Bad Salzungen (bis 1923 Salzungen) ist die Kreisstadt des Wartburgkreises in Thüringen. Die 775 erstmals urkundlich erwähnte Stadt ist staatlich anerkannter Kurort mit der Artbezeichnung Soleheilbad.
Geographie Bad Salzungen liegt südlich von Eisenach im Westen Thüringens am Mittellauf der Werra, zwischen dem Thüringer Wald im Norden und der Rhön im Süden. Bad Salzungen ist umgeben von einem bewaldeten Hügel- und Bergland mit überwiegend landwirtschaftlich genutzten Tälern und Ebenen.
Stadtgliederung mini|Stadtgliederung Die Stadt Bad Salzungen besteht aus der Kernstadt mit circa 15.000 Einwohnern sowie den weiteren Ortsteilen Dorf Allendorf, Kloster, Wildprechtroda, Kaltenborn, Langenfeld, Hohleborn, Tiefenort, Oberrohn, Unterrohn, Dönges, Hämbach, Frauensee, Ettenhausen an der Suhl, Etterwinden, Gräfen-Nitzendorf, Gumpelstadt, Kupfersuhl, Möhra, Waldfisch und Witzelroda.Bad Salzungen in Fakten und Zahlen. Website der Stadt Bad Salzungen, abgerufen am 6. Juli 2018. Zum Ortsteil Kaltenborn gehören die Sorghöfe, zu Frauensee das Dorf Springen sowie die Kleinsiedlungen Knottenhof, Möllersgrund und Schergeshof, zu Oberrohn gehören Hüttenhof und Röhrigshof sowie zu Tiefenort Weißendiez. Zu Ettenhausen gehört die Kleinsiedlung Hetzeberg. Zu Kupfersuhl gehört der Weiler Wackenhof. Zu Witzelroda gehört Neuendorf.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Süden) Dermbach, Weilar, Leimbach, Krayenberggemeinde, Vacha, Werra-Suhl-Tal, Gerstungen, Ruhla, Bad Liebenstein und Barchfeld-Immelborn im Wartburgkreis sowie Breitungen/Werra im Landkreis Schmalkalden-Meiningen.
Geschichte
Historischer Überblick mini|Stadtansicht (1704) Lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung Bad Salzungens siedelten im Werratal und der angrenzenden Rhön Menschen, welche der keltischen Kultur zugeordnet werden können (Leimbacher Gräberfeld). Um Christi Geburt siedelte der rhein-weser-germanische Stamm der Chatten im Raum zwischen Werra und Fulda, sowie weiter in westlicher Richtung. Während der fränkischen Osterweiterungen, zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert, wurde auch das im Thüringischen Westergau gelegene Salzungen in ein Netz fränkischer Befestigungsanlagen einbezogen. Mit der fränkischen Ostkolonialisierung setzten auch die schriftlichen Überlieferungen ein.
Am 5. Januar 775 stellte Karl der Große in der Königspfalz Quierzy eine Schenkungsurkunde des Zehnten von seiner Villa Salsunga an das Kloster Hersfeld aus. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Salzungen. 841 kam der Ort an das Kloster Fulda. Im frühen 12. Jahrhundert erweiterten die aufstrebenden Grafen von Henneberg ihren Herrschaftsbereich in Südthüringen bis an die mittlere Werra. Der Raum Salzungen war (ost-)fränkische Grenzregion zu Thüringen und Hessen.
mini|Stadtplan (1719) Im heutigen Stadtgebiet von Salzungen entwickelten sich um das Jahr 1000 mehrere Siedlungszentren. Das Machtzentrum der Region bildete die hennebergische Burganlage Frankenstein, ihre Entstehung als Befestigungsanlage zum Schutz der Breitunger Klostergründungen soll im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts erfolgt sein. Die Herren von Salzungen veranlassen später die Gründung des Klosters Frauensee und des Klosters Allendorf (Ersterwähnung 1272) zu Füßen ihrer Stammburg, im heutigen Stadtteil Kloster. Durch kriegerische Verwicklungen und Eroberungen entscheidend geschwächt und hoch verschuldet mussten die Frankensteiner im Jahr 1330 ihre Besitzungen veräußern. Diese Machtverschiebung wurde vor allem durch die Wettiner genutzt, die ihr Einflussgebiet in Richtung Rhön auszudehnen suchten. Die seit 1306 als civitas bezeugte Stadt wurde in den folgenden Jahrhunderten realpolitisch als Doppelstadt mit einem hennebergischen und einem sächsischen Verwaltungssitz regiert; die Einkünfte aus dem Salzhandel, aus Zöllen und Gewerbefleiss wurden geteilt. Der Ausbau der Stadt ging rasch voran. Die Stadtbefestigung mit Türmen, Mauern und Wassergraben besaß vier Tore (Nappentor, Obertor, Lindentor und Neues Tor). Mit dem Fund weiterer Salzquellen stiegen das Steuereinkommen, aber auch die Begehrlichkeiten der Nachbarn.Hartmut Ruck: Chronik Bad Salzungen. Bad Salzungen (ohne Jahr) S. 9–21.Brückner: Landeskunde des Herzogtums Meiningen. Zweiter Teil. S. 3–68.
Aus den umliegenden Ortschaften wurde das Salzunger Amt gebildet.Brückner: Landeskunde des Herzogtums Meiningen. Zweiter Teil. S. 9. 1524 wurde die Reformation eingeführt, ein Jahr später schlossen sich Bürger der Stadt im Bauernkrieg unter massiven Drohungen dem Werrahaufen, einem 8.000 Mann starken Trupp aus dem oberen Werragebiet, an. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Salzungen am 10. Juni 1640 von den Schweden geplündert, im selben Jahr kam die Stadt an Sachsen-Gotha. Von 1680 bis 1918/1920 war Salzungen Teil des Herzogtums Sachsen-Meiningen.Ernst Julius Walch Historische, statistische, geographische und topographische Beschreibung … Herzogtum Sachsen-Coburg-Meiningen Nürnberg 1831 S. 215.
1868 ging das Amt Salzungen im Landkreis Meiningen auf und ist, mit diesem Erbe, auch Teil des historischen Henneberger Landes. Bereits 1858 erhielt Bad Salzungen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Dies geschah durch die Werrabahn von Eisenach im Norden nach Coburg und Lichtenfels im Süden.Hartmut Ruck: Chronik Bad Salzungen. Bad Salzungen (ohne Jahr) S. 21–59.
Mit Beginn der Zeit des Nationalsozialismus antworteten engagierte Bürger auf die politische Verfolgung mit der Bildung von Widerstandsgruppen. Für die mehr als 250 Opfer der Zwangsarbeit wurde 1956 im Rathenau-Park ein Ehrenfriedhof errichtet. Am 4. April 1945 wurde die Stadt von amerikanischen Truppen kampflos besetzt, genau drei Monate später rückte gemäß der alliierten Vereinbarungen die Rote Armee ein. 1950 wurde Bad Salzungen durch eine Gebietsreform in der DDR Kreisstadt des neu gegründeten Kreises Bad Salzungen und nach der Kreisgebietsreform in Thüringen Kreisstadt des Wartburgkreises.
Bad Salzungen ist seit Anfang 2009 staatlich anerkannter Kurort mit der Artbezeichnung Soleheilbad.Jetzt „staatlich anerkanntes Sole-Heilbad“. In: osthessen-news.de, 16. Januar 2009.
Zur 1250-Jahr-Feier findet vom 13. Juni bis 22. Juni 2025 eine Festwoche statt.
Die Salzunger Saline
mini|Mittelbau des Gradierwerkes in Bad Salzungen, heute Kurhaus mini|Bekanntmachung aus dem Salzunger Tageblatt vom 25. Juli 1923 mini|An den Gradierhäusern Die schon in frühgeschichtlicher Zeit betriebene Salzgewinnung war bereits im 14. Jahrhundert so einträglich, dass es seit 1321 eine privilegierte wohlhabende Pfännerschaft gab. Diese wurde von sogenannten Salzgrafen geleitet, die jährlich gewählt wurden. Seit dem Jahr 1590 wurde zur Salzgewinnung das gegenüber den früheren Verfahren deutlich produktivere Gradierverfahren eingesetzt. Bereits im 16. Jahrhundert nutzte man die Salzquellen auch als Heilmittel und nannte diese Stätten Sauerbrunnen. Im 19. Jahrhundert wurde die heilende Wirkung der Sole ausgenutzt. So entstand 1821 das erste Badehaus, woraus sich ein zunehmender Kurbetrieb entwickelte. Im Jahr 1911 verzeichnete die Stadt bereits 5.000 Kurgäste. Am 31. Mai 1923 wurde dann durch das zuständige Thüringer Ministerium dem Antrag der Stadt stattgegeben, den Namen Bad Salzungen zu tragen.
Religionen mini|150px|Evangelische Kirche Sankt Simplicius mini|150px|Die katholische St.-Andreas-Kirche Christliche Gemeinden Die sächsischen Gebiete wurden schon sehr früh reformiert. Im Ortsteil Möhra wohnte Martin Luthers Familie bis kurz vor dessen Geburt. Seit der Reformation im 16. Jahrhundert ist das Gebiet um Bad Salzungen mehrheitlich evangelisch-lutherisch. In der Stadt bestehen drei Pfarreien mit insgesamt etwa 3.500 Mitgliedern im Jahr 2000. Bad Salzungen ist Sitz der Superintendentur Salzungen. Die 1.500 Mitglieder der katholischen Kirche besitzen als Gemeindezentrum die Pfarrei St. Andreas. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die katholische Gemeinde infolge des Zustroms von Flüchtlingen vor allem aus Schlesien stark an. Im Jahre 2008 wurde der Pfarrei St. Andreas Salzungen die Kirche St. Kilian in Bad Liebenstein als Filialkirche angegliedert. Weitere Religionsgemeinschaften sind die Neuapostolische Kirche, die Evangelisch-landeskirchliche Gemeinschaft mit 30 Gemeindemitgliedern (seit 1899 in Bad Salzungen) und die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde mit etwa 50 Mitgliedern.
Jüdische Gläubige Eine jüdische Gemeinde gab es in Bad Salzungen nie. Die seit dem 19. Jahrhundert bis Anfang der 1940er Jahre in der Stadt lebenden jüdischen Personen gehörten den jüdischen Gemeinden in Barchfeld bzw. Meiningen an.Jüdische Geschichte in Bad Salzungen, alemannia-judaica.de, aufgerufen am 2. Juni 2024
Eingemeindungen Folgende Gemeinden und Gemarkungen wurden nach Bad Salzungen eingemeindet:
Datum Eingemeindete Orte 16. Jahrhundert (1) Husen (Wüstung) 1. Juli 1950 Dorf Allendorf, Kloster Allendorf, Wildprechtroda 1. Januar 1974 Kaltenborn, Langenfeld und Hohleborn 6. Juli 2018 Tiefenort, Frauensee und Ettenhausen an der Suhl 1. Dezember 2020 Moorgrund
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember): 1833 bis 1946 1833: 2.804 1885: 3.946 1890: 4.161 1905: 4.874 1910: 5.134 1925: 6.606 1933: 6.283 1939: 6.225 1946: 7.878 1) 1950 bis 1999 1950: 10.006 2) 1955: 10.500 1960: 10.117 1970: 15.623 1981: 20.871 1984: 21.335 1988: 21.585 1990: 21.260 1994: 19.804 1996: 18.686 1998: 17.524 2000 bis 2010 2000: 17.086 2001: 16.993 2002: 16.868 2003: 16.640 2004: 16.553 2005: 16.504 2006: 16.480 2007: 16.290 2008: 16.008 2009: 15.944 2010: 15.851 2011 bis 2021 2011: 15.773 2012: 15.631 2013: 15.582 2014: 15.700 2015: 15.763 2016: 15.696 2017: 15.497 2018: 20.244 2019: 20.097 2020: 23.177 2021: 22.976 ab 2022 2022: 22.690 2023: 22.824 2024: 22.557 400px|Einwohnerentwicklung von Bad Salzungen von 1833 bis 2017 nach den Tabellendaten Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik1) 29. Oktober2) 31. August
Politik Stadtrat Der Stadtrat besteht seit Dezember 2020 aus 30 Mitgliedern.Moorgrund, Veränderungen durch die Eingemeindung, badsalzungen.de, aufgerufen am 12. Januar 2021 Die Sitze sind nach der Kommunalwahl am 26. Mai 2024 wie folgt verteilt:Stadtratswahl 2024 in Bad Salzungen In: wahlen.thueringen.de, abgerufen am 29. Mai 2024.
Bürgermeister Bürgermeister der Stadt Bad Salzungen ist seit dem 1. Juli 2006 Klaus Bohl (Freie Wähler Bad Salzungen e. V.).Bad Salzungen: Politik, Wahlergebnisse, aufgerufen am 12. Januar 2021
Wappen mini|hochkant=0.6|links|Stadtwappen von 1949 bis 1991 250px|mini|Rathaus Blasonierung: „Auf blauem Grund ein Bischof in goldenem Ornat mit roten Schuhen, in der rechten Hand einen goldenen Krummstab und in der linken Hand ein rotes Buch mit schwarzem Kreuz.“
Bedeutung: Das älteste Stadtsiegel aus dem Jahre 1329 zeigt den Hl. Bonifatius in oben dargestellter Weise. Bonifatius war Missionsbischof und wirkte auch in Gebieten des heutigen Thüringen. Um der Kirche eine Struktur zu geben, gründete er die Bistümer Würzburg, Büraburg und das Bistum Erfurt, das aber nur zehn Jahre bestand und dann dem Erzbistum Mainz zugeschlagen wurde. Der Mainzer Erzbischof übte lange Zeit in Salzungen auch die weltliche Macht aus. Ebenso hatte das Kloster Fulda hier über Jahrhunderte großen Einfluss. Bonifatius erscheint als Schutzherr im Wappen Bad Salzungens. In der rechten Hand hält er den Bischofsstab und in der linken die Bibel. Da der Fuldaer Abt damals auch die weltliche Macht ausübte, tritt er als Schutzherr im Wappen auf.