mini|Auktionator des Auktionshauses Christie’s Eine Auktion () (auch Versteigerung oder in Österreich Lizitation) ist eine Art der Verhandlung über den Kaufpreis von Gütern.

Allgemeines Bei einer Auktion (, „Vermehrung“Ursula Hermann: Knaurs etymologisches Lexikon. 10000 Wörter unserer Gegenwartssprache; Herkunft und Geschichte. Droemer Knaur, München 1983, ISBN 3-426-26074-3, S. 59.) geben zumeist die Kaufinteressierten („Bieter“) verbindliche Gebote auf ein Auktionsgut ab. Die Auktionsgüter sind oft während der Auktion physisch vorhanden und/oder können vor der Auktion besichtigt werden. Die Bieter machen dem Verkäufer bzw. dem in dessen Auftrag handelnden Auktionator ein Angebot (Willenserklärung, die auf den Abschluss eines Kaufvertrags gerichtet ist). Bei einer traditionellen Auktion obliegt die Abwicklung der Auktion einem Auktionator. Er versteigert die Auktionsgüter an anwesende und/oder telefonisch mit steigernde Bieter.

Bei den meisten Auktionen steigen die Gebote an – das höchste Gebot wird zuletzt genannt und erhält den Zuschlag. Es gibt jedoch auch Rückwärtsauktionen (siehe unten – wer als erster bietet, kauft damit das Auktionsgut).

Hintergrund dieser Preisfindung sind Informationsasymmetrien im Markt. Während der Anbieter seine Ware zu einem höchstmöglichen Preis verkaufen will, möchte der Bieter die Ware zu einem möglichst niedrigen Preis ersteigern. Der Anbieter kennt häufig nicht die Zahlungsbereitschaft der Interessenten. Setzt er einen zu hohen Preis fest, kann er seine Ware nicht verkaufen. Setzt er einen zu niedrigen Preis fest, entgeht ihm ein Teil des möglichen Gewinns. Die Bieter kennen zwar ihre eigene Zahlungsbereitschaft, aber nicht die Zahlungsbereitschaft der anderen Interessenten. Es kommt daher vor, dass ein Bieter sich von anderen Bietern beeinflussen lässt und mehr bietet als ursprünglich geplant. Manchmal liefern sich mehrere Bieter ein sogenanntes Bietergefecht. Bei Rückwärtsauktionen sind Bietergefechte nicht möglich.

Die Auktionstheorie beschäftigt sich mit der Analyse von Auktionsmechanismen und Bieterstrategien aus Sicht der Mikroökonomie und der Spieltheorie.

Überblick über häufige Auktionsformen

Es gibt große Unterschiede zwischen Auktionshäusern und zwischen Auktionsmodellen. Traditionelle Auktionshäuser wie Sotheby’s, Christie’s, Lempertz oder Dorotheum arbeiten recht ähnlich. Man kann unterscheiden zwischen dem traditionellen Auktionswesen (Versteigerung nach BGB) und Online-Auktionen, wie sie z. B. auf eBay stattfinden. Traditionelle Auktionshäuser versteigern auch in Internet-Live-Auktionen Gegenstände (etwa über die deutsche Plattform LOT-TISSIMO). Die folgende Tabelle nennt Unterscheidungsmerkmale zwischen traditionellen Auktionen, Online-Auktionen und Internet-Live-Auktionen:

Traditionelle Auktion Online-Auktion Internet-Live-AuktionTeilnahme an der Versteigerung im Sinne von BGBAm Ort des Auktionshauses im dortigen Versteigerungssaal, oder per TelefonNicht möglichMittels Personal Computer, Notebook, Tablet PC und Smartphone oder am Ort des Auktionshauses im dortigen Versteigerungssaal, oder per TelefonBegutachtung der WareDurch Fachleute auf Basis des Originals, eines Zertifikates oder durch BilderDurch den Käufer meist auf Basis der Beschreibung und elektronischer Bilder auf der AngebotsseiteIm ersten Schritt über ein Netzwerk von Experten, auf Basis von Fotos und/oder Gutachten. Im zweiten Schritt durch Fachleute auf Basis des Originals, am Ort des AuktionshausesBeschreibung der WareDurch eine vom Auktionator beauftragte unabhängige und qualifizierte Instanz oder durch Experten innerhalb des AuktionshausesDurch den VerkäuferDurch eine vom Auktionator beauftragte unabhängige und qualifizierte Instanz oder durch Experten innerhalb des AuktionshausesBewertung der WareBegründet, objektiv im Vergleich zu MarktstandardsZum Teil durch den Verkäufer, oft wird keine Bewertung vorgenommenBegründet, objektiv im Vergleich zu Marktstandards, Veröffentlichung von Auktionsergebnissen online über Datenbanken wie Artnet, manchmal Indexierung von Auktionsergebnissen auf der eigenen Webseite des AuktionshausesPräsentation der WareOft in aufwändig gestalteten KatalogenDurch den Verkäufer im InternetDurch das Auktionshaus mittels High Definition Television Livestream im Internet, vor der Auktion per OnlinekatalogBesichtigung der WareAm Ort der Auktion (zentral) vor und während der AuktionIn der Regel nicht möglich (dezentral beim Verkäufer)Während der Auktion mittels Livestream im Internet, zusätzlich am Ort der Auktion (zentral) vor und während der AuktionDauer der AuktionWenige Sekunden bis Minuten für einen Artikel. Wobei viele Auktionshäuser nach der Veröffentlichung der Ware im Auktionskatalog Gebote auch schon im Vorfeld der Auktion schriftlich annehmen. Die Berücksichtigung dieser schriftlichen Gebote erfolgt aber erst beim Aufruf im Auktionssaal.Wenige Tage bis Wochen für einen ArtikelWenige Minuten für einen Artikel. Ausnahmslos erst nachdem der Auktionator mittels Aufruf festgestellt hat, dass keiner der Anwesenden, ob an Ort und Stelle oder online, das letzte vorliegende Gebot überbieten möchte.Gebotabgabe für einen ArtikelWährend der Auktion oder schriftlich im VorausInnerhalb der Auktionsdauer direkt oder auch mittels eines Biet-AgentenWährend der Auktion online oder am Ort des Auktionshauses, alternativ auch per Telefon, oder im Vorfeld der Auktion online über die Webseite des Auktionshauses, oder über mit dem Auktionshaus syndizierte Partnerwebseiten, sowie per Mail, Fax, Briefpost oder persönlicher Übergabe am Ort des Auktionshauses als sogenanntes Vorgebot. Die Berücksichtigung von Vorgeboten erfolgt ausnahmslos erst beim Aufruf des Versteigerungsgutes im Auktionssaal.Ende einer AuktionNach Abgabe des höchsten GebotesZu einer festgelegten ZeitNach Abgabe des höchsten Gebotes, und dem Ausruf „Zum ersten, zum Zweiten und zum Dritten“ durch den Auktionator, und dem darauf folgenden HammerschlagVersand/ExportDurch Auktionshaus organisiert, oder Kunde holt die Ware persönlich ab.Vom Verkäufer organisiert, oder Kunde holt die Ware persönlich ab.Durch Auktionshaus organisiert, oder Kunde holt die Ware persönlich ab.Identität der Käufer und VerkäuferSind dem Auktionshaus persönlich bekannt.Keine sichere Überprüfung der Identität.Sind dem Auktionshaus persönlich bekannt. Überprüfung der Identität von Käufern und Verkäufern erfolgt elektronisch mittels Risikomanagement-Verfahren, meist durch Prüfungsunternehmen wie TÜV SÜD zertifiziert.Vorschuss für die EinlieferungJe nach Art und Wert der Ware wird dem Verkäufer im Regelfall ein verzinslicher Vorschuss gewährt.Nicht anwendbarJe nach Art und Wert der Ware wird dem Verkäufer im Regelfall ein verzinslicher Vorschuss gewährt. Der Zinssatz ist auf der Webseite des Auktionshauses einsehbar.Provisionen/KommissionenWird in der Regel sowohl dem Einlieferer, als auch dem Bieter (Käufer) berechnet. Kann aber auch unterschiedlich abweichen und wird je nach Auktionshaus unterschiedlich gehandhabt.Wird in der Regel nur dem Verkäufer berechnet.Käufer und Verkäufer bezahlen unterschiedliche Gebühren, der Tarif ist auf den Webseiten der Auktionshäuser einsehbar.ZahlungsabwicklungenDurch Auktionshaus als Treuhänder (anonym)Meist direkte Abwicklung zwischen Käufer und Verkäufer, sonst im elektronischen Zahlungsverkehr, z. B. per PayPal oder Visa, Mastercard, American Express oder Diners ClubDurch Auktionshaus als Treuhänder, überwiegend im elektronischen Zahlungsverkehr, z. B. per PayPal oder Visa, Mastercard, American Express oder Diners ClubReklamationenDurch Auktionshaus vermittelt, überprüft und geschlichtet (anonym). Wenn Auktionshäuser im Auftrag arbeiten, ist eine direkte Bekanntgabe des Einlieferers auf Verlangen jederzeit möglich, aber in der Regel nicht üblich.Meist direkte Abwicklung zwischen Käufer und VerkäuferDurch Auktionshaus vermittelt, überprüft und geschlichtet (anonym). Zertifizierung des Schlichtungsprozesses durch Prüfungsunternehmen wie TÜV SÜD oder Trusted Shops.

Als wichtigste Aufgaben eines traditionellen Auktionshauses gelten die fachlich fundierte und angemessene Beschreibung und Dokumentation der Ware sowie die treuhänderische Abwicklung des Handelsgeschäftes.

Traditionelle Auktion

Vorbereitung Einlieferung Den gesamten Posten aller einzelnen Teile, die zu einer Auktion versteigert werden soll, nennt man Einlieferung und denjenigen, der die Ware dem Auktionshaus zur Versteigerung überlässt, nennt man entsprechend Einlieferer.

In der Regel wird zwischen dem Verkäufer (Einlieferer) und dem Auktionshaus eine Vereinbarung getroffen, einen wertvollen Gegenstand, eine Sammlung oder einen Teil davon zu verkaufen. Das Zustandekommen einer solchen Vereinbarung kann sehr verschieden erfolgen: Es handelt sich um einen Nachlass, und die Erben versuchen zu verkaufen. Ein Sammler will sich von einem Teil seiner Sammlung lösen. Ein Händler versucht, einen besonderen Posten optimal zu verkaufen.

Je nach Auktionssparte, Auktionshaus und Wert der eingelieferten Ware kann bei manchen Einlieferungen dem Einlieferer ein Vorschuss auf den zu erwartenden Verkauf gewährt werden. Solche Vorschüsse, alle anfallenden Zinsen, Prüfspesen und andere Kosten, werden genauestens dokumentiert und bei der späteren Abrechnung nach der Auktion mit dem beim Verkauf erzielten Ertrag aufgerechnet.

Traditionelle Auktionshäuser veranstalten meist eine gewisse Anzahl von Auktionen im Jahr, bei denen Objekte aus verschiedenen Sparten (z. B. Porzellan, Möbel, Schmuck, Münzen, Gemälde usw.) angeboten werden, andere halten gesonderte Auktionen für einzelne Sparten ab oder sind generell auf eine bestimmte Ware spezialisiert. Mitunter werden aber auch besondere Auktionen veranstaltet, wenn etwa eine bestimmte Sammlung aufgelöst oder das Inventar eines ganzen Schlosses versteigert wird. Damit ist oft auch ein besonderer Werbeeffekt verbunden, wenn es sich um eine bekannte Sammlung handelt, zudem kann die nachweisbare Herkunft aus einer solchen den Wert des einzelnen Objekts erhöhen. Andererseits kann es aus Sicht des Auktionshauses auch sinnvoll sein, eine große Sammlung ähnlicher Objekte bewusst nicht auf einmal zu veräußern, damit kein Überangebot entsteht, das zu niedrigeren Preisen führen kann.

Auf Anonymität für Einlieferer und Käufer wird Wert gelegt, d. h. die Namen der Einlieferer sind in der Regel nicht im Katalog aufgeführt und ebenso wird die Identität des Käufers nicht preisgegeben.Eva N. Dzepina: Auskunftsansprüche nach Auktionen. In: borgelt.de

Üblicherweise finden traditionelle Auktionen in den Räumen des Auktionshauses statt, wo auch die zu versteigernden Objekte gelagert werden und vorher besichtigt werden konnten. Eine Auktion (und Vorbesichtigung) kann aber auch an einem anderen Ort stattfinden, z. B. wenn das Inventar eines Unternehmens versteigert wird – etwa große Maschinen oder umfangreiche Warenbestände, die nicht demontiert bzw. transportiert werden können.

Material sichten und prüfen Das eingelieferte Material wird von Fachexperten im Auktionshaus grob sortiert, detailliert gesichtet und geprüft. Dieser Vorgang kann in einem oder mehreren Schritten erfolgen. Anhand der Einschätzung der Experten wird die Entscheidung getroffen, wie das Material für die Auktion in Lose (auch Lot, Konvolut) aufgeteilt wird.

Ebenfalls in den Zusammenhang der Materialprüfung gehört die Recherche der Herkunft. So sollte bei verdächtigen Objekten eine Überprüfung durchgeführt werden, um eventuelles Diebesgut auszuschließen. Hierzu werden etwa einschlägige Datenbanken wie das Art-Loss-Register durchsucht. Im Bereich von Kunst und Antiquitäten kann eine Untersuchung notwendig sein, ob die Provenienz einen Hinweis darauf geben könnte, dass es sich vielleicht um Raubkunst handelt.

Material beschreiben