Schönaich ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg, die zum Landkreis Böblingen gehört.

Geografie

Lage Schönaich liegt auf der Schönbuchlichtung, rund drei Kilometer südöstlich von Böblingen sowie etwa 20 km südwestlich der Landeshauptstadt Stuttgart. Schönaich bietet einiges an Grünfläche, so werden rund 42 % landwirtschaftlich genutzt (Äcker und Obstwiesen) und 38 % sind Wald.

Gliederung Zu Schönaich gehören das Dorf Schönaich, das Gehöft Roter Berg und die Häuser Happach, Kirchklinge, Pfefferburg, Rauhmühle, Speidelsmühle, Sulzbach und Wolfenmühle sowie die abgegangene Ortschaft Weihdorf.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 120–121.

Schutzgebiete

In Holzgerlingen liegen die Landschaftsschutzgebiete Glemswald, Hangflächen um die Pfefferburg, Hochberg, Ghägnet östlich dem Waldteil Häselhau mit Umgebung und Waldwiesen im Gewand Weihdorf. Die Gemeinde hat zudem Anteil am FFH-Gebiet Glemswald und Stuttgarter Bucht.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte mini|Schönaich 1681, Forstlagerbuch von Andreas Kieser 13. bis 19. Jahrhundert Schönaich wurde erstmals 1274 urkundlich erwähnt. Im 13. Jahrhundert kam der ursprünglich den Pfalzgrafen von Tübingen gehörende Ort an die Herzöge von Urslingen. Diese verkauften Schönaich 1363 an Graf Eberhard II. von Württemberg. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf weitestgehend entvölkert. Die Leibeigenschaft wurde 1817 aufgehoben.

Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg zu Beginn des 19. Jahrhunderts blieb Schönaich dem angestammten Oberamt Böblingen zugeordnet.

1850 hatte Schönaich 2100 evangelische und 15 katholische Einwohner, die in 309 Haupt- und 60 Nebengebäuden lebten und arbeiteten.

20. Jahrhundert Die 1922 eröffnete Bahnlinie nach Böblingen-Zimmerschlag mit Anschluss an die Schönbuchbahn wurde bereits 1954 wieder stillgelegt.

Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Schönaich 1938 zum Landkreis Böblingen. 1945 wurde der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Ort etwa 1500 Heimatvertriebene auf.

Am 12. September 1982 kollidierte beim Eisenbahnunfall von Pfäffikon ZH in der Schweiz ein Reisebus mit einem Regionalzug, wodurch 39 Mitglieder des TSV Schönaich getötet wurden.

Bevölkerung

Religionen 1534 wurde in Schönaich die Reformation eingeführt. Seither war der Ort evangelisch geprägt. Der Zuzug von Heimatvertriebenen aus dem deutschen Osten führte nach dem Zweiten Weltkrieg zur Gründung einer römisch-katholischen Kirchengemeinde.

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (*) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Alle Zahlen ab 1871 stammen vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg.Statistisches Landesamt B-W. Jahr Einwohner 1630 931 1640 50 1655 369 1704 693 1850 2115 1. Dezember 1871 * 1907 1. Dezember 1880 * 1970 Jahr Einwohner 1. Dezember 1890 * 1959 1. Dezember 1900 * 2051 1. Dezember 1910 * 2359 16. Juni 1925 * 2395 16. Juni 1933 * 2641 17. Mai 1939 * 2920 13. September 1950 * 4254 Jahr Einwohner 6. Juni 1961 * 5923 27. Mai 1970 * 8.243 31. Dezember 1975 8.800 31. Dezember 1980 9.398 27. Mai 1987 * 9.229 31. Dezember 1990 9.706 31. Dezember 1995 9.954 Jahr Einwohner 31. Dezember 2000 10.061 31. Dezember 2005 9.993 31. Dezember 2010 9.679 31. Dezember 2015 10.083 31. Dezember 2020 10.795

Politik Gemeinderat

Der Gemeinderat in Schönaich besteht aus den 18 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und der Bürgermeisterin als Vorsitzende. Die Bürgermeisterin ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 CDU/FWV Christlich Demokratische Union Deutschlands /Freie Wählervereinigung 40,29 7 40,8 7 Grüne Bündnis 90/Die Grünen 20,60 4 26,5 5 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 19,55 4 23,0 4 FDP/UWG Freie Demokratische Partei / Unabhängige Wählergemeinschaft 7,67 1 9,6 2 AfD Alternative für Deutschland 11,89 2 – – Gesamt 100 18 100 18 Wahlbeteiligung 65,29 % 62,0 %

Bürgermeister Im Zuge der turnusgemäßen Bürgermeisterwahl im Oktober 2015 wurde der bisherige Amtsinhaber Tobias Heizmann mit 92 Prozent der abgegebene Stimmen im Amt bestätigt. Bedingt durch den Wechsel Heizmanns durch seine Berufung als Erster Bürgermeister nach Böblingen, wurde in Schönaich eine vorzeitige Neuwahl erforderlich.Bürgermeisterwahl in Schönaich Vorzeitiger Abschied. In: Stuttgarter Nachrichten. 27. Oktober 2017 (stuttgarter-nachrichten.de). Diese wurde im November 2017 durchgeführt. Daniel Schamburek wurde mit 54,4 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt.

Nach anhaltenden Spannungen zwischen ihm und dem Gemeinderat gab Daniel Schamburek am 12. Januar 2021 seinen Rücktritt als Bürgermeister bekannt.

Am 16. Mai 2021 wurde Anna Walther (SPD) mit einer Mehrheit von 59,88 Prozent zur neuen Bürgermeisterin gewählt.

Wappen

Partnerschaften Partnergemeinden von Schönaich sind seit 1990 Hartmannsdorf in Sachsen seit 2000 Rocquencourt bei Paris (Frankreich), seit 2019: Le Chesnay-Rocquencourt seit 2019 Mirabella Imbaccari auf Sizilien, Italien seit 2022 Pfäffikon ZH, Kanton Zürich, Schweiz

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen Im „Alten Rathaus“ ist heute das Heimatmuseum untergebracht.

Naturdenkmale Im Gebiet der Gemeinde gibt es 15 flächenhafte Naturdenkmale und 4 Einzelgebilde-Naturdenkmale. Zwei bemerkenswerte alte Baumveteranen stehen direkt im Ort: die Linde am Steinbaß an der Straße nach Steinenbronn und „Das Eichele“ eine 350 Jahre alte, dicke Stieleiche an der Ecke Böblinger Straße/Holzgerlinger Straße.das ‚Eichele‘ in Schönaich im Baumregister, bei baumkunde.de

Bauwerke Luftschutzstollen Aufgrund der Fliegerangriffe während des Zweiten Weltkrieges in und um Schönaich erwog man den Bau von Luftschutzstollen. So wurden einige Monate vor Kriegsende unterhalb der heutigen Bühläckersiedlung Luftschutzstollen im Stubensandsteinfels für die Zivilbevölkerung angelegt.

Das geschah vorwiegend in Privatinitiative. Holz gab es dazu offiziell nicht, denn laut dem Kreisbaumeister vom Landratsamt Böblingen hieß es: „Bei der außerordentlich starken Materialknappheit können Luftschutz-Stollenbauten nur noch in ganz besonders stark bedrohten Gemeinden durchgeführt werden. Die Gemeinde Schönaich kann nicht darunter gezählt werden. Sollte aber der Stollen ganz in massiven Fels erstellt werden, sodass weder Holz noch Zement zum Ausbau des Stollens benötigt wird, dann hätte ich nach den vorgelegten Plänen gegen den Bau des Stollens nichts einzuwenden.“

Wirtschaft Ansässige Unternehmen

Faulhaber stellt kleinste Elektromotoren, Getriebe und Steuerungen her. Das Unternehmen wurde 1947 gegründet, hat seinen Hauptsitz in Schönaich und beschäftigt dort rund 700 Mitarbeiter. Synapticon ist ein Technologieunternehmen, das sich auf den Übergangsbereich zwischen anspruchsvoller Software und Elektromechanik konzentriert. Das Unternehmen bietet ein umfassendes Portfolio an Motion-Control-Technologie für Roboter- und Automatisierungs-OEMs und beschäftigt dort rund 75 Mitarbeiter.

Bildungseinrichtungen Mit der Haupt- und Realschule und der Grund- und Förderschule, beide nach Johann Bruecker benannt, verfügt Schönaich über zwei Schulen.

Verkehr Schönaich war zwischen 1922 und 1959 durch die Bahnstrecke Schönaicher First–Schönaich an das Eisenbahnnetz angebunden. Seither übernehmen Im Personenverkehr Regionalbusse diese Aufgabe.

Persönlichkeiten Ehrenbürger Johann Bruecker (1881–1965), Fabrikant, stellte elektrische Rasierapparate in den USA her und stiftete mehrere Häuser für sozial schwache Familien Wilhelm Griasch, evangelischer Pfarrer

Söhne und Töchter der Gemeinde Immanuel Gottlieb Kolb (1784–1859), württembergischer Pädagoge und Pietist Bernhard Rebmann (1942–2026), Maler, Grafiker und Designer Heidi-Elke Gaugel (* 1959), Leichtathletin, Bronzemedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles mit der 4-mal-400-Meter-Staffel. Dorothee Meister (* 1960), Erziehungswissenschaftlerin, Professorin für Medienpädagogik und empirische Medienforschung an der Universität Paderborn Viola Shafik (* 1961), Filmtheoretikerin, Kuratorin und Filmemacherin

Literatur

Walter Jehle: Schönaicher Ortsgeschichte. Schönaich 2003, ISBN 3-00-012704-6.

Weblinks

Ortsfamilienbuch Schoenaich Schönaich bei leo-bw, dem landeskundlichen Informationssystem Baden-Württemberg

Einzelnachweise

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