Holzgerlingen [] ist eine Kleinstadt in Baden-Württemberg, Deutschland, die zum Landkreis Böblingen gehört.
Geographie Geographische Lage Holzgerlingen befindet sich auf der Schönbuchlichtung, fünf Kilometer südlich von Böblingen. Die Altstadt liegt 475 m über dem Meer auf der Wasserscheide zwischen der Aich, die einen Kilometer südöstlich im Stadtgebiet entspringt, nach Osten fließt und bei Nürtingen in den Neckar mündet, und der westwärts nach Pforzheim fließenden Würm, die drei Kilometer südlich im Gemeindegebiet von Altdorf ans Tageslicht tritt.
Stadtgliederung Zu Holzgerlingen gehören die Stadt Holzgerlingen, die herzogliche Domäne Schaichhof und die ehemaligen Mühlen, Obere-, Mittlere- und Untere Mühle sowie die abgegangene Ortschaft Ludlenbad.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 105–106.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Holzgerlingen.
Schutzgebiete
In Holzgerlingen liegen die Landschaftsschutzgebiete Oberes Würmtal nördlich Hildrizhausen samt dem Talbecken um Mauren zwischen Holzgerlingen und Ehningen und Waldwiese nördlich der Winterhalde. Die Gemeinde hat Anteil am FFH-Gebiet Glemswald und Stuttgarter Bucht sowie am Landschaftsschutzgebiet, am FFH-Gebiet, am Vogelschutzgebiet und am Naturpark Schönbuch.Daten- und Kartendienst der LUBW.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Die Geschichte der Besiedlung geht bis in neolithische Zeit zurück. Kelten siedelten zwischen 550 und 50 v. Chr. Gegen 100 n. Chr. ließen sich Römer im Raum Holzgerlingen nieder. Alamannen verdrängten die Römer gegen 300 n. Chr.
Die erste urkundliche Erwähnung Holzgerlingens lässt sich für das Jahr 1007 in einer Schenkungsurkunde König Heinrichs II. an das Bistum Bamberg nachweisen. Zwischen 1100 und 1400 war Holzgerlingen im Besitz der Pfalzgrafen von Tübingen. 1348 ging der Ort durch Verkauf an das Haus Württemberg über.
Der Bauernkrieg fand 1525 mit der Schlacht bei Böblingen in der Region sein blutiges Ende. Während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges kam es 1627 zur Einquartierung von Wallensteins Truppen. 1635 brach die Pest aus. mini|links|Holzgerlingen 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch In der Zeit, als in Europa der Polnische Erbfolgekrieg tobte, wurden in Holzgerlingen im Jahr 1735 gegen Frankreich marschierende russische Truppen einquartiert. Der Ausbruch des Österreichischen Erbfolgekrieges führte Trenck der Pandur und einige seiner Gesellen nach Holzgerlingen, wo sie 1743 übernachteten.
Im Jahre 1805 fielen napoleonische Truppen ein und zwangen Bewohner Holzgerlingens zu Gespanndiensten; sie konnten jedoch entkommen und zu ihren Familien heimkehren. Dagegen kehrten die fünfzehn Holzgerlinger, die 1812, genötigt durch das Bündnis König Friedrichs I. von Württemberg mit Napoleon I. an seinem Russlandfeldzug teilnahmen, nie mehr in ihre Heimat zurück.
Holzgerlingen gehörte von jeher zum Amt Böblingen. Auch bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg zu Beginn des 19. Jahrhunderts blieb der Ort dem Oberamt Böblingen zugeordnet.
1850 hatte Holzgerlingen 1824 evangelische und 14 katholische Einwohner, die in 359 Haupt- und 54 Nebengebäuden lebten und arbeiteten.Beschreibung des Oberamts Böblingen – Tabelle I. 1865 wurde im Ort die erste Poststelle eingerichtet. 1866 zogen Holzgerlinger Männer an der Seite Österreichs gegen Preußen ins Feld und gleich danach 1870/71 an der Seite des ehemaligen Feindes Preußen gegen Napoleon III. in den Krieg. Zwei der Männer ließen in den Schlachten ihr Leben.
20. Jahrhundert mini|rechts|Luftbild von Holzgerlingen, März 1918 mini|Links Schönbuchbahn, rechts B 464 vom Fußgängersteg aus Im Jahre 1907 erhielt Holzgerlingen Anschluss an das Stromnetz. Mit dem Bau der Schönbuchbahn erfolgte 1910 der Anschluss an das Streckennetz der Württembergischen Eisenbahn. Aus dem Ersten Weltkrieg, 1918, kehrten 106 Holzgerlinger nicht mehr zurück. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Holzgerlingen 1938 zum Landkreis Böblingen. 1943 fielen großflächig Bomben auf Holzgerlingen mit der Folge der Zerstörung von 64 Gebäuden und 1945, gegen Ende des Krieges, brannten französische Besatzungstruppen das alte Rathaus nieder. Der Zweite Weltkrieg kostete insgesamt 291 Holzgerlingern das Leben. 1945 geriet Holzgerlingen in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Gleich nach dem Krieg begann der Wiederaufbau. 1950 wurde das Rathaus wieder errichtet. Nicht zuletzt durch die Nähe zu Sindelfingen, Böblingen und Stuttgart konnte sich Holzgerlingen in den Folgejahren vom einstigen Handwerker- und Bauerndorf zu einem respektablen kulturellen Zentrum in der Schönbuchlichtung entwickeln. Am 1. April 1993 erhielt Holzgerlingen die Stadtrechte verliehen.
Domäne Schaichhof mini|Schaichhof, ehemalige Domäne Der Hof, dessen Besitzer im 16. Jahrhundert auch einmal der württembergische Reformator Johannes Brenz gewesen war, wurde im Jahr 1725 von einer Erbengemeinschaft Bücheli oder Büchelin um 4000 Gulden an den fürstlichen Kammerfaktor und Handelsmann Johann Heinrich Eysenbach verkauft. Eisenbach ließ auf dem Hofgelände ein Gebäude erstellen. Im April 1824 kaufte die Hofdomänenkammer als private Vermögensverwaltung der königlichen Familie den Hof von Dr. Leopold Klotz aus Tübingen um 38.000 Gulden (Kaufvertrag vom 23. April 1824). Sie verpachtete den Hof an folgende Pächter: Georg Diegel, Mähringen (1824–1842) Johann Gottlieb und Christoph Friedrich Geyer, Oberesslingen (1842–1852) Johann Gottlieb Geyer (1852–1860) Zuckerfabrik Böblingen AG (1860–1908) Wilhelm Treiber, Neunthausen Oberamt Sulz (1908–1945) Max Treiber (1945–1959) Adolf Weiland (1959–1982) Hans Adolf Weiland (1982–1990) Während der Pachtzeit der Zuckerfabrik Böblingen wurde die Domäne eher unzureichend bewirtschaftet. Erst die Familie Treiber verbesserte das Gut durch Entwässerungen und fortschrittlichen Anbau grundlegend. Trotz der hohen Lage wurde der Schaichhof als Musterbetrieb geführt. Im Frühjahr 1991 wurde auf dem Schaichhof ein Golfplatz eröffnet.Eberhard Fritz: Vom landwirtschaftlichen Mustergut zum Golfplatz. Die Domäne Schaichhof im Besitz des Hauses Württemberg. In: Wolfgang Schmierer, Günter Cordes, Rudolf Kiess, Gerhard Taddey (Hrsg.): Südwestdeutsche Geschichte. Festschrift für Hans-Martin Maurer. Stuttgart 1994. S. 616–629.
Religionen Die Reformation wurde in Holzgerlingen 1534 eingeführt. Seither ist der Ort evangelisch geprägt. 41,83 % der Bevölkerung sind evangelisch, 22,3 % katholisch und 1,4 % gehören einer sonstigen Religionsgemeinschaft an. Die restlichen 34,47 % der Einwohner sind beim Bürgeramt ohne Religionsangabe gemeldet.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (*) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Alle Zahlen, soweit nicht anders angegeben, wurden vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg übernommen.
Jahr Einwohner 1850 1838 1. Dezember 1871 * 1718 1. Dezember 1880 * 1785 1. Dezember 1890 * 1924 1. Dezember 1900 * 1907 1. Dezember 1910 * 1996 Jahr Einwohner 16. Juni 1925 * 2192 16. Juni 1933 * 2370 17. Mai 1939 * 2629 13. September 1950 * 3640 6. Juni 1961 * 5290 27. Mai 1970 * 7173 Jahr Einwohner 31. Dezember 1975 8194 31. Dezember 1980 8510 27. Mai 1987 * 8918 31. Dezember 1990 9847 31. Dezember 1995 11.061 31. Dezember 2000 11.466 Jahr Einwohner 31. Dezember 2005 11.906 31. Dezember 2010 12.722 31. Dezember 2015 12.635 31. Dezember 2020 13.258
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Holzgerlingen besteht aus den 18 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem vorläufigen EndergebnisWahlinformationen auf komm.one. Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FW Freie Wählervereinigung Holzgerlingen e. V. 46,13 8 42,78 7 BNU Bürger für Natur und Umweltschutz 19,71 4 25,77 5 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 22,35 4 14,63 3 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 11,81 2 12,96 2 UWG Unabhängige Wählergemeinschaft – – 3,86 1 Gesamt 100 18 100 18 Wahlbeteiligung 66,78 % 54,31 % mini|Altes Rathaus Holzgerlingen
Bürgermeister 1904–1938: Robert Mosthaf 1938–1945: Otto Müller 1945–1948: Guido Eipperlein 1948–1964: Otto Rommel 1964–1983: Siegfried Gölz 1983–1985: Walter Mack 1986–2018: Wilfried Dölker seit 2018: Ioannis Delakos
Wappen
Partnerstädte Neuenhof (Schweiz) Niesky (Sachsen) Jílové u Prahy (Tschechien) Crystal Lake, Illinois (Vereinigte Staaten)
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Schönbuchbahn Verkehr 1910 erhielt der Ort Anschluss an das Eisenbahnnetz. 1965 ist auf der Strecke der planmäßige Personenverkehr eingestellt worden. Nach Jahren der Stilllegung wurde im Dezember 1996 die Schönbuchbahn wieder in Betrieb genommen. Drei Haltestellen in Holzgerlingen (Hülben, Bahnhof und Buch) binden die Stadt über Böblingen an das Stuttgarter S-Bahn-Netz an.
Die Bundesstraße 464 (Renningen–Reutlingen) verbindet Holzgerlingen mit dem überregionalen Straßennetz. Bereits 1934 erhielt die Stadt eine Ortsumgehung. Dadurch blieb der Innenstadtbereich bis heute vom Durchgangsverkehr weitestgehend verschont. Die B 464 ist heute teilweise als vierspurige Schnellstraße ausgebaut.
Holzgerlingen ist Mitglied der AGFK (Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußverkehrsfreundlicher Kommunen) in Baden-Württembergwww.holzgerlingen.de.
Ansässige Unternehmen Das älteste Unternehmen im Ort ist die seit 1798 ansässige Bandweberei Gottlieb Binder. Sie gehört zusammen mit der Elektro-Breitling GmbH, der Kraft & Bauer Brandschutzsysteme GmbHhttps://kraft-bauer.com/ und RUKO GmbH Präzisionswerkzeuge mit jeweils weit über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Standort zu den großen Arbeitgebern. Daneben gibt es in den Gewerbegebieten Buch und Sol zahlreiche mittlere und kleinere Betriebe, wie z. B. den bekannten Hänssler Verlag. Der ehemals größte Arbeitgeber, der Anlagenhersteller Eisenmann, ging 2019 insolvent. Wegen der örtlichen Nähe zum Mercedes-Standort Sindelfingen haben sich Zulieferbetriebe mit Zweigstellen oder Vertriebsbüros angesiedelt. Insgesamt bietet Holzgerlingen über 4.000 Arbeitsplätze.
Viele Holzgerlinger sind im nahe gelegenen Sindelfingen und Böblingen in namhaften und weltweit agierenden großen Unternehmen, wie Mercedes-Benz Group, IBM, Philips, Hewlett-Packard oder Keysight Technologies beschäftigt.
Öffentliche Einrichtungen Holzgerlingen besitzt eine Stadthalle mit 700 Sitzplätzen, eine Begegnungsstätte (Bürgertreff) und ein Altenzentrum mit angeschlossenem Pflegeheim.
Bildungseinrichtungen Holzgerlingen verfügt über ein modernes Schulzentrum mit Grundschule, Hauptschule, Realschule und Gymnasium (Schönbuch-Gymnasium Holzgerlingen). Das Angebot komplettieren das ansässige Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit dem Förderschwerpunkt Lernen (Heinrich-Harpprecht-Schule) sowie eine Volkshochschule. Darüber hinaus gibt es zwölf Kindergärten sowie eine Stadtbücherei mit öffentlichem Internetzugang.
Sporteinrichtungen In Holzgerlingen gibt es unter anderem ein Stadion, vier Sporthallen, ein beheiztes Waldfreibad, Tennisplätze und Tennishalle, Reitgelände mit mehreren Hallen, einen Golfplatz (öffentlich und Club) und den Schützenbühl mit einer Moto-Cross-Rennstrecke. Auf dieser finden alljährlich im September die ADAC MX Masters statt. mini|ADAC MX Masters 2019
Vereine Sportvereinigung Holzgerlingen