Einwohner für die Gemeinde Windeck gebracht und wurde verworfen.

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt vor allem Rosbach schwere Zerstörungen. Vermutlich war dort eine Eliteeinheit der Waffen-SS stationiert, weshalb der Ort am 2. Februar 1945 von 20 britischen Bombern angegriffen wurde. Die Bomben trafen vor allem den Kirchhof, zerstörten das heutige Bürgermeisteramt (damals Apotheke) und mehrere umliegende Gebäude. 42 Menschen kamen ums Leben. Anfang März 1945 wurde die Siegbrücke im Rahmen des Projekts Verbrannte Erde gesprengt. Die Kirche blieb erhalten, nur die Fensterscheiben gingen zu Bruch; zwei Glocken waren zuvor für Kriegszwecke eingeschmolzen worden. Nach dem Angriff besetzten amerikanische Truppen das Gebiet.

Der Wiederaufbau begann 1946, zunächst von Frauen, da viele Männer noch in Kriegsgefangenschaft waren. Mit Unterstützung der Firma Hermes wurde der zerstörte Eisenbahnverkehr wiederhergestellt, und provisorische Übergänge über die Sieg ermöglichten die Versorgung. Trotz der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen am 23. August 1946 blieb die Versorgungslage schwierig, da die Besatzungsgrenzen den Handel behinderten.

Die spätere kommunale Gebietsreform hatte verschiedene Gründe. Nach dem Krieg führten Mobilität und wirtschaftlicher Wandel dazu, dass die Bevölkerung größere Verwaltungseinheiten bevorzugte.Köstering, 1975 Zudem erwarteten ländliche Bewohner ähnliche Versorgungsangebote wie in den Städten. Die alten, teils 200 Jahre bestehenden Gemeindegrenzen galten als überholt. Kleinere Gemeinden konnten die Verwaltungsaufgaben nicht mehr selbstständig erfüllen. Auch viele Kreise waren zu klein, um eine angemessene Daseinsvorsorge sicherzustellen.

Gutachten legten Mindestgrößen fest: Gemeinden sollten mindestens 8000, in Ausnahmefällen 5000 Einwohner haben; die Grundversorgung sollte innerhalb einer halben Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Orte mit über 30.000 Einwohnern sollten als Versorgungszentren dienen.

Zum Zeitpunkt der Reform bestanden im Windecker Gebiet die Gemeinden Dattenfeld (4949 Einwohner, 27,2 km²), Herchen (5313 Einwohner, 46,19 km²) und Rosbach (6627 Einwohner, 33,83 km²). Da alle drei zu klein waren, sah die Reform ihren Zusammenschluss zur Gemeinde Windeck vor. Besonders Herchen bevorzugte eine Eingliederung nach Eitorf, doch nach politischen Auseinandersetzungen einigte man sich auf die heutige Lösung. Am 1. August 1969 entstand die Gemeinde Windeck mit 17.452 Einwohnern auf 107,24 km². Dabei wurden auch Einrichtungen wie die Feuerwehr Windeck zentral organisiert; der erste Gemeindedirektor war Herr Krämer.

Einwohnerentwicklung (jeweils am 31. Dezember) Jahr Einwohner 1970 16.886 1980 17.549 1990 18.456 1999 20.832 2000 20.811 2001 21.048 2002 21.006 2003 21.100 Jahr Einwohner 2004 21.137 2005 21.124 2006 21.012 2007 20.870 2008 20.679 2009 20.565201020.455201118.895 Jahr Einwohner201218.769201318.724201418.661201518.931201618.842 2017 18.937201818.773201918.730 Jahr Einwohner202018.869202118.864202219.500202319.561202419.555 2025 19.482 mini|400px|Einwohnerentwicklung von Windeck 1970 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle

Politik

Gemeinderat Die 32 Sitze des Gemeinderats verteilen sich wie folgt: +Partei/ListeSitze2025202020142009 CDU11121212 SPD991413 AfD5––– Grüne4633 Die Linke1111 FDP1213 Piraten11–– Volksabstimmung–11–

Bürgermeister 1999–2004: Jürgen Klumpp (CDU) 2004–2012: Jürgen Funke (SPD) 2012–2018: Hans-Christian Lehmann (SPD) seit 2018: Alexandra Gauß (Bündnis 90/Die Grünen)

Alexandra Christine Gauß wurde am 18. November 2018 mit 53,8 % der Stimmen zur Bürgermeisterin gewählt. Ihre Kandidatur wurde von CDU, FDP und den Grünen unterstützt. Bei der Bürgermeisterwahl am 14. September 2025 wurde sie mit 81,1 % der Stimmen für eine weitere Amtszeit gewählt.

Wappen Der Gemeinde Windeck ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten in Köln vom 4. Mai 1972 das Recht zur Führung eines Wappens verliehen worden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|„Siegtaldom“ St. Laurentius in Dattenfeld mini|hochkant|Die evangelische Kirche Leuscheid am August-Sander-Platz mini|hochkant|Basaltsteinbruch Blauer Stein Bauwerke Burg Windeck (Castrum novum) – Burgruine Die Alte Burg Windeck (Castrum vetus) – Burgruine Siegtaldom St. Laurentius – das Wahrzeichen von Dattenfeld Burg Dattenfeld Burg Mauel Burg Hof bei Rosbach Burg (Haus) Broich bei Altwindeck – Burgruine Burg (Haus) Benzekausen (Benzinckhausen, Benzinchusin) bei Gansau – Burgruine Hangmotte Burg Huen zu Stein (Margaretenburg) auf dem Grengelsberg bei Dreisel – Burgruine (Plateau und Schutt-Tumulus) Burg Reifershardt in Werfen Ringwälle bei Stromberg Altwindeck – mehrmals als schönstes Dorf im Rhein-Sieg-Kreis ausgezeichnet Besucherbergwerk Grube Silberhardt in Oettershagen Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“ in Rosbach Gerichtsstätte des Amtes Windeck an der „Alten Straße“ auf dem Nutscheid. Die Delinquenten wurden dort enthauptet. Zwei Hinrichtungen sind belegt, 1744 ein Falschmünzer und 1766 eine Mutter, die ihre Kinder getötet hat. Auf der Mercatorkarte von 1575 war diese Stätte schon verzeichnet. mini|hochkant|Windecks Gericht Der Alte Stuhl – mittelalterliche Femegerichtsstätte (Freistuhl) bei Hurst Hindenburgdenkmal in Herchen, heute eine Aussichtsplattform „Kölner Kanonen“ in Herchen Pulvermühle Elisenthal Thingplatz Herchen Überreste des Klosters Herchen, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster

Theater Förderkreis Windecker Matinéeverein Theatergruppe Windeck Hobbybühne Hurst

Museen Heimatmuseum in Altwindeck Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“ in Rosbach Besucherbergwerk Grube Silberhardt in Öttershagen

Naturdenkmäler Blutbuche Zur Alten Schmiede, Windeck-Herchen Stieleiche Burg-Windeck-Str. 25, Windeck-Schladern, ein 500 Jahre alter Baum neben einem knapp 200 Jahre alten Fachwerkhaus („Stranghöhners“-Haus) Stieleiche Alte Brücke 5, Windeck-Herchen, ein 200 Jahre alter Baum mit 25 m Höhe Stieleiche Roth 6, Windeck-Roth 32 Stieleichen An den Eichen und Am Eichenhain, Windeck-Stromberg Sommerlinde Kapellenweg 14, Windeck-Rosbach, ein Baum, der vermutlich beim Bau der danebenliegenden Kapelle um 1743/1744 gepflanzt wurde Basaltkrater Kuchhausen Heilbrunnen Ohmbach Heilbrunnen Halscheid Siegfall in Schladern, Liste des Rhein-Sieg-Kreises.

Naturschutzgebiete ehemalige Siegschleife Dreisel Sieg (Naturschutzgebiet) mit Altarm der Sieg, Krummauel Rosbachtal Steinbruch Imhausen Wälder auf dem Leuscheid Silikatfelsen an der Sieg Hohes Wäldchen auf dem Nutscheid

Sport Volleyball: Der TSV Germania Windeck spielte 2007 bis 2010 in der 2. Bundesliga Nord. Bis zur Saison 2005/06 spielte der Verein unter dem Namen TuS Schladern. Die Heimspiele finden in der Sporthalle des Bodelschwingh-Gymnasiums statt. Fußball: Der TSV Germania Windeck spielt seit der Saison 2008/09 in der NRW-Liga und trat in der 1. Hauptrunde des DFB-Vereinspokals der Saison 2010/11 gegen den FC Bayern München an. Das Spiel gegen den deutschen Rekordmeister ging im Stadion des 1. FC Köln vor einer Kulisse von 41.100 Zuschauern mit 0:4 verloren. Damit ist es das Erstrunden-Pokalspiel mit den meisten Zuschauern, an dem ein Amateur-Verein jemals teilnahm. Breitensport: Die Gemeinde Windeck kann eine Vielzahl von Turn- und Sportvereinen aufweisen. Der TV Rosbach 1965 zählt mit seinen über 800 Mitgliedern zum größten Vertreter der Region. Weitere Sportvereine gibt es unter anderem in den Ortschaften Herchen und Schladern. 2008 richtete die Windecker Bogengilde die deutsche Meisterschaft des Deutschen Bogensport-Verbandes im Feld- und Waldbogen rund um die Burg Windeck aus. 2022 richtete der SV Leuscheid die Frauen-Weltmeisterschaften des Deutschen Highland Games Verbandes aus sowie in den Folgejahren mehrere Deutsche und NRW-Meisterschaften.

Regelmäßige Veranstaltungen mini|Die kleine Herchener Dorfkirmes Karneval Der rheinische Karneval ist in der Gemeinde in mehreren Orten vertreten. Karnevalsgesellschaften gibt es in Dattenfeld, Herchen, Schladern und Hurst. Jährlich finden Sitzungen und Umzüge statt.

Siegtal pur Gemeinsamer Autofreier Tag der Siegtalgemeinden von Netphen (Quelle) bis Siegburg (Mündung) am ersten Sonntag im Juli mit Sperrung der Straßen entlang der Sieg für den Kraftfahrzeugverkehr und freier Fahrt für Fahrradfahrer und Skater.