mini|Lage von Mutzschen im Landkreis Leipzig

Mutzschen ist ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Grimma im sächsischen Landkreis Leipzig. Die Ortschaft besteht aus den Ortsteilen Mutzschen selbst, Gastewitz, Göttwitz, Jeesewitz, Köllmichen, Prösitz, Roda, Wagelwitz und Wetteritz. Als Ortschaft nach der Sächsischen Gemeindeordnung hat sie gemäß ihrer Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher. Am 1. Januar 2012 wurde die ehemalige Stadt Mutzschen in die Große Kreisstadt Grimma eingemeindet.

Geographie Mutzschen liegt 14 km östlich von Grimma und ca. 17 km westlich von Oschatz entfernt. Es liegt südlich des Wermsdorfer Forstes in einer teichreichen Gegend am Nordrand des Mittelsächsischen Hügellandes. Das Mutzschener Wasser durchquert die Stadt.

Wirtschaft Das Gewerbegebiet Mutzschen ist voll erschlossen und liegt verkehrsgünstig mit eigener Autobahnanschlussstelle Nr. 32 / Mutzschen an der A 14 zwischen Leipzig und Dresden. Mutzschen war eine der kleinsten Städte Sachsens, es bietet von der Infrastruktur her alle Funktionen eines Kleinzentrums. Über weiterführende Schulen und die Versorgungseinrichtungen eines Mittelzentrums verfügt das 15 Autominuten entfernte Grimma.

Verkehr Mutzschen liegt im Verbundgebiet des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes und ist durch die Regionalbus Leipzig mit einer PlusBus- sowie einer weiteren Regionalbuslinie angebunden.

Die B 6 verläuft nördlich. Die südlich verlaufende A 14 ist über den Anschluss Mutzschen (3 km) zu erreichen. 30 Minuten PKW-Fahrzeit ist es bis zum Flughafen Leipzig/Halle.

Ortsnamenformen mini|Der Marktplatz (2011) 1081: Musitscin 1206: Cunradus de Mutsin 1291: Mutschin 1341: Muzin 1384: Muczschyn 1495: Motzschen 1525: Mutzschen

Namensdeutung Die Erwähnung des quarum prima Musitscin kann hinweisen auf die mysbcani, das sind die Leute auf der kleinen hervorragenden Höhe, welche von einem Wasser umflossen wird. Die heutige Bezeichnung Mutzschener Wasser ist ein Hinweis auf den verschwundenen Fluss Orechnovna, der dem Muldesystem zuzuordnen war. Daher ist das im Wortgebrauch steckende Verständnis der deutschen Kolonisten über die Ur-Semantik der altslawischen Orts- und Flurnamen, die sonst eher typische slawische Gewässerzuordnung, hier in der deutschen Bezeichnung Mutzschener Wasser tradiert.

Wappen Zu sehen sind zwei silberne, viereckige Türme mit rotem Zwiebeldach, dazwischen steht ein hoher silberner Turm mit spitzem Dach in blauem Feld. Die Farben wurden von Amts wegen festgelegt. Der Eingang des mittleren Turmes wird verdeckt durch einen roten Schild mit silbernem Löffler. Dieser ist seit 1872 der Bezug auf die teich- und fischreiche Umgebung um Mutzschen, der Rest des Wappens sind ein reines Phantasieprodukt der damaligen Siegelschneider.

Ortsteile der ehemaligen Gemeinde

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Das heutige Stadtgebiet wurde bereits in der frühen Bronzezeit besiedelt. Auf dem Sporn, auf dem heute das Schloss steht, wurde eine befestigte Siedlung der Aunjetitzer Kultur errichtet, die zu den ganz wenigen bekannten Anlagen dieser Art nördlich der Mittelgebirge gehört. Am Doktorteich (im zu Wurzen gehörenden Sachsendorf) sind Reste eines ausgedehnten Hügelgräberfeldes erhalten.

Früh- und Hochmittelalter Im 8. Jahrhundert wurde das Gebiet von slawischen Gruppen besiedelt, die ab dem 9. Jahrhundert Burgen auf dem Mutzschener Schlossberg und oberhalb von Köllmichen auf der Alten Schanze anlegten. Mit der Eingliederung der Gebiete zwischen Saale und Elbe unter den Königen Heinrich I. und Otto I. in das Ostfrankenreich wurde im Gebiet um Mutzschen vermutlich ein Burgward eingerichtet, dessen Zentrum als Sitz der Herrschaft und der Verwaltung in der Region in Mutzschen oder auf der Alten Schanze lag. In der historischen Forschung wird davon ausgegangen, dass an der Stelle der heutigen Stadtkirche in der ehemaligen Vorburg in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts bzw. in der Zeit um 1000 die Kirche des Burgwardes errichtet wurde. Im Jahr 1081 schenkte König Heinrich IV. seinem Getreuen Chitele die drei Dörfer (villae) Mutzschen (Musitscin), Böhlitz (Beliz, heute Ortsteil der Stadt Grimma) und Mehlis (Milus, Wüstung zwischen Böhlitz und Prösitz) nebst allem Zubehör und allen Einkünften zu freiem Eigen, sowie den zu Mutzschen gehörenden Wald innerhalb angegebener Grenzen im Gau Chutizi in der Grafschaft Ekberts, wie aus einer am 18. März 1081 in Regensburg ausgestellten Urkunde hervorgeht. Mit dieser Krongutschenkung wird die Grundlage für eine räumlich begrenzte allodiale Grundherrschaft südlich des Wermsdorfer Forstes geschaffen. Der Wald gehörte später als Mutzschener Heide oder Wermsdorfer Forst stets zur Herrschaft Mutzschen. Die weilerartige Siedlung, die wohl schon im 9./10. Jahrhundert entstanden war, wird am südlichen Ende der Stadt im Bereich zwischen Töpfermarkt und der Brücke über das Mutzschener Wasser lokalisiert. An dieser Stelle zeigt der Stadtgrundriss ziemlich unregelmäßige Grundstücke und Häusern, wie sie für die Niederlassungen der Slawen im frühen Mittelalter typisch waren.

Stadtentstehung Im Jahr 1206 wird erstmals ein Konrad von Mutzschen (Cunradus de Mutsin) als Zeuge in einer Urkunde genannt. In Verbindung mit Döben und Luppa (Wermsdorf) ist Konrad von Mutzschen ein Edelfreier und damit ein Hinweis auf ältere Wurzeln in dieser Region, als es die Urkunden überliefern können. Das edelfreie Geschlecht starb Ende des 13. Jahrhunderts bereits im Mannesstamm aus bzw. wanderte in die Oberlausitz ab. Wohl um 1290, sicher aber noch vor 1308 erwarben die Burggrafen von Leisnig Burg und Herrschaft Mutzschen. In einer Urkunde von 1308 nennen sie Mutzschen erstmals castrum nostrum. Die Stadt Mutzschen besteht aus zwei breiten Hauptstraßen, der Ost-West-ausgerichteten Obergasse und der nord-südlich verlaufenden Untergasse, die östlich der Stadtkirche an dem unregelmäßig viereckigen Markt zusammentreffen. Anhand des Straßenverlaufes und der im Grundbuch aus dem Jahr 1848 dokumentierten Abgabenverhältnisse wurde eine Theorie der Stadtentstehung in zwei Schritten entwickelt. In einer ersten Stufe sei in den Jahrzehnten von 1100 bis 1150 oberhalb der älteren Ansiedlung eine Siedlung entlang der Untergasse und um den Töpfermarkt als vermutlich frühester Markt mit der für solche typischen langgestreckten Form entstanden. In einer zweiten Stufe, um 1150 setzt, sind dann die planmäßig angelegten Güter an der Obergasse angelegt worden.

mini|hochkant|Albrecht der Beherzte

Spätes Mittelalter Zum Jahr 1341 ist mit der Nennung eines plebanus erstmals ein Ortspfarrer und damit eine Pfarreiorganisation beurkundet. 1350 wird Mutzschen als oppidum bezeichnet. In der betreffenden Urkunde wurde ihr zugleich ein Dienstags-Wochenmarkt und Braurechte verliehen. Um 1400 wechselte die Burg in den Besitz der Familie von Starschedel. Mutzschen blieb jedoch, ähnlich wie Trebsen und Nerchau, eine Minderstadt, die die im Mittelalter üblichen städtischen Freiheiten nicht erlangen konnte. Der Stadtrichter zur Verwaltung der Stadt wurde vom Grundherrn eingesetzt, Bürgermeister und Rat gab es im Mittelalter und der frühen Neuzeit nicht. Eine geschlossene Stadtmauer hat ebenfalls nicht bestanden. Nach der Rückkehr 1476 als Begleiter von Albrecht dem Beherzten von einer Pilgerreise gründete Heinrich von Starschedel an der Stadtkirche ein Kloster der Marienknechte oder Serviten, die auch die Pfarrstellen von Mutzschen, Wermsdorf und Fremdiswalde innehatte. In dem Zusammenhang wurde die Kirche ausgebaut und ein kleiner Kreuzgang errichtet. Mit der Säkularisation 1530 ging das Servitenkloster, das angeblich für einige Monate Thomas Müntzer beherbergt haben soll, bereits wieder ein.

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