mini|Alfred Jodl (1940) Alfred Josef Ferdinand Jodl, vor 1899 Alfred Josef Baumgärtler (* 10. Mai 1890 in Würzburg; † 16. Oktober 1946 in Nürnberg), war ein deutscher Heeresoffizier (ab 1944 Generaloberst). Während des Zweiten Weltkrieges war er als Chef des Wehrmachtführungsstabs im Oberkommando der Wehrmacht an führender Stelle an der Planung der deutschen Militäroperationen beteiligt.

Alfred Jodl gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof angeklagten Personen. Er wurde am 1. Oktober 1946 in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen, zum Tod durch den Strang verurteilt und mit neun weiteren Verurteilten am 16. Oktober 1946 in Nürnberg hingerichtet.

Leben

Familie Jodls Familie entstammte väterlicherseits ursprünglich aus Tirol, lebte aber in Bayern. Seine Eltern waren Alfred Jodl und Therese Baumgärtler. Die Vorfahren von Therese kamen aus Franken. Als Soldat kommandierte Jodls Vater Alfred eine Batterie des Königlichen Bayrischen 2. Feldartillerie-Regiments. Er dachte „großdeutsch“ und „nationalliberal“. Die ersten drei Töchter des Paares starben als Säuglinge. Am 10. Mai 1890 wurde in Würzburg ihr Sohn Alfred geboren. Sechs Jahre später bekamen sie einen weiteren Sohn namens Ferdinand. In dieser Zeit lebten die Eltern noch unverheiratet zusammen, da Therese Baumgärtler im Regiment von Jodls Vater als „nicht standesgemäß“ galt. Um ihr Verhältnis zu legalisieren, musste er aus dem Militärdienst zuletzt als Oberst ausscheiden. Das Paar heiratete 1899.Bodo Scheurig: Alfred Jodl: Gehorsam und Verhängnis. Propyläen, Berlin / Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-549-07228-7, S. 9–10.

Am 23. September 1913 heiratete Jodl Irma Pauline Karoline Gräfin von Bullion (* 16. August 1885), mit der er bis zu ihrem Tod am 18. April 1944 verheiratet war. Sie war die älteste Schwester von Konrad und Gertraud von Bullion. Am 7. April 1945 heiratete er Luise Katharina von Benda (* 10. September 1905, † 26. Januar 1998), eine enge Freundin seiner ersten Frau.Katharina Kellmann: globkult.de; 24. Dezember 2012. Beide Ehen blieben kinderlos.

Königreich Bayern und Erster Weltkrieg Alfred Jodl besuchte ab 1895 Volksschulen in Landau in der Pfalz und ab 1899 in München. Nachdem er bis zu seinem 13. Lebensjahr das Theresien-Gymnasium München besucht hatte, trat Jodl im Jahr 1903 in das Kadettenkorps in München ein. Das Abitur bestand er aufgrund schwankender Leistungen erst im Jahr 1910 im Alter von 20 Jahren, als einer der Besten seines Jahrgangs.

Im Juli desselben Jahres trat Jodl als Fähnrich in das 4. Feldartillerie-Regiment „König“ der Bayerischen Armee in Augsburg ein. Von 1911 bis 1912 wurde er auf die Kriegsschule München kommandiert und nach seiner Rückkehr am 28. Oktober 1912 zum Leutnant ernannt.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges nahm Jodl mit seiner Einheit an der Schlacht bei Saarburg teil (20. August 1914) und wurde am 24. August 1914 am Oberschenkel verwundet. Jodl bekam daraufhin das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Erst im März 1915 konnte Jodl zur Truppe zurückkehren. Im Jahr 1916 wurde Jodl zum Oberleutnant befördert und gegen Jahresende an die Ostfront versetzt. Dort wurde er im Jahr 1917 Batteriekommandant im 72. k. ungarischen Feldkanonen-Regiment. Zu Jahresanfang 1918 wurde er als Generalstabsoffizier wieder an die Westfront versetzt. Dort bekam Jodl am 3. Mai das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen.

Weimarer Republik Nach dem Waffenstillstand von Compiègne blieb Jodl in der Armee. Im Juni 1919 wurde er Batterieführer im leichten Artillerie-Regiment 22 der Vorläufigen Reichswehr und am 1. Oktober 1919 zum Reichswehr-Artillerie-Regiment 21 nach Landsberg am Lech versetzt. 1921 wurde Jodl zum Hauptmann befördert; anschließend nahm er am Führergehilfenlehrgang I in München teil. Er war einer der zehn Jahrgangsbesten und anschließend Chef der 4. Gebirgs-Batterie im 7. (Bayerischen) Artillerie-Regiment.

mini|Alfred Jodl (Zweiter von rechts) neben seinem Bruder Ferdinand (Dritter von rechts) bei einem Manöver der 7. Division (1926)

Am 1. Oktober 1923 erfolgte eine weitere Kommandierung zum Führergehilfenlehrgang II nach Berlin. Im Mai 1924 wurde Jodl ins Reichswehrministerium nach Berlin versetzt und im Oktober als Stabsoffizier zur 7. (Bayerischen) Division nach München abkommandiert, wo er bis zum Oktober 1927 tätig war.

Mit dem 1. Oktober 1927 wurde er Chef der 5. Batterie des 7. (Bayerisches) Artillerie-Regiments. Von 1928 bis 1932 war er Lehrer für Taktik und Kriegsgeschichte. Am 1. Februar 1932 wurde er zum Major befördert und am 1. Juni 1932 zum Gruppenleiter in der Operationsabteilung im Truppenamt des Reichswehrministeriums ernannt.

Zeit des Nationalsozialismus

Vorkriegszeit Am 20. Juni 1935 wurde Jodl Chef der Abteilung Landesverteidigung im Wehrmachtführungsamt (WFA); am 1. August 1935 erfolgte die Beförderung zum Oberst. In Bischofswiesen-Stanggaß, dem Ort, in dem die Reichskanzlei Dienststelle Berchtesgaden erbaut wurde, hielt sich Jodl gelegentlich auf, wenn Adolf Hitler auf dem Berghof weilte.

Im Februar/März 1938 wurde in der Folge der Blomberg-Fritsch-Krise die Wehrmachtspitze neu gegliedert und das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) gegründet, das mit zuverlässigen Nationalsozialisten besetzt wurde. Das Wehrmachtführungsamt (WFA) mit Jodl als neuem Chef war nun Teil des OKW und unterstand dessen Chef, General der Artillerie Wilhelm Keitel, direkt. Turnusgemäß wurde Jodl am 1. Oktober 1938 von seiner bisherigen Stabsstelle auf ein neu eingerichtetes Truppenkommando als Artilleriekommandeur der 44. Infanterie-Division nach Wien versetzt. Jodls bisheriger Stellvertreter als Chef des WFA, Walter Warlimont, übernahm Jodls Aufgaben.

Nach einem halben Jahr im Truppendienst wurde Jodl am 1. April 1939 zum Generalmajor ernannt. Es war vorgesehen, dass er im Oktober 1939 als Kommandeur die 4. Gebirgs-Division übernehmen sollte. Aufgrund der für ihn bis zum 30. September 1939 geltenden Mobilmachungsorder wurde er aber noch vor der Ernennung zum Divisionskommandeur am 23. August 1939 auf seine alte Stellung als Chef des Wehrmachtführungsamtes (ab 1940 Wehrmachtführungsstab) zurückberufen.

Zweiter Weltkrieg mini|Hitlers Stab 1940 mit Jodl (rechts neben Hitler) mini|Generaloberst Jodl unterzeichnet in Reims die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht (7. Mai 1945) mini|Die Verhaftung von Jodl am 23. Mai 1945 bei der Sportschule in Flensburg-Mürwik, die sich am Rande der Marineschule Mürwik befindet Zu Beginn des Krieges gegen Polen traf Jodl während einer Frontfahrt in einem Sonderzug am 3. September 1939 erstmals persönlich mit Adolf Hitler zusammen.

Während der Krieg gegen Polen allein vom Oberkommando des Heeres (OKH) geplant worden war, wurde der Angriff auf Dänemark und Norwegen wegen der eher skeptischen Haltung im OKH im Zusammenhang mit dem Westfeldzug auf Hitlers Anordnung hin vom OKW unter Jodl geplant.Wolfgang Benz u. a.: Enzyklopädie des Nationalsozialismus. 3. Auflage. S. 250 (vgl. digitale Ausgabe: EdNS, S. 103). Auch später waren alle Operationen im Westen und in Nordafrika so genannte OKW-Kriegsschauplätze, lediglich die Ostfront blieb operativ unter der Kontrolle des OKH.

Bei der großen Beförderungswelle nach dem Sieg über Frankreich wurde Jodl am 19. Juli 1940 zum General der Artillerie befördert, wobei er den Rang des Generalleutnants übersprang.

In der Folgezeit war Jodl bald mit der Ausarbeitung von Plänen für einen Feldzug gegen die Sowjetunion beschäftigt. Die Weisung Nr. 21 vom 18. Dezember 1940, die unter dem Tarnnamen Fall Barbarossa den Angriff auf die UdSSR skizzierte, stammte maßgeblich von Jodl und seinen Mitarbeitern im Wehrmachtführungsstab. Jodl war auch an der Abfassung des völkerrechtswidrigen Kommissarbefehls beteiligt,Siehe etwa Helmut Krausnick: Kommissarbefehl und „Gerichtserlaß Barbarossa“ in neuer Sicht. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 1977, Jahrgang 25, Heft 4, S. 682–738; ifz-muenchen.de (PDF; 2,4 MB). der insbesondere anordnet: „Diese Kommissare [i. e. „politische Kommissare als Organe der feindlichen Truppe“] werden nicht als Soldaten anerkannt; der für Kriegsgefangene völkerrechtlich geltende Schutz findet auf sie keine Anwendung. Sie sind nach durchgeführter Absonderung zu erledigen.“Kommissarbefehl auf Wikisource. Im März 1941 sprach sich Jodl dafür aus, dass bei dem geplanten Feldzug die der SS unterstehenden Einsatzgruppen sowjetische Kommissare und „Bolschewistenhäuptlinge“ im Operationsgebiet ohne Verzögerung „unschädlich“ zu machen hätten (siehe Kommissarbefehl).Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden. Fischer, Frankfurt am Main 1982, S. 296 f. Tatsächlich verübten die Einsatzgruppen im Deutsch-Sowjetischen Krieg Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes.

Im Verlauf der deutschen Sommeroffensive 1942 (Fall Blau) gab es wiederholt Unstimmigkeiten zwischen Jodl und Hitler. Bereits in der Planungsphase hielt Jodl die vorgesehenen Kräfte für zu schwach, um die weitgesteckten Ziele erreichen zu können. Hitlers Eingriff in die Operationsplanung und die damit verbundene Aufteilung der Heeresgruppe Süd Anfang Juli kritisierte er heftig („Aufsplitterung der Kräfte“), aber letztlich erfolglos. Als der deutsche Angriff im Vorfeld des Kaukasus festgefahren war, stellte sich Jodl gegen Hitlers Vorwurf, die Befehlshaber vor Ort hätten die Situation verschuldet; diese hätten lediglich Hitlers Befehle befolgt. Angesichts dieser offenen Konfrontation plante Hitler Jodls Ablösung durch General Friedrich Paulus, sobald dieser Stalingrad erobert haben würde.Manfred Overesch, Friedrich Wilhelm Saal (Hrsg.): Deutsche Geschichte von Tag zu Tag. Digitale Bibliothek, Band 39 (Directmedia), Berlin 2000, S. 11178. Nach außen verbarg Jodl den Konflikt und lobte Hitler ausdrücklich für dessen strategische Weitsicht. In einem Vortrag zur strategischen Lage am 7. November 1943 in München vor den Reichs- und Gauleitern nannte er als das „natürliche Empfinden des Volkes, dass es in diesem Kriege nur den Kampf bis zum Letzten gibt. Kapitulation ist das Ende der Nation, ist das Ende Deutschlands.“ Das Vertrauen auf den Endsieg sei ungebrochen und werde dadurch gerechtfertigt, dass „das Genie an der Spitze der Führung“ stehe. Ab November 1942 war bis Ende Februar 1945 Heinz Waizenegger sein Adjutant.

Am 30. Januar 1943 erhielt Jodl gleichwohl das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP.Manfred Wichmann: Alfred Jodl 1890–1946 Lebendiges Museum Online, 14. September 2014. Seine NSDAP-Mitgliedsnummer war 9.640.812.Kurt Pätzold: Alfred Jodl „… weil ich nichts zu verbergen hatte“. In: Kurt Pätzold, Manfred Weißbecker (Hrsg.): Stufen zum Galgen. Lebenswege vor den Nürnberger Urteilen. Militzke Verlag, Leipzig 1996, S. 356.

Jodl war auch an den Deportationen der europäischen Juden in die Vernichtungslager beteiligt. So vermerkte Jodl im Herbst 1943 auf einem Schreiben des deutschen Wehrmachtbefehlshabers in Dänemark, Hermann von Hanneken, der den militärischen Ausnahmezustand nicht als Vorwand für Judendeportationen missbraucht sehen wollte: „Geschwätz. Es geht um staatliche Notwendigkeiten.“Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden. Fischer, Frankfurt am Main 1982, S. 590 f.

Am 30. Januar 1944, dem Jahrestag der Machtergreifung des NS-Regimes, wurde Jodl zum Generaloberst befördert. Am 18. April 1944 starb seine Ehefrau Irma in Königsberg. Beim Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler wurde Jodl leicht verletzt. Am 7. April 1945 heiratete Jodl Luise Katharina von Benda (1905–1998), eine Freundin seiner ersten Frau und ehemalige Sekretärin im OKH. Auch diese Ehe blieb kinderlos.