Die Ilm ist ein linker Nebenfluss der Saale in Thüringen. Sie ist über den laut TLUG nominellen Quellbach Lengwitz 134,2 km, über den Freibach 134,9 km lang und entwässert ein Einzugsgebiet von 1043 km² im mittleren Thüringen, zu minimalen Anteilen auch im südlichen Sachsen-Anhalt.

Die Ilm entspringt im Thüringer Wald südwestlich Ilmenaus, fließt anschließend durch eine stark verkarstete Region, in der Teile ihres Wassers versickern und durch Springe anderen Nebenflüssen der Saale zufließen, über Weimar und Apolda bis zur Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt, wo sie in die Saale einmündet. Die Ilm ist nach Saale, Werra und Unstrut der viertlängste Fluss in Thüringen und der viertlängste Nebenfluss der Saale. Sie ist jedoch der längste Fluss, der komplett, also von der Quelle bis zur Mündung, auf Thüringer Gebiet fließt.

Im gesamten Einzugsgebiet der Ilm gibt es keine größeren Talsperren; größter Stausee ist der 42 ha große Speicher Hohenfelden im Tannrodaer Waldland nordwestlich von Kranichfeld. Am Unterlauf um Bad Sulza werden an den Hängen des Ilmtals Saale-Unstrut-Weine angebaut. Kulturgeschichtlich ist die Ilm als Fluss durch Weimar bedeutsam, so inspirierte sie dortige Künstler wie etwa Johann Wolfgang von Goethe und fand Einzug in deren Werk.

Name Das Gewässer wird im Jahr 968 (Ilmena) erstmals urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich von und einem -ina-Suffix ab.

Verlauf mini|links|Entstehung der Ilm aus Freibach und Lengwitz Die Ilm hat maßgeblich die Landschaft geprägt und verläuft auf ihrer gesamten Länge in einem deutlich ins Relief eingegrabenen Tal. Der Fluss durchfließt den Ilm-Kreis und den Landkreis Weimarer Land sowie die kreisfreie Stadt Weimar. Bei Großheringen nördlich von Bad Sulza mündet er in die Saale. In ihrem Lauf durchquert die Ilm vom Thüringer Wald bis zur Saale-Unstrut-Region die unterschiedlichsten Landschaften. Dabei zertalt sie in ihrem Mittellauf zwischen Stadtilm und Weimar auf einer Länge von über 50 km die Ilm-Saale-Platte.

Quellbäche Die nominelle Ilm beginnt ihren Lauf am Nordhang des Thüringer Waldes nördlich von Stützerbach im Ilm-Kreis, dem sie seinen Namen gab, bei 575 m über dem Meeresspiegel. Hier befindet sich der Zusammenfluss der drei, gemeinhin als Quellbäche der Ilm bezeichneten Flüsse Lengwitz, Freibach und Taubach, die südlich von Stützerbach am Kamm des Gebirges unweit des Rennsteigs entspringen. Der längste Quellbach ist mit 6,5 km der Freibach, der an der Schmücke entspringt, während die 5,8 km lange Lengwitz mit Quelle bei Allzunah die Fließrichtung mit der Ilm gemein hat und der 3,8 km lange Taubach im Ilmbrunnen (auch als Ilmquelle bezeichnet) unterhalb des Großen Finsterbergs entspringt.

Oberlauf mini|links|Im Ilm-Auwald bei Langewiesen Die Ilm fließt zunächst durch den Meyersgrund nach Norden bis nach Manebach, wo sie nach Osten umschwenkt und durch den Manebacher Grund nach Ilmenau verläuft. Dieser erste Teil des Flusslaufs ist relativ unreguliert, rechts und links der Ilm befinden sich Auflächen, die bei Hochwasser überflutet werden. In Ilmenau formt die Ilm einen breiteren Talkessel, in dem sich die Stadt am Übergang vom Thüringer Wald zu seinem (Paulinzellaer) Vorland erstreckt. Hier ist die Ilm begradigt und in ein tief ausgeschachtetes Bett verlegt. Am Grenzhammer im Osten der Stadt mündet die Schorte als erster größerer Nebenfluss ein. Dort durchbricht die Ilm zwischen dem Ehrenberg im Norden und dem Tragberg im Süden ein letztes Mal das Grundgebirge des Thüringer Waldes und tritt durch den Ilm-Auwald aus dem Ilmenauer Talkessel aus in Richtung Südosten nach Langewiesen. Kurz hinter Langewiesen wird das breite Tal von der 1681 Meter langen Ilmtalbrücke der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt überspannt. Sie ist die längste Brücke Thüringens.

Nach einer Richtungsänderung nach Nordosten hin vergrößert sich mit der Einmündung der Wohlrose von rechts auf nach 23,7 Kilometern Fließstrecke (inkl. Lengwitz) das Einzugsgebiet der Ilm von 96,7 km² um gut 60 % auf 157,2 km². Die Wasseraufnahme aus dem Thüringer Wald ist abgeschlossen und der Abfluss steigt fortan deutlich langsamer.

Oberer Mittellauf mini|Vollständige Versickerung nördlich Dienstedt 2022 Im nunmehr nach Nordosten ausgerichteten Verlauf durch den Buntsandstein des Paulinzellaer Vorlandes durchfließt die Ilm Gräfinau-Angstedt mit Gräfinau auf der linken und Angstedt auf der rechten Flussseite. Es folgen Cottendorf links und Dörnfeld rechts der Ilm sowie der Singer Berg (548 m) auf der rechten Ilmseite. Der Fluss tritt in die verkarstete und trockenen Muschelkalk-Formation der Ilm-Saale-Platte ein, die von ihrem Zeugenberg Singer Berg überragt wird, jedoch auch in ihrem südlichen Kerngebiet rechts der Ilm immerhin Höhen bis 548 m (Großer Kalmberg) erreicht und damit den Flusslauf um etwa 220 m überragt.

Hinter Griesheim wird mit der Einmündung der Deube von rechts im Stadtteil Oberilm Stadtilm, die fünftgrößte Stadt im Ilmtal, mit einem großen Eisenbahnviadukt der Bahnstrecke Arnstadt–Saalfeld erreicht. In diesem Bereich bis Kleinhettstedt, Großhettstedt und Dienstedt wechseln offene und bewaldete Landschaften ab. Der Fluss verliert viel Wasser an den verkarsteten Untergrund, das im Oberwillinger Spring und im Remdaer Spring wieder zu Tage tritt. In trockenen Sommern kann die Ilm in diesem Bereich stellenweise komplett versickern, so etwa um Kranichfeld in den Jahren 2003 und 2016. In Dienstedt befindet sich darüber hinaus eine Karsthöhle.

Tannrodaer Waldland und Durchbruchstal zwischen Bad Berka und Mellingen mini|links|Ilm in Bad Berka mini|Wassermühle an der Ilm in Buchfart In Kranichfeld erfährt die Ilm nach 54,6 km Fließstrecke (inkl. Lengwitz) auf einer Höhe von knapp eine Richtungsänderung von Nordnordost nach Ostnordost. Hier wird der Muschelkalk der Ilm-Saale-Platte durch das Buntsandstein-Fenster des Tannrodaer Waldlandes unterbrochen. Dieses Fenster zieht sich bachaufwärts entlang der Bäche Krummbach, Tonndorfbach und Steingraben linksseitig nach Westen sowie Schwarza, Dammbach und Klingelbach rechtsseitig nach Osten. Zwischen den Bachtälern erreichen die bewaldeten Buntsandsteinrücken Höhen bis 429 m (Vogelherd im Osten), werden jedoch von den Muschelkalk-Randhöhen wie dem Riechheimer Berg (513 m) im Westen, zu denen das Gelände in einer Schichtstufe schroff ansteigt, deutlich überragt.

Nach der Einmündung des Krummbaches unterhalb Kranichfelds liegen an den Einmündungen der Seitentäler die Orte Tannroda (Schwarza), München (Tonndorfbach) und Bad Berka (Klingelbach und Steingraben). Ab Tannroda verläuft die Ilm wieder in Nordnordost-Richtung, in der sie das Tannrodaer Waldland unterhalb Bad Berkas verlässt.

Mit dem Wiedererreichen des Muschelkalks ändert sich der Charakter des Ilmtals deutlich. In einem canyonartigen, windungsreichen Durchbruchstal durch Kalksteinklippen zieht sich der Fluss in ostnordöstliche Richtung über Hetschburg (Einmündung des Hengstbaches von links), Buchfart und Oettern.

Magdalaer Graben bis Weimar mini|Ilm an der Wassermühle Taubach Bei Mellingen und unmittelbar nach der Überquerung durch die Bundesautobahn 4 trifft die Ilm auf die Kreuzung zweier bedeutender Störungszonen. Die den Lauf der Ilm nach Nordosten bis Apolda verlängernde Apoldaer Störungszone trifft stumpfwinklig auf die von Magdala im Südosten kommende Magdalaer Störungszone. Aus der letztgenannten fließt der Ilm nach 78,3 km Fließstrecke (inkl. Lengwitz) auf ca. von rechts die Magdel zu, deren Fließrichtung nach Nordwesten sie in einem nunmehr deutlich verbreiterten Tal übernimmt; aus Richtung der Apoldaer Störungszone mündet, ebenfalls von rechts, der Lehnstedter Bach ein.

Von Mellingen bis zum Weimarer Stadtschloss ist das Ilmtal nahezu durchgängig unbebaut. Unterhalb von Taubach, Ehringsdorf und Oberweimar beginnt der Park an der Ilm, der zum UNESCO-Welterbe Klassisches Weimar zählt. Hier ist der Flusslauf gestaltet und in den englischen Landschaftsgarten integriert. Die Weimarer Altstadt liegt auf dem Westufer der Ilm, aus ihr münden von links der Asbach und vor seiner Umlegung in den 1920er Jahren auch der Lottenbach ein.

Mit dem Zufließen des Asbachs nach 88,3 km Fließstrecke (inkl. Lengwitz) auf etwa erfährt der Fluss seine letzte Hauptfließrichtungsänderung in Richtung Nordost.

Unterlauf mini|links|hochkant|Ilm-Wehr in Weimar mini|Die Ilm vor den Häusern Tiefurts Ab der Richtungsänderung in Weimar stellt die nunmehr durch eine offene, kaum bewaldete Landschaft gen Nordosten mäandernde Ilm einen Randfluss des Thüringer Beckens dar. Gleich zu Beginn dieses letzten Abschnitts wird sie von einem weiteren großen Eisenbahnviadukt, dem der Bahnstrecke Weimar–Gera, überquert.

In Tiefurt hinter Weimar befindet sich ein weiteres Schloss an der Ilm, wo sie ebenfalls in einen englischen Landschaftsgarten integriert ist. Es folgen Kromsdorf, bestehend aus Großkromsdorf links und Kleinkromsdorf rechts der Ilm, sowie anschließend Denstedt, Ulrichshalben, Oßmannstedt und Oberroßla, wo die Ilm ins Stadtgebiet von Apolda eintritt. Die Stadt selbst liegt hinter einem Hügel im östlichen Seitental des Herressener Baches, der der Apoldaer Störungszone folgend spitzwinkelig unterhalb der Stadt einmündet. Dennoch ist auch das Tal der Ilm in diesem Bereich dicht besiedelt. Es folgen kurz aufeinander Niederroßla, Zottelstedt, wo der „Pfiffelbach“ am Ortsrand in die Ilm einfließt, Mattstedt, Nauendorf, wo der Herressener Bach aus Apolda einmündet, Wickerstedt, Flurstedt, Obertrebra, Niedertrebra, Eberstedt und Darnstedt.

Die letzte Stadt im Tal der Ilm ist Bad Sulza, ein Solebad, hinter dem sich das Tal der Ilm verengt und tief in das Relief eingräbt. Bedingt durch diese Lage mit ihrem Lokalklima ist der Weinbau auf den nach Südosten ausgerichteten Hängen möglich. Unmittelbar unterhalb der Stadt mündet von links im Emsenbach der das mit Abstand größte Einzugsgebiet entwässernde Nebenfluss. Der Emsenbach ist auch das einzige Fließgewässer im ansonsten ganz innerthüringischen Flusssystem der Ilm, das auch Teile Sachsen-Anhalts entwässert.

Unterhalb von Großheringen mündet die Ilm nach 134 km auf einer Höhe von knapp von links in die Saale ein, die hier einen Bogen vollzieht und der Richtung des Tals der Ilm nach Nordosten folgt. Wegen ihres Landschaftsbildes und milden Klimas wird die Gegend an der Mündung der Ilm auch als Thüringer Toskana bezeichnet. Die Mündung der Ilm in die Saale liegt auf der Landesgrenze zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt, wobei die Ilm der längste ausschließlich in Thüringen verlaufende Fluss ist.

Nebenflüsse In der folgenden Tabelle werden die Nebenflüsse der Ilm aufgelistet, darunter alle mit einem Einzugsgebiet von mehr als 10 km². Einzugsgebietsgrößen ohne Nachkommastellen stellen Schätzungen dar (siehe Fußnoten); die angegebenen Längen entsprechen Messungen über entsprechende Geopfade.